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Strache: "Söhne sollten aus Hotel Mama ausziehen"

06.10.2012 | 17:51 |  THOMAS PRIOR UND ULRIKE WEISER (Die Presse)

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hält es mit der Wehrpflicht wie Gabi Burgstaller. Mit Neo-Politiker Frank Stronach kann er sich eine Zusammenarbeit vorstellen – bis hin zu einer Koalition. Ein "Presse"-Interview.

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Es ist ein bisschen ruhig um Sie geworden. Haben Sie sich zurückgezogen, um mit Ihren Strategen zu beraten, wie Sie den rasanten Abwärtstrend der FPÖ stoppen können?

Heinz-Christian Strache: Ich finde diese unwahren Behauptungen lustig. Denn ich erlebe einen Zuspruch wie nie zuvor: Auf Facebook zum Beispiel. Oder auf den Volksfesten, die ich besuche.

 

Das sind doch subjektive Empfindungen. Einer Hajek-Umfrage zufolge ist die FPÖ erstmals seit Langem unter 20 Prozent gefallen. Das muss Ihnen doch Sorgen bereiten.

Es gibt unveröffentlichte Umfragen, die uns bei 23 bis 25 Prozent sehen – im Windschatten der SPÖ, die bei 25 bis 27 Prozent liegt, und weit vor der ÖVP. Die Realität ist etwas anderes, als die manipulative öffentliche Darstellung.

 

Man könnte auch sagen: Sie betreiben Realitätsverweigerung.

Politisch punzierte Umfrageinstitute machen uns bewusst schlecht. Man hofft, dass Frank Stronach der FPÖ ein paar Prozentpunkte wegnehmen kann, damit wir nicht stärkste Kraft werden.

 

In dem Punkt sind sich alle Umfragen einig: Stronach wird vor allem der FPÖ schaden. Nehmen Sie Stronach eigentlich ernst?

Ich nehme jeden Mitbewerber ernst. Und ich bin froh, dass es jemanden gibt, der unsere Kritik an der europäischen Fehlentwicklung unterstützt. Nur darf man bei aller Wertschätzung für Stronachs unternehmerische Leistung eines nicht vergessen: Mit seinen 80 Jahren – gut, dass er rüstig ist – wird er wohl nicht die Zukunft bestimmen.

 

Ist Stronachs Alter das stärkste Argument der FPÖ gegen ihn?

H.-C. Strache wird jedenfalls die nächsten 20 Jahre in der Politik bestimmen, während andere längst in Pension sind.

 

Stronach sagt von sich, er sei kein Politiker. Ist Politiker ein Schimpfwort?

Nicht per se. Aber so, wie die Politiker des Systems den Job leben – ja.

 

Das heißt, Sie streiten jetzt mit Stronach, wer der wahre Nichtpolitiker ist.

Ich nenne mich Volksvertreter. Ich lächle nicht nur aus dem Fersehkastl, ich bin dort, wo man Menschen trifft.

Sie haben mit Stronach viele Programmpunkte gemeinsam...

Sieht so aus, als würde er von uns abschreiben.

 

Ein Unterschied ist vielleicht: Frank Stronach ist für Studiengebühren. Sie haben damals geholfen, sie abzuschaffen.

Ja, weil die Qualität bei den Universitäten nicht sichergestellt werden konnte. Wenn die Menschen nicht mehr in überfüllten Hörsälen sitzen, sind wir aber sehr wohl für Studienbeiträge.

Sie sagen immer, die FPÖ will die Nationalratswahl gewinnen. Können Sie sich, rein theoretisch, eine Nichtpolitikerkoalition mit Stronach vorstellen? Auch wenn sich das ziemlich sicher nicht ausgehen wird.

Grundsätzlich kann ich mir mit jedem vernunftbegabten Mitbewerber eine Zusammenarbeit vorstellen, wenn er bereit ist, unsere Inhalte zu unterstützen. Ich lade Stronach auch ein, in den nächsten Wochen unsere Petition gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu unterschreiben.

 

Die FPÖ wollte über die Kärntner Regierung eine Verfassungsklage gegen den ESM einbringen. Das Gesetz ist seit einer Woche kundgemacht. Was wurde aus der Klage?

Wir sind in der Endphase und werden sie in den nächsten Tagen präsentieren.

 

Sie reden seit Monaten davon. Warum dauert das denn so lange?

Weil es sich um eine heikle Materie handelt. Wir wollen den Verfassungsgerichtshof so unter Druck setzen, dass er die Klage nicht einfach abkanzeln kann.

War diese Klage nicht eine Ausrede, um die Neuwahl in Kärnten hinauszuzögern?

Das war keine Ausrede. Die Klage war ein Aspekt von vielen. Aber es wird Anfang März einen Wahltermin geben.

 

Landesvize Kurt Scheuch muss sich jetzt vor Gericht verantworten, weil er jenen Richter, der seinen Bruder Uwe verurteilt hat, „Kröte“ genannt hat. Schön langsam gibt es in Kärnten kein freiheitliches Regierungsmitglied mehr, gegen das nicht ermittelt wird.

Schön langsam wird es wirklich durchsichtig: Man will uns kriminalisieren.

 

Finden Sie es in Ordnung, wenn man einen Richter „Kröte“ nennt?

Meine Diktion wäre das nicht. Aber ich verstehe, wenn man aus einem Ärger heraus einen deftigeren Begriff verwendet. Politiker haben auch Gefühle. Wobei ihm die Aussage unterstellt wird. Verfahren wegen Morddrohungen gegen mich werden von der Staatsanwaltschaft immer eingestellt. Aber wenn jemand einen belustigenden Ausdruck zum Besten gibt, wird er angeklagt.

 

Glauben Sie, dass die FPÖ von der Justiz bewusst schlechter behandelt wird?

Wir wissen, dass die Justiz nicht mit unabhängigen Menschen besetzt ist.

 

Wie würden Sie das denn ändern, wenn Sie in der Regierung wären?

Man kann aus Lebensläufen ermessen, ob Menschen in aktiven Positionen bei Parteien waren.

Bleiben wir bei der nahen Zukunft: Am 20. Jänner wird übers Bundesheer abgestimmt. Die FPÖ ist für die Wehrpflicht, werden Sie also quasi der ÖVP Ihre Stimme geben?

Ich werde für die Wehrpflicht stimmen, denn nur die stellt den Zivildienst und den Katastrophenschutz sicher. Ich bin da ein Anhänger Bruno Kreiskys: Nie wieder Berufsheer. Unser Heer gehört zwar reformiert, aber es hat auch gute Grundlagen. Und ich finde: Sechs Monate kann man einmal im Leben der Gemeinschaft zur Verfügung stellen.

 

Sie klingen wie die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, die meint: „Ein paar Monate Zivildienst oder Bundesheer tun den jungen Männern sicher gut.“ Hat sie recht?

Die Wehrpflicht schadet jungen Männern sicher nicht. Eine Mutter muss sich nicht fürchten: Die Söhne sollten einmal aus dem Hotel Mama ausziehen und im Rahmen des Bundesheeres oder Zivildienstes mit verschiedenen sozialen Schichten zusammenkommen und Lebenserfahrungen sammeln. Das Heer hat einen integrativen Charakter.

Jetzt klingen Sie wie ÖVP-Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz.

Wir hören ja ständig den Unsinn der linken Alt-68er, die sagen: Das ist alles Zwang. Mit der gleichen Argumentation könnte ich sagen: Schule ist ein Zwang – stellen wir sie auf eine freiwillige Basis, denn das macht den Kindern dann mehr Spaß. Wenn keiner mehr etwas für die Gesellschaft leisten will, schaffen wir die Gesellschaft ab.

Wenn die Wehrpflicht pädagogisch so wichtig ist, soll die dann auch für Frauen gelten?

Nein, zumindest so lange nicht, solange keine Gleichberechtigung etwa bei den Löhnen herrscht.


Interessant, dass ausgerechnet Sie die Gleichberechtigung ansprechen. In der FPÖ sind Frauen klar unterrepräsentiert.

Wir haben eben ein demokratisches Prinzip: Wer gewählt wird, wird gewählt. Und wer sich für eine Position in der Partei meldet, der meldet sich. Wir sind gegen Quotenzwang.

Hat die FPÖ denn genug Frauen?

Wir arbeiten daran, den Anteil zu erhöhen. Und wir haben junge Frauen, die sich demokratisch durchsetzen werden.

 

Apropos: Wem drücken Sie im US-Wahlkampf die Daumen? Obama oder Romney?

Es ist egal, wer gewinnt, denn beide bedienen die Lobbyisten. An Obama schätze ich, dass er die Rolle des Weltpolizisten USA zurücknimmt und soziale Fehlentwicklungen korrigiert. Romney wiederum steht für Werte und Patriotismus, da lässt sich vielleicht eine Parallele zur FPÖ ziehen. Ich wüsste aber nicht, wen ich wählen sollte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2012)

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252 Kommentare
 
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Gast: gast55
11.10.2012 13:20
1 0

aha

Die Wehrpflicht schadet jungen Männern sicher nicht. Eine Mutter muss sich nicht fürchten

ob das die 3 wehrpflichtigen auch sagen würden, wenn sie noch leben würden und nicht anfang der 90er jahre während meiner 8 monate beim heer bei der ausübung des wachdienstes mit dem umgang einer schusswaffe ums leben gekommen wären??

in unserer Kaserne ist einer durch einen kopfschuss ums leben gekommen, da ist das geladene stg77 umgefallen
einen hat es in burgenlandeinsatz erwischt
und einen hat es in ober- oder niederösterreich erwischt, da glaubte man an einen streifschuss, dabei war aber die milz veletzt, er ist vor ort verblutet

wären sie nicht beim BH gewesen und nicht mit schusswaffen in berührung gekommen, so könnten diese 3 heute noch leben

Strache: "Söhne sollten aus Hotel Mama ausziehen

Wann erzählt er das seinem slowenischen Finanzlandesrat Dobernig?

Gast: Blankenstein Husar
09.10.2012 07:44
1 1

Einverstanden.

Aber noch besser wäre es, wenn die Roten Socken endlich aus dem Parlament ausziehen,

allen voran Werner Faymann und Norbert Darabos.....

Antworten Gast: Presseleser
10.10.2012 09:21
2 0

Re: Einverstanden.

Sie haben zwar recht, daß man in Ö praktisch nicht zwischen Legislative und Exekutive unterscheiden kann, aber F & D sind offiziell nicht im Parlament, sondern in der Regierung.

Gast: muraene
08.10.2012 14:05
0 2

Re: gast55

Wurden gleiche mit gleichen Berufen verglichen?
Was für eine Frage. Selbstverständlich.






0 0

Re: Re: gast55

du hast noch nie so eine statistik gelesen stimmts

guckst du hier
http://www.statistik.at/web_de/presse/060073

da wird nicht mal nach berufsgruppen unterschieden und schon gar nicht nach den selben berufen

unterteilung
angestellte, arbeiter, beamte, vertragsbedienstete

Gast: Na ja
08.10.2012 11:46
1 3

Überfordert

Ist der Mann überfordert!

2 Beispiele:

In Feminismusfragen glaubt er wirklich noch die Äpfel mit Birnen Gehaltsvergleiche der Frauenlobby, die arbeitsloses Einkommen der Frauen auf Kosten der Männer erzielen möchte und die Männer gegen Frauen aufhetzt. Es wäre höchste Zeit das Nachplapplern dieser Gehirnwäscheunwahrheiten zu beenden und echte Gleichstellungspolitik zu betreiben.

Obama hat die Rolle der Weltpolizei aufgegeben? Unter ihm töten die USA mehr Menschen mit Drohnen als unter G. Bush!

Gast: Meinninger
08.10.2012 06:13
2 3

konfus,..

selten soviel Konfusion bei so wenigen Antworten von Strache gelesen,.. der Mann hat echt ein Problem,..
er würde nicht einmal jemand wählen, dessen Inhalte Parallelen zur FPÖ aufzeigt?? na, dann ist ja wohl alles klar.

Stronach zeigt Wirkung, kann man da nur sagen,..

Gast: dodelahoi!
07.10.2012 21:05
3 2

H.C. Strache spricht über sich als H.C. Strache

aber hc strache meint, hc strache sei keine kunstfigur. hc strache ist nämlich der hc strache unter den hc straches und kann nur von hc strache übertroffen werden. weil alle welt hört auf kickls - pardon - hc straches ergüsse, weil hc strache hat recht, weil hc strache es vorher schon gesagt hat. so ist er unser hc... einfach ehrlich, einfach kärnten, einfach hypo, einfach nlp meister hc bumsti.

Gast: Nährer L
07.10.2012 20:03
8 11

HC ist ein Held

Intelligent, vernünftig und zielstrebend, verdeitigt er, trotz infamen Anwürfen, die soziale Heimatpartei und wird sie, wenn die Wähler endlich gescheiter werden, zum Erfolg führen!

Bitte,

das nächste mal die "ironic"-Tags nicht vergessen, sonst könnten manche Ihre Aussage ernst nehmen...

Man könnte meinen, ...

... Sie haben das bei Stalin abgeschrieben.

13 11

Solange eine Partei keine Mikl-Leitner, Vassiwaskuh und eine Frauenberger hat, ist sie absolut wählbar!

Die Innenministerin ist sogar dann nicht zu überbieten, wenn wir alle "Ausrutscher" der Freiheitlichen addieren würden!

Ich sag nur Stichwort Wahlrecht für Kinder!!

Solange eine Partei keine Mikl-Leitner, Vassiwaskuh und eine Frauenberger hat, ist sie absolut wählbar!

Die Innenministerin ist sogar dann nicht zu überbieten, wenn wir alle "Ausrutscher" der Freiheitlichen addieren würden!

Ich sag nur Stichwort Wahlrecht für Kinder!!


Re: Strache ...

Wenn ein SPÖ-Europaabgeordneter das sagt, muss es ja stimmen...

Re: Re: Strache ...

Nachdem Strache alles in den Medien breit tritt, kann man die Aussagen und damit auch seine Widersprüche sehr schön nachvollziehen und ihm unter die Nase reiben.

Wer versucht sich zwar immer brav raus zu lavieren, aber so Recht gelingt ihm das in den letzten Jahre nicht mehr.

Der Strache

Ein roter im blauen Gewand...

Antworten Gast: blaurot
08.10.2012 00:14
1 0

Re: Der Strache

Sie haben es erfasst!

Gast: Moderndenkender
07.10.2012 18:41
13 2

Wehrpflicht

Also wenn man die Wehrpflicht auf Frauen ausdehnen wuerde, dann koennte ich mich wirklich mit deren Beibehaltung anfreunden.

ES GIBT KEINEN GRUND, WARUM FRAUEN KEINEN DIENST AM STAAT LEISTEN SOLLEN.

Und auf Fekter's NoGo geb ich einen Furz. Ich sag da nur NoGo zur Volkspartei bei den NR 2013.

1 0

Re: Wehrpflicht

Ich könnte die Wehrpflicht als Zwangsdienst in keinem Fall gutheißen. Aber Sie haben Recht, wenn es schon sein muss, dann für beide Geschlechter!

Antworten Antworten Gast: Moderndenkender
08.10.2012 10:48
1 0

Re: Re: Wehrpflicht

Waere jetzt schon klar, dass eine refomierte Wehrpflicht auf Frauen umfassen wird, dann haetten wir wohl eine eindeutige Mehrheit fuer ein Berufsheer. Da waeren wir sicher bei mindestens 60% pro Berufsheer.

An sich bin ich gegen Zwangsbeglueckung. Aber wenn schon, dann soll dieser Schwachsinn fuer alle gelten.

Antworten Gast: wollmilchsau
07.10.2012 21:52
1 0

Re: Wehrpflicht

Stimmt. Aber dann bitte nur die, die keine Kinder kriegen wollen. 9 Monate Schwangerschaft und die Geburt stellen die lächerliche Feldwoche sowas von in den Schatten. Kein stolz fahnegrüßendes Milchbubi würde das durchstehen.
Und wenn das Austragen und Gebären eines zukünftigen Steuerzahlers kein Dienst am Staat ist, weiss ich auch nicht.

Antworten Antworten Gast: Moderndenkender
08.10.2012 14:50
1 0

Re: Re: Wehrpflicht

Nein, sehe ich nicht so. Frauen sind auch biologisch anders gebaut, um Kinder gebaeren zu koennen. Da findet man schon Loesungen, damit auch Frauen mit Kindern ihren Dienst leisten.

Re: Wehrpflicht

Ich sehe das auch so. Es gibt neben dem Heer ja auch den Zivildienst, der in jedem Fall auch für Frauen zumutbar ist.

Einerseits Gleichberechtigung, bei der Wehrpflicht aber dann doch lieber nicht? Sehe ich nicht ein.

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Ausziehen?

Mit dem Ausziehen hat die Schwesterpartei FPK ja viel Erfahrung gesammelt. Kommt daher jetzt die HC-Offensive? Und will er dann die alleingebliebenen Mamas beglücken (natürlich nur im Wahlkampf?). Vielleicht geht sich dann doch noch eine ordentliche Geburtenrate aus.

 
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