Strahlemänner sehen anders aus. Herbert Tumpel (64) hat in den vergangenen 15 Jahren zwar vielfach aus Broschüren und Gazetten der Arbeiterkammer (AK) geblickt. Aber der in sich gekehrte Langzeit-AK-Präsident wirkte gerade im Medienzeitalter statisch. Es gab aber vor allem einen Grund, warum er in der Öffentlichkeit ganz dem Bild vom typischen Apparatschik entsprach: weil der Arbeiterkammer-Präsident aus einer „geschützten Werkstätte“, dem ÖGB, kam. Denn beim Gewerkschaftsbund hatte er gleich zu Beginn seiner Berufslaufbahn im Jahr 1973 hauptamtlich angeheuert.
Tumpel ist als „Studierter“ nicht der Paradetyp eines erdigen Arbeitnehmerbosses. Der Sohn eines Schriftsetzers aus Wien kam vom Studium der Nationalökonomie an der Universität Wien zum Gewerkschaftsbund, wo er bis zum Leitenden Sekretär aufstieg.
Service ausgebaut. Als Arbeiterkammerpräsident trat er 1997 einen schwierigen Job an. Die Pflichtvertretung der Arbeitnehmer steckte in dieser Zeit nach den Gagenexzessen des steirischen Chefs Alois Rechberger noch immer in einer Existenzkrise, seine Vorgängerin Lore Hostasch hatte vor ihrem Wechsel ins Sozialministerium erst Reformen in der AK eingeleitet. Gerade unter dem unspektakulären Tumpel sicherte sich die Arbeiterkammer mit dem Ausbau der Serviceeinrichtungen den Platz als Sozialpartner. In der Öffentlichkeit wurde die Arbeiterkammer dennoch von der zweiten – freiwilligen – Arbeitnehmervertretung, dem ÖGB, überschattet.
Daneben ist die AK für die SPÖ-Ministerien verlässliches Reservoir für Personalnachschub. Umgekehrt wurde der AK unter Tumpel angekreidet, dass sie zu sehr im roten Fahrwasser steuert. Angreifbar machte sich Tumpel mit dem auf FPÖ-Linie liegenden Nein zur EU-Ostöffnung des Arbeitsmarkts. Politisch am meisten angeschlagen war Tumpel aber wegen seiner Funktion als Bawag-Aufsichtsratschef von 1987 bis 1997, als Jahre später die verlust- und risikoreichen Karibik-Geschäfte aufflogen. ett APA
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2012)
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