[KREMS/EISENSTADT] Damit hatte kaum jemand gerechnet: Die ÖVP ist erstmals seit fünf Jahrzehnten nicht mehr stärkste Kraft in Krems. Bei der Gemeinderatswahl am Sonntag rutschte sie von 46 auf 36 Prozent ab. Die SPÖ mit Spitzenkandidat Reinhard Resch legte hingegen leicht auf fast 38 Prozent zu und ist nun stärkste Partei mit weiterhin 16 Mandaten gegenüber 15 (minus 5) Mandaten der ÖVP. ÖVP-Bürgermeisterin Inge Rinke zog noch am Abend Konsequenzen: „Wir haben uns in den letzten Jahren zu einem klaren Sparkurs bekannt, der jedoch von den anderen nicht unterstützt wurde. Ich übernehme für dieses Ergebnis die Verantwortung und biete meinen Rücktritt an." Das Angebot wurde auch angenommen: Der bisherige Vize Wolfgang Derler soll "das volle Mandat für die künftigen Entscheidungen in Partei und Gemeinderatsfraktion übernehmen".
"Unglaublich gelöst und entspannt" zeigte sich Resch in der Nacht auf Montag. Das Ergebnis sei "ein Zeichen für Erneuerung in Richtung neue politische Kultur!!", postete der SP-Politiker auf seiner Facebook-Seite
In der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt bleibt hingegen (fast) alles beim Alten: Die ÖVP verlor zwar zwei Mandate, verteidigte aber die absolute Mehrheit. Bürgermeister Thomas Steiner, seit Dezember 2011 im Amt, wurde mit 53,5 Prozent bestätigt. SPÖ und Grüne legten im Gemeinderat je ein Mandat zu.
In Neusiedl am See büßte die ÖVP ihre absolute Mehrheit ein (von 53,6 auf 45,5 Prozent) - Kurt Lentsch bleibt allerdings Bürgermeister (52 Prozent). In Mattersburg behält die SPÖ ihre absolute Mehrheit (von 54,2 auf 51,2 Prozent), Stadtchefin Ingrid Salamon gewann auch die Direktwahl klar (54,9).
--> Gesamtergebnis im Burgenland
Ein überraschendes Ergebnis meldete eine andere Bezirkshauptstadt: In Güssing wanderte das Bürgermeisteramt von der ÖVP zur SPÖ. Vinzenz Knor setzte sich mit 58,6 Prozent gegen den ÖVP-Kandidaten Joachim Wolf durch. Der langjährige Stadtchef Peter Vadasz (ÖVP) war nicht mehr zur Wahl angetreten.
Einige Kilometer weiter nördlich, in Oberwart, muss Bürgermeister Gerhard Pongracz (SPÖ) am 4. November in die Stichwahl gegen seinen Herausforderer von der ÖVP, Georg Rosner.
Einigermaßen gespannt wartete das Burgenland auf das Ergebnis von Marz (Bezirk Mattersburg). Dort hatte der SPÖ-Spitzenkandidat den Wahlvorschlag erst nach Fristende eingebracht, weshalb die SPÖ nicht zur Wahl antreten durfte. Dementsprechend eindeutig fiel das Votum für die ÖVP (87,6 Prozent) aus. Die FPÖ (12,4 Prozent) holte zwei Mandate und ist insofern glücklich, als sie gar nicht mehr Kandidaten nominiert hatte.
Rauter schafft es in die Stichwahl
In Großhöflein (Bezirk Eisenstadt) schaffte es der ehemalige FPÖ-Landesparteichef Wolfgang Rauter, heute Mastermind der Liste Burgenland (LBL), in die Bürgermeister-Stichwahl. 42,9 Prozent der Großhöfleiner gaben Rauter ihre Stimme, auf Amtsinhaber Oswald Kucher (SPÖ) entfielen nur 29,4 Prozent. Auch im Gemeinderat ist die LBL jetzt stärkste Fraktion.
Im Burgenland wählten alle 171 Kommunen (knapp 260.000 Wahlberechtigte) ihre Vertretungen und - direkt - ihre Bürgermeister. SPÖ und ÖVP mussten insgesamt leichte Verluste hinnehmen, Zugewinne gab es für FPÖ und Grüne. In Niederösterreich wählte nur die Statutarstadt Krems.
Das vorläufige Wahlergebnis im Vergleich zu 2007 nach Mandaten: SPÖ 16 (16), ÖVP 15 (20), FPÖ 3 (2), Kommunisten und Linkssozialisten 2 (1), G 2 (1), Liste Unabhängiger Bürger 2 (n.k.).
(APA)

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