Die Presse: Herr Botschafter, Sie haben sehr heftig auf Landesrat Harald Dobernig reagiert, der Kärntner Slowenen absprach, echte Kärntner zu sein.
Aleksander Geržina: Ich habe mit Kärntens Landeshauptmann Dörfler sehr viel Energie in die Lösung der Ortstafelfrage gesteckt. Mein Ziel war es, das Klima in Kärnten zu verbessern. Ich habe in den dreieinhalb Jahren als Botschafter in Wien nie auf antislowenische Äußerungen aus Kärnten reagiert. Ich weiß, wie sensibel das Thema ist, und wollte nie Öl ins Feuer gießen. Aber diesmal hat Dobernig das Fass zum Überlaufen gebracht. Ein Repräsentant der Landesregierung hat gegen die slowenische Minderheit agitiert. Ich habe darauf als Diplomat und Mensch reagiert, weil ich tief verletzt war.
Sie haben die FPK mit faschistischen Massenbewegungen der 30er verglichen. War das nicht übertrieben?
Ich habe dazu alles gesagt. Ich möchte mich zu diesem Vergleich nicht näher äußern.
Dobernig sagt, er sei missverstanden worden. Können Sie das nachvollziehen?
Nein. Ich glaube nicht, dass irgendjemand Dobernig missverstanden hat.
Welche Motivation vermuten Sie hinter der Rede?
Wahrscheinlich wollte Dobernig aus wahltaktischen Gründen ein altes Thema wieder aufkochen. Es macht mich fassungslos, auf welchem Niveau er das getan hat.
Was hat Sie dabei persönlich verletzt?
Der ganze Ton, die Hetze sind für einen Slowenen sehr verletzend. Diese Rede beinhaltet einen Aufruf gegen eine Minderheit. Solche minderheitenfeindlichen Töne sind 2012 nirgendwo sonst in Europa zu hören.
Sie meinen, dass einzigartig schlecht umgegangen wird mit den Slowenen in Kärnten?
Es wird nicht schlecht umgegangen mit Slowenen in Kärnten. Aber diese Äußerungen von einem Mitglied der Kärntner Landesregierung lassen auf nichts Gutes hoffen.
Fordern Sie den Rücktritt Dobernigs?
Es steht mir nicht zu, das zu fordern. Wir haben die Entschuldigung des Landeshauptmanns entgegengenommen. Ich bin auch froh, dass Österreichs Bundesregierung deutliche Worte gefunden hat. Für uns ist die Sache damit erledigt, auch wenn klar ist, dass sich Dobernig nicht entschuldigen wird. Es gibt viel wichtigere Dinge zu tun, in Slowenien und auch für die Beziehungen zwischen Österreich und Slowenien.
Kärntens Landeshauptmann Dörfler hat bei den 10.-Oktober-Feiern in Klagenfurt von Slowenien gefordert, die Rechte der deutschsprachigen Volksgruppe anzuerkennen. Ist Slowenien auf einem Auge blind?
Diese Fragen lassen sich nicht vergleichen. Aber wir sprechen darüber, zuletzt auch beim Treffen am Dienstag die Außenminister Sloweniens und Österreichs in Maribor.
Aleksander Geržina (geb. 19. Juli 1966 in Maribor) ist seit Juni 2009 slowenischer Botschafter in Wien. Davor war er an der ständigen Vertretung in Brüssel tätig. Er studierte Geschichte in Wien und London. [APA]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2012)
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