19.05.2013 11:19 Merkliste 0

Wie sich zwei Angeschlagene stützen müssen

14.10.2012 | 18:18 |  RAINER NOWAK (Die Presse)

Mit dem blamablen Wahlergebnis ist SPÖ-Chef Werner Faymann intern schwer beschädigt. Michael Spindelegger kann ihm ja sagen, wie das so ist. Und warum.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Einen gewissen Unterhaltungswert kann man Laura Rudas nicht absprechen. Als zentrale Ursache für das katastrophale Abstimmungsergebnis ihres Chefs und Mentors am Parteitag nannte sie das neue Parteientransparenzgesetz. Laut diesem müssen auch Parteivorfeldorganisationen ihre Spender und Spenden melden, das macht die Finanzierung dieser Vereine komplizierter und schwieriger. Da Faymann dafür mitverantwortlich sei, habe ihn die Basis abgestraft, so die Logik. Werner „Inserat“ Faymann als Opfer seiner Antikorruptionspolitik! Rudas wird beim Verbreiten dieser These – dieses Spins, wie das im Bundeskanzleramt heißt – dem Vernehmen nach nicht einmal rot. Und selbst, wenn diese Episode ein paar Stimmen gekostet haben mag, ist sie natürlich keineswegs die Ursache für die Ohrfeige.

Sondern die lautet schlicht und einfach Werner Faymann. Der Parteichef hat den Kardinalfehler begangen, den eine Partei zum Glück bestraft. Er hat seine gesamte Politik nur darauf ausgerichtet, keinen Fehler zu begehen, es sich intern und extern mit keinem zu verscherzen. Und sich möglichst wenig bis gar nicht inhaltlich festzulegen, regelmäßig auf Tauchstation zu gehen und sich voll auf die nächste Inszenierung in den Boulevardmedien zu konzentrieren. Doch das gelingt nicht lange. Wenn Faymann nun in den langen Wahlkampf zieht, hat er schlechte Karten. Profile und Kanten bekommt man nicht über Nacht, auch nicht mithilfe von Coachs und Pantomimeberatern.

Nach dem Desaster um den Nichtauftritt im U-Ausschuss und der Parteitagsschlappe kommen mit der Wehrpflichtabstimmung und den Landtagswahlen in Niederösterreich und Tirol drei potenzielle Niederlagen auf Faymann zu. Auch Kärnten ist keine sichere Bank für ihn. Inhaltlich hat er ebenfalls wenig Spielraum: Um nach links auszubrechen, wie er es am Parteitag angedeutet hat, fehlt Faymann schlicht die Glaubwürdigkeit. Denn die Umsetzung von Reichen- und Vermögensteuern durch Rot-Grün ist in weiter Ferne, in einer großen Koalition ist dies wegen des Widerstands der ÖVP (hoffentlich) nicht realisierbar, womit schon der einzige Vorteil dieser Regierungsform festgehalten wäre. Nein, Werner Faymann wird genauso weiterdilettieren wie bisher. Und nach der Wahl ist vielleicht die gemeinsame Mehrheit weg, dann kommt eben Eva Glawischnig dazu. Dann wäre das Trio der Chefs durch Autosuggestion perfekt.

Dabei hat er mit Michael Spindelegger einen ÖVP-Chef als Vizekanzler an seiner Seite, der zwar inhaltlich viel mehr zu sagen hat (oder besser: hätte) und nicht persönlich in einen Korruptionsskandal verwickelt ist – zumindest nicht nach heutigem Stand –, der aber genau das gleiche Problem hat. Spindelegger ist intern sehr angeschlagen. Sein gescheiterter Versuch, Maria Fekter und Karlheinz Kopf auszutauschen, hat gezeigt, dass ihm die Partei, beziehungsweise ein mächtiger Flügel, nicht mehr folgt. Im Gegenteil: Schon die Idee einer solchen Rochade hatte im August ausgereicht, dass mehr oder weniger offen mit einer Obmanndebatte oder einem -wechsel gedroht wurde. Zwischen den beiden wichtigsten ÖVP-Regierungsmitgliedern, dem Vizekanzler und der Finanzministerin, herrscht seither Eiszeit.

Damit hat Spindelegger das gleiche Problem wie Faymann: Der Wahlkampf wird sehr zäh für ihn. Und danach geht es genauso weiter. Die massive Unzufriedenheit an der jeweiligen Parteibasis wird der ständige Begleiter bleiben.


Die Alternative wäre, die Spitzenkandidaten auszutauschen, was in beiden Parteien nur hinter vorgehaltener Hand angedacht wird. Es würde auch nicht viel ändern. Mit Rudolf Hundstorfer und Reinhold Mitterlehner wäre die Sozialpartnerschaft nur erstmals offiziell zur Regierungsform erhoben. Und die „Krone“ wüsste nicht, wer von beiden der größere Liebling der Pensionisten ist. Die Alternative für beide Parteien wäre eine echte inhaltliche Kur und Reform in der Opposition, aber mangels Optionen für beide ist nicht einmal mehr das möglich. Somit sind Faymann und Spindelegger dazu verdammt, schwächelnd-lächelnd weiterzuregieren. Der verständliche Frust in den Parteien darüber entlädt sich immer wieder. Das schwächt die Parteichefs weiter. Eine schöne Spirale nach ganz unten.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

36 Kommentare
 
12

Blinde & Lahme tun sich zusammen!?

Staatspolitisch ganz schlecht!

1 0

Tango korrupti

Die SPÖ stellt die Kärntner ÖVP weit in den Schatten !!
Die Vorfeldorganisationen sind gegen das Parteientransparenzgesetz. Die ÖVP hatte einen Obmann, der sich der Korruption schuldig gemacht hat.
Aber wenn das stimmt, was die goldige Laura sagt, ist die GesamtSPÖ eine korrupte Partei !!
Auch Häupl ist da nicht ohne. Wer hat denn den Roten die Diskussion über die Wehrpflicht eingebrockt?
Trotzdem möchte ich keine Obmanndiskussion in der SPÖ. Solange in der ÖVP Spindelegger das Szepter sehr diskret hinter Prölls Rücken leicht bewegt, ist Faymann eine Garantie für ein einigermaßen stabiles Wahlergebnis im schwarzen Bereich.

Ö schwächelt zurzeit überall

Man braucht gar nicht zu jammern. Es gibt zu den schwachen Recken an der politischen Front keine sichtbare Alternative. Ö leidet an seinen grauen Eminenzen, die ihre Polit-Akteure zu Kasperln werden lassen...und weder Blau noch Team-Stronach ändern dieses Bild. Im Gegenteil, Ö schwächelt momentan überall! Mit Ausnahme, wenn einer vom Himmel fällt...!

Ähem

Bilde ich mir das nur ein, oder hat Laura Rudas mit diesem Sager ziemlich offen zugegeben, dass in der SPÖ bzw. ihren Vorfeldorganisationen das Parteientransparenzgesetz mit "komplizierten und schwierigen" Konstruktionen umgehen werden?

Gast: Gast: Leser
15.10.2012 12:18
2 0

Echte Parteichefs

Solange die tatsächlichen Parteichefs (nobel ausgedrückt: die grauen Eminenzen) in Wien (Häupl) bzw. in St. Pölten (Pröll) sitzen, wird sich ohnehin nichts ändern, egal, wer der jeweilige formelle Parteivorsitzende ist.

Gast: weissagung1
15.10.2012 11:05
2 1

Stärkung der Minderheitenrechte -


Vielleicht sollten die beiden Politdarsteller sinnvollerweise im eigenen Interesse die Minderheitenrechte eklatant stärken °!

kick in the balls

es heisst zwar immer etwas sarkastisch spövp...
das ist aber weit von der wahrheit...
weshalb sie also die verdienten faymann-prügel mit spindelegger vermischen hat wohl einen grund....sie wollen mit einem kick beide in die e..r treten
wozu?

2 1

Re: kick in the balls

Die ÖVP hält Faymann im Amt, ich denke, das ist Grund genug, auch dieser Partei Mitschuld zu geben. Besonders erbärmlich ist ja, dass die ÖVP noch treuer zu diesem Witz eines Politikers steht als die eigenen Genossen, von denen immerhin zwei Europa-Parlamentarier das Nichterscheinen vor dem U-Ausschuss offen kritisiert haben.

Kann natürlich auch sein, das das geniale Taktik ist, damit der Koalitionspartner mit einem beschädigten Spitzenkanditaten in den Wahlkampf geht, aber das ergibt schlicht keinen Sinn, denn so wie es derzeit aussieht muss diese Regierung ernsthaft um ihre Mehrheit zittern und da Spindelegger (also in Wirklichkeit Pröll) niemals etwas anderes als "grosse" Koalition in Erwägung ziehen wird, würde das nach der Wahl rot-grün-schwarz (und damit das Ende der ÖVP) bedeuten.

Re: Re: kick in the balls

faymann ist koalitionsüpartner bis 2013..
in der koalition sitzen und trotzdem opposition betreiben endet in knittelfeld...oder ähnlich.
wenn faymann abtreten soll, dann ist das sache der spö und nicht unsere...wir werden uns keinesfall in fremde familienprobleme mischen.
solange faymann in der spö chef ist ist er unser ansprechpartner...basta

ceterum...schwarz,blau wäre mir lieber , so wie rot,grün der burgstaller...aber mit strache ist kein staat zu machen...leider

0 5

Re: Re: Re: kick in the balls

Also wenn "Koalitionsräison" die offizielle Begründung für die hündische Anbiederung der ÖVP an die SPÖ sein wird, dann empfehle ich das nächste Jahr noch zu geniessen, denn danach wird es keine ÖVP mehr geben!

Und traurigerweise wird es so besser sein.

Re: Re: Re: Re: kick in the balls

weder raison noch hündisch noch anbiederung.
wenn eine koalition ausverhandelt ist, dann muß man GEMEINSAM arbeiten zum wohle des landes und nicht zum vorteil der eigenen partei. das gelingt natürlich nicht immer...siehe erbschaftssteuer..etc..aber im grpossen und ganzen doch. hioer wird nicht angebiedert, sondern kontroverse themen bis zur nächsten wahl vermieden.
abhilfe würde das angelsächsische wahlrecht schaffen..es kommt ohne koalitionen aus..ohne kompromiss mauscheleien und verwässerungen der eigenen wahlversprechen

Die ÖVP hätte nach der Abwahl Schüssels in die Opposition müssen

Stattdessen hat sie lieber in der Regierung versucht sich möglichst Sozialisten-Tauglich zu machen, hat das gesamte Schüssel-Team zur Personae non gratae erklärt, die eigene durchaus erfolgreiche Regierungsarbeit der damaligen Zeit schlecht gemacht und ist jetzt auf nimmer wieder sehen unten.

Antworten Gast: malleus
15.10.2012 11:43
1 0

Re: Die ÖVP hätte nach der Abwahl Schüssels in die Opposition müssen

richtig!

Gegen eine "Reichensteuer" wird die ÖVP nach der Wahl keinen Widerstand mehr leisten

Da wird es dann ein "notwendiger Kompromiss" sein, dass der Mittelstand noch einmal abgezockt wird, weil die ÖVP-Funktionäre und LHs brauch das Steuergeld um echte Struktur-Reformen zu verhindern genauso wie die der SPÖ.

Wenn SPÖ-Funktionäre irgendwo keinen Spaß verstehen dann beim Geld

Und deshalb ist die Erklärung von Rudas meiner Meinung nach sehr richtig.

Die Hauptursach war sicher das Parteientransparenzgesetz und das Uralt-Vorfeldorganisation jetzt auf einmal aus der Partei quasi austreten müssen.

2 0

Beide sollen bleiben!

Dies wäre eine Garantie, dass die jetzige Politik noch lächerlicher wird und der doofe Wählerhaufen endlich reagiert.

Schmied und Schmiedl

"Mit Rudolf Hundstorfer und Reinhold Mitterlehner wäre die Sozialpartnerschaft nur erstmals offiziell zur Regierungsform erhoben. Und die „Krone“ wüsste nicht, wer von beiden der größere Liebling der Pensionisten ist."

Also ich wäre für Blecha und Kohl; dann müsste man zumindest nicht weiter so tun, als wäre die Finanzierbarkeit des Pensionssystems ein wichtiges Anliegen der heutigen Zeit.

7 1

Spindel samt Weihmann gehören endlich weg vom Fenster

bevor sie weiteres Unheil anrichten können !

Die Beiden sind das Schlimmste in der 2. Republik was ja was heissen soll, und würden keinem wirklich abgehen wenn sie verschwinden !

Leider kleben die aber weiterhin an ihren gut dotierten Sesseln, und können allein durch die Wähler entfernt werden.

Gast: Fleming
15.10.2012 01:33
0 0

..Spirale nach unten,...

Nowak spricht aus Erfahrung, nicht nur politischen Parteiapparaten erfährt derartiges,..
es ist ein zutiefst österreichisches Charakteristikum, dass man sich mit Unterwürfigkeit und wohlwollendem Grinsen eher seine Karriere schafft als mit definierten Ecken und Kanten,..die Günstlinge aller politischen Lager in diesem Land kollaborieren auf diese Weise, da ist Faymann keine Ausnahme, Spindelegger schon von Kindheit an dazu erzogen worden,..
im Falle der SPÖ allerdings ist da noch nicht das letzte Wort gesprochen nach dem Parteitag in St.Pölten - mit Sicherheit wird Faymann nicht
mehr als Spitzenkandidat im nächsten Jahr antreten. Er weiss es, und die Granden in seine Partei ebenso, ist nur mehr abzuwarten wen sie da nachfolgen lassen,... nach den Weichspülern Gusenbauer und Faymann ist eine härtere Gangart zu erwarten,.. ein Blick ins Nachbarland Deutschland zeigt ja die Richtung auf.

Gast: Lukas
14.10.2012 22:58
7 0

in dem Gruselkabinett von SPÖVP

findet sich weit und breit kein Spitzenpolitiker mit Hirn und Visionen. Diese beamteten Marionetten der Kammern und Bünde sind ein politischer Albtraum und fahren Österreich in ihrer Lethargie und Dummheit mit Vollgas an die Wand!

Wie soll man das verstehen?

..."Michael Spindelegger, der (....) nicht persönlich in einen Korruptionsskandal verwickelt ist - zumindest nicht nach heutigem Stand - ..."

Irgendwie wird man da als aufmerksamer Leser hellhörig, nach den deprimierenden Enthüllungen der letzten Jahre und Monate.

Soll das heißen, Rainer Nowak weiß oder vermutet etwas, das irgendwann in nächster Zeit auffliegen wird? Bitte nicht! Ich kann und will das nicht von Spindelegger glauben!

Re: Wie soll man das verstehen?

schon wieder ein posting weg..spurlos verschwunden.
sobald presse interna im blog sind wird dieser kassiert

Re: Re: Wie soll man das verstehen?

Ich habe auch Ihre vergeblichen Versuche bezüglich M.F. - Fr.Str. mitgekriegt. Ja, ziemlich mühsam.

Die Presse lässt sich halt nicht gern in die Karten schauen..... wundert Sie das?

Re: Re: Re: Wie soll man das verstehen?

es ist vorauseilender gehorsam der onlinecrew.
vollkommen unnötig...

Re: Wie soll man das verstehen?

aber nein...nowak hat über das ziel geschossen..des sarkastischen effektes wegen....unsaubere journalistik.
ich weiß jetzt werden sie mich fragen warum ich mich schon bei pirker für nowak stark gemacht habe.
hoffentlich war das ein single faux pax

FLE hat die PRESSE linkls an die wand gefahren und massenhaft leser verloren ohne neue dazu zu gewinnen.
erinnert an die volksoper und dominique mentha..dann kam meyer und hat repariert..das erwarten wir auch von nowak...geduld

FLE links an die Wand gefahren - massenhaft Leser verloren

Kann die Modest'sche Theorie nicht nachvollziehen. Nach dem geifernden Unterberger war FLE eine Wohltat - ich habs zumindest mit einen Wochenend-Abo (Sa/So) honoriert. Nowak - um mit dem Kaiser Palfrader zu sprechen - könnt ruhig ein bissl schlimmer sein.....

 
12