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Mikl-Leitner: "Demokratiepaket bis Jahresende"

14.10.2012 | 18:19 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Innenministerin Mikl-Leitner sagt, die Volksbefragung dürfe "keine Eintagsfliege" bleiben. Der Abbau von "Systemerhaltern" beim Heer biete Potenzial für den Zivildienst.

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Die Presse: Es wird jetzt das ÖVP-Personenkomitee für die Wehrpflicht vorgestellt. Man weiß allerdings gar nicht, für welches Wehrpflichtmodell die ÖVP ist.

Johanna Mikl-Leitner: Am 20.Jänner2013 geht es bei der Volksbefragung um eine Grundsatzentscheidung, nämlich ob die Wehrpflicht und der Zivildienst beibehalten werden oder ob ein Berufsheer eingeführt werden soll und ein bezahlter Freiwilligendienst. Erst danach geht es um eine Reform des Bundesheeres.

Die ÖVP müsste doch einer mündigen Bevölkerung sagen, wie ein reformiertes Heer mit Wehrpflicht ausschaut?

Eines ist klar: Wir brauchen eine Modernisierung des Bundesheeres und des Wehrdienstes. Wir müssen einen Mehrwert für die jungen Menschen schaffen – gehen sie mehr in Richtung Militär-, Katastrophen- oder Zivildienst?

Sieht das ÖVP-Modell, wie kolportiert, vor, dass der Wehrdienst nur fünf Monate plus Milizübungen beinhaltet?

An der Länge wird sich nichts ändern. Es bleibt bei sechs Monaten, beim Zivildienst bleibt es bei neun.

Es gab von der Salzburger ÖVP Kritik, weil es vor der Volksbefragung einen Schlagabtausch der Regierungsparteien um das Heer gibt.

Der Bundeskanzler und der Vizekanzler haben eine klare Linie vorgegeben: sachliche Diskussion.

Aber die ist nicht sachlich! Wenn etwa die ÖVP sagt, dass bei einem Ende des Zivildienstes Menschen sterben.

Dazu haben sich schon viele geäußert, ich denke an den Präsidenten des Roten Kreuzes Oberösterreich, Aichinger. Der hat ganz klar seine Sorge geäußert, dass die Rettung in Zukunft nicht in zehn Minuten da ist, sondern erst in 20 oder 30 Minuten, das kann Leben kosten.

Sozialminister Hundstorfer sagt, man müsste auf jeden Fall das System des Zivildienstes ändern, weil es durch geburtenschwache Jahrgänge weniger junge Menschen gibt.

Wir haben einen permanenten Zulauf von Zivildienern und einen Bedarf für 150 Einsatzstellen. Wir finden in den nächsten Jahren das Auslangen, weil immer mehr zum Zivildienst gehen. Außerdem gibt es Flexibilität, weil noch sehr viele beim Heer in der Systemerhaltung eingesetzt sind. Hier gibt es auch viel Potenzial für den Zivildienst.

Sollen Systemerhalter statt zum Heer zum Zivildienst verpflichtet werden?

Sie haben die Wahlmöglichkeit, man wird sie nicht zwingen. Beim Modell des freiwilligen Sozialjahrs von Minister Hundstorfer kann ich mir nicht vorstellen, dass sich viele etwa für den Bereich Geriatrie melden. Mit dem Zivildienst haben wir die Möglichkeit, alle Organisationen mit ausreichend helfenden Händen zu versorgen.

 

Sie wollen gar nicht über ein freiwilliges Sozialjahr verhandeln?

Zum Zivildienst gibt es keine Alternative. Kein erfolgreicher Geschäftsmann würde ein Produkt, ohne ein besseres Ersatzprodukt zu haben, aus dem Verkaufsregal nehmen.

Um den von der ÖVP verlangten Ausbau der direkten Demokratie ist es still geworden. Ist das vor der Wahl zu vergessen?

Die Menschen haben am 20.Jänner die Chance, mitzubestimmen. Ich hoffe, dass dieses Mehr an Demokratie keine Eintagsfliege ist. Wir sind derzeit gerade in Verhandlungen und werden bis Ende des Jahres eine Lösung haben.

Als Gesamtpaket oder in Etappen? Also etwa zuerst Persönlichkeitswahlrecht und später verpflichtende Volksabstimmungen nach Volksbegehren?

Mein Ziel ist ein Gesamtpaket. Wir sind generell auf einem sehr guten Weg. Aber ich möchte dem Verhandlungspartner nichts über die Zeitung ausrichten.

Gestört wird das Koalitionsklima derzeit durch die Festlegung der SPÖ auf Vermögensteuern. Hat dem die ÖVP ein Steuermodell entgegenzusetzen?

Jetzt geht es bei der SPÖ offenbar einmal darum, sich selbst wieder auf Linie zu bringen. Das Problem ist dabei nur, dass dafür der Steuerzahler herhalten soll und eine Neiddebatte betrieben wird. Bis jetzt kann man nur von einem SPÖ-Steuerpopulismus sprechen. Vielleicht bleibt es nur bei einer Forderung, weil Beispiele aus anderen Ländern klar zeigen, dass bei einer Reichensteuer die Suppe teurer ist als das Fleisch.

Wann folgt ein ÖVP-Steuermodell?

Wir arbeiten an einem Konzept. Das Steuermodell muss einfacher werden und speziell zu einer Entlastung der Familien führen. Wir wissen aber auch, dass eine Steuerreform erst möglich ist, wenn man sich diese auch leisten kann.

Wann ist das trotz Sparkurs realistisch?

Das wird man sich in den nächsten Monaten anschauen. Sie können sicher sein, Finanzministerin Fekter arbeitet intensiv daran.

Es gibt demnächst einen Asylgipfel. Werden die Länder nun ihre Quote bei der Unterbringung erfüllen?

Der 23.Oktober ist ein ganz wichtiger Tag, um diese Verantwortung gemeinsam wahrzunehmen.

Wird dann die Überlastung der Erstaufnahmestelle Traiskirchen behoben?

Faktum ist, wir haben an die 1400Asylwerber in Traiskirchen. Wir wissen, dass 1000 nach dem Asylverfahren zur Betreuung in den Bundesländern bereit sind. Entscheidend für mich ist, dass wir gemeinsam dieser völkerrechtlichen Verpflichtung nachkommen.

Auf einen Blick

Johanna Mikl-Leitner (48) ist seit April 2011 Innenministerin und seit November 2011 ÖAAB-Obfrau. Die Niederösterreicherin hat für die ÖVP die Heeresvolksbefragung im Jänner 2013 mit der SPÖ fixiert. Jetzt verhandelt sie über den Ausbau der direkten Demokratie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)

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19 Kommentare
Gast: leking
21.10.2012 19:56
0 0

am billigsten

wenn man das heer abschaft- kostets nix

Gast: Moderndenkender
16.10.2012 11:50
0 0

Analyse

"...Sie haben die Wahlmöglichkeit, man wird sie nicht zwingen. Beim Modell des freiwilligen Sozialjahrs von Minister Hundstorfer kann ich mir nicht vorstellen, dass sich viele etwa für den Bereich Geriatrie melden. Mit dem Zivildienst haben wir die Möglichkeit, alle Organisationen mit ausreichend helfenden Händen zu versorgen..."

Wenn man dieses Textfragment studiert, erkennt man, dass am Ende der Staat Leute zu Taetigkeiten zwingen will, wie es ihm beliebt. Mit dem Freiwilligendienst ginge das nicht, aber mit dem obligatorischen Zivildienst schon.

Der erste Satz widerspricht dem Rest des Textes

Gast: Baur4
15.10.2012 21:27
0 0

Weniger ist mehr

Das kleine Österreich wird von 94 Regierungsmigliedern und über 770 Abgeordneten im Bund und Ländern regiert. (Obwohl schon 80% der Gesetze aus Brüssel kommen).

Nicht akzeptabel

Bei der Frage der Wehrpflicht ist geschlechtsneutrale Formulierung völlig fehl am Platz. Es geht um junge Männer. Hier immer scheinheilig von "jungen Menschen" zu reden wirkt wie eine Verhöhnung.

Auserdem ist es bizarr, Soldaten "überreden" zu wollen Zivildienst zu machen. Es war doch 1975 nicht geplant, das einmal ein Drittel (!) verweigern; jetzt noch mehr aus dem Bundesheer herausdrängen zu wollen, entlarvt den Einsatz von Mikl-Leitner für die Wehrpflicht, als reine Anschaffungsmethode für Zwangsarbeiter.

Es nervt, daß im österreichischen Kontext über die Wehrpflicht immer nur als Sparmassnahme diskutiert wird. Dafür ist sie nicht geeignet, wenn das das Hauptargument sein soll, sollte man sie gleich abschaffen.

Der wirkliche Boom der Zivildiener ist übrigens erst 15 Jahre alt. Auch davor lies sich ein Rettungsdienst organisieren, ohne tausende Verblutende auf den Strassen liegen zu haben.

Im Übrigen sind die meistens Zivis für Krankentransporte zuständig; nur in Niederösterreich kann es einem passieren, daß ein "Zivibomber" daherkommt und man von zwei jungen und erfahreren Sanitätern erstversorgt wird. ein Zusatnd, der nicht legal ist und keinesfalls weiter bestehen sollte.

Laut ZDG dürfen Zivis nicht ohne Aufsicht arbeiten und sollten keine Arbeitsplätze ersetzen, Fr. Mikl-Leitner möchte aber anscheinend genau das, wenn sie vom Einsatz in der Geriatrie spricht.

Aber eigentlich ist es irgendwie amüsant, daß ausgerechnet die ÖVP nun so ein großer Fan des Zivis wurde.

Antworten Gast: Moderndenkender
15.10.2012 16:18
1 0

Re: Nicht akzeptabel

So ist es ! Erklaeren Sie jetzt bitte das allen Oesterreichen, die das noch nicht durchschaut haben.

Es geht NUR um die Weiterfuehrung des Zivildienstes.

Die Wehrpflicht ist denen egal.

Gast: Moderndenkender
15.10.2012 14:56
1 0

Keine Infos

Frua Mikl-Leitner, Sie erwarten sich zwar von mir als muendigen Staatsbuerger eine Grundsatzentscheidung zum Heer, wollen mir aber Detailsinfos erst nach meiner Entscheidung bekanntgeben.

Was ist aber, wenn ich mit den nach meiner Entscheidung gekanntgegebenen Details nicht einverstanden bin? Eine Revision meiner Grundsatzentscheidung ist dann nicht mehr moeglich und Sie interessieren sich nicht mehr ueber meinen moeglichen Unmut bez. den Details.

Gast: Plach2
15.10.2012 14:50
1 0

"Demokratiepaket"?

Weiterhin werden in Österreich JEDE politische Funktion gleich 10 fach besetzt! Einmal im Bund und 9x mit gleichen Aufgaben in den Ländern.

Was die ÖVP unter "Demokratie" versteht kann man täglich im tiefschwarzen NÖ erleben (Mikl-Leitner kommt aus NÖ).

Die ÖVP NÖ mit knapp über 50% verhält sich so als ob ihnen ganz NÖ gehören würde. Nicht einmal Portier oder Straßenwärter kann man ohne ÖVP Parteibuch werden. Da kann sogar der Putin noch einges lernen was "Demokratie" heißt.

Es vergeht keine Woche wo der ORF NÖ nicht den "Landesvater Pröll" loben erwähnt.

Gast: Moderndenkender
15.10.2012 14:03
1 0

Keine Infos

Frau Mikl-Leitner, wie soll ich beruhigt bei der Beibehaltung des Wehrdienstes mein Kreuz machen, wenn ich nicht weiss, welche Neuerungen im Detail sich dahinter verbergen.

Wenn Sie in ein Autohaus gehen, dann haben Sie zwar die Grundsatzentscheidung getroffen, sich ein Auto zu kaufen, werden sich aber vorher mehrere Modelle IM DETAIL ansehen, bevor Sie entscheiden, Ihr Geld auszugeben.

Uber den "Oesterreich-Dienst" weiss ich noch ueberhaupt nichts.

Gast: Moderndenkender
15.10.2012 13:14
2 0

Mikl-Leitner

Hoffentlich verschwindet sie mit den naechsten Wahlen.

Gast: sdafdasf
15.10.2012 13:13
2 0

ÖVP Landesrat Aichinger ist der Rote Kreuz Präsi,

der mit 20-30 Minuten zu spät kommen droht.

Interessant, dass das nirgendwo erwähnt wird.

Gast: Luke Brooks
15.10.2012 12:55
0 2

my opinion

hello i'm luke and i'm cool

Mikl-Leitner und Demokratie

Das dürfte sich wohl gegenseitig ausschließen! Die ÖVP ist keine sehr demokratische Partei, das zeigt sie immer wieder in ihrem Verhalten! Aber das war auch bei den Christlichsozialen vor dem Austrofaschismus schon so.

Gast: beutelratte
15.10.2012 09:59
7 0

wir freuen uns schon sehr, wenn wir

dann PolitikerInnen, wie diese,per Volksentscheid
feuern können.

eine Lachnummer


Re: eine Lachnummer

Klar, die kommt auch vom Pröll!

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Innenministerin Mikl-Leitner sagt, die Volksbefragung dürfe "keine Eintagsfliege" bleiben.

das Volk will nicht nur befragt werden, sondern endlich über das eigene Schicksal mitbestimmen wie es sich in einer Demokratie gehört !


4 0

zwangs -,pflichtdienst - wehrpflicht

Lt. emrk einen zwangsdienst das wort reden, ist schlechthin nicht zeitgemäß.
weder stark modern schnell - noch zukunftsorientiert.
johanna der panzergeneral.

Das ausscheiden der Innenministerin aus dem Parlament

wäre für die Demokratie bereits ein großer Seegen!

7 0

Re: Das ausscheiden der Innenministerin aus dem Parlament

eine Auflösung der heutigen Regierung und Neugründung mit wahren Demokraten (bspw Fiedler), wäre für das Land ein Segen und Hoffnung, dass es wieder bergauf statt stets weiter abwärts geht !