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Platter: "Die Frauen bekommen noch immer die Kinder"

19.10.2012 | 18:28 |  RAINER NOWAK UND THOMAS PRIOR (Die Presse)

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) über die Unterschiede zwischen Frauen und Männern am Beispiel Wehrpflicht.

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Die Presse: Als ehemaliger Verteidigungsminister unter Kanzler Wolfgang Schüssel müssten Sie doch für ein Berufsheer in einem europäischen Kontext bzw. für einen Nato-Beitritt sein.

Günther Platter: Ich war schon als Verteidigungsminister für die Wehrpflicht. In meiner Zeit wurde der Grundwehrdienst auf sechs Monate verkürzt – das war auch ein Werk der Heeresreformkommission unter Helmut Zilk. In ihrem Abschlussbericht hat sie die Wehrpflicht deutlich vorgesehen.

In diesem Bericht ist ein Berufsheer ausdrücklich als Option festgehalten.

Aber jetzt brauchen wir die Wehrpflicht. Das Heer muss neben der Landesverteidigung auch für Katastropheneinsätze gerüstet sein. Erinnern Sie sich an die Hochwasserkatastrophe 2002 in Ober- und Niederösterreich! Zwei Drittel der Soldaten waren Grundwehrdiener. Ohne die wären wir nicht in der Lage gewesen, zu helfen.

Man hat den Eindruck, das Hauptargument der ÖVP für die Wehrpflicht ist der Katastrophenschutz. So viele Katastrophen gibt es nicht.

Seien wir froh. Aber wenn Sie zugehört haben – ich habe die Landesverteidigung als ersten Punkt genannt. Außerdem können wir uns ein Berufsheer nicht leisten.

Verteidigungsminister Norbert Darabos verweist dieses Argument ins Reich der ÖVP-Propaganda.

Aber es stimmt. Das System müsste komplett umgebaut werden, es bräuchte ein neues Gehaltsschema. Alle Expertisen, die mir zur Verfügung standen, besagten, dass ein Berufsheer zu teuer ist.

Viele europäische Staaten haben auf ein Berufsheer umgestellt. Warum ist es dort leistbar und bei uns nicht?

Einige EU-Staaten bedauern die Umstellung. In Deutschland etwa gibt es Probleme mit der Rekrutierung. Daraus sollten wir lernen. Außerdem ist es jungen Menschen sehr wohl zumutbar, dass sie einige Monate opfern und Verantwortung für den Staat übernehmen.

Gilt das nur für Männer?

Ja. Ich bin absolut dieser Meinung. Frauen haben andere Bereiche abzudecken.

Zum Beispiel?

Es ist ja immer noch so, dass die Frauen die Kinder bekommen und nicht die Männer.

Nicht alle Frauen bekommen Kinder. Sollen die dann zum Bundesheer?

Diese Differenzierung würde ich nicht vornehmen. Aber Frauen haben andere Aufgaben in der Gesellschaft – bis hin zu Kindern. Da leisten sie viel für die Gesellschaft.

Männer sollen zum Bundesheer, Frauen Kinder kriegen? Die Rollenbilder, die Sie formulieren, dürften nicht nur Feministinnen verstören.

Auch Frauen können – auf freiwilliger Basis – sich beim Bundesheer verpflichten oder Zivildienst leisten. Was ich allerdings meine: Wenn Frauen keine Bereitschaft mehr haben, Kinder auf die Welt zu bringen, sind wir eine tote Gesellschaft. In Tirol bauen wir gerade die Kinderbetreuung aus, damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser gelingen kann.

Was ist wichtiger: Kinderbetreuung oder staatliche Familienbeihilfe?

Beides. Das hängt alles zusammen. Aufgabe der Politik ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Mut zum Kind gegeben ist.

Warum stellt die ÖVP ihr Konzept für eine Reform des Grundwehrdienstes nicht vor? Oder gibt es noch keines?

Dafür bin ich nicht verantwortlich. Richtig ist, dass es eine Reform braucht: Blumen zählen im Burgenland, wie es lange Zeit Brauch war, kann es nicht sein.

Sie meinen den Assistenzeinsatz, aber den gibt es nicht mehr. Soll der Grundwehrdienst verkürzt werden?

Davon würde ich abraten. Relevant ist, dass die Schwerpunkte festgelegt werden: Landesverteidigung, Katastrophenschutz und natürlich auch der Zivildienst. Wir haben in Tirol 1200 Zivildiener – viele bleiben danach beim Roten Kreuz und leisten freiwillige Arbeit. Deshalb ist der Zivildienst für die Rekrutierung der Blaulichtorganisationen einfach nicht mehr wegzudenken.

Interessant, wie sich die Argumentation der ÖVP über die Jahre gewandelt hat. Die ersten Zivildiener wurden noch Drückeberger genannt – jetzt kann es gar nicht genug Lob für Sie geben.

Dass einzelne Politiker eigene Positionen beziehen, mag so sein. Für mich sind das sehr wertvolle Leute.

Wann wird denn die Landtagswahl in Tirol stattfinden?

Zwischen April und Juni. Wir arbeiten so lange wie möglich.

Frank Stronach hat angekündigt, dass er auch in Tirol antreten wird. Besorgt?

Nein. Ich halte es mit Hans Rauscher, der Fritz Dinkhauser und Hans Peter Martin einmal egozentrische Monomanen genannt hat. Das trifft auch auf Stronach zu.

Oder Sie bekommen Konkurrenz aus den eigenen Reihen: Die ehemalige ÖVP-Landesrätin Anna Hosp könnte mit einer Liste antreten, hört man.

Ich gehe nicht davon aus, dass es eine zusätzliche Liste der ÖVP gibt.

Wie beurteilen Sie die Arbeit der Bundesregierung?

Ich erwarte von der Regierung, dass sie in der Bildungspolitik endlich etwas weiterbringt – obwohl ich wenig Hoffnung habe. Deshalb warte ich in Tirol nicht mehr länger zu. Ich gehe den Weg der gemeinsamen Schule. Und davon werde ich mich nicht abbringen lassen.

Was haben Sie konkret vor?

Experten erarbeiten derzeit die Pläne. Die werden im Frühjahr fertig sein, dann machen wir Modellregionen. In Südtirol gibt es diese gemeinsame Schule seit 30 Jahren – allerdings nicht nach dem Modell der SPÖ. Es braucht eine innere Differenzierung. Mein Konzept sieht auch Ganztagsschulen vor, aber nicht verpflichtend. Und eine einheitliche Lehrerausbildung.

Zur Person

Günther Platter (58) ist seit 1. Juli 2008 Landeshauptmann von Tirol. Davor war er Innenminister (ab 2007) und Verteidigungsminister (seit 2003). Bei der Tiroler Landtagswahl 2008 verlor die ÖVP mit Spitzenkandidat Herwig van Staa rund neun Prozentpunkte (auf 40,4 Prozent). [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)

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30 Kommentare
 
12
Gast: umtata umtata
29.10.2012 13:50
0 0

jaja...der platter

auch so ein typisches ÖVP mitglied, nämlich ein typischer ÖsterreichischerVollPfosten

Bundesregierung.

Diese Bundesregierung soll sich ein Beispiel an den Steirern Voves und Schützi nehmen. Die machen die Regierung und die Verwaltung kleiner und strukturieren die Gemeinden um. Das ist nicht nur mutig sondern auch blitz gescheit. So weit reicht der Verstand bei der Bundesregierung noch lange nicht.

Gast: Sidewinder
21.10.2012 17:08
1 0

Am Beispiel

Was ust der Fonsi jetzt, Weib oder Mann?

1 0

Die typische Herumdrückerei..

"Diese Differenzierung (gemeint, dass immermehr Frauen keine Kinder haben!!)würde ich nicht vornehmen. Aber Frauen haben andere Aufgaben in der Gesellschaft – bis hin zu Kindern. Da leisten sie viel für die Gesellschaft."

Vollkommen typisch: Die Differenzierung, die logischerweise vorzunehmen wäre, würde er (aus nicht genannten Gründen?!?) nicht vornehmen. Und andere Aufgaben klingt immer gut vor allem wenn man keine konkreten nennt....


Gast: kdsfghsdk
20.10.2012 10:00
1 0

Kinder, Kinder

Frauen gehen früher in Pension und für jedes Kind werden zwei Jahre für die Pension angerechnet. Nur so nebenbei.

gibt es irgendeinen grund

dafür, diesen inkompetenten alpin-pfosten soviel schwachsinn absondern zu lassen?

Antworten Gast: spirit of age
20.10.2012 12:46
3 1

Re: gibt es irgendeinen grund

Möglicherweise die Erhaltung und Brauchtumspflege der politisch konservativen unzeitgemäßen Verdrängungsmuster und Rechtfertigungsmodelle.

Gast: Af fe
20.10.2012 09:07
1 0

Frauen an den Herd oder was?

Geht man nach Platter, dürften Frauen auch nicht berufstätig sein. Schon gar nicht beim Bundesheer, wie das jetzt aber der Fall ist.
http://www.bmlv.gv.at/karriere/frauen/

1 0

Hat der Platter

keine Kinder? Waren das Jungferngeburten?
Können Frauen keine Krankentransporte duchführen. Noch besser wäre es qualifizierte Altenpflege zu lernen und das dann auch einige Monate zu machen.

1 1

Re: Hat der Platter

Sehen Sie, genau das ist es!!
Wenn Ihre Eltern oder Schwiegereltern alt und krank sind, wer mach da die Pflege? Wer kauft ein und putzt die Wohnung. Besucht sie laufend und erledigt Bankgänge?

Sie oder Ihre Frau?

Und falls Sie Kinder haben, wer war schwanger und hat die Geburt mitgemacht, wer war in Karenz und ist nachts aufgestanden? Sie oder Ihre Frau?

Die qualifizierte Alten und Kinderpflege machen die Frauen sowieso. Und oft bis zum Burnout.
Aber Sie! Sie könnten bissl was tun für die Allgemeinheit. So wie Sie klingen sind Sie nicht der, der den Einkauf macht und kocht, die Wohnung putzt etc.

Re: Re: Hat der Platter

Das gilt alles für Frauen im Alter von 19 Jahren (das ist das Alter, in dem gleichaltrige Männer einrücken müssen) ???
Um Ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ich habe 9 sinnlose Monate beim Militär verbracht und war 10 Jahre freiwillig beim Roten Kreuz tätig gewesen. Habe ich in Ihren Augen etwas für die Allgemeinheit getan ?

1 0

Re: Re: Hat der Platter

In der heutigen Single-Gesellschaft hat sich das alles grundlegend geändert. Arbeiten tun in erster Linie Frauen 50 + oder Ausländerinnen aus Ländern in denen es anders zugeht.
Abgesehen ist das ganze nicht nachkontrollierbar. Wieviele Frauen haben denn da einen Chef oder Chefin neben sich stehen, der das ganze kontrolliert?

Gast: muraene
19.10.2012 23:40
2 2

Gesellschaftlich ist es unabdingbar, dass auch Frauen beginnen ihren Beitrag zu leisten.

Gasti, Gasti, tz,tz,tz,
Also, wenn die lebenslange kostenlose Familienarbeit, bis hin zur Altenpflege kein Beitrag für die Gesellschaft ist, dann weiß auch ich nicht.
Aber wenn ich das alles gegen ein paar Monate bei Heer eintauschen kann, bitte, liebend gerne.

ÖVP gegen die Männer!

Ist mir neu, dass Frauen Kinder gebären, während die Männer gerade in Kasernen strammstehen dürfen.

Gast: world-citizen
19.10.2012 22:15
6 0

Wehr- oder Zivildienst .............

.......... sind keine Dienste an der Gesellschaft, sondern am Staat. Der Staat ist aber keine Gesellschaft, sondern eine Verwaltungzone.
Gesellschaften können nur auf freiwilliger Basis entstehen.

Re: Wehr- oder Zivildienst .............

Sehr richtig und mit Niveau formuliert!

Gast: Gasti
19.10.2012 22:01
4 0

Ich sehe da keine Einschraenkung

Der Wehrdienst dauert sechs Monate. Auch Frauen ist es zumutbar diese Zeit der Gesellschaft zu opfern.

Heutzutage bekommen Frauen ihre Kinder doch erst mit 30+ Jahren. Sollte eine mit 18 schon ein Kind hat, kann sie ja bis zur Volljaehrigkeit des juengsten Kindes freigestellt werden.

Wahrscheinlich wuerde das die Geburtenrate sogar erhoehen.

Gesellschaftlich ist es unabdingbar, dass auch Frauen beginnen ihren Beitrag zu leisten.

Antworten Gast: gast1910
19.10.2012 22:46
3 0

Re: Ich sehe da keine Einschraenkung

Richtig, es sollte jeder seinen Beitrag leisten.
Oder wir steigen auf ein Profi Heer um, da sind dann nur die, die wirklich wollen, ich denke die Motivation ist da schon eine andere. Und diese Leute können dann genauso Katastrophen Hilfe leisten, funktioniert ja auch bei über der Berufs Feuerwehr. Nur muesten diese Menschen dann auch richtig bezahlt werden und nicht fuer einen Hungerlohn irgendwelchen Sch..... machen. Außerdem mueste sich einige beim Heer anderen, ich denke dass wollen die von der Politik dann doch nicht.

Gast: gast1910
19.10.2012 21:53
2 1

schoen

Wehrpflicht fuer beide, egal ob Mann ein oder Weiblein, das ist gerecht, oder freiwillig fuer beide. Meine Empfehlung an die Damen, ein Gebaerstreik, ja, keine Kinder mehr, fuer so eine sch.... Gesellschaft, die noch immer nicht begriffen hat, was echte Gleichberechtigung ist, nehmlich der Respekt dem Individuum gegen über. Also, keine Kinder!!!!

Antworten Gast: world-citizen
19.10.2012 22:16
0 1

Re: schoen

Das Kernproblem der Menschheit ist, daß es nicht zu wenige, sondern zu viele von unserer Spezies gibt.

Antworten Antworten Gast: UKW
20.10.2012 03:20
0 2

Re: Re: schoen

Völlig richtig. Wenn die Überbevölkerung der Erde weiter zunimmt, und das wird sie bestimmt, dann führt das zu Kriegen und Vergeudung von Resourcen (Nahrungsmitteln, Öl, Rohstoffe...). Ich kann das Geschwafel von der Alterung der Gesellschaft nicht mehr hören und dass die Menschheit deshalb immer mehr und mehr Kinder zeugen soll.

3 0

Re: schoen

Die Abschaffung der Wehrpflicht wäre das beste Zeichen für Respekt vor dem Individuum und seiner Freiheit.

Gast: gast1910
19.10.2012 21:52
2 1

schoen

Wehrpflicht fuer beide, egal ob Mann ein oder Weiblein, das ist gerecht, oder freiwillig fuer beide. Meine Empfehlung an die Damen, ein Gebaerstreik, ja, keine Kinder mehr, fuer so eine sch.... Gesellschaft, die noch immer nicht begriffen hat, was echte Gleichberechtigung ist, nehmlich der Respekt dem Individuum gegen über. Also, keine Kinder!!!!

1 1

??

"Männer sollen zum Bundesheer, Frauen Kinder kriegen? Die Rollenbilder, die Sie formulieren, dürften nicht nur Feministinnen verstören. "

Es würde mich weitaus mehr verstören wenn plötzlich Männer die Kinder kriegen.

2 2

Ein grosser Denker-

ein flaches und nichtssagendes Interview.Gratulation der " Qualitätszeitung "!

Gast: Mutbürger
19.10.2012 20:28
6 1

Frechheit

Biologische Phänomene als Argument gegen Zwangsarbeit ist nun bitte mehr als lächerlich!!
Ein Gutes Berufsheer ist wesentlich effizienter
und effektiver!!
Man sehe sich nur die Staaten an in denen es
das Berufsheer gibt, dort funktioniert es blendend!
Aber wenn die ÖVP unbedingt einen Zwangsdienst haben will, dann sollte dieser
für alle sein, oder für Niemanden!!!!!!!

 
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