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Der Auslandswähler, das geheimnisvolle Wesen

20.10.2012 | 18:01 |  von Philipp Aichinger (Die Presse)

Der Auslandsösterreicher gilt als wohlhabend und als bürgerlicher Wähler. Die Auswertung der Wahlkarten ergab in der Vergangenheit durchwegs überdurchschnittlich gute Ergebnisse für ÖVP und Grüne.

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„Kennen Sie einen Auslandsösterreicher?“, fragte die Wiener ÖVP im Jahr 1990 und lobte ein Gewinnspiel aus. Wer der Partei Name und Adresse von Verwandten oder Bekannten im Ausland verriet, konnte auf eine Kreuzfahrt hoffen. Der Grund für das Gewinnspiel war ein ganz simpler: Zum ersten Mal waren Auslandsösterreicher berechtigt, bei einer Nationalratswahl ihre Stimme abzugeben. Und die ÖVP hoffte, mit Zuschriften an die geheimnisvollen Auslandsösterreicher punkten zu können.

Doch es war in keinster Weise den Politikern zu verdanken, dass Auslandsösterreicher wählen dürfen. Dies musste vielmehr ein Bürger vor dem Verfassungsgerichtshof erkämpfen. Die erste Wahl für Auslandsösterreicher 1990 war dann freilich auch noch mit Schwierigkeiten gespickt: Die Formulare kamen oft zu spät an. Und wählen durfte man nur, wenn zwei Zeugen bestätigten, dass das Kreuz geheim gemacht wurde. Alternativ konnte man seine Stimme bei einer österreichischen Vertretungsbehörde abgeben. Inzwischen gelten aber ganz lockere Regeln: Man kann per Brief seine Stimme nach Österreich schicken, ohne Bestätigung eines Zeugen. Was Kritiker als Verletzung des geheimen Wahlrechts brandmarken, ist für andere ein Fortschritt, der das Wählen im Ausland einfacher macht. Dadurch dürften auch mehr Auslandsösterreicher wählen, und ihre Stimme dürfte mehr Gewicht erhalten.

48.000 Wähler registriert. Laut Schätzungen gibt es eine halbe Million Auslandsösterreicher. Behördlich verbrieft sind aber nur 328.542 (Stand: 2010). Der Großteil davon entfällt auf Deutschland, gefolgt von der Schweiz und den USA (siehe Grafik). Doch es kann nur gemutmaßt werden, was diese Menschen ins Ausland gezogen hat und wie es ihnen dort geht. Statistiken über den sozialen Stand gibt es nicht. Als Faustregel gilt: Es geht den Österreichern im Ausland überdurchschnittlich gut, vor allem jene in Deutschland gelten als vergleichsweise reich. In manchen Ländern, etwa Argentinien, leben aber ärmere Auslandsösterreicher. Das Wahlrecht üben jedenfalls nur wenige aus, denn dafür muss man sich noch einmal extra ins Wahlregister eintragen lassen. Rund 48.000 haben diesen Schritt gewagt. Bei der Bundespräsidentenwahl 2010 beantragten knapp 30.000 davon eine Wahlkarte. Die Stimme der Auslandsösterreicher wird in der österreichischen Gemeinde mitgezählt, in der sie registriert sind. Das ist primär der Ort, wo die Person ihren letzten Hauptwohnsitz hatte. Wenn jemand im Ausland geboren ist und nie in Österreich gewohnt hat, stellt man auf den Wohnsitz von Verwandten ab.

(c) Die Presse / HR

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Doch was wählen Auslandsösterreicher? Die Auswertung der Wahlkarten ergab in der Vergangenheit durchwegs überdurchschnittlich gute Ergebnisse für ÖVP und Grüne, was auch für die These spricht, dass Auslandsösterreicher eher aus bürgerlichen Schichten kommen. Die SPÖ schneidet etwas besser ab, das dritte Lager auffallend schlechter. Doch diese Statistik hat einen Haken: Denn die Stimmen von Auslandsösterreichern wurden beim Auszählen immer schon mit den Stimmen der Urlauber vermischt. Seit der Einführung der Briefwahl im Inland (bundesweit erstmals angewandt bei der Nationalratswahl 2008) werden die aus dem Ausland stammenden Stimmen nun auch noch mit jenen der heimischen Briefwähler vermischt.

Mehr denn je bleibt somit das Wahlverhalten der Auslandsösterreicher geheimnisvoll. Egal, mit welchen tollen Geschenken Parteien um sie buhlen: Nachdem die ÖVP 1990 durch das Gewinnspiel an die Adressen gelangt war, schickte sie den Auslandsösterreichern Autogrammkarten von Parteichef Josef Riegler.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2012)

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13 Kommentare

Brasilkaffe mit Obstler

No schlecht?
PS mit Cuba Rum schmeckt er auch gut

aber wenn

Jo, wenn ich wählen würde, tät ich schon grün wählen, passt zu meiner Wahlheimat

brazil, Amazonas

na ja, ich wähl schon seit fast 40 Jahren nicht, habs zu weit zur Post und bin zu faul zum rudern

brazil, Amazonas

na ja, ich wähl schon seit fast 40 Jahren nicht, habs zu weit zur Post und bin zu faul zum rudern

3 1

was waehlt der ausalndsoesterreicher

ich waehle aus prinzip ueberhaupt nicht in oesterreich, da ich mich von keinem einzigen politiker in diesem land vertreten fuehle. weiters denke ich, dass oesterreichs politiker zu den unqualifiziertesten, unfaehigsten, duemmsten und korruptesten in der westlichen weaehlt zaehlen.

mfg ein 100 % futtertrog verweigerer

1 1

ich...

...wähle grün aus Prinzip, da es in meinen Augen kaum eine kompetentere Partei gibt.

Gleichzeitig möchte ich aber auch hier weg, da es keine grüne Regierungsbeteiligung gibt und dadurch meine Anliegen für mehr Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltige Bildung und co weder von SPÖVP oder FPÖ ehrlich gefordert werden, da in diesen Parteien eh alle nur Sozis sind...


Nachdem die ÖVP 1990 durch das Gewinnspiel an die Adressen gelangt war, schickte sie den Auslandsösterreichern Autogrammkarten von Parteichef Josef Riegler.

Und 2002 verschickte die damalige Außenministerin Ferrero Waldner Hetzbriefe über die Opposition. Das hat dazu geführt das ich 2000 das letzte mal ÖVP gewählt habe. Gestern war ich mal wieder in der Kärntner Stubn in HH-Harburg, der Chef entspricht voll dem Angaben im Text. Ich habe mit Ihm schon des öfteren über die österreichische Politik debattiert. Aufgrund der Korruptionsvorkommnisse der ÖVP und vor allem dem Verhalten der ÖVP in der Causa Wehrpflicht will er nun nicht mehr, seine bislang bevorzugte Partei wählen. Eines seiner Enkelkinder, heute 15 Jahre alt, möchte mit 18 Jahren seinen 2, den österreichischen Pass, abgeben. Er wäre zwar nur theoretisch von der Wehrpflicht betroffen als Doppelstaatsbürger, alleine die Art und Weise wie dieses Thema in Ö diskutiert wird und aufgrund der Politik in Ö im allgemeinen, möchte er mit dem Land seiner (teilweise) Vorfahren nichts zu tun haben. Was den "Opa" sehr zu schaffen macht. Bei meinen Kindern stellt sich diese Frage ohnehin nicht, da meine Frau nach einem 1 jährigen Aufenthalt in Österreich die Doppelstaatsbürgerschaft für unsere Kinder bei Geburt vehement abgelehnt hat, " unsere Kinder sollen in keinster Weise diesem Land angehören". Damals wurde schwarz-blau gebildet, was auch dazu führte das viele andere Österreicher die ich kenne, von der ÖVP Adieu gesagt haben. Und das wird sicher nicht nur in D so gewesen sein.

Gast: Aus Deutschland
21.10.2012 10:51
4 0

Lebensstandard

Ich lebe seit mehreren Jahren in Norddeutschland und mein Lebensstandard ist hier höher, weil die Lebenserhaltenskosten niedriger sind und es beim Gehalt keinen großen Unterschied gibt.

Ich war vor Kurzem in Wien und war schockiert über die Preise im Supermarkt, gerade die Grundnahrungsmittel, wie Brot, Milch, Eier etc., sind hier um ca. die Hälfte billiger!! Ähnlich sieht es bei den Mieten aus. Würde echt gerne wissen, wie diese Preise in Österreich zustande kommen.

Ich wähle hier anders bzw. achte auf andere Dinge, weil mich vieles gar nicht betrifft (z.B. aktuell das Parkpickerl).

Gast: Klaus
21.10.2012 08:04
0 0

Doch es kann nur gemutmaßt werden, was diese Menschen ins Ausland gezogen hat und wie es ihnen dort geht. Statistiken über den sozialen Stand gibt es nicht.

und genau das gehört analysiert ... weil dann weiss man wo man den Hebel ansetzen muss.

aus dem ausland betrachtet stehen alle parteien in oesterreich auf der gleichen seite

mehr staat, weniger individuelle freiheit

also wozu ueberhaupt geld in die hand nehmen fuer das briefporto

2 0

Re: aus dem ausland betrachtet stehen alle parteien in oesterreich auf der gleichen seite

Briefporto wird von der zuständigen staatlichen Behörde bezahlt...

Re: Re: aus dem ausland betrachtet stehen alle parteien in oesterreich auf der gleichen seite

aber nicht aus uebersee

usps is es naemlich wurscht, was auf dem kuvert in deutsch obensteht - die wollen $$ sehen

Aber

Aber auch nur solange, bis sich die Rückgratlosigkeit und Charakterlosigkeit bis in diese Länder herum gesprochen haben.