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Die Grünen sind die neue Wiener ÖVP

20.10.2012 | 18:02 |  RAINER NOWAK (Die Presse)

Maria Vassilakou spielt Stadtplanung: Ein Pickerl hier, eine Kleinstadt-Fußgängerzone da. Die Wiener Grünen haben sich sehr schnell entzaubert. Damit und dank Werner Faymann ist Rot-Grün fast Geschichte.

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Was für ein Zufall. Zwei Tage vor der legendären Landesversammlung der Wiener Grünen, die deren Parteichefs mehr fürchten als einst die Schulnoten, präsentierte Maria Vassilakou einen angeblichen Kompromiss und somit ihre Entscheidung zur Umwandlung der nicht sehr stark befahrenen Mariahilfer Straße in eine Fußgängerzone. Nachdem sich die Politik der kleinen regionalen Regierungspartei bisher ausschließlich auf die Verkehrspolitik fokussiert hatte, oder besser: auf die Verhinderung des Individualverkehrs, musste ein Erfolg her. Und sei er noch so klein. Denn das Projekt Parkraumbewirtschaftung, wie die finanzielle Belastung von Pkw-Haltern in bestimmten, ohnehin nicht gerade günstigen Wohnbezirken euphemistisch genannt wird, war ein Pyrrhussieg für die Wiener Grünen. Zwar konnten sie die Ausweitung der Parkpickerlzone gegen hunderttausende Unterschriften erzwingen. Die Ablehnung der „Krone“ und damit weiter Teile des roten Rathauses ist der Juniorpartnerin in der Wiener Stadtregierung aber seither sicher.

Eine weitere Ausdehnung der Gebührenzone wird von Vassilakou gefordert, dies wurde ihr von Häupl aber schon klar und deutlich untersagt. Also bleibt ihr nur noch die Wiener Mariahilfer Straße als Experimentierfläche, um den eigenen Wählern zu beweisen, Pkw könnten und würden in einer Stadt einfach verschwinden.

Eine Fußgängerzone nun also, wie sie jede stolze Kleinstadt ziert und die dank unzähliger Filialen internationaler Handelsketten die Massen anzieht. Nicht nur unter altmodischen Architekturtheoretikern hat sich herumgesprochen, dass diese Art von nicht überdachten Einkaufszentrenstraßen zwar Frequenz bringt, aber genau das Gegenteil von lokaler Authentizität und lebendiger Grätzelkultur darstellt. Aber wenn man in der Koalition mit der roten Wiener Eventpartei arbeitet, denkt man vermutlich selbst nur noch wie Städteplaner der frühen 1970er-Jahre.

Dass Vassilakou die benachbarten Wohnbezirke „beruhigen“ will, indem die dortigen Straßen Tempo 30 verpasst bekommen, ist putzig: Im Stau kann man schwer schneller fahren. Noch hübscher ist die Idee, die Bewohner abstimmen zu lassen, welche Querung über die Mariahilfer Straße erlaubt sein soll. Das ist das Floriani-Prinzip grüner Basisdemokratie: Die Betroffenen dürfen auswählen, wen es von ihnen mit Stau und Lärm am härtesten trifft.

Warum diese Einkaufsstraße so wichtig ist? Maria Vassilakou riskiert dort gerade den Rest ihrer planerischen und (kommunal-)politischen Glaubwürdigkeit. Sie zeigt, dass es den Grünen nicht um eine politische Vision geht, sondern nur um Signale an die eigene (Funktionärs-)Klientel und PR-Projekte zum Überleben in der Regierung bis morgen. Das kannte man früher von der Wiener ÖVP, nun starten die Grünen den Abstieg.

Parteichefin Eva Glawischnig kann trotz deplorabler Regierungspolitik mit solcher Lokalpolitik auch im Bund kaum punkten. Seit nun auch Werner Faymann im Sinkflug ist – jüngste Umfragen: 25 Prozent –, ist Rot-Grün so gut wie ausgeschlossen. Dieses Verdienst Maria Vassilakous sollte man vielleicht nicht zu gering schätzen.

rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2012)

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75 Kommentare
 
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Und eine befahrene Straße

bringt lokale Authentizität und lebendige Grätzelkultur? Was ist das für eine krause Argumentation, Herr Nowak?

L.A. an der Thaya

also ich würd wien einfach abreißen, und durch eine einfamilienhaussiedlung von laa bis amstetten ersetzen.
großzügige autobahnen und parkplätze bis zum horizont. sowas ähnliches schwebt den niederösterreichern vermutlich eh vor...

dann braucht man keine altmodischen einkaufsstraßen mehr - wos eh nur oben reinregnet.

Die Wiener Grünen

....sorgen dafür, dass auch bei den Nationalratswahlen grün abstürzen wird. Der Fanatismus von Frau Vassiliakou und ihrer Mannschaft ist nicht mehr zu verstehen.

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Mariahilferstrasse

Also dass die Mariahilferstrasse wenig befahren ist halt ich eher für ein Gerücht.....

Gast: Der grüne Horror
22.10.2012 09:38
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Grüne Politik = Qual für die Bürger

Die Grünen haben nichts positives in Wien geleistet. Sie haben es vielleicht in einem Bezirk geschafft, das Parkplatzproblem zu lösen aber dafür ein neues Problem in vielen anderen Bezirken hervorgerufen und dies auch in Bezirken mit Parkpickerl. Des Weiteren sind sämtliche Gebühren gestiegen, was sich nicht erklären lässt. Auf die Autofahrer wird hingehauen was das Zeug hält aber niemand vesteht, dass die Autofahrer wichtig sind denn sie zahlen viel mehr Steuern als diejenigen die nicht mit dem Auto fahren, daher sollte man sie auch nicht zu sehr belasten. Was hat Fr.Vize Vassilakou noch gutes gemacht? Ah, sie hat wie versprochen die Jahreskarte für unschlagbare €100,- NICHT durchgesetzt. War ja klar, wäre ja zu gunsten der Menschen gewesen, das geht dann doch nicht. Ist doch besser wenn wir schauen wo wir neues Geld einnehmen um dann mit unserem fetten Audi oder BMW inklusive Chauffeur zu protzen. Das nenne ich mal eine optimale Ausführung ihrer Vorbildfunktion. Selber mit dem Auto unterwegs sein aber die anderen versuchen für die Öffis zu motivieren. Hut ab! So kann es weitergehen aber nur bis zur nächsten Wahl und dann heißt es au revoir my dear....

Entzaubert

Die Grünen können sich auf die Schulter klopfen, vor allem Vassilakou, sie und ihre Mitmacher haben es gut gemacht. In Wien ist Grün auf jeden Fall out und Rot sehen die Wiener sowieso. Was die Grönen gezeigt haben ist, dass sie außer Pickerl einführen, Fußgängerzonen einführen, sonst nichts zu bieten haben. Seit es Rot-Grün gibt, ist alles schlechter geworden. Die Mieten steigen wieder, der Heizkostenzuschuss wurde für jene Leute gestrichen die nur 1 Cent über dem Richtwert sind, der Pensionistenfahrschein ist teurer geworden, das Parkpickerl ist teuerer geworden, die Abganem für Müll, Wasser, Kanal sind teuerer geworden. Und Vassilakou grinst immer noch.
http://charlykappel.npage.de

Gast: Seltsamer Kommentar
21.10.2012 21:57
0 1

Der Verkehrsstadträtin vorzuwerfen dass sie sich um den Verkehr kümmert

Vielleicht sollte man Werbung verbieten welche suggeriert dass Autos Spielzeug für Erwachsene sind weil dementsprechend verhaltet sich eine Minderheit der BesitzerInnen (Betonung auf Minderheit - zumindest in der Grossstadt)

Gast: vbEhEVNMAR
21.10.2012 19:51
0 0

der ganze beitrag hat ein problem...

vassilakou stand gar nicht zur wahl. sorry, aber der kern der these ist dami perdu...

Gast: Quijano
21.10.2012 18:00
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Selten dummer Kommentar

Zitat: "Nachdem sich die Politik der kleinen regionalen Regierungspartei bisher ausschließlich auf die Verkehrspolitik fokussiert hatte"

No na ned, wenn die Vassilakou Verkehrsstadträtin ist. Die Grünen sind nun mal als Juniorpartner mit nur einem Ressort in der Stadtregierung, auf diesem Gebiet haben sie aber zweifellos eine Menge bewegt und der Stadt durchaus im Positiven ihren Stempel aufgedrückt.


Re: Selten dummer Kommentar

wo genau ist der positive stempel zu finden?

Antworten Antworten Gast: Quijano
21.10.2012 20:04
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Re: Re: Selten dummer Kommentar

Es ist klar, dass sich in einer Großstadt wie Wien früher oder später verkehrstechnisch etwas ändern muss, dass ein Wachsen der Einwohnerzahl in Ballungsräumen, durch das zusätzliche Verkehraufkommen (Autoverkehr vor allem) ohne Gegenmaßnahmen zu einer Minderung der Lebensqualität führt. Praktisch bedeutet das eine Forcierung des öffentlichen bzw. nichtmotorisierten Nahverkehrs. Das ist den Grünen mit der Verbilligung der Jahreskarte, der Ausweitung der Parkpickerlzone, der neuen Fußgängerzone und nicht zuletzt der zunehmenden Bewusstseinsbildung für die Vorteile und Anforderungen des Radverkehrs, denke ich, gelungen. Das sind alles schließlich keine Nebenthemen und selbst wenn diese Maßnahme in manchen Kreisen unmittelbar auf wenig Gegenliebe stoßen mögen, längerfristig geben hier die Grünen den richtigen Weg vor.

"auf die Verhinderung des Individualverkehrs"

so ist das also. fussgänger und radfahrer sind kein individualverkehr. weil nur autos individuen sein können? exzellent!

Gast: die nette Frau
21.10.2012 17:05
8 2

untergriffig

Echt untergriffig die Überschrift, man muss ja nicht gleich beleidigend werden, Hr. Nowak !

Gast: oupos
21.10.2012 16:32
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Was genau ist nun die Kritik?

"Eine Fußgängerzone nun also, wie sie jede stolze Kleinstadt ziert und die dank unzähliger Filialen internationaler Handelsketten die Massen anzieht." Das ist also vom Bösen - weil es ja vorher auf der Mariahilferstraße keine Handelsketten gab. Und die "authentische Grätzlkultur" - was soll das bitte sein? Ich bin mir sicher, dass ähnliche Polemiken auch gegen die Kärntnerstraße und den Graben - oder die Donauinsel - geschrieben wurden. Besser wäre es wohl, die MaHü in beide Fahrtrichtungen vierspurig auszubauen - weil es einfach zu wenig Verkehr dort gibt....

Wenn schwarz-blau erlaubt ist,

ist rot grün auch erlaubt, oder sehe ich das falsch?
Einmal abgesehen davon, daß es sich ohnedies verläßlich nicht ausgeht.

eier kicker

kritik zu üben und nebenbei eine zweite partie in die eier zutreten ist anscheinend der stil von nowak.
also kritik an den grünen ..OK...das junktim mit der wiener VP ist zwar lustig aber unlogisch.
hauptsache ..ein kick..zwei hodensäcke

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Re: eier kicker

???

Gast: ichverstehmichnicht
21.10.2012 13:03
4 1

was

man bei den altparteien längst als übel akzeptiert (klientelpolitik usw) wirft man nun den grünen vor. mögen sie noch so kontroversiell sein, sie tun zumindest was, die grünen. andere coleurs tun ja so, als ob handelnde politik heisse eier wären und kommen ja nicht einmal in die nähe von tätlicher arbeit vor lauter gespinndoktorten polemisiererei!

Re: was

stimmt. die grünen tun was. nämlich bürger finanziell ausquetschen. aber wie kommst du drauf dass das die anderen nicht mehr tun?

Gast: Hubert trink das.
21.10.2012 12:07
8 6

Tät mich jetzt interessieren

ob es damals zur Kärntnerstrasse und zur Donauinsel auch so einseitig-einfältige Leitartikel verfasst wurden.

Wobei, wenn die Grünen die neue Wiener ÖVP wären, müsste die Presse die Grünen ja in den Himmel und noch weiter hinaufschreiben.

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Ich habs befürchtet, nach Fleischhackers

Abgang schwenkt die Presse wieder auf das hölzerne (Rot-)Grün-bashing zurück, und die ÖVP-Klientel wird wieder "bedient". Ja ich weiß, man muss sich vom Standard wieder mehr abgrenzen... Die Auflagenzahlen! Die Verkaufszahlen!

Antworten Gast: Schamott
21.10.2012 19:19
2 0

Re: Ich habs befürchtet, nach Fleischhackers

langweilige Vorhersehbarkeit so wie in diesem Kommentar wird die Leserzahlen auch nicht steigern.

Gast: Raumplaner
21.10.2012 11:51
8 10

Schwacher Kommentar

Dank solcher Kommentare weiß ich wieder, warum ich in der Regel den Standard lese. Dort bin ich mit den Kommentarschreibern auch nicht immer einer Meinung (was auch gut so ist), aber dort wirkt das Ganze wengigstens nicht wie ein inkompetentes (vom Verkehrs-/Stadtplanerischen Standpunkt), aus dem Zusammenhang gerissenes, zusammengeschustertes Geschreibsel.

Antworten Gast: aut Operngasse
21.10.2012 15:31
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Re: Schwacher Kommentar

Naja, Inkompetenz hin oder her (die de Presse dahingehend tatsächlich zu unterstellen ist, da gab es schon katastrophalere Kommentare), einen richtigen Punkt, der an der Rpl (meiner Meinung nach aufgrund der etwas schrebergartenhaften Trennung von Instituten anhand m.E. unwissenschaftlichen Kriterien) hat er schon:
Die Fuzo ist keine Lösung und tatsächlich ein 70er Jahre Auslaufmodell. Da weiß die linke (örtliche Rpl) Hand nicht, was die rechte (Regionalplanung, Ökonomie) tut, oder anders, die Mariahilferstraße als innerstädtisches Einkaufszentrum löst nicht das strukturelle Problem der Dominanz des motorisierten Individualverkehrs in allen Aspekten und v.a. auch der Ökonomie (ohne Autoindstrie bräche da so ziemlich alles zusammen) in Österreich außerhalb der Bezirke 1-9 und 12, 14-20.. Die Rpl ist hier denke ich leider machtlos, weil der Schrebergarten ja ein institutionelles Defizit in den meisten europäischen Ländern (Frankreich bildet hier meines Wissens eine Ausnahme) abbildet, nämlich eine zu schwach ausgebildete Planungskompetenz nationaler oder gar übernationaler Ebenen.

Antworten Antworten Gast: Operngasse 11
21.10.2012 16:19
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Re: Re: Schwacher Kommentar

Die reine Fußgängerzone ist in der Tat eher ein Auslaufmodell. In den meisten modernen Städten der Welt wird daher eher auf Shared Space, Fußgängerzonen mit öffentlichem Verkehr, teilweise mit Zufahrt für Anrainer usw. gesetzt. Wie eben auch jetzt in der Mariahilfer Straße.

Und was hat die Autoindustrie in anderen Teilen Österreichs oder dem Rest der Welt mit der Mariahilfer Str. zu tun? Geht GM wirklich pleite wegen einer Fußgängerzone in Wien?

Antworten Antworten Antworten Gast: aut Operngasse
21.10.2012 17:25
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Re: Re: Re: Schwacher Kommentar

Nur noch zur Klarstellung: Dass das Auto nicht völlig verschwinden wird (wie auch dass das keinen Sinn macht) weiß ich natürlich.
Bis vor kurzem aber hat die Autoindustrie ihren Ausstoß praktisch Jahr für Jahr erhöht. Selbst wenn "nur" innerhalb der europäischen Großstädte (ohne die Peripherien innerhalb und außerhalb der Stadtgrenzen) dramatisch mehr Haushalte auf ein eigenes Kfz verzichten, hätte das heftige Auswirkungen.
Das sind "Grenzen der Raumplanung" (wobei ein eigenes Ökonomieinstitut sehr wohl sinnvoll ist. Das mit dem Schrebergärtnern bezog sich eher auf die Kategorisierung anhand verschiedener räumlicher Ebenen, die mir nicht eingehen will) würde ich sagen. GM wird nicht pleite gehen wegen einer Fuzo. Wegen breit umgesetzter Maßnahmen wie Sie sie nennen aber vielleicht schon.

 
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