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Innsbruck: Autofahrer sehen schon bald grün

20.10.2012 | 18:02 |  von Köksal Baltaci (Die Presse)

Mit dem »Kulturquartier« in der Innsbrucker Innenstadt planen die Grünen ihr erstes Großprojekt. Und bringen damit Anrainer und Autofahrer auf die Barrikaden. Darüber hinaus soll die Parkraumbewirtschaftung ausgeweitet werden – nach dem Vorbild Wiens.

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Jubelnde Gastronomen mit Eurozeichen in den Augen und verärgerte Anrainer, die den Startschuss eines Feldzuges gegen Autofahrer befürchten. Das ist die Folge der Ankündigung der Innsbrucker Grünen, mit dem Großprojekt „Kulturquartier“ den Verkehr rund um die Altstadt zu beruhigen und einen großen Veranstaltungsplatz zu etablieren. Betroffen ist der gesamte Bereich zwischen Sillgasse und Herrengasse.

„Es gibt in Innsbruck kaum einen Ort, an dem sich Kultureinrichtungen im weitesten Sinne auf so engem Raum befinden“, sagt Uschi Schwarzl, Klubobfrau der Grünen, die seit fünf Monaten in der Stadtregierung (in einer Ampelkoalition mit der ÖVP-Abspaltung „Für Innsbruck“ und der SPÖ) sitzen und unter anderem das Ressort Stadtplanung innehaben. „Congress, Treibhaus, Landestheater, Volkskunstmuseum, Hofburg, das geplante Haus der Musik. Außerdem der Hofgarten, hoffentlich bald frei nutzbare Oase für Innsbrucker und Durchgangsort unzähliger Tagestouristen von den Busparkplätzen in die Altstadt.“

Was liege also näher, als dieses große, prominente Kulturquartier auch in den Zwischenräumen, also auf den Straßen, zu einem solchen zu machen. „Ohne Autos, nur öffentliche Verkehrsbetriebe, Fahrräder und Fußgänger.“ Dass in diesem Fall die stark frequentierte Universitätsstraße und ein Teil des Rennwegs nicht mehr befahrbar wären und auch die Anwohnerparkplätze vor der Hofburg weichen müssten, ist für Schwarzl kein Hindernis.

„Für die Parkplätze vor der Hofburg müssten wir eine Lösung finden. In der näheren Umgebung gibt es viele Tiefgaragenplätze, etwas weiter weg auch genügend Abstellplätze“, beschwichtigt die Klubobfrau. „Und was das Durchfahren angeht – eine Stadt bedeutet mehr als nur Auto fahren.“

Bereits im kommenden Jahr sollen die Bauvorbereitungen mit einer Architektenausschreibung beginnen. Schwarzl: „Das Projekt haben wir nicht aus Jux und Tollerei im Regierungsübereinkommen behandelt. Auf meinen Vorschlag hin wurde es von allen Parteien sehr wohlwollend aufgenommen und als Ziel formuliert, jetzt wollen wir es sukzessive umsetzen.“


„Pendler parken Wohngebiete zu.“Wobei das erst der Anfang sei. Das nächste große Projekt der Grünen ist neben dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs (konkrete Vorhaben wurden noch keine genannt) die Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung. Zur Diskussion stehen zum einen die Verlängerung der Kurzparkzonen im Stadtzentrum bis 22 Uhr (derzeit gelten sie bis 19 Uhr) und zum anderen die Ausweitung der Anwohnerparkstreifen in der Innenstadt ebenso wie in den Randbezirken.

„Die Wohngebiete werden jeden Tag von Pendlern zugeparkt, was für die Anrainer sehr ärgerlich ist. Wir wollen dort nach dem Vorbild der Parkraumbewirtschaftung in Wien eine Entspannung der Situation herbeiführen“, sagt die grüne Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Sonja Pitscheider.

Für die Randbezirke könne sie sich statt Anwohnerparkstreifen auch eine Parkstraßenregelung vorstellen, „wie es sie in Graz gibt – wo man pro halbe Stunde für 50 Cent und den ganzen Tag für fünf Euro parken kann“.

Die Parkpickerlerweiterung in Wien hält Pitscheider jedenfalls für „hoch vernünftig“, denn: „Als Stadtregierung muss man in erster Linie die Bedürfnisse der Wiener berücksichtigen, nicht die der Pendler, die in den äußeren Bezirken den ganzen Tag die freien Parkplätze besetzen.“

Einen genauen Zeitplan für die Ausweitung der gebührenpflichtigen Parkzonen gebe es noch nicht. „Die Verhandlungen darüber werden schon in den kommenden Monaten beginnen, aber da wir alle betroffenen Bezirke in die Gespräche einbeziehen und gemeinsam eine Lösung für dieses hoch emotionale Thema finden wollen, wird die Umsetzung eher langsamer als schneller erfolgen.“

Eine Präferenz für die Verlängerung der Kurzparkzonen im Stadtzentrum bis 22 Uhr (statt der Ausweitung der Anwohnerparkstreifen) kommt von Tomas Joos, Amtsleiter für Straßen- und Verkehrsrecht. „Die Ausweitung der Abendbewirtschaftung betrachte ich als optimale Variante, weil dann keine Kurzparkplätze entfallen würden, die untertags für Einkäufe und andere Erledigungen genutzt werden können“, so Joos vor Kurzem im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“.


Parkkarten seit 20 Jahren. Anwohnerparkkarten werden in Innsbruck für zwei Jahre ausgestellt und kosten 222, 62 Euro. Die Einteilung erfolgt nicht in Bezirken, sondern in Zonen. Die Dauerparkbewilligung gilt für die betroffenen Kurzparkzonen und in der Innenstadt auch für bestimmte Halteverbotsbereiche (Anwohnerparkstreifen).

Wer eine Parkkarte für eine der 23 Zonen haben will, muss seinen Hauptwohnsitz in dem entsprechenden Gebiet haben und der Zulassungsinhaber seines Fahrzeugs sein. Bisher wurden rund 7500 Parkkarten ausgestellt – bei 12.000 Kurzparkplätzen.

Eingeführt wurden die Anwohnerparkstreifen vor 20 Jahren – und führten zu einer deutlichen Entschärfung der Parkplatznot. Zuvor hatten sich Beschwerden von Anrainern gehäuft, wonach sie vor allem abends keinen Parkplatz finden könnten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2012)

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4 Kommentare
Gast: Gast: Leser
21.10.2012 12:31
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Bedürfnisse

"Als Stadtregierung muss man in erster Linie die Bedürfnisse der Wiener berücksichtigen"- offenbar haben die Wiener das dringende Bedürfnis, fürs Parken in ihrem Wohnbezirk zu zahlen; pardon, natürlich nicht wirklich fürs Parken (das ist ja trotz teurem "Pickerl" nicht garantiert), sonder nur für die Erlaubnis dazu, falls ein Platz gefunden wird.

Gast: Klaus
21.10.2012 11:25
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hilfe!

Eine Grünin zuständig für Stadtplanung!

Gast: Klaus
21.10.2012 11:22
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Zuvor hatten sich Beschwerden von Anrainern gehäuft, wonach sie vor allem abends keinen Parkplatz finden könnten.

HAHA, fahr mal am Samstag abend in die Stadt und such einen Parkplatz zum Essen gehen! Dann landest mangels Parkplätzen in einer Tiefgarage die das Erlebnis um weitere ca 5,- verteuert ... dank dem Quasimonopol von BOE.

Ich glaube ich setzte jetzt mal meinen bisherigen Gedanken die Kommunalabgabe nicht mehr zu zahlen in die Tat um.

Innsbruck ist eine tote Stadt, egal was für Politikdarsteller da gerade meinen die Macht zu haben. Bedenklicherweise ging es bergab - seit Frauen am Ruder sind (die Fleischkashilde hat den Untergang eingeläutet, die Doppelnamenbürgermeisterin ist um nix besser).


grüne

hoffentlich sind die bespiele einer grünen regierungsbeteiligung eine mahnung dür die nationalratswahl 2013.