Wien/Apa. Das Thema Berufsheer sorgt auch innerhalb des Verteidigungsministeriums für Zündstoff. Am Sonntag wurde ein internes Papier publik, laut dem die von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) geplante Profi-Milz von 9300Soldaten mehr als hundert Millionen Euro pro Jahr kosten würde. Der zusätzliche Aufwand für Katastropheneinsätze käme noch hinzu und würde sich gegenüber dem Status quo verteuern.
Die Abteilung Einsatzvorbereitung im Ministerium hat ein Dossier ausgearbeitet, das sich mit den Folgen einer Systemumstellung befasst. 46,5 Millionen Euro würden demnach allein die jährliche Anerkennungsprämie von 5000 Euro für die Milizangehörigen kosten. Dazu kämen Dienstgradzulagen, Monatsgelder und Milizprämien. Jeder Milizsoldat müsste zwei bis drei Wochen im Jahr verpflichtend Übungen absolvieren und bei Einsätzen innerhalb von 48 Stunden für das Heer zur Verfügung stehen.
Ein Sprecher von Darabos erklärte, bei dem Papier handle es sich um bloße „Zahlenspiele“ von Berufsheergegnern aus dem Ministerium. Der jetzige Grundwehrdienst koste bereits jährlich mindestens 430 Millionen Euro, davon würden 200 Millionen auf Verpflegung, Sold und Unterkunft entfallen. Selbst im engeren Sinn sei ein Berufsheer also nur halb so teuer. Auch die Behauptung, laut der Rekruten im Katastrophendienst billiger seien, stimme nicht. Man müsse nämlich berücksichtigen, dass Grundwehrdiener im Schnitt nur einen einzigen Tag Katastrophendienst leisten. Das sei ökonomisch ineffizient. Zudem könnten Profis die Arbeit besser erledigen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2012)
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