"SPÖ und ÖVP befinden sich im Stellungskampf"

15.11.2012 | 12:39 |   (DiePresse.com)

In der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt" schimpften die Klubchefs Cap und Kopf über den Mangel an Professionalität des jeweils anderen, Journalisten und betonten, noch nicht im Wahlkampf zu sein.

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Es wurde gezankt, wild gestikuliert und mit den Augen gerollt: In der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt" stellten sich SP-Klubobmann Josef Cap und sein VP-Pendant Karlheinz Kopf am Mittwochabend den Fragen von Moderator Meinrad Knapp und den Argumenten der "Presse"-Kolumnistin Anneliese Rohrer und des Politologen Thomas Hofer. Das Thema lautete "Große Koalition, kleine Erwartungen: Was wird die Regierung noch bis zur Wahl 2013 leisten?" Noch viel, so die Antwort von Kopf und Cap, nicht viel, wenn es nach Rohrer und Hofer geht.

"Ich frage mich, wen Sie für dumm verkaufen wollen", meinte Rohrer. Rot und Schwarz hätten bei ihrer Regierungsklausur wichtige Themen auf März verschoben, die Beliebtheitswerte seien im Keller. Die Koalitionspartner hätten sich schlichtweg nichts mehr zu sagen, seien aber nicht ehrlich genug, das zuzugeben und "auseinander zu gehen", plädierte sie für vorgezogene Neuwahlen. Hofer pflichtete bei: "Die Regierung braucht keine Opposition mehr, sie macht sich selbst das Leben schwer genug." Anstatt zu diskutieren und gemeinsam zu agieren, würde nur noch gestritten. "Wir sind im Wahlkampf, es geht bei jeder Partei nur noch um die Positionierung."

"Koalition war keine Liebesheirat"

Kopf gab sich reumütig: "Es stimmt, die Leute ärgert ein Mangel an Professionalität in der Koalition." Die Alleinschuld wollte er dann aber doch nicht auf sich nehmen: "Die Koalition war keine Liebesheirat, sondern die einzige Variante nach der letzten Wahl." Dennoch sei die Regierung besser als ihr Image verwies er auf das beschlossene Transparenzpaket und die neue Einigkeit in puncto Ganztagsschule, wo eine Einigung bei der Finanzierung bevorstehe.

Cap übte sich ebenfalls im Loben des bisher Geschafftem und fuhr die Krallen in Richtung Journalisten aus: "Der Journalismus ist ein Problem." Während ausländische Medien regelrechte Lobeshymnen über die heimische Wirtschaft, das Schul- oder Versicherungssystem schreiben würden, käme das Positive im Inland fast nie auf die Medienagenda. "Ich sage ja nicht: Singen Sie die Bundeshymne, aber acht von zehn Leuten sind zufrieden", so Cap. "Sie leben ja in einer völlig anderen Welt", warf Rohrer ein.

"Faymann kam in den Akten nicht vor"

Abseits der Streitereien wurde im Verlauf der 55-minütigen Sendung gleich bei mehreren Themen an der Oberfläche gekratzt. Als Rohrer den "Sündenfall" der Regierung, nämlich das "Abdrehen des U-Ausschusses" ansprach, wich Kopf aus: "Er hat kaum eigene Ermittlungen zutage gebracht, sondern hauptsächlich aus Akten der Staatsanwaltschaft zitiert. Das kann auch nicht sein." Dass SP-Kanzler Werner Faymann nicht geladen wurde, ließ Cap kalt. "Er kam in den Unterlagen nicht vor", lautete sein knapper Kommentar.

Ein neuer U-Ausschuss zum Thema Eurofighter stehe momentan jedenfalls nicht zur Debatte. Dass VP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner den „Oberösterreichischen Nachrichten" sagte, er sei überzeugt, dass beim Abfangjägerkauf nicht alles sauber gelaufen ist, sei lediglich "sein schlechtes Gefühl", so Kopf.

Zum Ausbau der Ganztagsschule stehe eine Einigung bei der Frage der Finanzierung bevor. Das behaupteten jedenfalls die Klubchefs von ÖVP und SPÖ. Beide Regierungsparteien haben freilich unterschiedliche Vorstellungen, wie das Geld aufgestellt werden soll: Die SPÖ pocht weiter auf Vermögenssteuern, die ÖVP will "keine neuen Steuern". Hofer dazu: "Die Regierung befindet sich in einem Stellungskampf. Man trifft sich im Wohnzimmer, schläft aber in getrennten Betten."

(hell)

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12 Kommentare

...im Stellungskampf

wer muss weg von der Macht.
Inzwischen wird wohl beiden klar geworden sein dass ihnen der Korruptiossumpf und ihr nicht loslassen können bald nackig dastehen lässt.
Sie sollten die Wahlen vorverlegen, in naher Zukunft kommts noch dicker.

Reminiszenzen

Dem Cap hängt die einstige KERY-Geschichte noch immer nach.
Er ist tatsächlich (trotz verbaler Eloquenz) ein Auslaufmodell.
Die Partei sollte ihn eigentlich zum Hinterbänkler degradieren.
Oder sollte ich besser schreiben: Er wirkt inzwischen wie ein Klotz am Bein unserer sozialdemokratischen Vorwärtsbewegung. Was an ihm noch besonders irritierend ist: Sein ständiges Entlastungsblabla für ganz offensichtliche Fehlentscheidungen besonders aus dem Kanzleramt. Faymann hätte sich dem Untersuchungsausschuss stellen müssen. Warum er den „Schwanz“ eingezogen hat, ist mir wie die historische Cap-Geschichte um den Kery ein Rätsel

Wir verdienen nichts anderes!

Wir wählen uns beideTypen immer wieder.

Re: Wir verdienen nichts anderes!

Aber 2013 haben wir Wähler neue Chancen:

Wahlbeteiligung heben - Korruption abwählen

... und im Übrigen sind Abwürger von Korruptionsaufklärung, Transparenzverhinderer und korruptionsbelastete Parteien ("the Corruption Four") konsequent ABzuwählen und von der Macht zu entfernen!

Man kann ein Problem nicht mit der gleichen Denkweise lösen, die es hat entstehen lassen (A. Einstein).
Und daher ist auch das Problem Korruption mit korruptionsbelasteten Parteien wohl kaum lösbar.

Wahlverweigerung oder ungültig wählen zementiert nur die üblen Zustände.
Es gibt sauber gebliebene Alternativen - ABWAHL der "Corruption Four"-Parteien.

“Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.” Mahatma Gandhi

==> http://www.korruption-abwahl-jetzt.at <==

8 von 10

Zitat Cap: "...aber acht von zehn Leuten sind zufrieden."

So so.

Man könnte jetzt eine Debatte beginnen, was man mit "zufrieden" meint, man könnte sich aber auch fragen, ob es irgendein Land in der Welt - egal ob Demokratie oder Diktatur - gibt, in dem 80% aller Bewohner zufrieden sind.

Ich ersuche um Beispiele.

Und woher hat er diese Zahl? Selbst ermittelt? In seinem näheren Umfeld ermitteln lassen?

Wie weltfremd ist Cap wirklich? Besteht noch Hoffnung, daß er eines Tages aus seiner Traumwelt erwacht und in die Realität wechselt?

Ich sehe in dieser Meinung eine typisch sozialistische Vorgangsweise: es wird den Menschen auf alle erdenkliche Weisen eingeredet, daß eh alles in Ordnung ist, und wenn nicht, dann hat man halt Pech gehabt und es handelt sich um ein Einzelschicksal - selber schuld, sozusagen, weil überall anders passt es ja, ned wahr?
Man muß nur die Medien richtig bedienen und darüber hinaus (zumindest in Wien) den Menschen regelmäßig in Gratisblättern (wien.at, Bezirksblatt, Bezirksjournal, Heute, Österreich) eintrichtern, daß nur der Sozialismus - pardon: die Sozialdemokratie - für alle das Beste sind. Dann kann man auf einer Wolke schweben und sich über Journalisten ärgern, die das Ganze vielleicht doch ein bißchen differenzierter sehen.

"Herr Ober, zahlen!" - 2013 kommt die Abrechnung.

Politisch hochnotpeinliche Marionettenspieler

Die einzige die mir dort (außer dem Moderator) imponierte, war die die beherrscht argumentierende Presse-Rohrer.
Der Politologe Hofer ein phonetisch herunterrasselnder Schnellsprecher.
Der Cap ein gewiefter Ausredenzampano der anderen ständig einen verbalen Hinterhalt legt.
Und wer fällt immer wieder auf ihn rein? Der schmähstade Kopf, der hängt beim Cap am fein injizierten Dauertropf.

Von den Parlamentariern

Würden sicher min.50% als Christbaumschmuck vor dem Rathaus gut ausmachen.
Da könnten sich die Menschen wahrgenommen fühlen.

Es wäre für Österreich und seine Bevölkerung

sicher Segenreich gewesen wenn der ehemalige Taxler Faymann ,sowie der Maschinenschlosser Stöger nicht in einer Regierung sitzen und beide bei ihrem angestammten Beruf geblieben wären.

Inszenierung!

Was soll diese peinliche Inszenierung - ein abgesprochenes Scheingefecht vor laufender Kamera.

Nach der Sendung gehen beide hinaus, klopfen sich freundschaftlich auf die Schulter und bedienen sich weiter hemmungslos an Steuergeldern!

falsche Vorstellung

...aber acht von zehn Leuten sind zufrieden", so Cap...
Weder Cap noch Kopf kapieren,dass die acht Leute nicht wegen ihrer "Leistungen" zufrieden sind,sondern im Gegenteil trotz ihrer "Leistungen" weil zwar das Leben in vielen Bereichen durch die Politik bestimmt wird,man aber in seiner Lebenszufriedenheit zum Glück nicht von den "Leistungen" DIESER Politik abhängig ist.

hoffentlich kommt bald die zeit der abwahl dieser beiden verbrecherparteien..

das einzige, das sie in den letzten 4 jahren geschafft haben, war das abdrehen des u-ausschusses, das verhindern von aufklärung von polit-verbrechen u. die skandalöse erhöhung der parteienförderung auf weltrekordniveau..

so eine bagage braucht niemand mehr in einer regierung!!

Re: hoffentlich kommt bald die zeit der abwahl dieser beiden verbrecherparteien..

die Jahre davor wurden dazu verwendet ihre Packeleien Juristisch abzusichern.

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