Eva Glawischnigs Herrenrunde

17.11.2012 | 18:10 |  THOMAS PRIOR UND ULRIKE WEISER (Die Presse)

Beim Bundeskongress der Grünen Anfang Dezember wird die Liste für die Wahl 2013 beschlossen. Neues Personal wird es eher nicht geben. Doch die Partei muss auch noch andere Probleme lösen. Wer gibt die Strategien vor?

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Wir sind eine Frauenpartei“, ist einer der Sager von Eva Glawischnig, der im Ohr bleibt. Zu Recht. Denn auch ein Blick auf die Kandidatenliste für die Nationalratswahl 2013, die am 1.Dezember beim Bundeskongress in Linz festgelegt wird, zeigt wieder: Sie folgt streng dem paritätischen Grundsatz. Die Plätze werden abwechselnd an Frauen und Männer vergeben.

Angeführt wird die Liste von Glawischnig, der einzigen Chefin einer österreichischen Parlamentspartei. Weniger bekannt ist, dass sich der innerste Führungszirkel um die Bundessprecherin fast ausschließlich aus Männern zusammensetzt. Die Vizebürgermeisterinnen von Wien und Graz, Maria Vassilakou und Lisa Rücker, haben zwar gewissen Einfluss in der Bundespartei. Und Glawischnigs Bürochefin ist mit Barbara Wurzer auch eine Frau. Aber im Wesentlichen ist die strategische Planung bei den Grünen Männersache.

Die beiden Masterminds der Partei heißen Dieter Brosz und Stefan Wallner. Beide sind Anfang 40, gelten als langfristig denkende Politköpfe und haben wenig Scheu, nötigenfalls unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Weshalb sie sich in der Partei nicht uneingeschränkter Beliebtheit erfreuen.


Geheimer Klubchef. Als geschäftsführender Parlamentarier führt Brosz den bisweilen nicht unschwierigen grünen Klub. Zudem betreibt er Zielgruppenforschung und gibt gemeinsam mit Glawischnig und Bundesgeschäftsführer Wallner die „großen thematischen Linien“ vor. Gemessen an seiner Bedeutung ist Brosz kaum bekannt. Er drängt auch nicht in die erste Reihe.

Wallner scheut die Öffentlichkeit eher nicht. Er war lang Generalsekretär der Caritas, ehe er 2009 von Glawischnig abgeworben wurde. Man sagt ihm einen „gnadenlos guten Außenblick“ nach. Zum erweiterten Strategenkreis gehören die Kommunikationschefs Oliver Korschil und Martin Radjaby, der bei Ö3 gearbeitet hat und sich um die „neuen Medien“ kümmert, sowie Pressesprecher Reinhard Pickl-Herk.

Vizeparteichef Werner Kogler und Eigen-PR-Genie Peter Pilz, der sich nun doch kein Match mit Kogler um Platz zwei auf der Liste liefern will, werden mehr aus inhaltlichen denn aus strategischen Gründen eingebunden. Im Bund gefragte Männer sind außerdem der Vorarlberger Parteichef Johannes Rauch und der oberösterreichische Landessprecher Rudi Anschober, der derzeit jedoch wegen Burn-outs ausfällt. Auch der Wiener Klubchef David Ellensohn spielt ein Rolle, vor allem dann, wenn die Bundessprecherin zu sehr mit Stadtagenden eingedeckt ist.

Tatsächlich hat unter Glawischnigs Führung die „Rückkoppelung in die Länder“ an Bedeutung gewonnen – dass dort Strategien erklärt und besprochen werden, ist mit ein Grund, warum die Parteichefin, die auf Plakaten selten allein abgebildet wird, in der Partei relativ populär ist. Ihr Vorgänger Alexander Van der Bellen war intern nie wirklich beliebt, wurde aber geduldet, weil der Zuspruch von außen enorm war.

Thematische Lücken. Welche Probleme müssen die Strategen nun lösen? Vor allem geht es darum, breiter zu werden. „Wir konzentrieren uns auf alleinerziehende Mütter, die gern Rad fahren“, kritisiert ein hochrangiger Grüner. „Senioren und Arbeitnehmer sprechen wir kaum an – auch nur wenige Migranten und Junge, nämlich nur die gebildeten.“ Doch genau darum gehe es: „Wir müssen neue Zielgruppen erschließen.“

Thematische Lücken, die ein Vordringen in neue Wählerschichten verhindern, sieht auch ein anderer Parteiinsider: Seit Van der Bellens Wechsel nach Wien gebe es keinen, der die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge erklären könne. Die grüne Bildungspolitik werde „nicht von der einen Person verkörpert“. Und sozialpolitisch unterscheide man sich nicht von der SPÖ.

Ein Drittel der Wähler, so schätzen die Parteistrategen, ist potenziell für ihre Botschaften empfänglich. Wallner umreißt die drei großen grünen (Regierungs-)Projekte: Bildungsreform plus Ausbau der Kinderbetreuung, Steuerreform (Belastung von Vermögen, Entlastung von Arbeit) und „die Wende bei der Energie- und Verkehrspolitik“.

Trägerrakete im Wahlkampf wird nach dem U-Ausschuss das Thema „Sauberkeit und Anti-Korruption“ sein. „Ausbaufähig“ sei die Wirtschaftskompetenz, gibt Brosz zu. Volker Plass, Sprecher der Grünen Wirtschaft, will in den Nationalrat einziehen und sich vor allem um Einzelpersonenunternehmen (die zuletzt auch die Regierung für sich entdeckt hat) kümmern. Zuschreibungen wie „links oder bürgerlich“ vermeiden die Strategen äußerst penibel.

Was auffällt: Die umweltpolitische Sprecherin, die Burgenländerin Christiane Brunner, ist weitgehend unbekannt. Intern begründet man das damit, dass das grüne Kernthema in der Außenwahrnehmung Chefsache sei. Das sehen aber nicht alle in der Partei so: „In Wahrheit wird das Thema unter Wert verkauft“, bemängelt ein Grüner.

„Protektionskind“ Maurer. Das zweite grüne Problem ist die mangelnde Personaldurchlässigkeit, vor allem im Klub. Quereinsteiger wie einst Van der Bellen wird man auf der Liste kaum finden. „Die Gründergeneration ist so gut vernetzt, dass andere fast keine Chance haben“, sagt ein Parteikenner. Außerdem gebe es kein Ausstiegsszenario für Mandatare, also „keine Versorgungsposten“. Die Lösung? Einige Plätze sollten für Leute von außen reserviert werden, etwa durch eine Quote. Neu ist Sigrid Maurer. Doch die medienerfahrene Ex-ÖH-Chefin, die als künftige Wissenschaftssprecherin gehandelt wird, polarisiert. Die einen nennen sie „ein Protektionskind Glawischnigs“. Andere streichen hervor, dass die 27-Jährige der nächsten Generation angehöre und bewiesen habe, „dass sie einen großen Laden führen kann“.

Regieren, eine Utopie? „Wir wollen bei der Wahl mindestens 15 Prozent und danach mitregieren“, lautet ein anderer Sager Glawischnigs, der im Ohr bleibt. Zu Recht? Die Chancen auf grüne Zugewinne bei der Wahl (2008 waren es 10,4Prozent) stehen nicht schlecht. Der Frust über die Regierung ist groß, die Sauberkeitsstrategie zieht. Und Frank Stronach wird vor allem der FPÖ, dem BZÖ und der ÖVP Stimmen kosten.

Aber eine Regierungsbeteiligung erscheint aus heutiger Sicht dann doch „utopisch“, wie es ein grüner Mandatar formuliert. Weil sich eine Koalition mit SPÖ oder ÖVP prozentuell nicht ausgehen wird. Und eine Dreier-Konstellation hat Glawischnig eigentlich ausgeschlossen. Zumindest bisher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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25 Kommentare
 
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Pech für Grün

Das Pech für die Grünen ist, daß ihre Wähler bürgerlich sind, sie aber versuchen, die Kommunisten zu bedienen.

Tja.

Re: Pech für Grün

In ihrer komischen Logik gedacht: warum wählen denn soviele bürgerliche Wähler (übrigens vor allem Frauen) grün? Alles Vollkoffer oder doch verkappte Kommunisten?

Re: Re: Pech für Grün

So viele sinds nicht mehr und es werden immer weniger.

Aber was solls! Wenn die Grünen das bürgerliche Lager sich selbst, den Schwarzen und Blauen überlassen, statt ihre größten Sympathisanten, nämlich die denen Umweltthemen am Herzen liegen, zu bearbeiten, sind sie selber schuld.

Alleinerziehende Mütter die Rad fahren,
Migranten, die sich nur bei Blau wiederfinden, wenn das die Zielgruppe ist, werden die Grünen weiterhin ein überschaubarer Haufen bleiben.

Die thematische Lücke und was wirklich dahinter steht

#„Wir konzentrieren uns auf alleinerziehende Mütter, die gern Rad fahren“, kritisiert ein hochrangiger Grüner. # Treffender könnte man es nicht sagen. Dazu grüner Giftpilz mit dem Geruch von 'Eau de Scandal'. Analysiert man inhaltliche Aussagen der Grünen, so denkt man unweigerlich daran, dass die Gründungsmütter und Väter der heutigen Grünen aus der Grünen Alternativen Szene hervorgegangen sind, die das bürgerliche Element in der Grünbewegung rasch eliminiert haben. Die bürgerlichen Grünen (VGÖ unter Tollmann) waren während und kurz nach Hainburg eine Strömung, die bürgerliche Menschen ansprechen konnten. Die heute herrschenden GrünInnen haben ihre Wurzeln im extremen Flügel der Jusos, denen die SPÖ zu bürgerlich war. Diese Leute können ideologisch nicht über ihren Schatten springen und daher sind die Grünen für bürgerliche Menschen (unabhängig von deren aktuellem Wahlverhalten) nur in Ausnahmefällen wählbar.

Re: Die thematische Lücke und was wirklich dahinter steht

In ihrer Logik halt saublöd, dass doch soviele "bürgerliche" grün wählen. Alles Koffer?

Re: Re: Die thematische Lücke und was wirklich dahinter steht

So viele ist halt sehr geprahlt. Sonst hätte es nicht so lange Gesichter gegeben bei den letzten Wahlen.

Aber mit der Glawischnig und ihrem Gekeife und mit den dämlichen Themen die sie immer wieder anreißen (alle Ausländer möglichst einbürgern, Anbeten des Islam dafür runterkotzen auf Katholiken, Abschaffung der Ehe) völliges Vernachlässigen von Bio und Umweltthemen. Damit verprellen sie sich ihre ursprünglich treuesten Wähler.

Frauenpower

auf Kosten der Steuerzahler! Wo könnten denn diese Damen sonst ihren Lebensunterhalt verdienen als in der Politik und als teure Luxusweibchen reicher Männer!

Re: Frauenpower

Haben sie eigentlich den Artikel gelesen?

Re: Frauenpower

Zielpunkt, Reinigungstrupp!

Lüge

Die arbeit der Männer wird als Frauenpower vermarktet.

Sie werden nur missverstanden, die Grünen!


Wir müssen ihnen gegenüber ein völlig anderes Verhalten an den Tag legen, als wir es derzeit tun, sonst wird nie was draus:

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/trotzphase-wuetende-kinder-stellen-eltern-auf-geduldsprobe-a-866897.html


Re: Sie werden nur missverstanden, die Grünen!

lol

ueber setzung

auch wenn man es nicht gerne hat als frau sind mamafeministinnen am effektivsten, denn die maenner reagieren nicht gut auf vor den kopf gestossen werden, so ist eben die erziehung und so funktioniert die kommunikation, auch wenn die hochkaraeter den schmaeh nicht kennen, spielt hin die spoe seit 30 jahren... die waehler sind auch eifersuechtig, weil wenn sie selbst so frech sind haben sie kein leiberl. ich mag das auch nicht.

Die Maurer schrammt bei der ÖH aufgrund ihrer Aktionen zumindest knapp an Betrug ran. Misswirtschaft war ohnehin ihr Thema.

Wenn die Maurer eine GrünInnennachwuchshoffnung ist, dann ist das doch perfekt!

:)

Kann einen großen Laden führen!

SM also Sigrid Maurer kann einen großen Laden führen. Jahrgang 1985 - studierte die üblichen (Nutz)los Fächer (ohne Abschluss) und studiert seit 2011 Soziologie. Also mit 29 Jahren im 3. Semester. Und solche Leute wollen UNS regieren und UNSER Geld? Hat die G. einen an der Waffel?

Faymann's Tochter? Re: Kann einen großen Laden führen!

bei Ihrem Kommentar musste ich an die ORF Sommergespräche denken. BK Faymann hat in seiner Biografie stehen: 'Studierte Jus von bis...' Keine Angaben über einen Abschluss, den er nicht hat und auch nicht vortäuschen wollte (Aussage des Herrn BK in den Sommergesprächen). Er rechtfertigte sich damit, dass er während dieser Zeit viel Parteiarbeit geleistet hat und so das Managen in der Praxis gelernt hat. Bei der Dame ist es wohl ähnlich.

Re: Kann einen großen Laden führen!


Nur einen?

Re: Kann einen großen Laden führen!

Für die Grünen dürfte das schon ein Qualifikationsmerkmal sein, dass man möglichst viele Studien BEGINNT. Dann wird wohl das Wulzsche Chaoscafe - leider ziemlich pleite - höchsten Managementerfahrungen entsprechen!

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was hat grün ausser wirtschaftsschädigung und linksmotivierte abzocke noch zu bieten ?


Re: was hat grün ausser wirtschaftsschädigung und linksmotivierte abzocke noch zu bieten ?

die falsche FarbenVORTäuschung.

grüne

warum wird täglich über die unnötigen grünen berichtet?

Diese Partei ruiniert sich selbst, ohne es zu merken.

Nun, jetzt offenbaren sich die scheinheiligen Basisdemokraten als schamlose Postenschacher.

Mögen sie kurzfristig mit ihrer ausgetüftelten Strategie punkten: als möglicher Koalitionspartner wird sich diese chaotische Truppe aber selbst zerfleischen.

Mir soll´s recht sein.

Am besten wäre, wenn es die Grünen gar nicht gäbe!

Ob Frauen oder Herrenrunde, die Grünen werden immer unerträglicher!

Die Grünen haben eine eindeutige Strategie!

Wir verbrauchen zu viel Energie, die Anderen müssen weniger verbrauchen!

Die Lehrer wollen kommen unterrichten, also müssen mehr Lehrpersonen eingestellt werden.

Wir haben ein Problem mit dem Sozialstaat, die Anderen müssen mehr bezahlen.

Wir haben ein Problem mit dem Facharbeitermangel, also müssen noch mehr Nichtfacharbeiter holen,

Wir brauchen mehr Geld und daher müssen die Anderen mehr bezahlen.

Wir haben auch keine Lösungen, das müssen die Anderen machen.

Die eindeutige Strategie ist doch: Die Anderen!

Re: Die Grünen haben eine eindeutige Strategie!

Selten so einen bloedsinn wie von Ihnen gelesen

Sorry aber Ihre Zeilen sind nur einfach nur unterstes Niveau.

Die Grünen verdienen Kritik - aber Leute wie Sie sind sogar dafür zu einfach.

Schade - denn so werden die Grünen weitermavhen und Jahr für Jahr stärker.

 
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