Abdullah-Zentrum: Anzeige und Proteste zur Eröffnung

26.11.2012 | 14:37 |   (DiePresse.com)

Demonstranten vor der Hofburg orten eine "Schande für Österreich" und einen Kniefall vor dem saudischen Regime. Spindelegger ist dagegen "stolz".

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Am Tag der Eröffnung des Abdullah-Zentrums für Interreligiösen Dialog (KAICIID) in Wien hagelt es Proteste. Gegner brachten auch eine Strafanzeige wegen Steuerdelikten beim Ankauf des künftigen Amtssitzes der internationalen Organisation im Wiener Palais Sturany ein.

Bei einem Festakt in der Hofburg am Montagabend werden unter anderem UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und die Außenminister der Gründerstaaten Österreich, Spanien und Saudi-Arabien erwartet. Ban traf am Montag VP-Außenminister Michael Spindelegger und Bundespräsident Heinz Fischer zu einem Gespräch. Spindelegger betonte in einer Rede im Parlament, Österreich könne "stolz" sein, dass ein Zentrum für den Dialog der religiösen Führer in Wien seinen Sitz habe.

Das Zentrum ist laut seiner Satzung der Verständigung der Religionen verschrieben. Kritiker orten Heuchelei, da im sunnitischen Saudi-Arabien keine Toleranz gegenüber anderen Religionen herrscht und die Verfolgung von Christen an der Tagesordnung steht.

Die Anzeige wegen Steuerdelikten wurde im Auftrag der Homosexuellen Initiative Wien (HOSI) und der Gruppe "Religion ist Privatsache" eingebracht. Konkret geht es um den Vorwurf, Saudi-Arabien soll beim Ankauf des Palais Sturany als Amtssitz für die internationale Organisation zu Unrecht von der Grunderwerbssteuer befreit worden sein. Eine entsprechende Verbalnote des Außenamtes sei nicht rechtlich gedeckt gewesen und habe die Republik um bis zu 700.000 Euro an Steuereinnahmen gebracht.

Aus dem Außenministerium heißt es, der saudische König Abdullah habe das Palais gekauft, als ausländisches Staatsoberhaupt sei er internationalen Gepflogenheiten entsprechend von der Steuer befreit.

"Symbolischer Hungerstreik"

Vor der Eröffnung kam es zu Protesten. Die Liberalen Muslime organisierten eine Mahnwache vor der Hofburg inklusive eines "symbolischen Hungerstreiks" gegen Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien. Es sei eine Schande für Österreich und Spanien, undemokratische Regime wie jenes in Saudi-Arabien wegen der Aussicht auf "Petro-Dollars" zu unterstützen, so die Gruppe.

Die Grünen wollten am Abend vor der feierlichen Eröffnung eine Kundgebung abhalten. Die Bundesregierung müsse naiv sein, wenn sie glaube, Saudi-Arabien kaufe ein Ringstraßen-Palais "der guten Sache wegen", sagte die grüne Abgeordnete Alev Korun. Denn zugleich würden überall in Europa mit saudi-arabischem Geld wahhabitische Moscheen finanziert. Auch auf das Wiener Zentrum werde Saudi-Arabien überproportionalen Einfluss haben und es für seine Zwecke nutzen. Die Kritik Koruns richte sich auch gegen die ÖVP. Diese habe dafür geworben, das Abdullah-Zentrum nach Wien zu holen und Kritik daran in den Wind zu schlagen.

--> Dialog in Wien, geschlagene Christen in Saudiarabien

Der Freidenkerbund richtete eine Protestnote an die Regierung. Mit dem Zentrum werde Islamisten eine Plattform gegeben, die diesen für "undemokratische Umtriebe und Missionierung" diene. Statt dem KAICIID solle ein Sir-Karl-Popper-Zentrum gegründet werden, um eine offene Gesellschaft zu propagieren.

Das Abdullah-Zentrum hielt vor der Eröffnungsfeier im Wiener Hilton-Hotel eine Symposion ab, bei dem internationale Erfolgsmodelle für den interreligiösen Dialog besprochen werden sollten. Nach Angaben der Organisatoren fanden sich rund 800 Teilnehmer aus aller Welt dazu ein. Der Rabbi David Rosen, der als Vertreter des Judentums in dem neunköpfigen Direktorium des Zentrums Platz nehmen wird, verteidigte gegenüber dem "Standard" die neue Einrichtung. An das Geld aus Saudi-Arabien seien keine Bedingungen geknüpft, es gelte vielmehr, die Beziehungen des Islam zur modernen Welt zu verbessern.

Unterdessen versicherte der saudische Kronprinz Salman laut staatlichen Medien, der Namensgeber des Wiener Zentrums, der rund 87-jährige König Abdullah, befinde sich in stabilem Gesundheitszustand. Er war zuvor am Rücken operiert worden.

(APA)

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81 Kommentare
 
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Fragwürdiger Dialog

Es ist allgemein bekannt, dass man durch Kommunikation kann Problem gelöst werden. Es ist durchaus positiv anzusehen, dass Saudi Arabien bereit für einen Dialog ist. Aber mit dem Austragungsort haben sie zusätzlich ein Problem erschaffen. Der Dialog soll vor Ort, wo es begonnen hat und wird bis heute gesteuert, in Riad, Mekka oder in Medina behandelt. Wenn König Abdullah bereit ist alle Religionsvertreter zur Kommunikation einzuladen ist ein wirkliches Zeichen für die Bereitschaft.
Saudi Arabien, wie so oft in heiklen politischen Fragen, zieht physisch vornehmlich vom Dialog zurück.

Ich danke meiner braven Schwesterzeitung, dass sie so umfangreich über andere Religionsgemeinschaften berichtet, während sie selbst die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen römisch-katholische Priester wegen ihrer Aktivitäten auf Internet-Hass-Seiten gefliessentlich verschweigt.


http://www.spiegel.tv/?t=1108.473#/filme/magazin-25112012/



Dass ausgerechnet die IGGIÖ

positiv zu diesem Zentrum steht, ist nicht verwunderlich. Wird sie doch von der Türkei (Sunniten) ferngesteuert. Auch hat sie gute Verbindungen zu den Moslem-Brüdern und was diese derzeit in Ägypten aufführen, das sieht man nun tagtäglich in den Medien. Einzig in den Liberalen Muslimen und bei den Aleviten sehe ich Dialog-Partner, die offen gegenüber Christen stehen und die Christen nicht als "Ungläubige" sehen.

Das überrascht mich jetzt aber ! Die Muslime sind gegen das Dialogzentrum...........


Re: Das überrascht mich jetzt aber ! Die Muslime sind gegen das Dialogzentrum...........

so etwas wie DIE Muslime, DIE Christen, DIE Juden etc. gibt es nicht!

Re: Das überrascht mich jetzt aber ! Die Muslime sind gegen das Dialogzentrum...........

Die liberalen Muslime, deren Ansichten durchaus vernünftig erscheinen wurden von einem der höchstrangigen ISLAMISTEN in der SPÖ, O. Al Rawi als Minderheit einer Minderheit einer Minderheit bezeichnet...


wirtschaftlicher hintergrund

Austrian Ambassador Gregor W. Koessler - interview with Ghazanfar Ali Khan of Arab News. Sunday 25 November 2012
Diplomatische Leerformeln und realpolitische Information sind nachzulesen. Europa opfert seine Idenität auf dem Altar der Wirtschaft.


Die Dummheit österreichischer Politik ist wohl kaum mehr zu überbieten.

Was für Steine legen sie der noch in den Weg.

Riza Sari hat recht.

Bei der Entscheidung standen finanzielle Aspekte im Vordergrund.

Da wurde jeder Aspekt der Vernunft einfach vom Tisch gefegt.


Dialogzentrum: Auch Skepsis bei Muslimen

Peter Scholl-Latour als einer der Kenner der arabischen Welt hat diese Entwicklung kommen gesehen und davor eindringlich gewarnt.
Eine Öffnung des arabischen Raumes wie z.B. Saudi Arabien ist ein reines Wunschdenken. Die Tendenz ist eine ganz andere, desto mehr arabische Länder von Christen gereinigt werden, desto aggressiver gehen sie in der westlichen Welt vor.
Die Muslime in Österreich wissen schon ganz genau warum sie ein Misstrauen haben. Sie kennen den Islam besser. Sie wollen ihre Ruhe haben.
Der einzige Grund scheint mir, man verspricht sich Geschäfte von diesem Entgegenkommen. Ein Dialog ist mit den Saudis ist überhaupt nicht möglich. Der besteht nur von einer Seite.
Es gibt natürlich eine Möglichkeit die Saudi christlich zu machen, wir machen es genauso, stellen eine Söldnergruppe zusammen, rüsten sie aus und schicken sie zur Befreiung von Saudi,nach Saudi. Eben wie zu den Zeiten der Kreuzritter. Das genau machen die jetzt. Uns vorzuwerfen im Westen wir sind Intolerant ist ein starkes Stück.

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weird ...

Eine Einrichtung, die an Absurdität wohl kaum noch zu überbieten ist. Was kommt als nächstes? Das Mahmud Ahmadinedschad-Zentrum für Toleranz und Nächstenliebe?

Minister Spindelegger zerschneidet sicher gerne noch das ein oder andere rote Band bevor ihn die nächste Wahl aus dem Amt fegt ...

Man betrachte das glühend begeisterte Grinsen

des katholischen Pristers im Hintergrund! Und die unverschleierte Frau, was hat denn die da zu suchen!

Kein Alkohol

Beim Bankett wurde kein Alkohol serviert.
Auf "Wunsch", eher Befehl des wahabitischen Geldgebers? Oder einfach aus vorauseilendem Gehorsam?
Es ist in Österreich bis jetzt eigentlich nicht vorstellbar gewesen, dass auf Banketts kein Bier, kein Wein, kein Sekt serviert wurde. Diese Getränke gehören zur österreichischen Esskultur. Katholische Orden besitzen sehr viele Hektar an Weingärten, auch das Bierbrauen ist ihnen nicht unbekannt. Nur diese Produkte trinken tun sie noch lieber.
Es ist nichts als Selbstaufgabe.

So viel zur Toleranz...

Hoffentlich wurde auch kein Fleisch serviert - aus Respekt vor dem Hinduismus. Weil wenn schon konsequent, dann richtig.


Re: So viel zur Toleranz...

Aha!
Glaubens denn, dass die den Hunduismus als Religion wahrnehmen?
Hat ja nicht denselben Gott wie die großen Drei.

Ein sehr schönes Foto

auf dem bezeichnenderweise keine einzige moslem. Frau zu finden ist.

Religion ist eine Vorteilsnahme mit Hilfe nicht überprüfbarer Argumente!

Atheisten haben nichts gegen Götter, sondern wehren sich gegen Menschen, die Götter erfinden, in deren Namen sie andere Menschen terrorisieren.

"Der Wissenschafter weiß das er glaubt!
Der Gläubige glaubt das er weiß!"

Re: Religion ist eine Vorteilsnahme mit Hilfe nicht überprüfbarer Argumente!

Der Wissenschafter weiß, dass er glaubt!
Der Gläubige glaubt, dass er weiß!

Und wir alle wissen: Deutsches Sprach - schweres Sprach.

österreichischer Kniefall vor dem Kapital ?

Es hat den Anschein , als wäre in Ö alles käuflich .
EIn lettischer Kriegsverbrecher , ein Land mit einer aktiven mittelalterlichen Rechtssprechung , womit wird sich dieses Land den noch schmücken ?

Proteste?

Es ist durchaus zu verstehen und zu befürworten, dass Menschen, die für die Menschenrechte eintreten vor der Saudi Arabischen Botschaft protestieren. Aber gegen ein Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog zu protestieren, das durchaus ein Schritt zur Öffnung des Königreiches Saudi-Arabiens sein könnte, ist grotesk. Wahrscheinlich wird im erzkatholischen Österreich solch eine Art Dialog eher gefürchtet als begrüßt. Dies erinnert an dies Anti-Beatles Demonstrationen seinerzeit, als in Österreich die Uhren auch wieder einmal anders gingen als in der restlichen Welt.

Re: Proteste?

am liebsten wuerde ich fagen, ob es toll ist, so naiv zu sein. ich lass davon ab und frage lieber:
was bedeutet das wort "dia log"?
welche leute reden dann ueber was?
nachdem diese von allem unanhaengig sind, wird ueberhaupt etwas entschieden oder dreht man sich im krieis?
gesetze koennen sie nicht aendern, aber emotionen anstacheln.
ich bezweifle,dass emotionen geglaettet werden koennen, weil das schaffen nicht mal extremisten-gegner in den jeweiligen laendern, denn zu leise, zu lieb, zu schwach, zu wenige!!

Spindelegger unterstützt ja schon den handfesten Dialog der Saudis in Syrien

Mach ma halt auch noch ein passendes "Dialogzentrum" im Herzen Europas. Das nächste von Katar soll ja in München kommen.

Will Herr Spindelegger sich nicht mal genauer

erkundigen, wie es mit Religionsfreiheit und Toleranz im Land des edlen Spenders und Namensgebers ausschaut?

Was nutzt so ein Zentrum in Österreich, wo Religionsfreiheit herrscht, niemand aufgrund seiner Religion verfolgt wird und die anerkannten Glaubensgemeinschaften vom Staat Subventionen erhalten (zb Religionsunterricht, Lehrerausbildung etc)?

Nicht oft, dass ich Frau Korun zustimme - aber hier hat sie auf ganzer Linie Recht.

Zuerst keine Alternative zu den Milliarden,...

...die den Griechen nachgeschmissen wurden, jetzt keine Alternative zum Dialog mit denen, deren Sprache "Feuer & Schwert" ist?

S'wird Zeit, dass wir uns um eine Alternative umsehen, Herr Speichelleg- äh Spindelegger.

Steuervorteil

Lt. NEWS:
"Aus dem Außenministerium heißt es, der saudische König Abdullah habe das Palais gekauft, als ausländisches Staatsoberhaupt sei er internationalen Gepflogenheiten entsprechend von der Steuer befreit."
Es geht dabei um die Grunderwerbssteuer.
Als nächstes kauft sich Herr Putin ein Hotel in Tirol - Grunderwerbssteuer bräuchte er keine bezahlen? Wie oft wurde das schon ins Anspruch genommen? Wie passt das zusammen mit dem Gleichheitsgrundsatz?

König Abdullah in Wien!

Nur ein Zeichen, wie weit Österreich heruntergekommen ist... wenn ich da an 1683 denke!

das zentrum der intolleranz


 
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