Grüne: Pilz macht für die Jungen Platz

02.12.2012 | 18:25 |  IRIS BONAVIDA (Die Presse)

Julian Schmid sorgt beim Bundeskongress für eine Überraschung, Peter Pilz verzichtet auf den Vorstand, Eva Glawischnig bleibt Bundessprecherin.

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Linz. Die alteingesessenen Grünen machen Platz für neue Gesichter – zumindest teilweise: einmal freiwillig wie Sicherheitssprecher Peter Pilz. Er verzichtete am zweiten Tag des Bundeskongresses im Linzer Design Center auf seine Kandidatur für den Bundesvorstand. An seine Stelle trat David Ellensohn, Klubobmann der Wiener Gemeinderatsfraktion (neben der Grazer Parteichefin Lisa Rücker, Regina Petril von den burgenländischen Grünen und dem Vorarlberger Klubobmann Johannes Rauch).

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Das kam für die rund 230 anwesenden Delegierten überraschend, denn Pilz hatte sich über Nacht entschlossen: Am Samstag wurde er auf Platz vier der Kandidatenliste für die Nationalratswahl 2013 gewählt. „Dann habe ich mit David ein persönliches Gespräch geführt. Bei den Grünen ist er mein engster Verbündeter“, so Pilz. „Wenn wir gegeneinander antreten, dann greifen wir uns beide an den Kopf.“ Es sei Zeit, für neue Leute Platz zu machen. „Ich habe schließlich in dieser Partei alle Freiheiten der Welt – als schlimmstes Kind.“

 

Karl Öllinger: „Enttäuscht“

Ganz selbstlos ist der Rückzug allerdings nicht: Auch das Arbeitspensum sei ihm auf die Dauer zu hoch. Schließlich kümmere er sich um die Causa Eurofighter, die Bundesheer-Volksbefragung sowie das Antikorruptions-Volksbegehren. Doch die Plätze auf der Bundesliste wurden auch unfreiwillig an Jüngere abgegeben: Ex-ÖH-Chefin Sigrid Maurer setzte sich auf Platz sechs gegen männliche Konkurrenten durch. Und der 23-jährige Julian Schmid schaffte es auf Platz acht. Sozialsprecher Karl Öllinger ging leer aus – er muss sich mit Platz sechs auf der Länderliste zufriedengeben. Er sei enttäuscht, sagt er. Viele hätten wohl geglaubt, dass sein Wiener Listenplatz ein sicherer sei. Auch der burgenländische Landtagsmandatar Michel Reimon und Volker Plass von der Grünen Wirtschaft waren erfolglos.

„Wir wollen ein kraftvolles Signal senden, dass wir bei den Grünen einen Aufbruch haben“, sagt Schmid. Dazu würden auch Jüngere gehören, aber immer auch im Zusammenspiel mit den „alten Hasen“. Nachsatz: „Und ich bin ja auch nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen.“ Als „alter Hase“ wurde Eva Glawischnig schon zum dritten Mal zur Bundessprecherin gewählt – mit 93,36 Prozent der Stimmen. Sie hält ihr Amt bis 2015, denn die Partei hat die Funktionsperioden von zwei auf drei Jahre verlängert. Gegenkandidaten hatte es keine gegeben. Bei ihrer Rede hatte sie es auf die ÖVP abgesehen, „die eine Koalition mit Strache (FPÖ-Chef, Anm.) weder ein- noch ausschließt“. Auch ein schwarz-blauer Zusammenschluss mit Neopolitiker Frank Stronach müsse verhindert werden. SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann bekam sein Fett ab: „Was will er eigentlich, außer Kanzler bleiben?“, fragte sie.

Und was wollen die Grünen? Saubere Politik und saubere Umwelt, so kann man das Motto für die nächste Wahl wohl zusammenfassen. Wer es von der Bundesliste tatsächlich in den Nationalrat schafft, ist nur schwer vorhersehbar, weil es vom Ausnützen der Stimmen auf Wahlkreis- und Länderebene abhängt. Spitzenkandidatin Glawischnig, Platz zwei Werner Kogler und Platz drei Gabriela Moser haben ihr Länderticket bereits in der Tasche. Rechnet man das ein, endet die Aussicht auf einen Nationalratseinzug irgendwo zwischen Bundeslistenplatz neun und elf.

Fast einstimmig angenommen wurde ein Resolutionsantrag mit dem Titel „Faire Mieten, leistbares Wohnen“. Gefordert wurden unter anderem klare Mietzinsobergrenzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2012)

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71 Kommentare
 
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mein

gott, der ist ja dem jungen toni polster wie aus dem gesicht geschnitten.

Hauptsache ein Bericht in den Medien?

Was ist jetzt los - warum werden die anderen achten von den anderen Parteien sie in so einem großen Umfang erwähnt? Achso, die waren ja nicht gegen den Jörg. Wie informativ aber auch.

Tsa - da ist ein Grüner gegen den Jörg gewesen. Gab es eh wirklich selten.

Schmid verteilte Anti-Schwarz-Blau-Aufkleber in der Schule

In der Schule politische Aufkleber verteilen ist also "Meinungsfreiheit" bei den Grünen?

Ich möchte das Gekreische und Gezeter hören, wenn die FPÖ in der Schule Aufkleber verteilen würde.

Überschriftenleser?

Als Schmid 13 (!) Jahre alt war, kam der damalige Kärntner Landesschulratspräsident Jörg Haider in seine Schule – mit fünf Bodyguards ....

weil der Haider nämlich ein ziemliches Zniachtel war, das man in der SCHULE ohne seine fünf Bodyguards kaum gesehen hätte.
:-)

Re: Schmid verteilte Anti-Schwarz-Blau-Aufkleber in der Schule

Interessant, gegen das Integrationsprojekt von Staatssekretär Kurz stellte sich BM Schmied quer und wollte ihn verbieten, die Schulen zu dieser zweifelsohne positiven Aktion betreten - und der grüne Schmidt bekam von der KommunalKredit-Terminatorin Schmied keine Schwierigkeiten.

Re: Schmid verteilte Anti-Schwarz-Blau-Aufkleber in der Schule

Ganz einfach, da wäre sofort der Staatsanwalt zugegen und der ORF würde der FPÖ Wiederbetätigung unterstellen.

haider

warum konnen diese hooligans einen verstorbenen nicht in ruhe lassen - widerlich!

Pilz gibt ab, und das ist gut so

10 Jahre seines Lebens hat der Pilz den Eurofightern gewidmed, und kein einziger Politiker wurde verurteilt.
Heftige Bilanz


"Gefordert wurden ... klare Mietzinsobergrenzen"

Und dass, obwohl Ökonomen schon zig mal darauf hinwiesen, dass Preisobergrenzen sich negativ auswirken.
Das Angebot geht zurück, die Qualität sinkt und der Druck für Ausgleichszahlungen unter der Hand steigt.
Hauptsache es ist "political correct".

Re: "Gefordert wurden ... klare Mietzinsobergrenzen"


Die Sozialwohnungen werden ja schon an die "Neubürger" verschenkt,

Jetzt wollen sie auch noch die Wohnungen vergeben, die ihnen auch nicht gehören!


Grüne: Pilz macht für die Jungen Platz

Peter Pilz ist auch hier wiederum ein Vorbild!!!
Bravo Peter!!!

Re: Grüne: Pilz macht für die Jungen Platz

Das ist eine aufgelegte Schwindelei und Heuchlerei.

Den Jungen Julian Schmidt lässt in den Vorstand, wo er ehrenhalber unbezahlt hackeln kann und Pilz sitzt sich um 8000.- € im Parlament seinen Hintern platt.

Himmelschreiende Heuchlerei

Dieser Pilz ist zum kotzen.

Er "verzichtet selbstlos" auf eine Kandidatur, nach dem er auf der Nationalratsliste der Grünen auf Platz vier gesetzt wurde, was einem sicheren Stockerl im Nationalrat bedeutet.

Wie edel!!! Eh klar, denn das Amt des Bundesvorstandsmitglied ist ehrenhalber, also ohne einen Euro Verdienst.

Im Nationalrat sackelt er 8000 € pro Monat ein.

Da gibt er natürlich selbstlos den Null-Euro Vorstandsitz aufopfernd für den 8000 €uro Sitz im Nationalrat her.

Die 3 Flügel der GrünInnen und ihre politische Attraktivität

Analysiert man/frau die inhaltlichen Aussagen und das Verhalten der GrünInnen in den letzten beiden Jahren, liegt folgende Schlußfolgerung nahe:

Die Partei sollte sich um eine Namensänderung bemühen. Grün ist wie die Tarnkappe für folgende wichtige Geisteshaltungen:

1. Absolutistisches Gehabe (wir beziehen das Volk nur so lange ein, wie es mit uns einer Meinung ist. Siehe dazu Parkraumvolksbefragungen in Wien)
2. Grün steht für eine zentral gelenkte Wirtschaftspolitik, wobei das wirtschaftliche Ergebnis von Leistung (Einkommen, Vermögen) in privaten Händen unerwünscht ist (Beispiel Reichensteuern für die Mittelschicht gefordert).
3. Ständiges Skandalisieren der anderen, ohne es selbst besser machen zu können.

Pech für die GrünInnen ist es, dass diese 3 Geisteshaltungen von anderen Parteien besser besetzt ist. Punkt 1 Absolutismus kann Frankie Stronach besser, Punkt 2 Leistungsfeindlichkeit passt besser zur KPÖ und Punkt 3 Ständiges Skandalisieren ist das Reich von HC Strache. Umweltschutz, welches dem Namen nach ihr wichtigstes Programm sein sollte, ist bei allen anderen Parteien zumindest gleich gut oder schlecht vertreten.

Wozu brauchen wir also diese grüne Tarnkappenpartei? Warum zum Schmiedl gehen, wenn es bessere Schmiede gibt???

Vielleicht sollte

der Öllinger auf Transgender machen (E**** hat er eh keine). Dann hat er vielleicht wieder eine Chance. Ja, ja da sägt er Jahre lang am Ast auf dem er sitzt und dann ist er entäuscht, der Tölpel.

Aber das ist immer so bei den Gutmenschen, wenn sie von ihren eigenen Vorschlägen und Ideen plötzlich selber betroffen sind, ist Schluß mit lustig....

wer ihn gesehen hat, Gestern im ROT-TV

scheinbar hat er tatsächlich was aufgedeckt.

Er schien mir sehr Aufgeregt und dem Herrn Bartenstein gegenüber sehr Siegessicher.

Jedenfalls werde ich die Hände des betreffenden im Auge behalten.
Seine Sprzis sollen mal schon die Brandsalbe herrichten.

Re: wer ihn gesehen hat, Gestern im ROT-TV

Sieger schauen anders aus. Pilz verstrickte sich zum Schluss nur mehr in polemischen Bemerkungen, ohne substanziellem Inhalt.

Was mich wundert ist, dass die Frage nicht gestellt wurde, dass Darabos ja gänzlich neue Bedingungen nachverhandelt hat.

Denn da fängt ja die wirkliche Idiotie um den Eurofighter erst an. Dass Darabos für all seine Schnitzer noch immer Minsiter ist, kann einem nur wundern.

Die "Jungen" sind gleich überflüssig wie die "Alten"!


Ich bin ja kein Hellseher,


aber ich glaube, daß es die Grünen bald nicht mehr ins Parlament schaffen werden!

Wer soll diesen Kommunistenersatz noch wählen?

Denen gehen doch die Klienten aus, echte Umweltschützer wählen diese Grünen sicher nicht, denn mit Umweltschutz hat diese Partei schon lange nichts mehr zu tun!

Wer die Überbevölkerung in einem Land fördert, kann nicht für Umweltschutz sein!


Re: Ich bin ja kein Hellseher,

Lächerliche Verdrehung der Tatsachen. Die Überbevölkerung wird doch seit jeher von der ÖVP (erfolglos) gefördert, die das Ideal der kinderreichen Großfamilie hochhält.

Und dass die Grünen aus dem Parlament fliegen ist ein Wunschtraum, nichts deutet darauf hin, was auch alle Umfragen belegen. Zu mehr als 10-15% Prozent wirds aber wohl wirklich nie reichen.

Re: Re: Ich bin ja kein Hellseher,

Die Geburtenrate ist in Österreich sehr niedrig. Das Bevölkerungswachstum geht v.a. auf Zuwanderung zurück. Und hier agieren die Grünen höchst widersprüchlich.
Einerseits stehen (standen) die Grünen für Umwelt- und Naturschutz, für Kapitalismuskritik, andererseits sind sie für Wachstum um jeden Preis?
Wie geht das zusammen? Gar nicht.
Mehr Wachstum bedeutet mehr Verbauung, mehr Energie- und Ressourcenverbrauch, mehr Umweltbelastung und Naturzerstörung. Das ist ein Dilemma, das die Grünen nur ausblenden können.


Jubel, Trubel, Heiterkeit ...

Iris hat einen guten Job für die grünen Kommunisten gemacht!

Die Grünen

sollten vernünftigeren Parteien en bloc Platz machen.

Re: Die Grünen

Vernünftige Parteien? So was die FPÖ vielleich?

Re: Die Grünen

Vernunft liegt wohl immer im Auge des Betrachters?

Und aus meinem Auge sind - angesichts der Vernünftigkeit der Alternativen - die Grünen sehr vernünftig.

Sie können aber auch eine eigene, vernünftige Partei gründen.

Re: Re: Die Grünen

Hallo, Ich glaube das Grün im nächsten Wahlergebnis eine grosse Rolle spielen wird.
Wenn sie weiterhin ihre Ideologie vergessen und die SPÖ unterstützen, wird es so weitergehen in Österreich.
In einer Koalition mit GrünRot wird sich nichts ändern in den Stammzuchtburgen Austrias.
Aber sie sagen ja laut und deutlich das sie auch dafür sind - für eine Veränderung.
Somit müßten sie sich eigentlich eher Stronach und Strache zuwenden.

ESM läßt grüßen.

 
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