Die britischen Journalisten, die mit heimlich mitgefilmten Gesprächen mit Ernst Strasser die Affäre um den ehemaligen Innenminister und ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament ins Rollen gebracht hatten, werden nun doch zum laufenden Prozess geladen. Sie sollen am 13. Dezember im Wiener Straflandesgericht als Zeugen aussagen. Das gab Richter Georg Olschak am Montag zu Beginn des vierten Verhandlungstags gegen Strasser bekannt.
Am Sonntag hatten die beiden Journalisten der Darstellung widersprochen, sie wären nicht zu einer Aussage bereit gewesen. Die „Sunday Times" kooperiere voll mit der österreichischen Justiz und die beiden Journalisten hätten sich auch gerne den Fragen im Gericht gestellt, schrieb Jonathan Calvert, einer der beiden Aufdecker-Journalisten, in einem Mail (siehe Faktbox unten) an mehrere österreichischen Medien - darunter „Die Presse".
Sie wollten während des Prozesses nur nicht gefilmt oder fotografiert werden, um ihre Identität nicht preiszugeben und weiterhin undercover arbeiten zu können. Um einen „verhüllten" und „total anonymen" Zeugenauftritt, wie ihn Richter Georg Olschak als Bedingung der Reporter für eine Aussage genannt hatte, sei es aber nie gegangen. Die „Sunday Times" führt das auf ein mögliches Missverständnis oder eine Fehlübersetzung zurück. Olschak hatte zuvor erklärt, ein verhüllter Zeugenauftritt sei „nach der Strafprozessordnung nicht vorgesehen", es gebe „keine Aussagebereitschaft der Journalisten."
Olschak: "Interne Kommunikation offenbar nicht die Beste"
Die Stellungnahme vom Sonntag lasse die Aussagebereitschaft der Reporter "in einem ganz anderen Licht" erscheinen, erklärte der Richter nun. Er verlas in diesem Zusammenhang zwei Mails vom 28. November, in denen der Anwalt der "Sunday Times" für den Fall einer Zeugenaussage von Calvert und Newell umfassenden Schutz verlangt und erklärt hatte, sie würden nicht persönlich erscheinen, sollte die Wahrung ihrer Anonymität nicht garantiert werden können.
"Offenbar ist die interne Kommunikation bei der 'Sunday Times' nicht die Beste", konstatierte Olschak. Er will die beiden Journalisten, die sich Strasser gegenüber als Lobbyisten ausgegeben hatten, nun am 13. Dezember laden und feststellen, "ob sie bereit sind auszusagen, wenn keine Film- und Fotoaufnahmen gemacht werden".
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