Mit detektivischem Gespür und der langjährigen Erfahrung eines Innenministers hatte Inspektor Ernst Strasser im grauen, nasskalten Brüssel Witterung aufgenommen. Und er verbiss sich geradezu in den Fall. Immer wieder hatte er sich mit den Geheimdienstagenten, die sich als Journalisten getarnt hatten, getroffen, um sie auszuhorchen. Dummerweise hörte sich das auf Band dann ganz anders an: Da war er derjenige, der ausgefragt wurde und bereitwillig Auskunft gab.
Doch Ernst Strasser, im Nebenberuf EU-Abgeordneter, ließ sich davon nicht irritieren. Und machte sich weiter auf die Suche nach dem „rauchenden Colt“. Doch da sich dieser nicht so rasch finden ließ, trotz zahlreicher Verhöre in den Brüsseler Restaurants bei Wasser und Ziegenkäse, verging wertvolle Zeit.
Die ihm dann leider fehlte, um rechtzeitig das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung – dem er, nebenbei bemerkt, ohnehin nicht wirklich vertraute – zu informieren. Es wäre übrigens „zum Schutze Österreichs“ gewesen.
Und nun will Ernst Strasser niemand glauben. Das weit größere Problem wäre jedoch, würde er selbst glauben, was er da erzählt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2012)
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