Höfler: "Umstellung auf Berufsheer ist verfrüht"

07.12.2012 | 07:09 |   (DiePresse.com)

Ein Berufsheer sei bei dem derzeitigen Budget und Leistungsumfang nicht machbar, meint der Streitkräftekommandant. Der Umgang mit der Sicherheitsstrategie sei "verantwortungslos".

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Der scheidende Streitkräftekommandant, Generalleutnant Günter Höfler, hält eine Umstellung auf ein Berufsheer für verfrüht. „Ein Berufsheer hat für einen Berufssoldaten immer einen Charme, aber so lange die Rahmenbedingungen zur Umsetzung nicht gegeben sind und es nicht klar ist, wohin sich Europa hinsichtlich einer gemeinsamen Sicherheitspolitik entwickelt, halte ich eine Umstellung zum derzeitigen Zeitpunkt für verfrüht", sagte er im Interview mit der Austria Presse Agentur. Weiters könne er sich nicht vorstellen, dass ein Berufsheer mit dem jetzigen Heeres-Budget und dem gleichen Leistungsumfang machbar wäre. Immerhin bekomme ein Grundwehrdiener 300 Euro im Monat, ein Kadersoldat dagegen mindestens 1200 Euro.

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„Wie immer aber das Ergebnis der Volksbefragung im Jänner ausgeht, entscheidend wird sein, wie die Politik tatsächlich damit umgeht", meint Höfler. Wenn die Teilnahme sehr gering ist und das Ergebnis zudem sehr knapp ausfällt, sei in einer „derart elementaren sicherheitspolitischen Frage höchste politische Verantwortung gefragt", so Höfler. So sei es eigentlich „verantwortungslos", dass die neue Sicherheitsstrategie seit bald zwei Jahren zur Behandlung dem Parlament vorliege und nicht weiter bearbeitet werde, stattdessen aber die Frage des Wehrsystems „hochstilisiert" werde. Damit sei er „höchst unzufrieden".

Rückabwicklung von Jet-Deal "unrealistisch"

Ebenfalls unzufrieden ist der Generalleutnant mit der Debatte um den Eurofighter-Deal. Eine Rückabwicklung des Jet-Kaufs, wie sie derzeit aufgrund neuer Korruptionsvorwürfe diskutiert wird, hält er für „völlig unrealistisch". Dafür sei zu viel in das System investiert worden. Sowohl Piloten als auch Techniker seien für den Eurofighter ausgebildet, die gesamte Infrastruktur am Fliegerhorst sei auf diesen Fliegertypen ausgerichtet. Es sei Sache der Gerichte zu klären, ob beim Kauf der Jets etwas nicht korrekt abgelaufen sei. Sollte aber die Republik Schadensersatzzahlungen erhalten, könnte man dieses Geld dazu verwenden, um eingesparte Fähigkeiten der Flugzeuge wiederzuerlangen.

Geld könnte das Bundesheer auch in anderen Bereichen brauchen. Höfler warnte eindringlich davor, das Heeres-Budget weiter zu kürzen. Das würde nämlich dazu führen, dass man vorhandene „Fähigkeiten abbaut und für neue Herausforderungen nicht mehr entsprechend gerüstet ist". Bei einem Budget von zwei Milliarden Euro bzw. 0,7 Prozent des BIP könne man „eigentlich nicht mehr tiefer gehen".

Höfler war sechs Jahre lang Streitkräftekommandant und übernimmt nun die Leitung der Militärvertretung in Brüssel.

(APA)

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5 Kommentare

Berufsheer

Darabos hat als Zivi keine Erfahrung mit dem Militär. Leider hat er auch eine Rechenschwäche. Ein Kaderssoldat verdient heute € 1200 - in 20 Jahren mit allen fixen Vorrückungen? In 20 Jahren haben wir nur noch hochbezahlte Vizeleutnants und Generäle, die höchsten den Staub vom Schreibtisch wischen. Die Drecksarbeit macht dann wer? Die lagern wir aus. Und die Auslandseinsätze werden in Landeswährung bezahlt. Das Budet soll gleichbleiben, den wir verkaufen alle Waffen und Gebäude bis auf die Verwaltúng, dort überwachen Polizisten den Eingang. Leisten können wir uns das nicht. Daher für ALLE (auch Frauen) 6 Monate Dienst für die Heimat, das schadet sicher niemand. Trotzdem eine Strukturreform des Heers durchziehen!

Höfer !?!!!!!

Das Niveau dieser Zeitung sinkt wie eine Bleiente im Wasser.

Höfer: "Umstellung auf Berufsheer ist verfrüht"

Es ist ein Wahnsinn, wie verantwortungslos und leichtsinnig der Verteidigungsminister in solchen Fragen handelt. Wenn allen reiner Wein eingeschenkt wird, dann müsste man die Volksbefragung verschieben ! Aber das unklare Bild, das der Verteidigungsminister von einem Berufsheer zeichnet ist ein Skandal.

Gott sei Dank gibt es am 3.3. Wahlen, damit solche unqualifizierten Volksvertreter abgewählt werden können !!

Es ist schon schlimm genug,

dass die Politik versucht, das selbstverschuldete Scheitern der letzten Bundesheerreform "ÖBH2010" mittels einer völlig unausgegorenen neuerlichen "Reform" zu bekämpfen (Quasi nach dem Motto: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?"). Und zwar quasi eine "Reform um der Reform willen" - aber "selbstverständlich" ohne Anschubfinanzierung. Obwohl allgemein bekannt ist, dass Umstrukturierungen immer mehr kosten, bevor sie Einsparungen bringen. Der Verteidigungsminister verbreitet doch tatsächlich die Lügengeschichte, dass man die kostenintensive Umstellung auf ein Freiwilligenheer "kostenneutral" mittels "Einsparungen durch das Ende des Grundwehdienstes" finanzieren könnte. Hätte der Minister noch einen Funken Anstand, hätte er den Evaluierungsbericht zur Reform "ÖBH 2010" veröffentlicht, damit man die Fehler bei der Umsetzung öffentlich diskutieren und bei künftigen Umstrukturierungen vermeiden hätte können. Stattdessen ließ er ihn zur Verschlussache erklären und in irgendeinem Panzerschrank verschwinden. Um sich vor der eigenen politischen Verantwortung zu drücken und seiner Partei sowie dem Koalitionspartner einen Skandal zu ersparen. Die gesamte Wehrpflichtdiskussion ist ja nur ein Ablenkungsmanöver, um einen öffentlichen Diskurs über "ÖBH2010" im Keim zu ersticken.

Re: Es ist schon schlimm genug,

Sehr geehrter Alatheus,
als normaler Bürger kann man ihre Informationen nicht haben. Ich lese nur die etwas besseren Zeitungen und hoffe, dass die Spezialisten in Verbindung mit den gewählten Politikern da Schiff Österreich nicht versenken.

Das hat sich in den letzten Jahren nach den unzähligen Bereicherungen der Politiker entscheidend gewandelt.

Ich bin seit 2 Jahren wieder in Österreich und deprimiert einen Scherbenhaufen laut den 14 Korruptionsfällen (NZZ aus 2010) vorgefunden zu haben.

Ich habe die Wahl: entweder in Steinhof zu landen, oder ins Ausland zu gehen und auf meine Brieftasche zu schauen.
Ich bin zwar Patriot, war bei den Gebirgsjägern, aber ich muß aus Selbstschutz die zweite Wahlmöglichkeit wahrnehmen, leider !

Ich habe in meinem Job ein Wissen, das diverse österr. Firmen weiterbringen würde, jedoch durch die Parteiwirtschaft in Österreich, würde dies zuviel unproduktive Arbeit für mich bedeuten.

Danke nochmals für Ihre Infos !

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