Berufsheer, die Austro-Version

07.12.2012 | 18:24 |  von Iris Bonavida (Die Presse)

Auch in Österreich könnte die Wehrpflicht bald Geschichte sein. Der Posten von Berufsheer-Gegner Entacher wurde gestern ausgeschrieben. Auch bei den Zivilbediensteten will Darabos sparen.

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Den Posten des entschiedenen Berufsheer-Gegners Edmund Entacher hat Verteidigungsminister Norbert Darabos – neben anderen Spitzenpositionen – gestern ausgeschrieben. Womit das Karriereende des Generalstabschefs besiegelt ist, er geht in Pension.

Ob in Österreich tatsächlich bald die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft und stattdessen ein Berufsheer eingeführt wird, darüber entscheidet die Bevölkerung bei der Volksbefragung am 20. Jänner 2013. Doch was passiert mit dem Heer, sollte sich die Mehrheit tatsächlich für eine Reform des Wehrsystems aussprechen? Dann wird wohl Darabos' Profiheer umgesetzt.

Dieses sieht eine Mobilmachungsstärke von rund 55.000 Personen vor – ebenso wie das jetzige System. Die Zahl ergibt sich aus fünf großen Blöcken: Einen Teil machen die Berufssoldaten aus – davon gibt es im jetzigen System 16.000. Im Profiheer-Modell von Darabos soll ihre Zahl auf 8500 reduziert werden. Man argumentiert unter anderem damit, dass es keine Grundwehrdiener mehr geben wird und dadurch nicht mehr so viele Ausbildner benötigt werden.

Dafür soll die Anzahl der Zeitsoldaten fast verdreifacht werden und 7000 betragen. Sie sollen zwischen drei bis neun Jahre beim Heer bleiben. Danach werden sie – so zumindest der Plan – beim Wiedereinstieg ins „zivile Erwerbsleben“ unterstützt, das Militär würde etwa Ausbildungskosten übernehmen. Im Idealfall bleiben diese Zeitsoldaten auch nach ihrem Dienst der Profimilizerhalten. Diese Miliz ist sozusagen das Herzstück des Darabos-Modells: 9300 Soldaten verpflichten sich, an einer zweiwöchigen Übung im Jahr teilzunehmen – und im Notfall auch für Inlandseinsätze zur Verfügung zu stehen. Den Rest des Jahres arbeiten sie wie gewohnt in ihrem zivilen Beruf weiter. Für ihre Bereitstellung erhalten sie eine Anerkennungsprämie von 5000 Euro, bei einem tatsächlichen Einsatz erhalten sie noch zusätzlich Geld.

Auch bei den Zivilbediensteten will Darabos sparen. In Zukunft sollen sich nur noch 6500 Personen um die Verwaltung kümmern. Das sind rund 2000 weniger als im jetzigen System – die Zahl soll durch natürliche Abgänge und Verlagerungen in andere Ressorts reduziert werden. Und die restlichen Personen, die auf die 55.000 fehlen? Die füllt die beorderte Miliz auf – zumindest auf dem Papier. Denn obwohl es diese Reservetruppe auch jetzt schon gibt, eingesetzt wurde sie noch nie.


Neue Bedrohungen. So will sich Darabos vor allem für die neuen Bedrohungsszenarien im In- und Ausland rüsten – also „gescheiterte“ Staaten, Pandemien oder aber auch Cyberkriminalität. Mit dem Entfall der Wehrpflicht wäre allerdings auch der Zivildienst Geschichte. Dafür legte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) einen Plan B vor: Er will das Freiwillige Sozialjahr einführen, bei dem Männer und Frauen ab 18 Jahren ein Jahr lang für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen arbeiten können. Plätze soll es für 8000 Interessierte im Jahr geben, sie erhalten 1386 Euro brutto pro Monat, 14-mal im Jahr. Das Modell soll insgesamt 208 Millionen Euro mehr als der Zivildienst kosten.

Geht es nach Norbert Darabos, könnten sowohl Freiwilliges Sozialjahr als auch Berufsheer im Jahr 2014 starten – allerdings würde die Umstellung bis zu zehn Jahre lang dauern.


Stellungspflicht trotz Berufsheer? Außerdem überlegt man im Verteidigungsressort auch, die Stellungspflicht – trotz Berufsheer – beizubehalten. Männer und auch Frauen könnten so zur Überprüfung und zu einem Gesundheitscheck einberufen werden, gleichzeitig könnte man auf diese Weise bei den jeweiligen Terminen für den freiwilligen Wehrdienst werben. Denn eines ist fix: Bei einem Berufsheer müsste das Militär ein völlig neues System zur Rekrutierung aufbauen.

So weit die Pläne der SPÖ. Der Koalitionspartner, die ÖVP, erteilt hingegen sowohl einem Berufsheer als auch dem Sozialjahr eine Abfuhr. Die Volkspartei hält an der Wehrpflicht fest, möchte aber (zumindest vor der Volksbefragung) kein eigenes Konzept präsentieren. In groben Zügen wurde allerdings die Idee eines „Österreich-Dienstes“ vorgestellt: Junge Männer können sich entscheiden, ob sie den Zivildienst, einen Dienst an der Waffe oder einen Katastrophenschutz-Dienst ableisten. Die beiden Letztgenannten dauern fünf Monate, anschließend werden noch Milizübungen im Ausmaß von einem Monat angehängt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2012)

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41 Kommentare
 
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Meinungen der Betroffenen

Was passiert, wenn man die Menschen auf einer der größten Militärparaden des Landes befragt?
Lesen Sie nach:
http://mokant.at/politik/berufsheer-oder-wehrpflicht.html

Darabos macht mit Sicherheit keine Umstellung auf ein Berufsheer.

Sollte er die Wehrpflicht abschaffen, wird aus Geldmangel jede weitere Reform verschleppt und wir stehen ohne Landesverteidigung da.

Dann können wir die NATO oder unsere Nachbarn Tschechien, Deutschland, Schweiz, Italien oder Ungarn bitten unseren Luftraum zu überwachen und unsere Grenzen zu verteidigen.

Re: Darabos macht mit Sicherheit keine Umstellung auf ein Berufsheer.

Österreich sollte der Nato beitreten, weil es sich eh keine Armee leisten kann (siehe Bundesheer einst und heute).

Re: Re: Darabos macht mit Sicherheit keine Umstellung auf ein Berufsheer.

Gerade bei einer NATO-Mitgliedschaft ist das Bestehen einer nationalen Armee unumgänglich. Man kann zwar gewisse Aufgaben vorübergehend (!) und gegen finanzielle Abgeltung von Bündnispartnern erledigen lassen (siehe: NATO Air Policing Baltikum), aber man erspart sich nichts. Das Budget müsste für einen normalen neutralen Staat von derzeit 0,6% des BIP auf 1,1% des BIP angehoben werden, bei einer NATO-Mitgliedschaft aber auf zumindest 2% des BIP!

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Re: Re: Re: keine Umstellung

vielleicht ist die mitgliedschaft auch kostenlos zu haben.
müsste vor einlass gewiss sowieso eine taschenkontrolle gemacht werden,-sollte wohl selbstverständlich sein..eben ob wir wirklich kein geld und gold haben.Wenn es Ihnen Herr Österreich keine umstellung macht,dann würde Ich Sie bitten mir bitte den tascheninhalt und hygienischen status sichtbar zu machen


Wann werden bei uns endlich die Kommandostrukturen verschlankt?

Sogar das größte Militärbündnis der Welt, die Nato hat das schon längst hinter sich:

"Seit 2009 bei der Anzahl der Kommandostruktur von 14 auf 3 und der Stäbe von 11 auf 7." (FAZ v.7.12.)!

Unsinn

Grundsätzlich halte ich es für Unsinn, dass das Volk über so etwas Wichtiges wie die äussere Sicherheit des Landes abstimmen darf.Es wäre die Aufgabe der Politik, entsprechende Entscheidungen zu treffen.
Seis drum, so ist es halt, dass wir darüber abstimmen dürfen/sollen.Nun wäre es Aufgabe der Politik, das Volk objektiv zu informieren über die Kosten(keine Fantasiezahlen wie von Darabos genannt) und die künftigen Aufgaben des Bundesheeres.Was kostet die Wehrpflicht, was kostet ein Berufsheer, wie kann ich die nötige Anzahl an Soldaten, bei Abschaffung der Wehrpflicht, rekrutieren, wie ersetze ich die heutigen Zivildiener, all das zu klären, wäre die Aufgabe der Politik, abseits jeden Populismus.

Re: Unsinn

Ich bin völlig Ihrer Meinung. Außerdem sollte man sich endlich einmal von der politischen Vorgabe verabschieden, das Heer dürfe "nicht mehr kosten". Einerseits unterstellt die Politik dem Bundesheer seit Jahren "Ineffizienz", fördert diese aber insofern, indem man dem Verteidigungsministerium die Gelder und gesetzlichen Rahmenbedingungen für sinnvolle Umstrukturierungen vorenthält. Das fängt bei veraltetem oder nicht in ausreichendem Maße vorhandenem modernem Gerät an, geht über Provinzkasernen, desolate Infrastruktur und reicht bis zu betrieblichen Problemen, wie dem hohen Verbrauch an Systemerhaltern und gleichzeitig mangelnden Ressourcen für eine einsatzorientierte Ausbildung.

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Re: Re: Un sinn

die nutzensfrage sollte ebenso aufgeführt werden bitte.

laut wikipedia"bundesheer"36000 aktive soldaten in österreich.
36000 x sold
36000 x gratis essensausgabe
und 36000 x 24h keine leistung für österreich

im vergleich 3000 obdachlose und weitere zigtausend ohne sichere wohnsituation
und grossteils deren tägliches essen aus spenden und restnahrungsmittelrohstoffen erhalten wird

Leistung für österreich:Kritik an der effizienz unserer Politik,sozialer wirtschaft(oder meint jemand es gäbe nicht nur genug arbeitsplätze oder der sinn vieler arbeit wäre mit der (einfache regel zum verständnis:auf wieviele jobs könnte die wirtschaft urplötzlich verzichten und dennoch alle leistungen anbieten)und wohnungspolitik.500 000 leben in österreich in armut weitere 500 000 armutsgefährdet.
3 milliarden euro jährlich zahlen wir dem bundesheer für essen,strom und munition.waffenkäufe sind extra..

die wirtschaft-überall dort wo leistungen gebracht werden für die wir sowieso zahlen,- nur zusehen kann und jobs kündigen: Suche nach Vermissten, Schneeräumung, Brückenbau, Pistenpräparierung usw.

und zur allgemeinen information:luftraumüberwachung machen nicht soldaten,das tun ganz wenige anlagen mit wenigen angestellten von ganz alleine.

der rest der zigtausend stehen irgendwo oder spielen verstecken oder tummeln sich in unterirdischen stellungen,der rest der zeit mit allen sinnesfreuden vergeht-da würde wohl jeder obdachlose,hungernde vor neid erblassen.

Re: Re: Re: Un sinn

Sind Sie betrunken?

Re: Re: Re: Un sinn

Sie wissen schon, dass zumindest die fünffache Summe die für das Heer ausgegeben wird, Jahr für Jahr in das Sozialwesen fließt?

Re: Unsinn

Vollkommen richtig, ungeklärte, offene Fragen, keine Ahnung was es kostet, kein Plan für Übergangszeit, keine Informationen, aber Volksbefragung.???

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Ich bin ja schon gespannt ...

... wie das Beamtendienstrecht dahingehend reformiert wird?! Alleine bis das geschehen ist, werden 10 Jahre vergehen ...

"Presse" muß das sein, daß SPÖ Propaganda kritiklos verbreitet wird?

DAß das Berufsheer mehr kosten wird ist allen klar und daß nebenbei durch den Entfall des Zivildienstes die Blaulichtorganisationen partiell zusperren können auch.
Wird man halt auf den Rotkreuzwagen im Notfall 2 oder 3 mal so lang warten müssen als derzeit, gegenwärtig sind es nämlich im Schnitt 12 Minuten. Fein für den Staat, die Totenquote wird halt bei Schlaganfall und Herzinfarkt ein bisserl ansteigen.

Re: "Presse" muß das sein, daß SPÖ Propaganda kritiklos verbreitet wird?

Und Sie glauben durch die Verbreitung Ihrer kommunistischen ÖVP/FPÖ Propaganda wird was besser?

Waaaaaaaas! Hat der Generaloberstfeldmarschall Entenkracher nicht seinen Ehrenposten auf Lebenszeit und die Nachkommen das Erbrecht?

Hallo?
Das wird aber der Verfasselungsgerichtshof gleich bestätigen!
Die haben ihre Amterl ja auch auf Generationen!

Re: Waaaaaaaas! Hat der Generaloberstfeldmarschall Entenkracher nicht seinen Ehrenposten auf Lebenszeit und die Nachkommen das Erbrecht?

sagen sie, was erwarten sie sich normalerweise eigentlich für eine reaktion auf ihre postings?

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Antrag auf Krieg,faustkampf oder wikingerfestessen

kriege sollten durch wettstreit gelöst werden-parlament gegen parlament.

und der wettstreit sollte im ams zuvor genehmigt werden müssen,-arbeitswillige vor!sonst gibts auch keine arbeitslosenhilfe oder notstandsgöd.

und gegessen wird auch erst wenn das gegnerische parlament eingenommen wurde..

Re: Antrag auf Krieg,faustkampf oder wikingerfestessen

Sie meinen also Zustände, wie jetzt gerade in Kairo? Interessant, Ihre Ansichten.

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Schmachrotzer

nein..wenn das parlament sich gezwungen sieht weiterhin zigtausend sportler-mann ohne gegenleistung zu ernähren und monatlich zu bezahlen,dann sollen sie doch diese aus eigener tasche bezahlen oder gleich selber losmarschieren um gegnerische parlamente einzunehmen.

dagegen die obdachlosen und armen die caritas ernähren versucht-dies jedoch nur bis 240 mahlzeiten pro abend,hingegen etwa 1000-2000suppen.

österreich braucht keine anderen parlamente einnehmen und dass irgendwer an unserem interesse hätte ist äusserst zweifelhaft..darum sollte auch das potentielle neue milliarden-euro- parlamentssanierungspaket striktenst abgelehnt werden.

keine neuen sessel und kommunikationsgeräte-keine spezialteams die nach abhörgeräten suchen-das parlament sollte sowieso für die öffentlichkeit arbeiten,nicht geheimpolitik betreiben..denn wie sollen wir für deren sicherheit im gebäude sorgen,wenn diese sich uns gänzlich entziehen?..und wieder geld für deren sorgen und nöte.

eine unaufhörliche spirale die vollkommen unnötig ist,sobald unsere anliegen und auftrag an politiker öffentlichkeitscharakter haben,so wie uns auch öffentlich das geld von diesen entzogen wird.

unfähigkeit ist erwiesen,-sparpakete sind er beweis oder staatsbetriebe die bankrott gingen;dennoch das parlament weiterhin tagt als ob nichts gewesen wär.

fehlt nur noch,das wir denen auch noch Nasenabwischer zahlen.


Als tendenzieller Befürworter einer Berufsarmee

vermisse ich eine seriöse Diskussion über die Kosten. Kostenneutralität halte ich für höchst fragwürdig. Weiters nicht geklärt ist m.E. die Frage der Rekrutierung, gibt es genügend "normale" Bewerber, d.h. keine verkrachten Randgruppenexistenzen?

Leider hat presser 11:58 recht,

Obwohl das als Verschwörungstheorie abgetan werden wird, aber das ist einer der Hintergründe für ein Söldnerheer.

Ein weiterer wäre z. B: Bei einer "Pandemie" wie z. B. der vor kurzem medial aufbereiteten Vogelgrippe, Schweinegrippe etc. die Bevölkerung zwangsimpfen zu lassen, mit einem mit Nanopartikel angereicherten Impfstoff und dabei die Söldnerrmiliz als Polizeiunterstützung anzufordern, um alle Impfverweigerer zu impfen. So sehen zumindest die Einsatzpläne der von den USA dominierten Weltgesundheitsbehörde vor. Da braucht man gar nicht an erst Orwell zu denken. Auch einbgepflanzte Chips gibt es bereits für bestimmte Berufsgruppen im EU Gebiet.

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Re: Leider

bisher haben solche situationen nur in filmen die militärs gelöst..
ansonsten haben wir sehr viele ärzte im land,wie auch krankenhäuser-und falls jemanden die wirkstoffe gebracht werden müssen,stehen wie Sie bemerkten noch immer viele einsatzkräfte wie auch freiwillige,bzw sozialhilfskräfte zur verfügung.

Re: Leider hat presser 11:58 recht,

welche denn? .. bitte nur 1 (ein) Beispiel

Die Roten wissen ganz genau, dass...

...ein Machterhalt mit demokratischen Mitteln nicht mehr lange möglich ist.

Ein Söldnerheer rekrutiert aus Sozialfällen aller Herren Länder kann da schon ein willkommenes Instrument zur Durchsetzung der EUdSSR sein...

Re: Die Roten wissen ganz genau, dass...

Mein Gott, der ist ja nicht mehr ewiggestrig, sondern schon ewigvorvorgestrig, dieser Unsinn, den Sie hier verzapfen. Hören Sie doch endlich auf mit der Nabelguckerei. Die Welt ist ein Dorf geworden und wir leben nicht auf einer Insel der Seligen, auf der wir alles so bleiben lassen können wie es ist. Entweder wir passen uns an die Wirklichkeit an, hören also auf in einer Phantasiewelt zu leben oder wir entwickeln uns zurück ins Vorvorgestrige! Dann schaffen wir es vielleicht eines Tages noch zu einer Art Sonderling im Dorf und sonst nichts mehr.
Weg also mit der Wehrpflicht, weg mit der Zwangsrekrutierung von Jugendlichen zum Frondienst!

 
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