Mensdorff: Bestechung? „Kann ich nicht nachvollziehen“

12.12.2012 | 18:10 |  von MANFRED SEEH (Die Presse)

Zum Auftakt seiner Verhandlung wegen Geldwäsche sagte der „Bauer“ (Eigendefinition) Alfons Mensdorff-Pouilly: „Ich werde alle Vorwürfe widerlegen.“. Er habe nie Politiker bestochen.

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Wien. „Treten Sie eigentlich als Graf auf?“ Frei nach dem Motto „Was ich schon immer fragen wollte“ nähert sich Richter Stefan Apostol am Mittwoch dem prominenten Beschuldigten Alfons Mensdorff-Pouilly. Dieser wird von vielen schlicht „Ali“, von anderen aber respektvoll „der Graf“ genannt. „Nein“, entgegnet der 59-Jährige, als Graf gebe er sich nie aus. Und sein Anwesen in Luising im Südburgenland sei auch kein „Schloss“, sondern „ein Haus“. In Anspielung auf den gescheiterten Beschlagnahmungsversuch der Justiz: „Ein Haus, das sich der Staatsanwalt so gewünscht hat.“

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Was wäre, will der Richter vorsorglich noch wissen, wenn man das „Schloss“ verkaufen müsste? Mensdorff: „Man könnte es nur als Altersheim brauchen“. Das ist er also, der mit Spannung erwartete Auftakt des Geldwäscherei-Prozesses (Maximalstrafe: fünf Jahre Haft) – im Mittelpunkt ein durchaus launig wirkender Beschuldigter, der zunächst erzählt, wie seine Karriere begann und wie er „Berater“ des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems wurde. Um letztlich mit den Worten zu schließen: „Politiker brauchen keine Bestechung. Die wollen politischen Erfolg haben, kein Geld.“

Aber der Reihe nach: Alfons Mensdorff-Pouilly, der Ehemann von Ex-ÖVP-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, in den 1980-er-Jahren als Geflügel-Einkäufer und später als Betreiber von Jagden auf dem von den Eltern geerbten Gut tätig, beziffert sein derzeitiges Jahresgehalt mit 35.000 bis 40.000 Euro.

 

„Ali“ in einer anderen Welt

Außer „Bauer“ sei er auch „Konsulent“. Und dies sei so gekommen: Eine Cousine habe ihm Mitte der 80-er-Jahre ihren damaligen Verlobten, den Briten Timothy Landon, vorgestellt. Durch „Tim“ habe er „eine andere Welt kennen gelernt“. Die Welt der Rüstungsindustrie.

Landon (er starb 2007), ein Ex-Geheimdienstmitarbeiter, einst an einem Staatsstreich im Oman beteiligt, arbeitete für BAE. Und der Konzern habe jemanden gesucht, der den osteuropäischen Markt „aufbereiten“ könne. So begann „Ali“, wie er sogar in den BAE-Papieren geführt wird, für das Unternehmen als „Ratgeber“ – nicht als Lobbyist – zu arbeiten. „Lobbyisten sind in Verkaufsverhandlungen eingebunden, das war ich nie.“

Die Berichte, die fortan nach London drangen, erfolgten meist mündlich. Mensdorff: „Ich kann quatschen, aber nicht schreiben.“ Von seinem britischen Kontaktmann, der befürchtet habe, von den USA ausspioniert zu werden, habe es geheißen: „Sprechen wir, aber ruf mich ja nicht an.“

Staatsanwalt Michael Radasztics meint nun, dass die Leistung des Beschuldigten keineswegs aus Berichten bestand. Gelder, die von BAE an Briefkastenfirmen flossen, seien dafür gedacht gewesen, Entscheidungsträger zu manipulieren. Die Gesamtsumme dieser Gelder laut dem Strafantrag: 12,6 Millionen Euro. In beachtlicher Offenheit sagt der Staatsanwalt aber auch: „Wenn Sie mich als Privatmann fragen, ob es hier zu Bestechungen gekommen ist, sage ich: ,Ja, sicher!‘“ Aber als Staatsanwalt weiß ich nicht, wer wann wo bestochen wurde. Das gibt der Ermittlungsstand nicht her.“

Daher lautet der Strafantrag „nur“ auf Geldwäscherei. Und wird von Mensdorff-Verteidiger Harald Schuster prompt als „Notlösung“ abgetan. Geldwäscherei baut auf einer kriminellen Vortat auf. Die wiederum erblickt die Anklage darin, dass sich frühere BAE-Manager zu einer kriminellen Vereinigung zusammengetan hätten. Dass genau diese Männer ihrer Ladung nach Österreich folgen und hier aussagen werden, gilt jedoch als äußerst unwahrscheinlich.

 

Vorwurf: Drei Falschaussagen

Außer Mensdorff sitzt auch, ziemlich unauffällig, dessen früherer Geldbote, quasi der Verwalter der Firma Brodmann Business SA (sie wird Mensdorff zugerechnet), Kurt D. (62) wegen Geldwäscherei auf der Anklagebank. Noch etwas: Mensdorff hat außer Geldwäscherei auch dreifache Falschaussage vor parlamentarischen U-Ausschüssen (Eurofighter, 2007; Korruption, 2012) zu verantworten.

Also hat „Konsulent“ Mensdorff nun bestochen? Waren diverse in BAE-Papieren aufscheinende „Drittzahlungen“ nichts anderes als „Bestechungszahlungen“, fragt der Richter. Mensdorff scheint nun gar nicht mehr zu wissen, wovon der Herr Rat da redet und antwortet: „Das kann ich nicht nachvollziehen.“ Kommenden Dienstag (18. Dezember) wird der Prozess fortgesetzt.

Auf einen Blick

Beim Auftakt des Geldwäsche-Prozesses im Straflandesgericht Wien bekannte sich Alfons Mensdorff-Pouilly (59) nicht schuldig. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, Bestechungsgelder des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems verteilt zu haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2012)

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112 Kommentare
 
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Der Pulli ist ein Ebenbild, wie es in AT immer gängiger wird:

Dumm und dreist!

Kann er nicht nachvollziehen?

Der Grund dafür: eklatanter Intelligenzmangel. Aber leider leidet unter diesem auch die Justiz, die nicht in der Lage ist, ihm das nachzuweisen.

Urteil vorhersehbar!

Faymann,Pouilly,Kallat,Verzetnitsch,Grasser,Meischberger ,Strasser,usw.usw.
Das Bild das diese Republik abgibt ist zum kotzen!
In früheren Zeiten büßten solche Volksvertreter,welche Steuergelder für Eigeninteressen verprassten mehr als nur mit Gefängnisaufenthalt.Heute machen sie Shows aus allen Auftritten!Die Regierung singt dazu: 'gschasti,gwasti-Steuern sind des Fußvolks Lasti' ! Lei,lei!
Eine richtige Schande für Österreich!

2 0

Der Richter fragt,

ob Mensdorff-Pouilly manchmal als Graf auftritt und was wäre, wenn sein Schloss verkauft werden müsste (weil es die Staatsanwalt vor dem Prozess schon enteignen wollte). Und irgend ein Zeuge wird über Video auftreten.
Von vornherein ein schwindliger Wiener Prozess.

Nensdorff = der Parade-ÖVPler wie er leibt und lebt!

Arrogant, herablassend, überheblich, mr.vain-mäßig!
Arm ist der Richter, der sich gezwungenermaßen mit sowas beschäftigen muss.
Da würde ich lieber die Toilette in der Freiheitlichen Bildungsakademie ohne Handschuhe putzen!

Re: Nensdorff = der Parade-ÖVPler wie er leibt und lebt!

Sie sind also dieser grimmige Typ mit Handschuhen, der ständig in der Nachbarkabine herumschrubbt.

Re: Re: Nensdorff = der Parade-ÖVPler wie er leibt und lebt!

der Vogel ist nur ein Türke (Yilmaz) - erklärt wohl alles

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swird scho stimman dos de bae gödwoshn hobn

offenbar wird manchen die viel geld besitzen oder ausgeben dürfen dies schwer geahndet,aus neid ganz klar,warum sonst,und andere dürfen tanzen in der oper?..auch klar,weil sie kein geld verteilen ausser den kellnern und flotten mädels,doch das war denen schon im vornherein bewusst.

BAE setzt mensdorff als berater ein,dieser erhält eine summe geld und bae sagt:"das geld ist nun aus der hand",wie mensdorff nachfragt,"-und wir freuen uns über jede information die uns nützlich sein könnte."

also beginnt der graf in seiner umgebung ob klein oder gross gelder zu verteilen an und erhält information im gegenzug.

Beratertätigkeit,wie auch offiziell benannt.

österreichs justiz,politik und treibende hand-das bundesheer versuche den eurofighter loszuwerden,-das konsequente ablehnen von logik,stattdessen paradoxe vorwürfe genannt werden,ist nur zu offensichtlich-da wird um vom eigenen budget abzulenken,um 3mrd euro gekämpft wie ums nackte überleben-da wird sogar eads und BAE ,zwei enorm reiche rüstungsfirmen seitens österreich geschimpft,das bekanntlich alles zu wissen scheint,und zwar ganz ohne geheimdienst,locker wie eine geworfene münze eben,absolut treffsicher,jedoch nicht die eigenen sünden..die darf man ja auch als österreicher gar nicht bemerken,sonst müssts ernst werden im kasperlland.

BAE versucht also mit 12mio ausgaben geld zu waschen .

krümelige 12millionen euro?gab wohl in england keine armen jungs die sich gern ne neue konsole oder Kiff kaufen würden hochwürden?

Was ist eigentlich..

..wenn das der nächste Freispruch aus Mangel an Beweisen wird? Übergang zur Tagesordnung?

1.) Hier zerbröselt sich zum ersten Mal unsere linkslastige Justiz ....

2.) Und bald schon wird sich auch bei Strasser herausstellen, dass die beiden zwielichtigen Gestalten aus Great Britain, auf deren Fallenstellung sich enzig die Anklage stützt, nur vorgeschobene Kriminelle hinter dunkler Machenschaften sind.

3.) Im Prozessfall Grasser haben die linken Leichenfläderer eh schon das Fass zum Überfließen gebracht. 10 Jahre Verleumdungen und schmutzigste Anschuldigungen mit "1000 + 1 Schwanzeinziehern";-)

4.) Bleibt noch der Fall Martinz: 5,7 Mio €uro wurden einen Birnbacher ordungsgemäß verbucht für einen 1,5 Mrd €uro Deal bezahlt. Das sind nicht einmal 0,4 % der Gewinnsumme. Danach haben die linken Brüder ihm die bescheidene Honorarsumme madig gemacht.

Die Justiz hat Birnbacher mit geringerem Strafausmaß und Abschluss aller Ermittlungen - sozusagen, er hat damit seine Ruh - zu einem Geständnis "überzeugt".

Birnbacher hat gestanden und wird vermutlich 1,5 Mio €uro zurückzahlen und nach restlichen 4 Mio €uro wird kein Köter mehr kläffen.

Super, fragt sich nur wer die 4 Mio eing'sackelt hat? Wenn dem so ist, dass das Geld nie unter der Hand verteilt wurde, kann es wohl nur im Umfeld von Birnbacher verblieben sein.

Wir werden es nie erfahren, wohin die 4 Mio versickert sind.

5.) Scheuch wurde zu einer Straftat verurteilt, die er, verwerflicherweise zwar angekündigt, aber nie begangen hat. Im Gegenzug stellte die StA in Salzburg der "tränenreichen Burgstaller" ein ähnliches zur Last gelegtes Verfahren ein. Nur dort floss auch Geld!!!

Andi! Andi! Andi!

Wieder ein Gustostückerl aus dem Andi-Unterberger-Wirrwarr-Blog!

Den Baumgartner würden Sie im Senkrechtabstieg der Niveaulosigkeit um Lichtjahre abhängen!
Braucht man für Ihre fabulosen Schlussfolgerungen den Bachelor?

Re: Andi! Andi! Andi!

Einen Bachelor?

Na ja, wenn BM Schmied noch länger im Amt bleibt und unser Bildungsniveau weiter den Bach hinuntergehen lässt:

Ist es möglich, dass man einen Bachelor braucht.

Sie haben's ja offensichtlich noch verstanden oder haben Sie nur reflexmäßig nach Lesen meines Namens geantwortet?

Re: 1.) Hier zerbröselt sich zum ersten Mal unsere linkslastige Justiz ....

Ergänzung: Mit den linken Leichenfläderern sind rote und grüne Politiker gemeint, die auch vor der Herabmachung von Verstorbenen keine Scheu zeigen.

Schauprozess

Inzwischen sind in Salzburg wieder ein paar hundert Millionen Euro Steuergeld verschwunden. Doch man verfolgt heir jemanden, der selbst im weiteren Sinne kein Verbrechen begangen hat. Aber Wirtschaft und Justiz passen halt nicht zusammen, wenn ein Richter/StaWa etwas von Wirtschaft verstehen wuerde, haette er ja einen richtigen Job..... und keinen besseren Kieberer-Posten.

richtiger Job?

du meinst

Ministergatte und Waffenlobbyist?

Der staatsanwalt wuerde noch hinzufuegen: waffenlobbyist mit 3stelligem Bestechungsbudget.

Tango corrupt!

Wer so etwas toleriert, der begibt sich auf griechische Pfade. Fuer die meisten Griechen war und ist Bestechung und Geldwaesche auch ein "voellig normaler Job."


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Geldwäscherei???

Was ist denn das für ein Ausdruck?

Geldwäsche? GeldwäscheREI??


„Kann ich nicht nachvollziehen“

Hauptsache die Justiz kann die Strafe vollziehen. Das wird der Ali dann "nachvollziehen" können!

Edlinger

Über welche Kanäle ist das Geld zum Edlinger, resp. Rapid geflossen, wie sind die 5 Mio Euro dorthin gelangt und waren auch lange gut gehütet?

Nein

Nein! Der Graf Ali hat Niemanden bestochen. Er hat nur 12,6 Millionen Euro verteilt....


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naja, immerhin werden wir vom ali nicht

zu hören kriegen, dass er zu fesch sei (grasser), dass ihm österreich zu klein sei (gorbach), dass alles in stein gemeisselt sei (darabos) oder dass sich alles locker mit dem abgegebenen budget ausgehen wird (schmied).

der graf hat immerhin stil.

ah ja, man betreibt also

haarspalterei über der definition.... das ist doch immerhin was neues. die "ich wars nicht nummer" wird schön langsam fad.

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Dem Graf wird nix passieren

genau so wenig wie all den anderen Politikern !
Die harte Hand der Justitz schlägt nur beim normal Bürger zu ..

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Re: Dem Graf wird nix passieren

Der Hendldieb hat eben weder Geld noch einflußreiche Freunde in Politik und Wirtschaft.
Das war schon vor 70 Jahren so und daran hat sich nur eines geändert ,die Höhe der Bestechungssummen.

Re: Dem Graf wird nix passieren

Wann/war der Defraudanten Protz je Politiker?
Trotz verheerender Optik: Gilt die Unschuldsvermutung


0 0

Re: Re: Dem Graf wird nix passieren

Und wenn Sie dann noch Proli sagen, dann, dann haben Sie den Vogel abgeschossen

 
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