Sorger: „Koch soll beim Heer auch Koch sein“

18.12.2012 | 17:43 |  von Oliver Pink (Die Presse)

Die ÖVP hat noch kein Konzept für die Wehrpflicht. Dafür hat der Chef ihres Personenkomitees eines. Sorger schlägt einen „Talentecheck“ für Rekruten vor.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Veit Sorger ist Vorsitzender des unabhängigen ÖVP-Personenkomitees für die Wehrpflicht. Ob es ihn nicht stört – vor allem für die Argumentation in der Öffentlichkeit –, dass die ÖVP noch kein eigenes, ausgegorenes Konzept für die Wehrpflicht, sollte sie bestehen bleiben, vorgelegt hat? „Das ist Sache der ÖVP. Ich bin nicht der ÖVP-Sprecher. Aber es ist nicht notwendig, ein völlig neues System zu erfinden“, antwortet Sorger diplomatisch. Unbestritten sei aber, dass es „viele Schwachstellen“ gebe – „und die gehören eliminiert“.

Veit Sorger hat sich über die Reform des Grundwehrdiensts jedenfalls bereits seine Gedanken gemacht. Wobei er vorwegschickt: „Das derzeitige Mischsystem aus Rekruten, Milizsoldaten, Profisoldaten und Zivildienern hat sich bewährt und ist einem reinen Berufsheer weit überlegen.“

Allerdings, so der frühere Präsident der Industriellenvereinigung, sei der „Leerlauf“ ein unbestrittenes Problem: „Es gibt die Pflicht für die jungen Bürger, Mitverantwortung für die Sicherheit Österreichs zu tragen. Dieser Pflicht muss künftig aber auch das Recht gegenüberstehen, beim Bundesheer bestmöglich nach den eigenen Neigungen und Interessen eingesetzt zu werden.“

Sorger schlägt einen „Talentecheck“ beziehungsweise eine „Potenzialanalyse“ vor, mit deren Hilfe die Fähigkeiten, Talente und Interessen der Rekruten herausgearbeitet werden sollen – was diese dann auch zur beruflichen Orientierung verwenden könnten.

Mehr zum Thema:

Lkw-Führerschein beim Heer

Wer sich diesbezüglich schon orientiert hat, der soll beim Heer entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt werden. Konkretes Beispiel: Nur gelernte Köche sollen beim Bundesheer künftig als Köche arbeiten – und nicht wie bisher unerfahrene Grundwehrdiener als „Systemerhalter“ dafür angelernt werden. Weiterhin sollen Rekruten aber die Möglichkeit haben, im Rahmen einer Ausbildung zum Kraftfahrer den entsprechenden Führerschein zu erwerben. Gefördert werden sollen auch Spezialisierungen in den Bereichen Katastrophenhilfe, IT und Technik. Auch Fremdsprachenangebote soll es geben. „Die jungen Leute sollen die Zeit beim Heer so nutzen können, dass sie auch etwas davon haben“, meint Sorger.

Der Fokus der militärischen Ausbildung an sich soll auf der Katastrophenhilfe sowie im Gebäude- und Raumschutz liegen. Dies seien die wahrscheinlichsten militärischen Einsatzszenarien im Inland.

Schwerpunkt Sport und Gesundheit

Zudem sollen die vier Monate nach der Grundausbildung für Sportschwerpunkte genützt werden. Das sportliche Programm soll Wettbewerbscharakter haben. Neben der Förderung körperlicher Leistungsfähigkeit sollen gesundheitspolitische Zielsetzungen im Mittelpunkt stehen, unter spezieller Berücksichtigung des Themas Ernährung. Umfassend sollen die Grundwehrdiener auch in Erster Hilfe und im „ABC-Schutz“ ausgebildet werden. So würden diese später auch zu professionellen Helfern bei Feuerwehren und anderen Rettungsorganisationen.
Die beim Bundesheer erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen sollen in einem „Kompetenznachweis“ dokumentiert werden, der dann auch bei Bewerbungen verwendet werden kann.

Kann sich Veit Sorger auch vorstellen, dass Grundwehrdiener künftig einen höheren Sold bekommen sollen? „Das wird eine Frage des Budgets sein. Wir wissen, dass die Bezahlung der Grundwehrdiener keine übliche ist. Aber wir wissen auch, dass diese sechs Monate ein Dienst an der Gemeinschaft sind. Und das ist ja auch der Sinn, dass man sagt, für eine gewisse Zeit kann auch ein junger Mensch seine Zeit in den Dienst der Zivilgesellschaft stellen.“

Misstrauen in Umfragen

Eigentlich könnte sich Sorger ja schon entspannt zurücklehnen. Allen Umfragen zufolge ist eine klare Mehrheit für die Wehrpflicht. „Ich bin immer ein bisschen skeptisch bei Umfragen. Aber es ist interessant, dass sich doch sehr viele sozialdemokratische Persönlichkeiten für die Beibehaltung der Wehrpflicht aussprechen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

22 Kommentare

Was redet denn der Hypo-Abzocker???....


...solche Leute haben doch jegliche Reputation verloren.

Veitstanz

Diese Wortmeldungen....

Was geht dem Veit Sorger das Bundesheer an ?

Überhaupt nichts !

Und trotzdem gibt er völlig unqualifizierte Statements ab.

Genau

Und der Ballettänzer soll auch beim Heer Ballett tanzen.

Der Flugbegleiter serviert im Eurofighter frische Getränke.

Re: Genau

Aber bitte nur als Bodenpersonal. Daher meinten Sie sicherlich auch "am/beim Eurofighter"?!

Dja, der Koch soll Koch sein dürfen

und der Bauer soll Bauer sein dürfen, u.s.w.

und weil es im Zivilbereich keinen kanonier und keinen Grenadier gibt,
wird es die der Veits-Armee dann auch keinen Panzerfahrer und Grenadiere mehr geben ...

Wir haben zwar kein Konzept, wir plabbern nur so dahin ....


das klingt ja

alles schön und gut herr sorger, aber das wahre geschäft eines heeres liegt immer noch in der landesverteidigung. also im falle eines krieges, einer bedrohung müssen diese leute österreich verteidigen. dabei wünsche ich mir aber bestausgebildete.

Re: das klingt ja

Da stimme ich Ihnen zu. Sorgers Ideen hören sich mehr nach Tagesbetreuung an.

Re: das klingt ja

Kenne Herrn Sorger nur von zwei Diskussionsrunden im ORF. Herr Sorger sorgt mit seinen "sorgenvollen" Ideen immer dafür, dass man ins Schmunzeln kommt.

Ich werde ungültig wählen -

außer es möchte mir jemand ein paar Kaffees spendieren, dann vertrete ich gerne seine Anliegen :)

Re: Ich werde ungültig wählen -

Für wieviel Kaffe würden Sie 2013 die Grünen wählen?

Re: Re: Ich werde ungültig wählen -

Kommt drauf an welche Dosis tödlich ist. Aber diese möchte ich gerne dann vorher konsumieren.

Re: Re: Re: Ich werde ungültig wählen -

Wikipedia: "The LD50 of caffeine in humans is [...] roughly 80 to 100 cups of coffee for an average adult"

Da wird ihnen doch vorher schlecht, Sie müssen das ja in relativ kurzer Zeit trinken.

Re: Re: Re: Re: Ich werde ungültig wählen -

Na, da machen Sie sich aber eine Mühe :)

Heeeeee! Wie gehtdenn das? Ohne Bundesheer hätten wir uns nie aus der NX-Zeit freikämpfen können! Österreich hat den NX-Staatausgedämpft! Bundesheer - super und klass!

Nur das Bundesheer - ohne gehts nicht. Oder wie heißt das, was man jeden Tag in der Klomuschel sieht?

Oder wie heißt das, was man jeden Tag in der Klomuschel sieht?

"Hinterm Klo, da sitzt ein Geist
der jedem der daneben sch...t
von hinten in die E..r beißt."


6

"Oder wie heißt das, was man jeden Tag in der Klomuschel sieht"

Ich würd' sagen -> PENITENTIAM AGITE

Re: "Oder wie heißt das, was man jeden Tag in der Klomuschel sieht"

Diese Krankheit wünsche ich Ihnen aber nicht.

Na super, wir dürfen wählen ohne die Konsequenzen abschätzen zu können noch zu wissen, ob unter den Varianten auch die beste Lösung für Österreich ist

Weil sich die Parteien nicht einigen können, soll das Volk mit parteipolitisch gefilterten Informationen versorgt eine Entscheidung treffen ohne die Konsequenzen abschätzen zu können. Das Volk hat ein Recht und die Politik die Pflicht zu neutraler Information.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/507139_Die-Todsuenden-der-Politik.html

bier oder wein?

die untrinkbaren alternativen unserer regierung (die heisst wirklich so)

http://bernhardjenny.wordpress.com/2012/12/17/keine-mordsachverstandigen-kein-heer/

Re: bier oder wein?

Die Aussage ist also:
"Der zivildienst wird zum großen Argument für das Bundesheer."

Diese Aussage ist absolut richtig. Es geht überhaupt nicht mehr um Landesverteidigung bzw. Solidarität mit unserem Nachbarn, mit Europa. Es geht ausschließlich darum, ob die Zivildienstlobby siegt oder nicht. Das Bundesheer wird der große Verlierer sein mit negativen Nachwirkungen über Jahrzehnte hinaus für unser Land und das Image Österreichs.

10

Re: bier oder wein?

und ohne Polizei... gibt's dann auch kein Verbrechen mehr???

Das Bundesheer und sein Kampf ums Budget

Mein Parlament

AnmeldenAnmelden