Wo im Sozialstaat die Millionen versickern

19.12.2012 | 18:18 |  von Gerhard Hofer (Die Presse)

Ein Platz in einem Wiener Pflegeheim kostet den Steuerzahler laut Studie viermal so viel wie auf dem Land. Mobile Pflege ist in der Steiermark am teuersten. Dort gibt es für Hilfsorganisationen einen Gebietsschutz.

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Wien. 4117 Euro kostet den Steuerzahler ein Pflegeheimplatz in Wien pro Monat. Für dieselbe Leistung bezahlt die öffentliche Hand in Salzburg 923 Euro, in Tirol 1076 Euro und im bundesweiten Schnitt 1926 Euro. Das ist nur eines der äußerst aufschlussreichen Ergebnisse, die der Bericht der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) liefert. Das Expertenpapier diente angeblich als Grundlage für die gestern präsentierte Strukturreform Pflege. Tatsächlich rangen sich Bund, Länder und Gemeinden zu einer nebulosen Ankündigung durch, die Pflege „harmonisieren“ zu wollen.

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Dabei offenbart der Bericht einen bürokratischen Wildwuchs auf dem Gebiet der Pflegeheime und Hauskrankenpflege, wie er schlimmer nicht sein könnte. Misswirtschaft, aufgeblasene Verwaltung und politische Einflussnahme sind an der Tagesordnung und führen zu Intransparenz und überbordenden Kosten. Auf der Strecke bleiben oft jene Menschen, die der Pflege bedürfen. Die Selbstbehalte steigen, oft fressen die Kosten der Pflege das gesamte Vermögen auf. „Wir brauchen über die Erbschaftssteuer nicht zu diskutieren, sie liegt bei 100 Prozent“, stellt Peter Hacker, Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien, im Gespräch mit der „Presse“ fest.

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Einer der Gründe dafür ist, dass von den vier Milliarden Euro, die der Staat jährlich für die Betreuung alter Menschen ausgibt, zu wenig bei diesen ankommt. Viel zu viel bleibt offenbar in der Bürokratie hängen. Statt schlankere und vergleichbare Strukturen zu schaffen, wollen Länder und Bund „raus aus der Sozialhilfelogik“, wie es Hacker formuliert. SPÖ und Gewerkschaften wollen nämlich, dass die Pflege künftig über eine Vermögenssteuer finanziert wird. Die Kritik an der Misswirtschaft der Länder – nicht zuletzt an jener in Wien – lässt Hacker nicht gelten. Er bezeichnet den BAG-Bericht als „Schmarrn“, weil hier „Äpfel mit Birnen verglichen werden“. Dass Pflegeheime in Wien viermal so teuer sind wie in Salzburg, stimme nicht. Wien habe eben im Gegensatz zu den anderen alle Kosten auf den Tisch gelegt. Hinter den Kulissen beschuldigen sich Hilfsorganisationen, Länder und Bund gegenseitig, falsche Zahlen zu kolportieren.

 

Kosten für Pflege verdoppeln sich

Noch werden 58 Prozent der Alten ausschließlich von den Angehörigen betreut. Doch die Familienstrukturen ändern sich rasant. Und wenn ab 2020 die starken Nachkriegsjahrgänge der Pflege bedürfen, werden weniger Nachkommen da sein, um sie zu betreuen. Stichwort Pillenknick. Bis 2030 werden sich die Kosten für die Pflege auf acht Milliarden verdoppeln, berechnet das Institut für Höhere Studien. Heute beziehen 437.000 Menschen in Österreich Pflegegeld. 16 Prozent davon werden in Pflegeheimen versorgt. Pflege ist Ländersache. In regelmäßigen Abständen fordern sie mehr Geld vom Bund.

Und natürlich leistet sich jedes Bundesland sein eigenes System. Wie wär's mit vergleichbaren Systemen? „Wir werden unsere sozialpolitischen Richtlinien sicher nicht über Bord werfen“, sagt Peter Hacker, der in Wien den Pflegebereich managt. Sozialpolitik funktioniere nicht per Benchmarking, betont er. Dass in Wiener Pflegeheimen die Personalkosten im Schnitt um bis zu 15 Prozent höher sind als in anderen Bundesländern, rechtfertigt Hacker. Wien betreibe eben keine Hire-and-fire-Politik im Pflegebereich.

Im Pflegebereich offenbart sich ein Sittenbild österreichischer Sozialpolitik. Je nach Couleur werden Hilfsorganisationen in den Ländern bevorzugt behandelt. In Oberösterreich und in der Steiermark genießen die Organisationen bei der mobilen Pflege sogar einen Gebietsschutz. Fazit: Wo der Wettbewerb fehlt, ist die Hauskrankenpflege am teuersten (siehe Grafik).

Auf einen Blick

Die steigenden Pflegekosten will Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) künftig durch neue Steuern finanzieren. Hilfsorganisationen und Gewerkschaften plädieren für die Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuer.

Die Ausgaben entstehen unter anderem aber auch dadurch, dass sich Österreich neun verschiedene Pflegesysteme leistet. Dies ergab ein Bericht, den die Hilfsorganisationen verfasst haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2012)

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193 Kommentare
 
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Schon eklatant auffällig die wiener Sozialindustrie


Rätsel:

Wer sagte: 'Ich lass mir mein Wien nicht schlechtreden.' Wer die Antwort weiss bekommt ein Glas Wein u.einen Gratispakplatz!

Der Staat hat 40 Milliarden verspekuliert und jetzt raunzt er wegen ein paar Mille!


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Typisch für Wien

Aufgeblähter Beamtenapparat, Freunderlwirtschaft und wirtschaftliche Unfähigkeit ergeben diese Spitzenkosten.

Bei diesen hohen Kosten ist die Betreuung alter Menschen ein gutes Geschäft.

Die NGO´s stehen schon Schlange.

War heute im Magistrat:
Zimmer mit 3 Schreibtischen.
3 Beamte (Innen), ( oder Vertragsbedienstete ) im Zimmer.
2 davon machten ihre Kaffeepause eine
arbeitete.

Die Welt 15.11.2011,Dänischer Minister für Integration

"Der Wohlfahrtsstaat ist eine offene Schatzkiste."

Rechnet vor was nicht westliche Einwanderer den Staat kosten und westliche Einwanderer den Staat bringen(o..°)

Erklärt vieles,lässt sich locker auf Österreich umlegen.

Nix "die Alten scho wieda"!

Jahrelange verfehlte Familien,-Bildungspolitik,dazu unkontrollierte Einwanderung von Bildungsfernen in das ÖsterreichischeSozialeVersorgungsAuffangHängemattenFürAlleGratisRundumVersorgungOhneGegenleistungSystem;o(


Re: Die Welt 15.11.2011,Dänischer Minister für Integration


Wir importieren ja sogar Schwerstbehinderte!

Und dürfen sie bis an ihr Lebensende versorgen!

Offenbar wollen die "Wissenden" unseren Staat mit völliger Absicht ruinieren!


Re: Re: Die Welt 15.11.2011,Dänischer Minister für Integration

kompliment dass dies durchkam, war wohl grad am wc die z.n.i

Sie spekulieren Sie hantieren Sie akquirieren Letztendlich demolieren Sie unseren Sozialstaat



Die eine namenlose Pflegerin zur anderen: De is bezuschusste Mindestrentnerin. Der bei uns bis zum abkratzen subventionierte Aufenthalt wird von unseren Steuergeldern abgezwackt. Daher: Keine besonderen
NächstenLiebeleien. Die Kollegin: Sie wird uns wundliegen?!? Wenn schon, des bisserl aufgescheuerte Haut, hot noch kan umbrocht. Und jetzt gehen wir zwaa ins Schwesterzimmerchen und genehmigen uns a Häferl fein geriebene Filterbohnen mit einem Fingerspitzengefühlten parfümierten Zigarettendunsterl. Is des korrekt-i maan wegen der wundgleganen Oiden?!? Wird net kontrolliert und daher is des aa korrekt. Gemma…!
Die Geschichte soll niemandem diskreditieren. Sie ist vom Schreiber frei erfunden. Und sollte es tatsächlich Ähnlichkeiten mit der Realität geben, sind sie sicher nicht beabsichtigt. Nur leider entsprechen sie trotzdem hin und wieder der kalten Wirklichkeit.

Gebt´s des Geld nicht ins AL dann hätte wir nicht die Probleme!

Aber die Leute wollen ja arm sein und geben lieber den AL ihr Steuergeld. Selbst Schuld.

Fragen an den Journalisten:

1. Welche Kosten wurden zwischen den Ländern verglichen ?
Da die Hotelkomponente sich auf rund 60 € am Tag beläuft und somit in der Summe 1.800 € im Monat.
6 von 9 Bundesländern liegen unter diesem Betrag wie kann das gehen?
2. Auch wenn ich die Pflegeaufwandsentschädigungen betrachte wird es schwierig den Betrag zu erhalten, da Pflegestufe 0 - 3 nicht aufzunehmen ist außer bei Selbstzahlung und Pflegestufe 4 - 7 zwischen 45 und 60 € je Tag schwankt.
Oder wurde eine Sprezialeinrichtung in Wien als Massstab genommen?
Den im GGZ - Graz Allgemeingeriatrie auch der Monat 4.278 € und die Appalic Care Unit I auch 8.877 € kann ich deshalb sagen in der Steiermark sind die Pflegekosten zu hoch?
Verzeihung aber der Artikel ist so oberflächlich, dass man sich schon Fragen stellen muss, ob hier nicht eine bessere Beschäftigung mit dem Thema seitens des Autors geboten gewesen wäre.
Denn 923 € wie in Salzburg angegeben sind in Österreich unredlich und erzwingen eine Quersubventionierung!

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Wo im Sozialstaat die Millionen versickern

Beim Staat , sprich Beamten und Gutmenschen!

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Jedem Interessiertem sei der Dokumentarfilm

"2030 Aufstand der Alten" ans Herz gelegt, denn der zeigt den Weg sehr effenktiv auf, wohin sich auch unser Pflegesystem hinbewegt geht es nach den Wünschen manch Verantwortlicher welche es sich bis dahin bestens richten konnten !

Aha jetzt werden wieder die

Pflegekosten zur Ablenkung herangezogen - herrlich diese Verarsche ...

Beispiel man nehme 340 Mio. und erhalte dafür sage und schreibe 81000 Pflegemonate in Wien ...


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wie überall wo es eine derart aufgeblähte Bürokratie gibt,

versickern Unsummen an Geldern der Steuerzahler weiterhin völlig ungebremst !

Das selbe wenn man egal welchem Verein etwas spendet; ~ 2/3 versickern in dunklen Kanälen, und was dann übrig bleibt, wird wiederrum von Banden "verteilt".

Lösungsvorschlag

Einsparen(gesetzlich verbieten)durch riskante Investitionen bzw. Anlagen (Salzburg, St. Pölten, etc.) d.h. wir haben dann Milliarden Euro übrig und könnten in Bereichen Soziales, Berufsheer, Schulbildung, etc. Investieren.


In einem Staat mit fast 70% Steuerquote ist die Korruption eben institutionalisiert, das wundert doch hoffentlich niemanden.

Laßt uns auch bitte schnell noch ein paar neue Steuern erfinden und noch mehr Schulden machen, die ganzen unnützen Bürokraten sind ja noch nicht fett genug.

Und natürlich bloß kein ausländisches Pflegepersonal zu uns bitten. Auch nicht wenn es ein Mangelberuf ist und wir dringend mehr Pfleger brauchen können. Es muß ja sichergestellt sein, daß mindestens vier Beamte einen Pfleger verwalten - sonst bekommen die ganzen Parteigünstlinge ja vielleicht noch einen Burnout...

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Re: In einem Staat mit fast 70% Steuerquote ist die Korruption eben institutionalisiert, das wundert doch hoffentlich niemanden.

Prinzipiell ja zu der aufgeblähten Verwaltung, aber es gibt einen enorm hohen Anteil von Ausländern in der Branche.
Viele davon können nicht einmal ausreichend Deutsch und werden trotzdem durchgewunken.
Außerdem helfen sie mit, das Lohnniveau auf diesem unverschämt geringen Stand zu halten.
Würde man diesen schwierigen Job attraktiver und dadurch angesehener machen, gäbe es auch genug Pfleger.
Aber wie Sie richtig sagen, es geht um Posten und Pfründe ... einfach idiotisch!

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Re:Es muß ja sichergestellt sein, daß mindestens vier Beamte einen Pfleger verwalten - sonst bekommen die ganzen Parteigünstlinge ja vielleicht noch einen Burnout..

genau deswegen weil die ja soviel "arbeiten" müssen, leiden angeblich ja auch derart viele (besonders in Wien der Hochburg) an dieser Krankheit welche eigentlich Dachinose heissen sollte und endlich einer dringenden Aufklärung bzw abstellen bedarf !

Re: In einem Staat mit fast 70% Steuerquote ist die Korruption eben institutionalisiert, das wundert doch hoffentlich niemanden.

100% richtig!

Da kann sogar der Putin bei uns noch einiges lernen.

Honecker und die ehemalige DDR lassen grüßen!

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Neue Steuern

Was sonst - nur wie lange noch, irgend wann ist Schluss.

Re: Neue Steuern

Kann noch lange nicht Schluss sein.

SPÖ+ÖVP (und in Kärnten FPK) erfinden jedes Jahr zig 1000e Seiten neuer zusätzlicher Gesetze. Die müssen erstellt, begutachtet, gedruckt, veröffentlicht, praktiziert und kontrolliert werden. Dadurch sind immer MEHR Beamte in der Verwaltung erforderlich.

Damit sich nichts ändert wird JEDE politische Funktion gleich 10 fach besetzt! Einmal im Bund und 9x mit gleichen Aufgaben in den Ländern.

Wie lange kann sich das kleine Österreich eine 10 fache Verwaltung für EINE Aufgabe noch leisten???

Griechenland ist nicht mehr weit.

falsche Zahlen zu kolportieren

wie wäre es mit dem Vergleich der Kosten der Verwaltung pro Pflegeplatz?

Die nächste Wahl kommt bestimmt

partei der freiheit!

Re: Die nächste Wahl kommt bestimmt

Also Piraten?

Bitte liebe Redaktion

beenden sie dieses Zensurieren von Hinweisen der vergangenen Skandale.
Lassen sie den Dingen freien Lauf.....

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aufgeblasene verwaltung in wien?

aber nicht doch. hier ist die welt noch ganz in ordnung.

 
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