Mensdorff macht sich klein, Kronzeuge soll aussagen

19.12.2012 | 18:19 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Erste Bilanz im Geldwäscherei-Prozess: Alfons Mensdorff-Pouilly stellt sich vielfach als „Mücke“ dar. Richtig brisant könnte es am 8. Jänner werden.

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Wien. „Das ist, wie wenn eine Mücke einen Elefanten erdrücken kann.“ Dieser Vergleich ist typisch für die ersten drei Tage im Geldwäscherei-Prozess gegen Alfons Mensdorff-Pouilly. Er bezieht sich auf die Frage, ob die Mensdorff-Firma MPA während der Beschaffung von Jagdflugzeugen für das österreichische Bundesheer eine zweite Ausschreibung (dabei gewann der Eurofighter) erzwungen habe. So mächtig sei er nie gewesen, meinte Mensdorff vor Gericht und unterstrich so seine Linie: sich selbst möglichst klein darstellen.

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Schon am Dienstag hatte Mensdorff erklärt, „zu blöd“ zu sein, um jenes Firmengeflecht zu durchschauen, das laut Anklage zur Geldverteilung konstruiert worden war: „Entscheidungsträger“ in Zentral- und Osteuropa seien offenbar bestochen worden, um dem britischen Rüstungskonzern BAE zu Aufträgen zu verhelfen. Mensdorff habe sich laut Staatsanwalt an den Geldtransfers beteiligt (Umfang: 12,6 Millionen Euro). Der Beschuldigte bestreitet dies.

Die Beschaffung von Jagdflugzeugen vom Typ Eurofighter Typhoon ist nun zwar nicht Teil der Anklage, sie deute aber darauf hin, so Staatsanwalt Michael Radaszticz, dass frühere BAE-Manager eine kriminelle Vereinigung gebildet hätten, um Waffengeschäfte an Land zu ziehen. Speziell in Sachen Eurofighter dürfte die Rolle des Beschuldigten tatsächlich klein gewesen sein: Ursprünglich war Mensdorff Berater der Konkurrenz, des Saab-Konzerns (dieser bot den Gripen an). Als er dann auch für BAE arbeitete, wurde er als Saab-Berater zurückgepfiffen. BAE wollte, dass der Eurofighter zum Zug kommt. Die Briten waren sowohl an der Eurofighter-Firma EADS als auch an Saab beteiligt. Mensdorff zum Richter: „Es hieß, die BAE-Leute möchten gerne, dass ihre Beteiligung an EADS schlagend wird.“ Auch sei ihm gesagt worden: „Es gibt die Möglichkeit, dass dieses teure Flugzeug erstmals außerhalb der produzierenden Länder verkauft wird.“

 

Brite könnte Mensdorff belasten

Am Mittwoch wurde der Beschuldigte auch zum Anklagepunkt „dreifache Falschaussage vor zwei parlamentarischen U-Ausschüssen“ (Eurofighter, Korruption) befragt. „Ich habe vielleicht ungeschickt geantwortet, aber nicht unwahr“, meinte der 59-jährige „Bauer aus dem Burgenland“ (Eigendefinition).

Am Donnerstag wird weiter verhandelt. Richtig brisant könnte es am 8. Jänner werden: An dem Tag soll der Brite Mark Cliff, ein ehemaliger Finanzverwalter des Ex-BAE-Verbindungsmannes Tim Landon, per Videokonferenz als Kronzeuge aussagen. Insgesamt könnte sich der Prozess bis ins Frühjahr 2013 ziehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2012)

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18 Kommentare

ich meine, auf unkenntnis und unwissenheit zu plädieren,

ist ein schlechter schachzug seines verteidigers. heißt es nicht im gesetz: unkenntnis schützt vor strafe nicht? abgesehen davon, dass ihm das soundso niemand abnehmen wird, das mit seiner vorgeschobenen naivität oder blödheit. gab es ja schon ein vorbild: dem amtierenden kärntner landeshauptmann ist sogar per gericht bescheinigt worden, dass er ein dummer mensch ist. ich hoffe, M.P. hat genug aristokratisches ehregefühl in sich und gesteht sein fehlverhalten ein.
er ist sich offenbar seiner wichtigkeit für die övp nicht bewußt. übernimmt er verantwortung, so müssen das seine helfer auch. und die övp kann endlich gesunden und ohne korrupte altlast zu den neuwahlen schreiten!

0 1

Da wird es wohl nichts

mit einer relevanten Verurteilung. Wenn überhaupt, bei den Aussagen.

Armer dummer Bauer....


Fliege Puck und Mücke Alfons

Klein darstellen, und dennoch groß abcashen. Ist das jetzt die Verteidigungsstrategie?

Scheint in Österreich ja ganz normale Praxis zu sein, für "keine" Leistung großzügig entlohnt zu werden. Gilt natürlich nur, solange man im Dunstkreis der feinen ÖVPSPÖFPÖBZÖ-Gesellschaft verkehrt. Der Rest muss sich mit kargem Lohn für ehrliche Arbeit zufrieden geben. Fragt sich nur, wie lange all diese Günstlinge bei Dunkelheit noch alleine vor ihre Schlosstore gehen können ...

Re: Fliege Puck und Mücke Alfons

naja; ist es nicht normal, dass ein dummer kleiner Bauer für ein paar mündliche Beratungen Millionen bekommt?

Re: Re: Fliege Puck und Mücke Alfons

So gesehen müsste Graf Ali Erdäpfel haben, die so groß wie Medizinbälle sind ...

Re: Re: Re: Fliege Puck und Mücke Alfons

oder sich in baron münchhausen umbenennen!

Im Dunstkreis der ÖVP bewegen sich Gestalten,

dass es zum Heulen ist!

Re: Im Dunstkreis der ÖVP bewegen sich Gestalten,

Der ÖVP??? Wohl im Dunstkreis aller Parteien.

ist das noch real

was dieser typ für einen schmarrn von sich gibt?
kassiert millionen, kann sich an nichts erinnern, weis von nichts, hat mit dem ganzen nichts zu tun;
ein fall für den psychiater? oder doch ein schwer - verbrecher?
hoffentlich hat er nicht auch noch geld an die sog. justitz sprich urteilenden richter + sta verteilt, sonst wird ein freispruch wohl sicher sein.
ps weis natürlich nichts und hat auch nichts damit zu tun
das ganze ist nur mehr zum kotzen

Schwarzer Politiker. Brauchts nicht mehr !

Haben ja ganz Österreich runtergewirtschaftet und korumpiert!
Unglaublich!
Da krampft sich mein rotes Sozialdemokratenherz soooo zusammen. Ich schwör!
Mein Psalm ist in solchen Situationen: "Hl. Werner, hilf!"

Ist das nach Michi_Austria das neue Pseudonym der Laura ??


Re: Schwarzer Politiker. Brauchts nicht mehr !

Den Werner schon heilig gesprochen und das als Sozi?
Und dann über die Schwarzen aufregen?
Irgendwie geht da was nicht zusammen. Und wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen ...

Re: Re: Schwarzer Politiker. Brauchts nicht mehr !

bzw. sollte wer der Butter am Kopf hat nicht in die Sonne gehen...

1 2

bitte

Tun sie den aus der berichterstattung raus!
Sonst muss ich kotz.......

Nein

Nein, Mensdorff hat niemanden bestochen. Er hat nur 12,6 Mio Euro an politische Entscheidungsträger "verteilt".

Nein, Mensdorff hat nicht gewusst, dass er unzählige Firmen auf den Bermudas besitzt.

Nein, Mensdorff hat nicht gewusst, wofür er von BAE so viel Geld überwiesen bekommen hat.

Nein, Mensdorff hat als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss nicht gelogen, ihm ist nur die Wahrheit nicht mehr eingefallen.

etc, etc, etc,

PS: Gibt es irgendjemanden, der diesem Mann einen Gebrauchtwagen abkaufen würde?

lustig wird es dann

wenn er sich nicht mehr erinnern kann, zu der zeit mit einer amtierenden ministerin verheiratet gewesen zu sein....

Re: Nein

immerhin ist er sich nicht zu fesch, um überhaupt anzutreten, hat keinen james bond enttarnen wollen oder im auftrag der schwiegermama gehandelt.

der mann hat stil!

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