Der einsame Kampf des Norbert Darabos um das Berufsheer

21.12.2012 | 18:42 |  MARTIN FRITZL (Die Presse)

Der Verteidigungsminister ist ein treuer Diener seiner Partei – bis zur Selbstaufgabe. Über die am 20. Jänner abgestimmt wird.

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Wien. Das Leben ist kein Wunschkonzert, das politische Leben schon gar nicht. Niemand weiß das besser als SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Darabos. Nicht nur, weil ihm der Posten des burgenländischen Landeshauptmannes, den er angeblich gern bekleiden würde, wohl noch auf längere Zeit verwehrt bleibt. So etwas passiert. Sondern weil er in den vergangenen sechs Jahren praktisch alle Aktivitäten gegen seine innere Überzeugung setzen musste. Vorläufiger Höhepunkt: die Volksbefragung über die Wehrpflicht am 20. Jänner.

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2006 war Darabos ein erfolgreicher Parteimanager, der vom damaligen Vorsitzenden Alfred Gusenbauer nach dem Wahlsieg mit dem Innenministerium belohnt werden sollte. Die Koalitionsverhandlungen ergaben anderes, das Innenressort ging an die ÖVP, und Darabos erhielt zum Trost das Verteidigungsministerium. Das ist zwar auch ein Sicherheitsressort, aber so gar nicht nach dem Geschmack des früheren Zivildieners, der den Dienst an der Waffe aus Überzeugung verweigert hat. Entsprechend groß waren seine Berührungsängste, aber auch die Ablehnung, die dem Minister aus dem Offizierskorps entgegenschlug. Den Ankauf der Eurofighter hatte er im Wahlkampf bekämpft – und musste ihn als Minister durchziehen. Das rechtliche Risiko für einen Ausstieg aus dem Kaufvertrag war ihm doch zu hoch, auch wenn Hinweise auf Korruption schon damals, im Jahr 2007, vorhanden waren. Inzwischen haben sie sich noch verdichtet.

Für die Wehrpflicht war Darabos ganz im Sinne sozialdemokratischer Traditionen aus Überzeugung eingetreten. Generationen lang hatte die Partei das Trauma des Bürgerkriegs von 1934 mitgetragen, als (Berufs-)Soldaten Arbeiterwohnungen beschossen hatten. Noch im Sommer 2010 sah Darabos die Wehrpflicht „in Stein gemeißelt“.

Als Wiens Bürgermeister Michael Häupl im Gemeinderatswahlkampf nach einem zugkräftigen Thema suchte und das Berufsheer entdeckte, nahm Darabos die realen Machtverhältnisse in der SPÖ zur Kenntnis und schwenkte innerhalb eines Tages ebenfalls auf Berufsheerlinie um und gab von dem Zeitpunkt an den überzeugten Verfechter der neuen sicherheitspolitischen Linie.

Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass die Partei ihrem bis zur Selbstaufgabe treuen Diener Darabos bei diesem letzten Schwenk nicht gefolgt ist und die Kampagne für das Berufsheer fast schon im Alleingang durchfechten lässt. Aber, wie gesagt: Das Leben ist kein Wunschkonzert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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22 Kommentare
0 1

Zusatz!!!

Bundesheersoldaten als Katastrophenhelfer sind oftmals eine Gefahrenquelle an sich. Ohne Sicherheitsausrüstung mit einer Säge bei Sturm Bäume zu fällen - ist fahrlässig (selbst erlebt!)
Es braucht fachlich bestens ausgebildete Katastrophenhelfer - da ist doch ein Berufsheer die beste Alternative...

Re: Zusatz!!!

sie haben die vorgegebene argumentation nicht durchdacht- ein berufsmilitär ist auch kein ausgebildeter katastrophenhelfer, sondern soldat. Glauben sie dass alle soldaten schutzkleidung für die jeweiligen arbeiten erhalten? Soviele pioniere braucht das heer ja auch nicht mehr, weil ja die panzertruppe ohnedies ausgedünnt und verkauft werden soll. Alles nur beispielsweise. Der zivildiener weiß, dass er uu schneeschaufeln muss, der berufssoldat meldet sich um in eu-aktionen in den kosovo versetzt zu werden oder in der eu eingreiftruppe tätig zu werden.

0 0

Sinnlosigkeit des derzeitigen Bundesheersystems

Ein Heer in dieser Form ist nicht zeitgemäß und lagert unsere Jugend monatelang sinnlos zwischen. Die Gesellschaft braucht keine Zwangsform - wo "bedingungsloser" Gehorsam gefordert wird, selbstständiges Denken nicht möglich ist und vor allem natürlich auch kein Hinterfragen. Unsere Gesellschaft braucht junge Menschen (Burschen und Mädchen), die ein Jahr lang ihrer Lebenszeit gesellschaftliches Engagement leben. In allen Bereichen sei es als Zivildiener, als Maurer, Maler etc... die (zum derzeitigen Zivildienerlohn) die vielen Facetten von sozialem Einsatz kennen lernen sollen. Das ist eine Investition in die Zukunft der gesamten Gesellschaft und öffnet andere Blickwinkel. Ich wünsche mir Politiker mit Rückrat, die sich trauen das zu erkennen und zu fordern..

2 0

Selbstzerstörung ist sonst eher eine Disziplin der ÖVP

aber wenn so ein schwerfälliger Koloss wie die SPÖ einmal auf der falschen Spur ist, kann das auch erstaunlich destruktiv werden

Die Sozialdemokratische Verlogenheit

... hat schon damit begonnen,daß ein Roter Präsident ohne Gewissen, einen ZIVILDIENER als Heeresminister angelobt.
.
Dafür verspricht er,einen ev. demokratisch gewählten Freiheitlichen mit Stimmenmehrheit NICHT mit der Bildung einer Regierung zu Beauftragen!

Was soll das Mitleid?

Wenn jemand so gar keinen (festen, eigenen)Charakter hat wie Darabos und bereit ist, willenloses Werkzeug zu sein, dann ist mE Mitleid fehl am Platz.

Den Wehrdienst hat er aus Überzeugung verweigert, den Ministerdienst - vielleicht weil besser bezahlt, vielleicht weil doch überzeugungslos - nicht.

Und solch leere, von Partei oder "Krone" aufgeblasene Hüllen, seien sie nun in Darabos-Form oder einer anderen, sind unsere "Regenten", die als Vertreter des Staates respektiert werden wollen. Die Wahlbeteiligung wird wohl weiter sinken.

Gegen seine Innere Ueberzeugung.....

Na dafuer hat er aber das Bundesheer maechtig kaputt gemacht. Und der Republikanischen Schutzbund, zu dem er das Heer machen moechte, ist wohl auch nicht gegen seine innere Ueberzeugung.

6 1

Als überzeugter Pazifist und Sozialist für ein Söldnerheer eintreten ist schon ein starkes Stück Selbstverleugnung

Viel Charakter kann bei diesem fehlbesetzen Menschlein nicht zu finden sein. Und auch eine tatsächliche sozialistische Überzeugung kann hinter derartigen Vorhaben nicht gefunden werden. Dieses Rockzipfelhänger vertritt irgendwelche anderen Interessen, wir werden diese spätestens bei seinem kommenden Job in der Privatwirtschaft erkennen.

don norbert quichote

der rote mann von la mancha, don norberto quichote, reitet auf seinem lahmen esel.

In ein paar Wochen wird Darabos Geschichte sein!

Die SPÖ hat sich schon längst von ihm veraschiedet!

schreiben sie doch endlich die wahrheit!

darabos wird über kabinettschef kammerhofer von landesverrätern wie häupl und cap unter druck gesetzt, die das bundesheer in eine interventionsarmee für kampfeinsätze umwandeln wollen. natürlich hält die feige korrupte bagage dafür nicht selbst den kopf hin, sondern erpresst darabos.
es ist allen bekannt, dass darabos über kammerhofer abgeschottet, überwacht, unter druck gesetzt wird. dass die, die darabos wohlgesonnen sind - soldaten wie sozialdemokraten und andere - von ihm ferngehalten werden. dass weder die abberufung entachers noch die vernichtung des bunkermuseums noch die ernennung von reißner zum streitkräftekommandanten und vieles mehr auf darabos' kappe gehen. er soll nur den kopf dafür hinhalten. und die genossen sind derart feige und verkommen, dass keiner auf die idee kommt, etwas zu unternehmen.

Re: schreiben sie doch endlich die wahrheit!

interesant ist abre dabei der stehsatz von vorwiegend sehr alten "roten" parteigenossen, der da lautete: vergesst nie das jahr 1934, vergesst nie 1934 als das bundesheer auf die eigene bevölkerung geschossen hat.

3 0

Re: Re: schreiben sie doch endlich die wahrheit!

ist nicht nur ein argument der altroten, sondern auch von denen die gegen staatliche konzentration von macht und gewalt sind
;-D

1 14

verteidigungsminister

Norber darabos ist der dienstälteste heeresminister.
Bei ihm weiss man wenigstens wie er dazu steht.
Schade dass seine berater ihn nicht besser einsetzen konnten.
Des weiteren haben euroländer auch frauen als herresministerinnen.
Ich sehe eher das problem, der zivildiener konnte weder von der generalität noch von seinen beratern zu einer reform des zwangs - und verwaltungsapparates überzeugt werden.
Daher der schluss : berufsheer.

Re: verteidigungsminister

zu wenig durchdacht. Ein Berufsheer ist ausschließlich für die EU und Nato notwendig, sonst nichts.

Re: Re: verteidigungsminister

......und würde vermutlich zehnmal mehr kosten. Die Waffenlobby läßt grüßen und keiner merkt es!

Re: Re: Re: verteidigungsminister

graf alfi braucht wieder ein paar honorare für sich und das mizzerl

1 0

Re: Re: verteidigungsminister

SIND SIE NICHT IN DER EU?
ODER HABEN SIE AUCH DAGEGEN GESTIMMT WIE ICH?
NUR JETZT WO WIR SCHON DABEI SIND NEHM ICH ES DEMOKRATISCH.

In seinen letzten Tagen als Minister will Darabos auch in den Medein erscheinen.

Was hat uns Darabos nicht schon alles versprochen?

Vom Kaufrücktritt der Euroflieger bis zu einem modernen Heer....

Von einem "Zivildiener" mit dem "richtigen Parteibuch" kann man offensichtlich nicht mehr erwarten.

5 2

Darabos ist kein Verteidigungsexperte!

No, na net! Darabos ist sicher vorzuwerfen dass er den Fall (Verfall) unserer Armee nicht aufgehalten hat oder die Richtung umgekehrt hätte (dies wäre die Aufgabe eines jeden Ressortleiters). Auch einige politisch orientierte Nachbesetzungen hätte er sich auch sparen können.

Nur dort wo unser Heer heute steht, dies ist sicher nicht von Darabos verursacht worden, sondern von vielen Ministern (und Regierungen) vor seiner Zeit. Insbesondere aber der Generalstab sowie die entscheidungstragenden Kommandanten in ihrer "Hilfe-ich-bin-so -arm-Position" haben aus Selbstverliebtheit und Arroganz ein Verwaltungsheer aufgebaut, dass heute nur mehr in einzelnen Segmenten, und hier auch nur nach außen hin geschönt, funktioniert.

4 2

für Darabos ist die Wehrpflicht in Stein gemeißelt

der hat bloß dem Michi aus Wien zu einem Wahlzuckerl verhelfen wollen....

5 11

Die Entscheidung wird sein: Eine Armee oder keine Armee.

So sieht es mittlerweile aus in Europa.
http://2.bp.blogspot.com/-ahfGcpkHSLw/TckwX7OT7mI/AAAAAAAAAW0/PdlVXJxI6_w/s1600/Wehrpflicht-in-Europa_2010_112.png
Über kurz oder lang wird überall die Wehrpflicht verschwinden (müssen). Das Herumgeseier hierzulande wird deshalb langfristig wesentlich mehr Kosten verursachen, weil so oder so auf ein Berufsheer umgestellt werden muss, wenn man eine wirklich modern funktionierende Armee haben will. Oder man konzentriert sich weiterhin auf Hochwasser, Lawinen und Zivildiener. Dazu braucht man aber keine Armee, da kann man sie ganz abschaffen, weil das kann anders effizienter gelöst werden.

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