Landeshauptleute: Österreichs beliebteste Politiker

22.12.2012 | 18:00 |  von Oliver Pink (Die Presse)

Früher reichten Volksnähe und Bauernschläue aus, heute sollte man sich auch bei Finanzderivaten auskennen. Was ein Landeshauptmann können muss, um an der Macht zu bleiben. Und warum das Rezept überall dasselbe ist.

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Als Eduard Wallnöfer noch Landeshauptmann war, von 1963 bis 1987, da war von Swaps, Futures und Derivaten noch kaum die Rede. Damals reichte es, das Ohr am Volk zu haben und diesem, dem Volk, nahe zu sein, rund um die Uhr, wenn möglich. Durch Wallnöfers Tirol sollte seinerzeit eine dreispurige Autobahn, die „Allemagna“, gezogen werden, die Wirtschaft war für den Bau, logischerweise auch die ÖVP und deren Landeshauptmann. Im Zillertal begann sich jedoch massiver Widerstand zu regen. Während eines Landtagswahlkampfs machte auch der Landeshauptmann dort Station, antizipierte rasch die Stimmung und polterte ins Mikrofon: „So lang i' das Land regier', werd' diese Allemagna nit gebaut werden.“ Und so geschah es auch.

Auch Wallnöfers Nachfolger hielten am Konzept der Volksnähe fest. Günther Platter, der sich im kommenden Frühjahr der Wiederwahl stellt, versucht sich ebenso darin – ob mit Erfolg, wird sich zeigen. Ausgerechnet Wallnöfers Schwiegersohn Herwig van Staa, dem Uni-Professor, wollte das nicht so recht gelingen. Nach der Wahlniederlage 2008, die ÖVP kam in einem ihrer Kernländer nur noch auf 40 Prozent, musste er zurücktreten.

Identitätsstiftend. Auch wenn mit der EU mittlerweile eine weitere politische Ebene hinzugekommen ist und damit die Sinnhaftigkeit von Bundesländer-Verwaltungen noch stärker zur Debatte steht: Landeshauptleute erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Nicht nur weil sie gütig das Geld, das der Bund aus Steuermitteln weiterleitet, verteilen. Sondern gerade auch weil sie als Erste unter Gleichen identitätsstiftend und -bewahrend wirken.

Bekanntlich sind die meisten Tiroler oder Kärntner in erster Linie Tiroler oder Kärntner. Und dann erst Österreicher. Ein Ausdruck provinzieller Weltanschauung? Nicht nur. Dies hat schon auch historische Gründe. Es war nicht die Republik Österreich, die die Bundesländer erschaffen hat, es waren die Länder, die freiwillig ihren Beitritt zur Republik Österreich erklärten und diesen Staat so erst ermöglichten. Viele Länder gibt es als eigenständige Verwaltungseinheiten schon wesentlich länger als einen österreichischen Gesamtstaat. Das Herzogtum Kärnten etwa, als ältester Teil des heutigen Österreich, existierte seit 976. Österreich (im Wesentlichen das heutige Niederösterreich) wurde erst 1156 ein unabhängiges Herzogtum.

Der Landesfürst.
Das Synonym „Landesfürst“ kommt also nicht von ungefähr. Wie muss ein solcher heutzutage beschaffen sein? Volksnah sollte er (oder sie) sein, wandelbar – einmal im Business-Anzug, dann in der Tracht, notfalls im Rettungs-Outfit –, eine gewisse Sportlichkeit schadet nicht und neuerdings sollte man sich auch bei Finanzgeschäften auskennen.

Wie man sich und seine Partei an der Macht hält, hat zuletzt keiner eindrucksvoller bewiesen als Erwin Pröll. Er hatte auch eine relativ günstige Ausgangsposition. In Niederösterreich, lange Zeit ökonomisch wie politisch hinter anderen Ländern zurückgeblieben, wird einem Landeshauptmann noch Vertrauen entgegengebracht und man erwartet sich im Gegenzug schon auch, dass dieser imstande ist, die persönlichen Lebensumstände zu verbessern, sei es durch einen neuen Job, eine neue Wohnung oder einen neuen Kreisverkehr.

Zudem ist der Landeshauptmann der größte Promi im Land. Als im Landtagswahlkampf 2008 in der Marktgemeinde Leobersdorf eine kleine Brücke über die Triesting zu eröffnen war, harrten hunderte Niederösterreicher in eisiger Kälte aus, um ihren Landeshauptmann zu sehen, der sich noch dazu einigermaßen verspätet hatte. Wäre der Kanzler höchstpersönlich gekommen, es wären sicher nicht so viele gewesen. Dass die Brücke den Namen „Dr.-Erwin-Pröll-Steg“ trägt, versteht sich mehr oder weniger von selbst.

In einem Land wie Niederösterreich ist ein Landeshauptmann eben noch eine Respektsperson. Und wenn er dann noch jedem Ort sein Sommertheater beschert, dann steigt er auch in der Achtung der sonst so überaus kritischen Kulturschaffenden.

Ein ähnlicher Spagat zwischen (Hoch-)Kultur und Bierzelt gelingt auch der Salzburgerin Gabi Burgstaller. Auch wenn ihre Wiederwahlchancen zuletzt doch gesunken sind, abschreiben sollte man sie bei den vorgezogenen Landtagswahlen, voraussichtlich im Mai 2013, nicht. Auch „die Gabi“ beherrscht – wenn schon nicht das budgetäre – dann jedenfalls das politische Tagesgeschäft. Aufmerksamkeit und Herzlichkeit im persönlichen Umgang, ab und zu eine kecke Bemerkung Richtung Wien und Omnipräsenz – das reicht fürs Erste schon einmal. Solange man in keinen gröberen Finanzskandal verwickelt ist. Aber auch da arbeitet die Salzburger SPÖ bereits emsig daran, diesen doch noch irgendwie der Landes-ÖVP umzuhängen.

Kärntner Terrain. Ein ganz spezielles Terrain für den Typus Mensch, der sich zum Landeshauptmann berufen fühlt, bietet Kärnten. Hier lässt sich seit Jahrzehnten unter nahezu idealen Bedingungen studieren, was ein solcher können muss. Kein Speckfest und kein Wörthersee-Event ist ihm zu schade – wiewohl Gerhard Dörfler im Vergleich zu Jörg Haider das Programm doch deutlich zurückgefahren hat. Die Hunderter für Bedürftige werden aber weiterhin vom „LH“ – wie die meisten, länderübergreifend, von ihren Mitarbeitern gern genannt werden – persönlich verteilt. In Sachen Finanzgebarung müssen aber auch die Kärntner nun genauer auf die Details achten. Ein Beinahe-Konkurs nach dem Hypo-Crash macht eben auch jene nachdenklich, die es bisher gewohnt waren, ohne allzuviele Skrupel das Geld unter die Leute zu werfen. Unvergesslich ist etwa Jörg Haiders Aktion „Jedem Kärntner seine Tracht“. Gesponsert wurde das Ganze selbstredend vom Land.

Bei ihren Landeshauptleuten sind die Wähler mitunter sehr nachsichtig – und diese wissen das auch. Als der Tiroler Günther Platter wegen Jagdeinladungen – eh nur kurz – unter Druck geriet, beschied er: Über einen Rücktritt denke er nicht einmal nach. „Bisher ist noch jeder Landeshauptmann auf die Jagd gegangen.“ Eduard Wallnöfer tat dies jede Woche.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2012)

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113 Kommentare
 
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Abschaffen der Bundesländer

Sofort. Ohne Ersatz.

Was dieser Bericht verschweigt

Wer wohl diese "Studie" den Medien zur Verfügung gestellt hat? "Wer beauftragt und die Rechnung bezahlt schafft an".

(Wer sie bezahlt hat ist bekannt: Der Steuerzahler, es gibt sonst niemanden). Daher ist es auch bei den Instituten kein Nachteil ein Parteibuch zu haben. Zufällig wählen SPÖ+ÖVP jeder "seine" dortigen Freunde aus.


Landesregierungen ersatzlos abschaffen! Gemeinden auf ca. 20.000 EW zusammenlegen. Gemeinden mit BH fusionieren. Zum Ausgleich Bundesrat mit Landespolitikern und Kommunalpolitikern besetzen. Ausmaus!


Niemand braucht diese völlig unnötigen Bremsklötze der österreichischen Gesellschaft namens Landeshauptleute. Und niemand braucht Landesgesetzgebungskörper. Und niemand braucht eine Verwaltungsebene Bundesland. NIEMAND!

Diese lächerlichen Landeskompetenzen können ohne weiteres Personal von den Ministerien erledigt werden.

Weg mit diesem Pseudo-Föderalismus, welcher präpotent die Bundespolitiker an der Nase durch die Manege zieht und sich als SpendenonkelIn mit fremdeingetriebenem Steuergeld feiern lässt.

Ersatzlos abschaffen. Stattdessen 20 Landespolitiker und 20 Bürgermeister in den Bundesrat - als echte 2. Volkskammer. Und zwecks "Bürgernähe" eben 20 Servicebeamte des Bundes in jede verlassene Landeshauptstadt-Tintenburg setzen. Als Ansprechpartner für diejenigen, die eben gerne in der Landeshauptstadt all das erledigen, was ohne weiteres auch über BH und Internet möglich ist.

Ersparnis: 4 Milliarden Euro- jährlich!

100% richtig! Sofort wäre Österreich schuldenfrei!

Die Praxis zeigt: Noch NIE haben sich Politiker selber eingespart und auf ihre Pfründe verzichtet. Faymann und Spindelegger können nicht einmal den Nationalrat auf 165 verkleinern.

Im Urlaub am Bauernhof beobachtete ich bei der Fütterung die Schweine. Nur jene Schweine lärmen laut die sich noch keinen Platz am vollen Futtertrog erkämpft haben. Stehen sie erst einmal ganz vorne sind sie ruhig und schmatzen genüßlich. Freiwillig gehen sie vom vollen Futtertrog nicht weg. Das hat aber mit der Politik nichts zu tun.

Re: 100% richtig! Sofort wäre Österreich schuldenfrei!

Das hat aber mit der Politik nichts zu tun...

Wirklich nicht??? ;-)

Man hat das Gefühl,

dass der Österreicher auch nach 90 Jahren immer noch ein verkappter Monarchist ist.

Wie sonst sind die Bezeichungen "Landesfürst" und "Bezirkskaiser" oder "ÖVP/SPÖ-Granden" (wenn sie tagen, die feinen Damen und der Herrn Abgeordneten z. NR.) zu erklären, wo doch die profanen Bezeichnungen "W*rsteln" angebrachter wären??

Re: Man hat das Gefühl,

Ja, und wir bezahlen die auch noch monarchistisch, nämlich, fürstlich.

Re: Re: Man hat das Gefühl,

NEIN, wir bezahlen nichts. Sie nehmen sich's.

Re: Man hat das Gefühl,

Das kleine Österreich hat:
94 hochbezahlte Regierungsmitglieder
über 770 Abgeordnete
dazu einen Bundespräsidenten
einenBundesrat
über 99 BH´s
und knapp 2.500 Gemeinden.

Das alles weiterhin obwohl schon 80% der Gesetze aus Brüssel kommen!

Re: Re: Man hat das Gefühl,


Von dem EU-Wahnsinn haben wir tatsächlich schon genug!


Re: Re: Re: Man hat das Gefühl,/persil 4.0

Und wenn Sie noch so keifen:

Die EU hat mit der Zahl in Österreich (un)tätiger Politiker*I*nnen und -außen absolut NICHTS zu tun! Diese "Figuren" gab's schon lange vor der EU!

90 Jahre? Viel zu wenig!

Schon VOR 1890 galt: "Jeder Bürger muss an einem Tag mit dem Ochsenkarren die öffentliche Verwaltung erreichen können".

Daher haben heute, im Computerzeitalter, weiterhin über 99 BH´s.

So lange wir keine Veränderung wählen wird sich auch keine Veränderung ergeben.

Das war klar das Kärnten wieder schlecht weg kommt!

Denn das ist das einzige Bundesland was nicht versäucht ist.

War das nicht zu erwarten?

Wozu sonst bestellen SPÖ+ÖVP den gesamten Staat mit ihren Parteigünstligen?

Richter, Staatsanwälte, ORF, Polzei, Flughafen, Nationalbank, ÖBB, Post.....

Diese Leute informieren und handeln dann völlig "unabhängig".


die Landes-Fürstl-Würstl

können nur vom Volk abgesetzt werden
aber ...

Links, linker, Die Presse!

Unangenehme Kommentare werden ausradiert. Meinungsdiktatur pur!

saufen


saufen und fressen auf regimentsunkosten und bandeln durchschneiden. die Länder einfach aufloessen Hirschmann schau oba.

Lt. OSCE können in Österreich die 9 Bundesländer

mit Mrd. "herumwerfen" ohne je dafür Verantwortung übernehmen zu müssen.

Und in welchem Bundesland

sind die 400 Mill von Salzburg geparkt.

Bei 400 Mill dauert es halt, bis das Geld wieder auftaucht.

Re: Und in welchem Bundesland

Nachschau halten Wien Löwelstrasse??? Wurden mit diesen die Schulden der ROTFRONT bezahlt ????

Re: Und in welchem Bundesland

in NÖ können´s net sein, da fehlt doch wesentlich mehr als bloße 400 ......

Re: Re: Und in welchem Bundesland

Vielleicht tun die 400 Mille in einem Karussell (auf wienerisch: Ringlspü) herumkurven und keiner weiß wo genau??

Re: Re: Und in welchem Bundesland

Vergleich: Zu den weit über 1 Mrd. in NÖ schweigen Spindelegger & Co, aber bei 430 Mio in Salzburg sind sie "entrüstet".

Re: Re: Re: Und in welchem Bundesland

Ja, da wird sehr zaghaft berichtet, genauso zaghaft wie über die Euro Fighter Millionen.

Re: Re: Re: Re: Und in welchem Bundesland

Die 410 Mille von Dobusch und Seiner Kumpane ist selig entschlafen! Oder gibts doch noch Ferien im sechs Sterne Horel in Linz Museumstrasse ?gennant S-Landl von UPPER AUSTRIA.

Stmk

In der Steiermark gibt es "Klone"- ob die wohl so beliebt sind?

Griechenland ist näher als manche denken!

Weiterhin wird JEDE politische Funktion gleich 10 fach verwaltet! (Einmal im Bund und 9x mit gleichen Aufgaben ion den Ländern) - Und WIR freuen uns noch darüber,- finden diese seit dem EU Beitrit überflüssigen Landeshauptleute auch noch "lieb".

Wir verdienen gar nichts anderes!

Re: Griechenland ist näher als manche denken!


Der EU-Beitritt war überflüssig!


Re: Re: Griechenland ist näher als manche denken!

WIR haben JA zu dieser EU gesagt; nun haben wir sie!


Re: Re: Re: WIR haben JA zu dieser EU gesagt; nun haben wir sie!

Nur ich kann mich an kein JA zur EURO-Fiskalunion erinnern. Und die wird noch weit kostspieliger werden, als die EU je sein könnte.

Re: Re: Re: Griechenland ist näher als manche denken!


"Wir" sicher nicht!

Denn ich habe dagegen gestimmt!

Außerdem kann man politische Fehlentscheidungen wieder rückgängig machen!

Und das ist dringend nötig!


witzig

das mit der steigeröffnung über die triesting in leobersdorf hat sich wirklich so zugetragen. ich war als kleiner nachwuchsschreiberling dabei. aber es war 1998, nicht 2008. ;-)

Re: witzig

Früher waren Sie ein Nachwuchsschreiberling, heute sind Sie nicht einmal das mehr. Oder wie kommt es, dass Sie nicht Großbuchstaben zu schreiben imstande sind?

Re: Re: witzig

oh, das liegt daran, dass die einstellungen bei meinem portablen telekommunikationsgerät dergestalt sind, dass alle buchstaben samt und sonders klein eingegeben werden. und aus diesem grund wird alles klein geschrieben. sollte das deine sprachlichen gefühle verletzen, so gratuliere zu einem ansonsten sorgenfreien leben.

Die Landesfürsten werden aussterben wie weiland die Fürsten

.
Ebenso wie das "Argument" "Es steht geschrieben", das wohl nur Analphabeten beeindrucken konnte.

So sehr ich dieses landesfürstliche Gehabe und dieses Almosenverteilen verachte,

die Größe einer Verwaltungseinheit hat wenig mit seiner Effektivität zu tun.
Eine Zusammenlegung von Ländern würde am Problem wenig ändern.

Die Organisationen gehören aber abgespeckt, radikal abgespeckt. Ein bedeutender Teil der Landesgesetzgebung kann österreichweit einheitlich durchgezogen werden. Dadurch spare ich im Verhältnis acht von neun Juristen ein die an ähnlichen Gesetzen basteln.

Auch Bezirkshauptmannschaften und Gemeinden gehören "abgemagert" Nicht bei den Leuten die noch mit den Bürgern arbeiten sondern bei den hochbezahlten und am Ende für nichts verantwortlichen Führungsebenen muss man ansetzen.

Salzburg ist ein demonstratives Beispiel. Dort kann die hochbezahlte Beamtenschaft keine aktuelle Vermögensübersicht erstellen.
Darum Umstellung auf normale doppelte Buchhaltung. Diese kann auch von privaten Anbietern erstellt werden und bei dieser kann man kurzfristig Zwischenbilanzen erstellen. Auch die Lohnverrechnung und ähnliche Dinge können ohne Probleme mit großer Kostenersparnis ausgelagert werden.

wenn man unsere landeshauptleute anschaut muss man offenbar nicht viel können


Re: wenn man unsere landeshauptleute anschaut muss man offenbar nicht viel können

jagen, saufen, ...

 
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