Studie: Präsenzdiener verdienen 77.500 Euro weniger

03.01.2013 | 18:23 |  Von Martin Fritzl (Die Presse)

Minister Darabos setzt seinen Werbefeldzug für die Einführung eines Berufsheers fort. Die Wehrpflicht verursacht laut einer von Darabos präsentierten Studie geringere Wertschöpfung und Einkommensverluste.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Verteidigungsminister Norbert Darabos setzt seinen Werbefeldzug für die Einführung eines Berufsheers fort. Am Donnerstag präsentierte er gemeinsam mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Gudrun Biffl eine Studie, der zufolge die Wehrpflicht sowohl volkswirtschaftlichen Schaden verursacht als auch jedem einzelnen Grundwehrdiener erhebliche finanzielle Nachteile beschert.

Laut Biffl sind es 300 Millionen Euro im Jahr, die dem Land an Wertschöpfung entgehen. Diese Zahl resultiert aus dem späteren Einstieg ins Berufsleben und verpassten Qualifikations- und Weiterbildungschancen. „Ohne die Wehrpflicht wäre das Wirtschaftswachstum um 0,25 Prozent im Jahr höher“, glaubt Biffl.

Aber auch jeder einzelne Grundwehrdiener erleide erhebliche Nachteile. Vergleicht man die Einkommensentwicklung von jungen Männern, die einen Grundwehrdienst abgeleistet haben, mit jenen, die das nicht gemacht haben, zeigt sich, dass ehemalige Grundwehrdiener um fünf Prozent weniger verdienen. „In der Folge gibt es Nachwehen über den gesamten Lebenszeitraum“, so Biffl. Dieser Befund wundere sie nicht: Auch Frauen, die durch die Babypause aus dem Berufsleben gerissen werden, müssten ähnliche langfristige Einkommenseinbußen hinnehmen.

In Summe soll der Schaden für jeden Grundwehrdiener – zusammengesetzt aus geringerer Bezahlung während des Militärdienstes und späteren Einkommensverlusten – bei 77.500 Euro liegen. Vor diesem Hintergrund sei es „zynisch“ zu behaupten, der Grundwehrdienst habe noch niemandem geschadet, sagt Darabos. Biffl sieht aber noch einen weiteren Grund für einen Systemwandel: Durch die demografische Entwicklung würden dem Bundesheer die jungen Männer ausgehen. Ab dem Jahr 2015 würden geburtenschwächere Jahrgänge einberufen. Damit lasse sich das derzeitige System, basierend auf mindestens 21.800 Rekruten jährlich, nicht mehr aufrechterhalten.
Kritik an der Untersuchung, die auf einer älteren Studie aus dem Jahr 2001 aufbaut, gibt es von der ÖVP. Wehrsprecher Oswald Klikovits kritisiert, dass einige Teile der ursprünglichen Studie „seltsamerweise verschwunden“ seien. Dort stehe nämlich, dass eine Berufsarmee teurer sei und weniger Leistung bringe als ein Mischsystem mit Wehrpflicht.

Auch von wissenschaftlicher Seite gibt es Kritik. Der Linzer Volkswirtschaftler Friedrich Schneider hält zwar die Grundaussage, die Wehrpflicht koste ein Viertelprozent Wachstum, für „völlig richtig“, das sei aber nur ein Teilaspekt. Schneider hat die Kosten einer Berufsarmee ausgerechnet und kommt dabei auf plus 219 Millionen Euro. Dabei geht Schneider allerdings von der Annahme aus, dass die Grundwehrdiener zur Gänze durch Berufssoldaten ersetzt werden müssten. Das Modell von Minister Darabos sieht dagegen nur eine geringfügige Aufstockung der Berufskader vor.

Mehr zum Thema:

Befragung: Ausgang offen

Laut Umfragen werden sich die Wehrpflichtbefürworter bei der Befragung am 20. Jänner klar durchsetzen. Für Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung ist das aber noch nicht sicher. Seinen Befragungen zufolge ist die Zustimmung zum Berufsheer umso größer, je besser informiert die Befragten sind. Außerdem steige die Zustimmung, wenn man das Thema vom Zivildienst entkoppele. Ein Aufholen der Berufsheerbefürworter sei also noch möglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

310 Kommentare
 
12 3 4 5 6 7

So einen Blödsinn habe ich noch nie gelesen

Es kann ja vl sogar sein dass Leute die beim Heer waren weniger verdienen. Das liegt aber nur daran, dass das "gewöhnliche Volk" eben zum Heer muss, aber die Söhne der Politiker fast durchwegs "untauglich" geschrieben werden.

Und genau DAS gehört geändert! Die Wehrpflicht soll beibehalten werden und muss enlich für ALLE BERUFSFÄHIGEN gelten!

Kann ich jetzt den Darabosch auf Schadenersatz klagen

Wegen Verdienstentgang von 2.5x 77500 Euro, nachdem ich 2 1/2 Jahre gedient habe? Irgen ein Gleichheitsparagraph der EU muss doch dafuer funktionieren.

ich bin am Überlegen

ob ich die 77.500,- €, die mir durch meine 8 Monate Dienst beim Bundesheer entgangen sind, einklagen sollte..
Vielleicht wäre das eine Möglichkeit, diesen roten Parteikapazunder endlich in die Wüste zu schicken.

wegen einem halben Jahr 77.500,- verlieren?

ich verstehe diese Rechnung nicht ganz. Herr Darabos darf nicht immer von Politikergehältern ausgehen.
Bitte diesen Idioten endlich absetzen!

Re: wegen einem halben Jahr 77.500,- verlieren?

Dem Einkommen hängt man ja jedes Jahr hinterher. Sie wissen Zins und Zinseszins.
mind. 1/2 Jahr früher in Pension dadurch bzw. weniger Pensionsbeitragszeiten etc. ... und als Zivildiener kann es sogar sein dass man 1 Jahr od. länger auf einen entsprechenden Platz bei den div. Organisationen warten muss...

Machtgewinn

Die Genossen sind nicht für die Wehrpflicht sondern für das "freiwillige" Sozialjahr. Da können sie an ihre Parteibuchträger wunderbar steuerfinanzierte Arbeitsplätze schaffen und vergeben.
Es geht nur um zusätzlichen Machtgewinn und sonst nichts!

noch unentschlossen

Gedanken:
-Wehrgerechtigkeit gibt und gab es nicht. Gerade Bundesregierungen der letzten Zeit haben einen geringen Anteil an Ex-Soldaten (und vielleicht ist der unterstellter Einkommensvorteil von 70000 Euro aus genau diesem Blickwinkel zu verstehen).
Von 8 Mio Österreichern können gerade 100000-300000 mobilgemacht werden. Der Rest kann sich drücken
-Natürlich haben wir ein andere Bedrohungen als noch vor 20 Jahren, ev.lohnt eine Professionalisierung der Polizei, aber ein Hintertürchen für den "Ernstfall" sollte man sich offenhalten
-Geheime (nicht kommunizierte)SPÖ-Linie ist wohl die Aufhebung der Wehrpflicht und anschließend finanzielle Aushungerung des Berufsheeres. Pro forma stellte man einen MILAK- Hausmeister und einen LAVAK-Direktor an
-Das "Freiwillige Sozialjahr", aber auch der Präsenzdienst, bedeutet für diejenigen, die anschließend studieren, nebst momentanen Einbußen eine verminderte Bezugszeit von Familienbeihilfe und eine verminderte spätere Pension (da nur als sog. "Ersatzzeit" gerechnet)
-Jene die schreiben, ein verpflichtender Arbeitsdienst sei völkerrechtswidrig, verschweigen: Ausnahme: staatlicher Notstand. So meine ich, die massive Verschuldung und der Pflegenotstand (angesichts der Vergreisung) sind ein Notstand, der solches rechtfertigt. Ein paar Monate tun der Jungend nicht weh
-Verpflichtender Dienst am Staat für alle, und zwar nicht zuletzt als Schule der Solidarität ohne soziale Unterschiede-nicht unbedingt Militär- ergänzt durch Profi-Exekutive


Irrelevant

Frau Biffl und Herr Darabos haben also nachgewiesen, dass Sicherheit kein uneingeschränkt wirtschaftsfähiges Gut ist.

Gratuliere!

Das weiss man seit vielen Jahrhunderten.

Ist so wie mit der Alarmanlage - wenn niemand einbricht, dann war es eine Fehlinvestition.

Vielleicht, denn man wird auch nie sicher sagen können, ob vielleicht gerade desegen nicht eingebrochen wurde.

Es ist schon bemerkenswert, wie an sich korrekte, aber völlig irrelevante Fakten bemüht werden.

Aber hat irgendjemand etwas anderes erwartet, als dass ein Zivildiener in der Verkleidung als Verteidigungsminister alles tun wird, um das Bundesheer abzuschaffen oder ihm zumindest nachhaltig zu schaden?

kein söldnertum in uniform!

kein söldnertum in uniform! alle gemeinsam für das vaterland - und sonst nichts.
keine angriffskriege für fremde interessen und keine transnationalen verbrecherbünde!

Berufsheer NEIN DANKE


berufsheer = söldnertruppe

nein danke! es soll so bleiben wie es ist.

Eusebius

Wo ist diese kuriose Studie einsehbar?
Dafür würde ich doch gerne meine kostbare Zeit opfern.....

Weder Darabos noch Spindelegger werden dafür bezahlt!

Statt ihre Arbeit im Ministerium nachzugehen pilgern Darabos & Co (SPÖ) und Spindelegger & Co (ÖVP) durch die Lande um für oder gegen die Wehrpflicht Stimmung zu machen.

Spindelegger als Außenminister hat völlig andere Aufgaben!

prinzipienlosigkeit und geldverpestete seele

rot stand immer für wehrpflicht: plötzlich für ein söldnerheer. aha. die eigene parteigeschichte einfach über bord geworfen.
die schwarzen, um keinen deut besser, lange gegen die wehrpflicht, auf einmal dafür.

das bzö war immer für ein söldnerheer, ebenso die grünen (die würdens wohl am liebsten gänzlich abschaffen) und die fpö stets für die wehrpflicht. die parteien blieben wenigstens ihrer eigenen linie treu.

ad artikel:
es geht hier um einen dienst am vaterland, punkt.
menschen wie ein darabos verstehen von sowas nichts, wäre ja geradezu ein wunder, wäre dem so.
jeder mensch, jeder (mann und frau) soll einen dienst für das eigene land tun.
das ist eine frage der identifikation und des gesellschaftlichen zusammenhalts des volkes und des staates.
kein söldnertum in uniform! alle gemeinsam für das vaterland - und sonst nichts.
keine angriffskriege für fremde interessen und keine transnationalen verbrecherbünde!

Will Darabos eine kollektive Verdienstentgangsklage aller ehemaligen GWDs?

Dann könnte er zumindest seinen ungeliebten Posten endgültig räumen.

da wird einem das abstimmen leicht gemacht...

hier werden nur die absolut unseriösen berechnungsergebnisse der bundesheerseite genannt.
für den bereich krankentransport und altenpflege sind die zahlen noch ungenauer und nicht nachrechenbar.
mit einer positiven abstimmung geht also die gefahr eines nicht mehr funktionierenden krankentransportwesens in ö hand in hand.

Re: da wird einem das abstimmen leicht gemacht...

Was hat denn eine Armee mit Krankentransport und Altenpflege zu tun seit den Römern bis in die Jetztzeit?

Die Argumente für oder gegen ein Berufsheer werden immer verworrener, je näher der Zeitpunkt der Volksabstimmung kommt

Je näher der Tag der Volksabstimmung kommt, umso verworrener wird die Situation. Jetzt meldet sich gar eine Arbeitsmarkt-Expertin zu Wort, die errechnen ließ, dass durch den Präsenzdienst dem Wirtschaftswachstum und dem Lebenseinkommen der Wehrpflichtigen ein Schaden von 77.500 Euro erwachsen würde. Trotz der vielen Unwägbarkeiten einer solchen Berechnung, kann sie das jedoch sogar auf 100 Euro genau sagen.
Die blumigste Phantasie reicht jedoch nicht aus, um sich auch nur im Entferntesten vorstellen zu können, wie sie auf einen derart hohen Betrag kommt. Denn Präsenzdiener sind in der Regel keine Einkommensmillionäre und stehen erst am Anfang ihrer Berufskarriere.
Sehr wenig bis gar nichts hörte man bisher von Darabos auch, was er mit dem durch ein Berufsheer überflüssig gewordenen Generälen und Generalstäblern, von denen er viele selbst ernannt hat, zu machen gedenkt. Vermutlich wird auch er den in Österreich üblichen Weg wählen und sie in die Pension schicken, die Kosten dafür aber nicht dem Bundesheer sondern der Gesellschaft aufhalsen .
Auch für den Berufssoldaten gilt, dass er die Hälfte seines Lebens vergebens wartet. Diese Zeit wird auch er in der Kantine und nicht auf der Hindernisbahn verbringen. Daher wird es auch weiterhin lange Listen von vom Frühsport befreiten Berufssoldaten geben, die ihre feisten Bäuche daran hindern, ein paar Schritte zu laufen. Was aber wird der jeweilige Verteidigungsminister dann mit denen tun?

Re: Die Argumente für oder gegen ein Berufsheer werden immer verworrener, je näher der Zeitpunkt der Volksabstimmung kommt

Na habens nicht auch 9000.-€ Brutto im Monat ?

WAS ist CHUZPE ? Man stelle sich vor......

...jemand fordert GÖD-Neugebauer auf, auf einen JAHRESGEHALT zu verzichten (analog GWD, Zivi).

ER würde ablehnen -

mit der Begründung, er verdiene doch viel MEHR als ein Jugendlicher (GWD oder Zivi).

Was ist SOZIALE INTELLIGENZ ? Man stelle sich vor..

jemand fragt Fr. Burgstaller (Salzburg), ob der VERLUST eines JAHRESGEHALTS für SIE von Bedeutung wäre (analog GWD, Zivi).

Sie würde bejahen,

mit der Begründung, Sie VERLIERE doch viel mehr.

Den konservativen Gfriesern ...

... ist das eh wurscht. Die leben gern und gut von benachteiligten jungen Menschen. Lassen der Omi lieber von einem billigen Zivi den A wischen um selbst Geld zu sparen.

wie schauts mit dem SPÖ ederer 1000er (im Monat natürlich) aus? hat darabos auf den ederer 1000er bei seinen berechnungen vergessen? der könnte auch noch indexangepasst an die familien nachbezahlt werden.

das ederer SPÖ 1000er versprechen war wohl einer der grössten SPÖ märchen der 2. Rep.
genau das Gegenteil ist eingetreten>. neueste studien u untersuchungen haben aufgezeigt, dass die österreichischen asvg arbeitnehmer u asvg pensionisten europaweit am meisten verloren haben. was daher darabos(SPÖ) mit den 77000 euro von sich gibt- ist schon kabarettreif.

Dafür haben aber...

...die BeamtenpensionistInnen gewonnen.

Darabos in der ZIB2 - sehr entlarvend:

"... Es wird kein Weg an der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht in Österreich vorbeiführen ..."

Jahresgehalt

man muss sich vorstellen, dass die IV (Veit Sorger), der ÖAAB und die GÖD um jedes 1/10 % KV verhandeln,

ABER Jugendlichen (die Geld am dringensten benötigen) einen JAHRESGEHALT stehlen (= Steuersatz 100 %).

... und da wehrt sich die ÖVP und die IV gegen eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes 50 %).

lächerlich, peinlich, schamlos

 
12 3 4 5 6 7

Das Bundesheer und sein Kampf ums Budget

Mein Parlament

AnmeldenAnmelden