Rechts um! Deutsche Burschen unter Wiener Kommando

03.01.2013 | 18:23 |  Von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Seit Jahreswechsel führt die österreichische Teutonia die deutschen Burschenschaften an. Liberalere Verbindungen, die in Deutschland noch Tradition haben, flüchten aus dem Dachverband – eine Zerreißprobe.

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Augen wie Mandeln, Haare wie Pech – und dazu Kappe und Schläger? Für Fred Duswald, „Alter Herr“ einer Münchner Verbindung, war die Burschenherrlichkeit vorbei: Die Mannheimer Hansea hatte einen chinesischstämmigen Studenten aufgenommen. Und nun strebte dieses „Männlein aus dem Lande des Lächelns“ auch noch einen Vorstandsposten bei den Deutschen Burschenschaften an und steckte damit „den Verband in Brand“. So klagte Duswald im heißen Sommer 2011 in der österreichischen „Aula“. Wie könne man da noch „glaubwürdig gegen Umvolkung und Überfremdung auftreten“, mit einem „Pigmentierten“? Etwas präziser formulierte es eine Bonner Verbindung in ihrem Ausschließungsantrag: Eine „nicht europäische Gesichts- und Körpermorphologie“ weise auf die „Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung und damit auf eine nicht deutsche Abstimmung hin“. Mandelaugen müssen draußen bleiben.

Was wie eine Posse unter Ewiggestrigen klingt, war Teil einer der schwersten Zerreißproben in der fast 200-jährigen Geschichte der deutschen Burschenschaften. Auf der Wartburg in Thüringen hatten sie sich 1817 versammelt, die Kämpfer für Ehre und Vaterland – vor allem aber für Freiheit, die Rechte der Bürger und ein Ende der absoluten Monarchie.

Großdeutsche Fantasien

An diesem geschichtsträchtigen Ort wurde nun auf einem Burschentag so heftig über Aufnahmeregeln gestritten, dass eine Spaltung unausweichlich schien: in einen liberaleren und einen völkisch-rechten Flügel. Die Liberaleren setzten sich noch einmal durch. Ein Etappensieg, wie sich vor Kurzem herausstellte: Ende November wurde die Wiener Teutonia zur vorsitzenden Burschenschaft für das Jahr 2013 gewählt.

Eine Verbindung, die laut Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus in den Neunzigerjahren als „Hochburg der militant-rechten“ Szene galt, gibt damit den Ton an. Spiegel Online hat nun ein nur drei Jahre altes Flugblatt ausgegraben. Es zeigt eine Großdeutschlandkarte samt Südtirol, „Deutschböhmen“ und Ostpreußen, und es wettert gegen „Schandverträge“ und Gebietsabtrennungen. Als verantwortlich zeichnet die Teutonia, die ihre Urheberschaft auf Anfrage nicht dementiert.

Mit solchen revisionistischen Fantasien wollen viele moderate Verbindungen in Deutschland nichts zu tun haben. Ein gutes Dutzend hat den Dachverband in den letzten Wochen verlassen. Darunter eben jene Hansea, die Kai Ming Au in ihren Reihen hat. Kurz vor Weihnachten kündigte sie ihre fast 60-jährige Zugehörigkeit zum Verband. Die sich breitmachende Gesinnung sei mit ihren „demokratischen Überzeugungen nicht mehr vereinbar“.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Österreicher die Gemeinschaft in eine schwere Krise stürzen. Zu Zeiten der 1968er-Umbrüche war die Streitfrage, ob die österreichischen Verbindungen wieder in einen gemeinsamen Dachverband aufgenommen werden sollen. Eine durchaus ideologische Weichenstellung. Mit der Aufnahme der Österreicher 1971 hat sich ein „volkstumsbezogener Vaterlandsbegriff“ durchgesetzt. In dieser Tradition argumentieren die Gegner von Kai Ming Au: Auch die deutsche Staatsbürgerschaft mache den in Mannheim geborenen Chinesen nicht zu einem Deutschen.

Mit historischer Logik ist auch zu erklären, wieso österreichische Burschenschafter meist nationalistischer gesinnt sind als ihre deutschen Brüder. Schon mit der Reichseinigung 1870 hatten die Deutschen ihre meisten Ziele erreicht: Die Kleinstaaterei hatte ein Ende, die Freiheitsrechte waren durchgesetzt, Kanzler Bismarck war mächtiger als der Kaiser. Aus dem Kampf wurde Patriotismus als Folklore. Die Österreicher aber fühlten sich im multikulturellen „Völkerkerker“ der Habsburgermonarchie getrennt von der „Volksgemeinschaft“ – und radikalisierten sich, oft auch durch deutlicheren Antisemitismus.

Macht statt Folklore

Während sich die deutschen Burschenschafter aus der Politik zurückzogen, blieben sie in Österreich präsent – gerade heute, durch die engen Verbindungen zur FPÖ. Das verschafft der zahlenmäßig kleinen Gruppe ein anderes gesellschaftliches Gewicht und Selbstbewusstsein als in Deutschland, wo sie meist als kuriose Subkultur belächelt wird. Ein Dritter Nationalratspräsident als stolzes Mitglied einer Verbindung, die Holocaust-Leugner und Liedermacher aus dem Neonazi-Milieu einlädt, wäre in Deutschland schwer vorstellbar. So stramme Wertkonservative wie CSU-Urgestein Günther Beckstein, auch ein „Alter Herr“ einer "musischen Studentenverbindung", ziehen die Grenzen selbst: Als bayerischer Innenminister beklagte er, dass Rechtsextreme versuchen, in Burschenschaften einzudringen. Die Botschaft: Rechts von ihm dürfe es nichts geben.

Die nun ausgetretenen liberaleren Burschenschaften existieren auch ohne Dachverband weiter. Und selbst alle rund 300 sind nur ein kleiner Teil der etwa 2000 Studentenverbindungen im deutschen Sprachraum: katholische Bünde, Landmannschaften, Corps. Für das Gros gilt die Formel: viel Tradition, wenig Ideologie. Manche nehmen Frauen auf. Und die meisten Chinesen.

Auf einen Blick
Im Dachverband der deutschen Burschenschaften hat die Wiener Studentenverbindung Teutonia den Vorsitz übernommen. Ein gutes Dutzend liberalerer Gruppierungen hat in den letzten Wochen den Verband verlassen. Auslöser des Richtungsstreits war 2011 ein chinesischstämmiger Student in einer Mannheimer Verbindung, dessen Aufnahme das rechte Lager nicht akzeptieren wollte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2013)

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159 Kommentare
 
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homegage anschauen

homepage anschauen links durchklicken und sich ein bild machen. und das nennt sich akademisch aber ich will nicht vorgreifen sonst machts keinen spass.

Rechts um! Deutsche Burschen unter Wiener Kommando

man kann diese ganze Aufregung um nichts, gar nicht verstehen.
Diese Buschenschaften entstanden aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon.
Die Klassifizierung mit Rechts und NS Vergangenheit ist einfach in der heutigen Zeit nur lächerlich.
Alles was nicht ins Beuteschema von irgendwelchen Personenkreisen passt, wird als Nazi oder rechtsradikal beschimpft.
So wird diese Zeit in der Erinnerung aufrecht erhalten. Das hat auch was positives damit es nicht vergessen geht und als Warnung dient.



Junge Leute, "dumm wie Stroh"

betitelt die Süddeutsche das gleiche Thema

Die "Arier"-Debatte bereitet den Studentenbünden Probleme. Immer mehr Korporierte treten aus den konservativen Vereinigungen aus - nicht zuletzt wegen der rassistischen Haltung mancher Mitglieder.
...
Fest steht nur, welche Burschenschaft 2013 den DB-Vorsitz übernimmt: die WIENER Teutonia. Die gilt selbst innerhalb des Verbandes als stramm rechts. Die Austrittswelle bedauere ihr Mitglied und Sprecher Walter Tributsch zutiefst, sagt er.

http://www.sueddeutsche.de/panorama/deutsche-burschenschaften-junge-leute-dumm-wie-stroh-1.1562110

Viel mehr, etwa zum Thema NS-Zeit, will er nicht sagen. Das seien nur "fünf Jahre deutscher Geschichte. Über die möchte ich nicht reden." Ob er eine Meinung zur NS-Zeit hat? "Ja. Doch die sage ich nicht."

33 bis 45 sind bei ihm also fünf (!) Jahre deutscher Geschichte,
bei allen anderen 12 lange Jahre Nazi-Zeit
*rofl*

"Aus dem Kampf wurde Patriotismus als Folklore."

Sehr schöne und einleuchtende Darstellung jenseits der sonst üblichen Medienhetze.

Der Nazi-Soldat in der Hofburg-Krypta

ist unseren Geschnetzelten dank Darabos als Objekt zum "allgemeinen" Trauern abhanden gekommen.

Hoffentlich geht den rechtsrechten Burschischaftern die Puste bald ganz aus: "Zudem würden bis zu 40 weitere Burschenschaften über einen Austritt aus der DB nachdenken. Das wäre wohl der Anfang vom Ende der mehr als hundert Jahre alten DB." (SZ)
*hoff*

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Warum ....

...will ein Chinese zu einer deutschen Burschenschaft gehören? Gibt sicher auch chinesische Vereine in Deutschland.

Gähn....

schreibt lieber über die linken Typen, die unsere Steuergelder schmausen. Die ulkigen Purschen sind doch so was von uninteressant.

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Re: Gähn....

in der presse hatte man noch nie viele probleme mit diesen leuten, ist nichts neues und sie bestätigen das.

Re: Gähn....

aber gehns , man kann doch so schön damit vor dem chaos und elend der finanzmärkte und spekulanten ablenken und gibt sich nebenbei noch äußerst politisch korrekt. ein klappe zwei fliegen erschlagen.

Österreich

Wer sich die Auswertungen von Volkszählungen der Donaumonarchie (bspw. von 1910) anschaut, der wird nur Nationalitätenbezeichungen wie "Tschechen" (Böhmen, Mähren, Österr. Schlesien) "Magyaren" (Kgr. Ungarn) etc. und "Deutsche"(Gebiete des heutigen Österreich, Böhmen,..) finden. Historisch gesehen war "Österreich" die Bezeichnung für ein politisches und geographisches Staatsgefüge, aber nicht für eine Nationalität.Und diese Sicht beschränkte sich nicht nur auf das heute als "drittes" bezeichnete politische Lager sondern auch auf weite Teile der Sozialdemokratie (Victor Adler, Karl Renner) und der Christlichsozialen (Karl Lueger, Kunschak). Österreich als Nation (im klassischen Sinn) wurde erst in der 2. Republik " kreiert ". Fakt ist, dass auch das heutige Österreich noch immer Teil des deutschen Kulturraumes ist.

Re: Österreich

jetzt verstehe ich warum man euch "ewiggestrigen" nennt! lolol

Re: Österreich

Sehr wesentlich war die Trennung in "Cisleithanier" und "Transleithanier".
Letztere die damaligen Monarchisten (Jubelruf "Hoch") und erstere die damals viel moderneren Deutschnationalen (Jubelruf"Heil" was damals noch nichts mit dem Österreicher Hitler zu tun hatte, aber auch nicht ganz zufällig ist), die die Transleithanier (also Ungarn Tschechen etc.) samt Kaiser lieber heute als morgen losgeworden wären.

Re: Re: Österreich

bitte was schreiben sie für einen Blödsinn zusammen. Cisleithanien war einfach der Deutschsprachige Teil der Monarchi, also das heutige Österreich !


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Re: Österreich

Das kann historisch zutreffen, trotzdem bin ich heute Österreicher und werde so auch vom Rest der Welt wahrgenommen. Dieses von Ihnen abgewertete Staatsgefüge ist im praktischen Leben durchaus relevant. Welcher Nationalität ich aufgrund bayrischer und tschechischer Vorfahren angehöre interessiert dagegen niemand mehr, ausser rechte Burschenschafter und ein paar alte Leute vielleicht.

einfache definition

das ziel der deutschnationalen ist die Zerstörung Österreichs zugunsten einer "großdeutschen Nation" somit sind deutschnationale Hochverräter.

Re: einfache definition

Sie haben den Kernpunkt nicht verstanden.
Die wollten nicht Österreich zerstören- gabs ja gar nicht- sondern sie wollten es gründen.

Re: einfache definition

Naja... "Großdeutsche Nation" ist wohl auch schon Schnee von gestern. Wenn du sowas tatsächlich selber glaubst, dann lebst du auch ganz schön irgendwo in der Vergangenheit genauso wie die, denen du das vorwirfst :-))

20 7

Das ziel der deutschnationalen ist die Zerstörung Österreichs?

Wie das Travnicek, möchte man fragen?
Die deutschen Staaten haben in den Jahrhunderten nicht immer streitfrei, doch auch nebeneinander gelebt.
Wien aber war, was heute gerne (absichtlich) vergessen wird, über Jahrhunderte eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Stadt des Deutschen Reichs. Hier war als Sitz der deutschen Kaiser das politische Zentrum Deutschlands.
Man kann und soll sich m.E. als deutscher Österreicher fühlen - so wie es auch kroatische, serbische, türkische, etc. Österreicher gibt, ohne daß man den österreichischen Staat in Frage stellen muß. Was hingegen eine Phantasie ist, ist ein österreichisches Volk. Das gab es nie und heute natürlich auch nicht. Noch stellen die zum deutschen Kulturkreis gehörenden Österreicher die Mehrheit, auch wenn an der Änderung dieser Tatsache heftig gearbeitet wird - durch die üblichen Verdächtigen. Warum es heute ein Verbrechen sein soll eine Tatsache, die 1938 noch alle gesellschaftlichen Gruppen Österreichs bejahten auszusprechen, bzw. sich dazu zu bekennnen, ist mir sowie nicht einsichtig - abgesehen von durchsichtigen politischen Motiven von inländerfeindlichen politischen Gruppierungen.
Man kann bekennder und stolzer Österreicher sein und trotzdem sich auch deutsch fühlen. Ein verstorbener Freund, ziemlich weit links, Vater deutscher Wehrmachtssoldat, von den Nazis hingerichtet, meinte immer, daß er sich nicht dafür geniert, Österreicher zu sein, aber auch nicht dafür deutscher Österreicher.


Re: einfache definition

Sehr Gut gebrüllt schilehrer !
Schließe mich an !

Re: Re: einfache definition

Schilehrer? Was macht der denn hier? Sollte der nicht gerade dem Nationalsport Berg-runter-rutschen frönen? So was aber auch!

Re: Re: einfache definition

Schon wieder so einer, der im Gestern lebt und von einem "Anschluss" spricht. Nimmt doch keiner mehr ernst, euer Geschreibsel.

14 10

Warum noch sogenannte Qualitätszeitungen?

Wenn ich die in Ihrem Medium veröffentlichte Kritik der Deutschen Burschenschaft gelesen habe, so frage ich mich ehrlich, wozu dieses Blatt von unserer Familie abboniert ist.
TAZ und die (unter Schmerzen verblichene) FRankfurter Rundschau hätten ähnlich gegeifert!
Schlechte Recherche&feindliche Tendenz!

Trotz Wechsel Fleischhacker/Novak kein semantischer Wandel?

Kein Heil Ihnen,
Tassilo

Re: Warum noch sogenannte Qualitätszeitungen?

Heul doch, Tassileinchen!

Bis 1866

Wurde Deutschland von Wien aus regiert. Dann gab es einen Deutsch-Preussischen Krieg (Koeniggraetz) seit dem es mit Deutschland nur noch bergab ging. Deutsche brauchen oesterreichische Fuehrung (und damit meine ich nicht den Fahnenfluechtling aus Oberoesterreich). Man schaue sich einmal z.B. die Deutsche Autoindustrie an. Faktisch alle Manager Oesterreicher. Ohne uns ginge es ihnen wie den Franzosen.

Re: Bis 1866

"Wurde Deutschland von Wien aus regiert."

Das kann man sicher nicht so ausdrücken. Fakt ist, dass die Habsburger die einzigen waren, die Preussen im großdeutschen Verbund hätte die Stirn bieten können.
Deshalb grenzte Bismarck Habsburg aus. Er war Preusse und das immer allererst.

Er war nicht der Architekt "Deutschlands" als der er gefeiert wurde, er war der Architekt einer Art von Großpreussen, das nicht zuletzt durch das Versagen seines Dienstgebers, des Hauses Hohenzollern, durch WKI hinweggefegt wurde.

Re: Re: Bis 1866

Preussen war ausserhalb des Reiches.

 
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