Frank Stronachs „fliegende Notare“ und die Mühen der Ebene

04.01.2013 | 18:06 |  Von REGINA PÖLL (Die Presse)

Der Neo-Politiker will hoch hinaus – in den Nationalrat. Doch damit er sein Siegerimage bis dahin bewahren kann, braucht er Erfolge bei den Landtagswahlen. Der erste Testlauf steht in Niederösterreich bevor.

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Wien/St. Pölten. Niederösterreich ist weit weg – zumindest für Frank Stronach. Wieder einmal ist der Unternehmer und Milliardär in seiner zweiten Heimat, in Kanada. Im Sechs-Wochen-Rhythmus kommt er nach Österreich, genauer: ins niederösterreichische Ebreichsdorf. Um von dort aus seine neue Partei, das Team Stronach, zu steuern. Sonst tut er das via Telefon, bevorzugter Ansprechpartner ist sein Klubobmann im Nationalrat, Robert Lugar. Wie gut das funktioniert? „Sehr gut“, sagt Lugar. „Frank gibt die Werte vor, Fairness, Wahrheit und Transparenz, und wir setzen das um.“

Der erste Testlauf steht bevor: Am 3. März wählen die Niederösterreicher ihren Landtag, und es dürfte ein hartes Match werden – das vor allem lautet: Stronach gegen Erwin Pröll, seit 1992 Landeshauptmann der ÖVP und seit 2003 Verteidiger der „Absoluten“ seiner Partei. Die jetzt aber wackelt, und zwar vor allem wegen des Team Stronach.

Jüngere Umfragen sehen die neue Bewegung bei rund acht Prozent – deutlich hinter der ÖVP sowie der SPÖ und FPÖ, deren Kandidaten dennoch im Schatten Stronachs sowie Prölls verblassen. Seit den Neunzigerjahren haben die beiden „starken Männer“ mehrere Rechnungen, ursprünglich wirtschaftlicher Natur, offen. Zwar hat Stronach nach seiner (teilweisen) Rückkehr aus Kanada in Oberwaltersdorf die Europazentrale seines Magna-Imperiums errichtet, wofür ihn Pröll mehrfach auszeichnete. An Stronachs „Weltkugel“ für Ebreichsdorf schieden sich aber die Geister: 1999 lehnte ÖVP-Landesrat Wolfgang Sobotka das Vorhaben ab – aus Gründen des Wasserrechts. Stronach wiederum zog 2009 seine Fußballakademie aus Hollabrunn, wo Prölls Radlbrunn nicht fern ist, ab – ohne Angabe von Gründen.

Die politische Retourkutsche?

Jetzt soll die politische Retourkutsche erfolgen. Doch so leicht stellt sich die Lage für das Team Stronach nicht dar: Noch fehlt ein Gutteil der notwendigen Unterstützungserklärungen, die bis 27. Jänner bei der Landeswahlbehörde eingehen müssen: je 50 in allen 21 Bezirken. Es gehe schleppend voran, sagen Vertreter der Stronach-Partei über das Eintreiben der Stimmen. Man ist aber einfallsreich: Bald sollen „fliegende Notare“ auf den Straßen zum Einsatz kommen. Damit könnte man Wahlberechtigten den Weg in die Gemeindeämter und Magistrate ersparen, um für Stronach zu unterschreiben.

Auch bei der Erstellung der Wahlliste hapert es noch: Erst diese Woche ist dem Team Stronach seine Landesparteivorsitzende, Karin Prokop, als Kandidatin abgesprungen – angeblich, weil sie nie für den Landtag, sondern „immer schon“ lieber im Herbst 2013 für den Nationalrat kandidieren wollte. Inoffiziell heißt es, dass es entsprechenden Druck auf Prokop und ihre Familie, allen voran ihren Vater, seitens der Pröll-ÖVP gegeben habe. Als Alternative für einen der vorderen Ränge auf Stronachs Wahlliste gilt nun Ernest Gabmann junior, selbst Spross eines einstigen ÖVP-Landeshauptmann-Vizes.

Spitzenkandidat ist zwar Frank Stronach selbst, er will aber nicht in den Landtag einziehen. Floppt seine Bewegung in Niederösterreich, wäre sein Macherimage als einer, der „umrührt“ und neue Verhältnisse in einer zuletzt als „korrupt“ verrufenen Republik zu erschaffen versteht, aber in jedem Fall schwer beschädigt.

Nach Kärnten auch Salzburg, Tirol im Visier

Besser ist die Ausgangslage für das Team Stronach in Kärnten: Dort hatte man am Mittwoch innerhalb weniger Stunden die notwendigen 400 Unterstützungserklärungen beisammen. Dank bezahlter Profi-„Keiler“, wie der BZÖ-Chef und -Spitzenkandidat Josef Bucher meinte. „Eine glatte Lüge“ nennt das der Kärntner Stronach-Sprecher Thomas Fian: „Tausend Leute“ hätten sich für Stronach engagiert – auch bei den Erklärungen. „Und zwar, ohne einen Cent zu bekommen.“

Nach Kärnten hat die Bewegung auch die Salzburger Landtagswahl im Frühjahr im Visier: Stronach könnte dort nach dem Landes-Finanzskandal mit seinen Werten „Wahrheit, Fairness, Transparenz“ besonders punkten, glauben Parteistrategen. Als Kandidat angefragt wurde etwa der Judoka Ludwig Paischer. Ebenfalls möglich sei eine Kandidatur in Tirol, wo Ende April gewählt wird. Tirol wird aber geringere Bedeutung beigemessen.

Am Ende entscheidet sich für Neo-Politiker Stronach alles bei der Nationalratswahl: Im Bund will er, nach den ersten möglichen fünf Jahren, 2018 erneut antreten – um dann den Kanzler zu stellen, der er aber nicht selbst sein will. In den Nationalrat möchte er hingegen heuer schon persönlich einziehen. Aktuell hält das Team Stronach in Bundes-Umfragen bei zehn Prozent und Platz fünf hinter SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grünen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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51 Kommentare
 
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Herry10.01.2013

der,Re "der"Ihr habt ja Beide in Euren Kommentaren sooo recht ich kann dem nicht mehr viel dazu hinzufügen, Aber vielleicht dass noch: es hoffen viele viele österreichische Wähler, das der Franky diese korrupte, verkrustete Parteienlandschaft einmal anständig durcheinander wirbelt und den Wählern einen wirklichen fairen Weg für österreich zeigt und nicht Milliarden unseres Staates wo wir das Geld wirklich für unsere Belange dringend brauchen, in den EUheizkörper verbrennen.Eine Schande und ein "Schlag ins Gesicht" für uns AUSTRIAN People.

der

österreicher ist halt leider etwas zu faul und risikoscheu. nur: wer nicht spielt, kann nicht gewinnen.
erstarrung ist das, was wir in Ö haben und es wird noch schlimmer werden.
der frankie ist dagegen ein jungspund.

Re: der

Es ist nicht Risikoscheuheit, es ist die
Bequemlichkeit und die gefährliche Betriebsblindheit, bei der man selbst im größten Chaos glaubt: "Es ist eh alles in Ordnung"!!

Diese Bequemlichkeit bestätigt sich in der 60 Jährige Parteiwirtschaft, bei der ca 30 % der öffentlichen Stellen in Händen der inkompetenten Parteimitglieder und P-günstlingen ist ! (siehe Salzburg wo man nach so langer Zeit noch keine Größenordnung des Finanzskandales der SPÖ gefunden hat - angeblich ?!)

Frank Stronachs „fliegende Notare“ und die Mühen der Ebene

Es werden sicher schmutzige Wahlkämpfe werden und ich wünsche Frank alles Gute, dass er genauso austeilt, denn schmutziger als die derzeitige Österreichische Politik, kann der schmutzigste Wahlkampf nicht mehr werden !!

Re: Frank Stronachs „fliegende Notare“ und die Mühen der Ebene

Es ist schon erstaunlich, dass Sie Stronach etwas zubilligen, was Sie bei den etablierten Parteien kritisieren.
Noch erstaunlicher empfinde ich die Blindheit aller Stronach Anhänger gegenüber der Herkunft seiner Mandatare und Kandidaten - die kommen allesamt ebenfalls aus den etablierten Parteien. Für mich erfüllt das im Prinzip den Tatbestand politischer Prostitution - ich gehe mit dem ins Bett, der nach dem meisten Geld riecht.

Re: Re: Frank Stronachs „fliegende Notare“ und die Mühen der Ebene

Hallo insider piefke,
nachdem Sie sich selbst so nennen, brauche ich keine bedenken über diesen anrüchigen Ausdruck zu haben.

Ich billige dem Neopolitiker Stronach mehr zu, als den etablierten
Korruptionsparteien ! Das ist voll beabsichtigt !

Ich kann mich gut in einen Unternehmer hineindenken.

Außerdem bin ich der Meinung, dass die etablierten Parteien
Österreich an den Abgrund manövriert haben, siehe EU-27 Nachhaltigkeitsstudie in der Welt vom 12-2012. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis Österreich in der Bonität auch herabgestuft wird.

Ich habe in den 2 Jahren meine Erfahrungen an der vordersten Front gemacht und habe mich nach 9 Monaten wieder in Richtung Ihres Heimatlandes orientiert !

ich kann dieses sprechblasenblabla „Wahrheit, Fairness, Transparenz“ schon wirklich nicht mehr ertragen!

das denke ich mir, dass Ihnen das nicht passt.
Denn die Anwendung dieser regeln die normalem moralisches Handeln entsprechen umzusetzen, na das wäre das Ende der Parteien Diktatur in Österreich. Ehrlich - ich mag den polternden ungelenken Fräänieboy auch nicht sonderlich, aber gegen die Wahlmöglichkeiten die mir am Wahlzettel zur Verfügung stehen, eine Zusammenrottung von Gaunern, Schwindlern, Snakeoilverkäufern, Zahnarzthelferinnen oder Teilzeittaxlern ist der wüste Stronach geradezu ein Säulenheiliger.
Und die Werte die die Altparteien hochhalten, na die stehen der bladen Gabi ins Gesicht und uns auf die Rechnungen geschrieben.

ich kann dieses sprechblasenblabla

„Wahrheit, Fairness, Transparenz“ schon wirklich nicht mehr ertragen! wie ein bei der lüge ertapptes kind, das ständig "gar nicht wahr" wiederholt! unfassbar, dass stronach dieses gestammel einem selbständig denkenden menschen ständig zumutet!
was steht denn eigentlich dahinter? irgendein konzept, wie er seine " hehren werte", die für alle außer für ihn gelten sollen, in den niederungen der alltagspolitik verankern will, mit dieser verschwindend kleinen abgeordnetenmannschaft?

Re: ich kann dieses sprechblasenblabla

Dass solche Leute wie Sie selbständig denken, halte ich für ein Gerücht !

Sie haben doch in den vergangenen
60 Jahren das Parteigeplänkel mitgemacht und es zu dieser Misere:

Korruptionen, Finanzmisere,
der früheren Regierung und

Untersuchungsausschuss-Abbruch der jetzigen Regierung

kommen lassen !!
Also was wollen Sie ? Sie haben doch alles mitgewählt und sind daher einverstanden gewesen !

Jatzt wollen Sie sich distanzieren, da es
überhand genommen hat und Sie wollen damit nichts zu tun gehabt haben ??!!
Das ist doch Vogel-Strauss-Politik in Reinkultur !!

Eindruck

Ich gewinne den Eindruck, dass Stronach genauso Politik führen will, wie er auch einen bekannten Fußballklub führte.

Jemand der zwar eine Partei "gründet", der aber selbst nicht den Job übernehmen will, sondern von irgendwo weit hinten dirigieren und anschaffen möchte, hat meine Stimme sicher nicht verdient.

Einmal schauen, wie lange er dieses Steckenpferd am Laufen hält......

Im Vergleich zu Grün, SPÖVFPÖ ist Stronach

geradezu eine halb nackte Brigitte Bardot, lasziv lächelnd in einer Badewanne mit Geld gefüllt liegend gegen Billy The Kid, Jesse James und Doc Holliday beim Banküberfall.

Re: Im Vergleich zu Grün, SPÖVFPÖ ist Stronach

Ich denke eher, das Hr. Stronach mehr einem Mr. Gecko gleicht.

Gecko sind in unseren Augen vielleicht keine Schönheit,

aber seit 50 Millionen Jahren extrem erfolgreich in der Evolution unterwegs - mit reichen ein paar Jahre Stronach und dann ist unsere Situation hoffentlich wieder im Lot.

Mit fallen eine Menge tierische Vergleiche zu unserem obersten Taxifahrer als BK und einer angelernten Zahnazthelferin als Infrastrukturministerin ein. Abgesehen von der fetten Gabi die (mit unserem Steuergeld) gerade total abgebrannt und dennoch frech plaudernd aus dem Casino walzt. Von der wichtigsten Badehaube Niederösterreichs garnicht zu reden.

Stronach ist weder mein Freund, noch mein Feind


Warum nicht mein Feind?

Weil er mir nichts weggenommen hat, um nicht zu sagen gestohlen und mich auch nicht angelogen hat.
Er hat sich auch nicht an meinem Steuergeld bereichert.

Mein Freund kann er noch nicht sein, weil ich sein tatsächliches Parteiprogramm nicht kenne, ausgenommen drei Schlagwörter.

Dass dennoch so viele Politiker vor ihm zwar nicht zugegeben, so aber doch Angst haben, dürfte klar auf der Hand liegen:

Viele "Ungereimtheiten", auch in finanzieller Hinsicht in Kärnten, Salzburg, NÖ, Bgld. und Wien laufen Gefahr, aufgedeckt zu werden.

Seine Mandatare mögen von ihm bezahlt sein, die der übrigen Parteien jedoch ausschließlich von meinem Steuergeld. Und dies nicht zu knapp!

Re: Stronach ist weder mein Freund, noch mein Feind

er hat sehr wohl genommen, und zwar steuer-stützgelder für seinen konzern, und neuerdings clubförderung in millionenhöhe? gut, dass Sie glauben, dass Ihnen nichts weggenommen wurde! solche menschen mit scheuklappen braucht stronach dringend!

Mit Verlaub -

gegen das was die Altparteien in Wien, Linz, Salzburg ec leisten und wie die Sä:ue in der Gülle mit unserem Steuergeld umgehen, ist Fräänieboy vergleichsweise ein Heiliger. Immerhin hat er mit den Förderungen die man ihm zugestand (Vranitzky hat sich einen Posten bei Magna so um unsere Marie gekauft) 30.000 Arbeitsplätze in Österreich geschaffen - unsere Altpolitiker nur ihre eigenen gesichert und uns hinten und vorne bestohlen...

erwin & co: füllt die parteikassen!

denn bei dem zu erwartenden ableben von fränk mitten in der legislaturperiode (oder zumindest der vollendung der heute bereits begonnenen geistigen umnachtung) wird es mehrere abgeordnete im landtag geben, deren credo lautet: für eine handvoll euro stimme ich für alles, was mir vorgelegt wird.

dank fränk beginnen wir mit einer neuen ära der demokratie: mandat for sale in a free economy --> wer mehr zahlt, bekommt meine stimme.

Re: erwin & co: füllt die parteikassen!


Lieber Keinstein.

Wäre ich an deiner Stelle , würde ich in
einer ÖVP Parteizeitung schreiben.
Dort gibt es sicher Beifall.
In diesem Forum sind sicher nur wenig
über deinen ,,Senf,, neugierig.

Re: Re: erwin & co: füllt die parteikassen!

wäre dieses forum nur irgendwie relevant, könnten wir ohnehin die republik zusperren.

sogar diePresse geniert sich für teile davon und deaktiviert manchmal die post-funktion.

ich würde an ihrer stelle das hirn einschalten, bevor ich mich auf "dieses" forum berufe!

Re: Re: Re: erwin & co: füllt die parteikassen!

Ich hätte mir das schon ca. 100 Beiträge vorher von ihnen erwartet.

Aber so muß man eben mit Entäuschungen leben lernen.

„Frank gibt die Werte vor, Fairness, Wahrheit und Transparenz, und wir setzen das um.“

korrektur:

fränk stammelt uns die werte vor, cash, scheck und überweisung, und wir stecken das ein.

hmmm

ich bin zwar kein wirklicher stronach fan aber er ist trotzdem eine gute alternative zur övp oder spö in noe. sein anti eu kurs spricht viele an für die die pro eu sind macht das auf landesebene auch keinen grossen unterschied. auf jeden fall 100x besser als spö oder gar övp.

Re: hmmm

Ja, genau - der Telefonpolitiker gibt per Telefon die (bisher noch nicht erkennbaren) Werte vor und die von anderen Parteien abgehalfterten Hinterbänkler versuchen dann das Gestammel zu sortieren. Super Alternative!

Re: Re: hmmm

klar kann man sich nicht 100%ig sicher sein wie gut oder schlecht eine neue partei sich schlagen wird.

aber eine neue nicht zu wählen weil man sich eben nicht sicher ist und dafür eine alte von der man weiss dass sie es schlecht macht ist auch ned wirklich intelligent

Re: Re: Re: hmmm

Doch.

Aus Sicht eines Demokraten ist das sogar ausgesprochen unintelligent jemand zu wählen, von dem ich nicht weiß für was er steht und was er umsetzen möchte.

Zuerst informieren und bewerten, danach wählen und nicht umgekehrt.

Wer mit niemand einverstanden ist, der wähle in eindeutiger Form ungültig.

Re: Re: Re: Re: hmmm

Sie haben sich doch 60 Jahre nicht mit den Hintergründen beschäftigt, deshalb ist es soweit mit der Parteiwirtschaft, Korruption, Finanzskandalen, etc., gekommen !!

Warum haben Sie immer nur weggeschaut ?

Warum haben Sie immer nur gesagt, " dass es eh nicht besser wird "??

Jetzt, da das Wasser bis zum Hals steht, soll der Messias kommen und alles, was in den letzten 60 Jahren
verschlampt wurde, geradebiegen ?

Frank kann nur sein Möglichstes tun und den anderen "Feuer unter dem Hintern" machen !!

Er ist natürlich kein Politiker und er kann nicht so handeln, wie er es mit einer unrentablen Firma tun würde und diese schließen !
Vergessen wir das nicht und geben wir ihm eine Chance.
So eine Chance kommt nicht wieder !!

 
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