Salzburg: Haslauer verteidigt Paulus-Suspendierung

04.01.2013 | 18:22 |  CLAUDIA LAGLER (Die Presse)

Die Spekulationsverluste seien seit 2008 bekannt gewesen, sagt der ÖVP-Chef. Hauptverantwortlich für das Verschweigen sei aber der zuständige SPÖ-Landesrat David Brenner gewesen. Stimmt alles nicht, kontert dieser.

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Salzburg. Wer wusste wann über die Verluste in den Portfolios des Landes Bescheid? Für ÖVP-Chef Wilfried Haslauer steht fest, dass der noch bis 23. Jänner amtierende Finanzressortchef David Brenner im Laufe des Jahres 2009 informiert gewesen sein muss. Am 18.Februar 2009 tagte der Finanzbeirat des Landes und nahm eine Portfolioentwicklung zur Kenntnis, die alles andere als erfreulich war.

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Nach einem Gewinn von 240 Mio. Euro im Jahr 2007 hatte die Finanzkrise im Depot ihre Spuren hinterlassen. 2008 fiel die Performance des Optimierungsportfolios auf minus 316 Mio. Euro, 88 Mio. dieser Verluste wurden realisiert, 228 Mio. blieben als Buchverlust stehen. Haslauer ist überzeugt, dass Brenner diese Protokolle nicht erst seit ein paar Tagen kennt. „Die neue Dimension ist für mich, dass das Problem nicht nur nicht genehmigte eigenmächtige Geschäfte einer Mitarbeiterin sind, sondern dass auch im offiziellen Teil des Portfolios Spekulationsgeschäfte mit unglaublichen Verlusten bekannt waren“, so Haslauer.

Brenner sieht das anders: Er sei nicht über Detailgeschäfte, sondern über die Entwicklung des Gesamtportfolios informiert worden. Dieses wäre auch auf dem Höhepunkt der Krise im zweistelligen Bereich positiv gewesen. Konkret sei das Portfolio im Februar 2009 mit 55 Mio. Euro im Plus gelegen.

Während es politisch derzeit um das gegenseitige Zuschieben des Schwarzen Peters geht, hatte das Bekanntwerden der Protokolle des Finanzbeirats für den Leiter der Finanzabteilung, Eduard Paulus, konkrete Auswirkungen. Er wurde suspendiert.

 

Widersprüche um 445 Mio.

Der für Personal ressortzuständige Landesrat Sepp Eisl (ÖVP) kam nach Durchsicht der Unterlagen zum Schluss, dass Paulus seine Dienstpflichten verletzt hatte. Er habe 2009 von drohenden Verlusten in der Höhe von rund 300 Mio. Euro gewusst, aber weder Landtag, Budgetausschuss noch Landesregierung informiert, argumentiert Eisl. „Ein Abteilungsleiter mit einer derartigen Verantwortung muss selbst dann, wenn der Ressortchef mauert, die Landeshauptfrau oder die Landesregierung informieren“, sagte Haslauer zur Suspendierung des ÖVP-nahen Beamten. Parteizugehörigkeit dürfe in so einem Fall keine Rolle spielen.

Widersprüchlich bleiben die Angaben über den Verbleib der 445 Mio. Euro von der Bundesfinanzierungsagentur. Diese seien widmungsgemäß für den Wohnbau eingesetzt worden, sagte die Beschuldige Monika R. Dieser Version widersprach das Land: 348,8 Mio. Euro seien dafür bei der Hypo Salzburg aufgenommen worden.

Alles falsch, so der Anwalt von R. zur „Presse“: Die 348 Mio. Euro der Hypo wären am gleichen Tag, an dem sie aufgenommen wurden, als Festgeld wieder veranlagt worden. Und seien nicht für den Wohnbau verwendet worden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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10 Kommentare

Das Problem ist nicht die Spekulation

sondern dass die Beamten das nicht können!.

Regel: Gewitzte Spekulanten machen über die Zeit immer Gewinn, der Staat immer und überall ausschließlich Verluste - die dann der Steuerzahler trägt. Auch das fatale "Retten" von Finanzinstitutionen was eine solche staatliche, durch den Souverän nicht legalisierte Spekulation. die wie üblich voll in die XXL Saugwindeln gegangen ist.

wenn paulus redet ist haslauer erledigt


Re: wenn paulus redet ist haslauer erledigt

Eine erledigter Haslauer das ist nicht das Problem - das Problem ist, das wir erledigt sind - finanziell.

Margin call

http://www.imdb.com/title/tt1615147/
Ein Film aus Salzburg....

Interessante Geschäfte wurden da getätigt,

man nimmt einen Kredit auf, um das Geld postwendend wieder anzulegen. Ein Irrwitz sondergleichen, der in der Praxis nur Verlust bedeutet, dessen Grund daher ganz woanders liegen muss.

Ich glaube der Kredit diente nur dazu die ausufernden Verluste aus den Casinospekulationen mit frischem Geld, was nicht vorhanden war und ist (deshalb der Kredit) abzudecken.

Jeder, der einmal Fremdwährungskredite hatte, kennt das: Die Bank fordert den Schuldner auf zur Deckung der entstandenen Währungsverluste, nachzuschiessen, Geld natürlich.

Re: Così fan tutte

Ich war kürzlich bei einem Pröll-Empfang. Wie üblich wurden die Schulden des Landes NÖ als satten Gewinn für das Land dargestellt, was wir natürlich alles dem Erwin zu verdanken haben. Ich bin sicher, dass noch einiges im Dunkeln schlummert, und die 1 Mrd. noch deutlich übertroffen wird. Der Deckel wird halt bis zum 3. 3. mit aller Macht zugehalten, und die Absolute MUSS aus reinen Überlebensgründen halten.
Beim Thema Stronach hatte er dann allerdings Schaum vor dem Mund ...

Così fan tutte

Krumm oder grad - das was gerade halböffentlich abläuft bringt Stronach gegen oder über 15% Wählerzustimmung.
D.h. die bequeme GROKO mit die oberste Badehaube des Landes die Beute innerhalb des Clubs wechselseitig sich oder dem wiener Kutscher zustecken bzw. verstecken konnte ist Geschichte - und das bringt die beiden Fettwänste Häupl & Pröll total aus der Fassung.
Weil, wenn man das nicht verhindern kann, alle Leichen nach Ober schwimmen - und dann sind die beiden Großparteien mit ihren Beiwagerln für viele Generationen weg von der Fensterbank

Re: Così fan tutte

dann machma was dagegen - aktiv, und ned da sitzen und Finger wund tippen.

ich bin weit weg von Wien.
Bin aber sofort dort wenn eine ernst zu nehmende Demonstration stattfindet.

Ich kotz auf dieses mafiöse Gfraster und wünsch der ÖVP nicht weniger.....

Re: Re: Così fan tutte

...bin ja schon dabei ;-)

Nichts hören, nichts sehen, nichts wissen...


....sollen doch gleich die berühmten 3 Affen Salzburg regieren....

...die kosten uns wenigstens nur ein paar Bananen.

Das Bundesheer und sein Kampf ums Budget

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