Strassers Freundin: "Er wollte sich 'die Schweine' holen"

11.01.2013 | 13:04 |  Hellin Sapinski (DiePresse.com)

Live-Ticker Im Prozess gegen den Ex-Politiker stützte heute Strassers Lebensgefährtin seine Geheimdienst-These. Auch sein Steuerberater betonte: "Er hat befürchtet, dass er abgehört wird." DiePresse.com berichtete live.

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Im Prozess gegen den früheren VP-Innenminister und EU-Parlamentarier Ernst Strasser ist am Freitag dessen Geheimdienst-These auf dem Prüfstand gestanden. Strasser behauptet bekanntlich, er habe sich nur deshalb auf Gespräche mit zwei als Lobbyisten getarnten britischen Journalisten eingelassen, weil er diese für Geheimdienst-Leute gehalten und enttarnen habe wollen. Die Staatsanwaltschaft aber wirft ihm vor, den „Lobbyisten" gegen ein jährliches Honorar von 100.000 Euro seine Einflussnahme auf die EU-Gesetzgebung angeboten zu haben.

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Der Unternehmens- und Steuerberater Thomas H. unterstützte nun Strassers Behauptung. Er sagte aus, Strasser sei zwei Mal mit der Frage an ihn herangetreten, „ob es möglich wäre, dass meine Büros abgehört werden" - zuerst 2009, dann im Herbst 2010. Einen konkreten Verdacht oder Geheimdienst habe der Ex-Politiker aber nicht genannt. Nicht in Verbindung mit einem Geheimdienst habe Strasser zudem die Agentur „Bergman & Lynch" gebracht. Die Firma hatten die „Lobbyisten" als ihren Arbeitgeber ausgegeben. Strasser habe ihn gebeten, diese zu prüfen. „Es gab keine Firmennummer", sagte der Zeuge. „Das war mir nicht koscher."

Zwei Beamten des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) wurden danach befragt. Der erste Polizist sagte aus, dass Strassers Lebensgefährtin sich 2010 an ihn gewandt hatte: „Sie war sehr besorgt. Das war sehr allgemein." Bei einem Treffen habe Strasser dann Bedenken über einen russischen Dienst geäußert, konkreten Verdacht habe es nicht gegeben. Ein „britisches Unternehmen hat Strasser nicht genannt". Weiters habe es aus Sicht des BVT „kein konkretes Bedrohungsszenario" gegeben. Der zweite Polizist hatte indes keine Erinnerung mehr an Details oder daran, von wem die Initiative ausgegangen war.

Lebensgefährtin: „Habe mich gefürchtet"

Strassers Lebensgefährtin präsentierte kurz darauf eine etwas andere Version: Im Juli 2010 habe Strasser ihr von „Bergman & Lynch" berichtet. Die Firma sei ihm „nicht koscher" gewesen. In ihrem Kopf hätten sich dann „Puzzlesteine zusammengefügt", immerhin habe im April ein Polizist mit ihr Kontakt aufgenommen und sie gefragt, ob auf Reisen ein Nachrichtendienst an sie herangetreten sei. „Das habe ich damals nicht ernst genommen." Im Juli habe sie sich dann aber „gefürchtet".

Strasser habe einen Geheimdienst vermutet und gemeint: „Die Schweine, die hole ich mir." Sie hätten „die Amerikaner" vermutet. Ihren Verdacht erklärte die Zeugin so: Zum BVT habe Strasser nicht gehen wollen, denn das habe ihn schon einmal im Stich gelassen. Sie selbst habe aber beim BVT angerufen und gesagt, „dass ich Angst habe, dass der Ernst überwacht wird".

Aufregung um anonymes Schreiben

Am Ende der Verhandlung präsentierte Richter Georg Olschak einen Brief von einem anonymen Adressaten, der versucht hatte, die für Montag geplante Einvernahme der britischen Journalisten Claire Newell und Jonathan Calvert zu verhindern. In dem Schreiben heißt es fälschlicherweise, die Ermittlungen gegen die Journalisten seien noch nicht eingestellt. Strasser will damit nichts zu tun haben: „Es ist mir egal, ob die aussagen."

Strasser wird bekanntlich Bestechlichkeit vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ein bis zehn Jahre Haft. Der Ex-Politiker hat sich „nicht schuldig" bekannt.

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166 Kommentare
 
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Dann hätte er sein Vorgehen zumindest dokumentieren sollen

was man übrigens auch von den "Lobbyisten", also den Journalisten, die das aufgedeckt haben, verlangen sollte. Denn danach kann man immer dies und das behaupten.

In Wirklichkeit wollte er die Scheine holen ...

... das war wohl ein freudscher verhörer seiner Psycho-Macho-Lebensgefährtin.

Re: In Wirklichkeit wollte er die Scheine holen ...

Bin gespannt ob man in diesem Fall geprüft hat, wie oft er sich schon Scheine - äh Schweine geholt hat. Aber die Ösistaatsanwaltschaften interessieren sich bekanntlich nicht für den Verbleib von veruntreuten Geldern.

Re: Re: In Wirklichkeit wollte er die Scheine holen ...

Das wäre mit Arbeit verbunden, und dafür hat man wirklich nicht studiert. ;-)

Staatsbürgerschaft entziehen, in einen Kahn auf die Donau setzen... Wiederschauen!

Den Karliheinzi und den Küssel kann man gleich daneben setzen.

Wenn wir Flüchtlinge abschieben, sollten wir das mit Leuten, die das Ansehen Österreichs so dermaßen in den Dreck ziehen ebenso tun.

Muffel

einmal ganz von der Blaulichtaffäre weg-gesehen, welche Strategie verfolgte der ehemalige Oberpolizist, bei der Affäre?

Wieso hat er sich beim österr. Nachrichtendienst mit keinerlei Bedenken gemeldet?

Die Sache muffelt
(oder ist er tatsächlich so ein Depp aus unserer politischen Kaste?)

Gar nichts wird ihm passieren

Gäbe es ein Urteil gegen ihn, dann könnte man vielleicht auf die Idee kommen, dass EU weit die Gesetze schon längst von den Lobbys gemacht werden.

Ich vermisse irgendwie den Aufschrei von Pilz.
Wo ist er?

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Re: Gar nichts wird ihm passieren

das könnte nur einen einzigen Grund haben: Der Tölpel Strasser hat sich, so bled war er nicht, einige kompromittierende Akten mitgenommen.
Bzw. die Videoaufzeichnungen der Privatkonferenzen, Gesprächen hinter verschlossenen Separees einiger hoher Funktionäre (wieso fällt mir der Name Gusen:bauer dabei ein?) im "Babylon".

1 0

Eigentlich egal, ob Tatsache oder nur Vorwand

In Zukunft jedem seine (un)wahre Geschichte? Wir ersparen uns die Justiz und engagieren Storytellers & Friends. Da die Justiz, wie die Politik dzt. ohnehin am Boden, wird man vielleicht nicht viel Unterschied merken, denn mit Gerechtigkeit hat dies ohnehin oft nichts zu tun.

Es verwundert aber auch nicht und wird wohl auch Folge dessen ist, dass man ungehindert fordern darf, dass zB "mehr Genossen" in der Justiz tätig sein sollen. Bei aller ohnehin gegebenen Subjektivität und aufgrund der individuellen Sozialisation, sind solche Forderungen aber ungeheuerlich im Sinne des Bemühens nach einer objektiven Rechtsprechung.

0 1

Nicht einmal eine ordentliche Korruption hat der Bluzer hingekriegt

aber in Häfen kann er dann sein englisch zumindest auf Volksschulniveau polieren und es dann per Fußfessel in ein paar Jahren noch einmal probieren.

Irgendwann wird sich schon ein echter Depp finden der einen anderen Deppen erfolgreich bestechen kann um was Deppertes zu erreichen was der Depp eh nicht kann aber durch einfach so Zufall passiert.

Und dann wird ein zuzügliches Erfolgshonorar für den "Call me Ernst'l" fällig

3 1

die angst abgehört zu werden,hat einen anderen grund!

sie resultiert aus der angst das seine gaunereien auffliegen.
genau so war es dann auch!

0 1

Die Wahrheit ist ...

nicht einmal eine kleine Gaunerei hat er geschafft der hilflose Tölpel - wie man jetzt sieht...

Es gibt nur wenige Politiker

die nicht peinlich sind. Es gibt aber viele die peinlich sind. Und unser 00-Agent ist einer unserer Peinlichsten, er, Schüssel und Co ergänzen die rot-grüne Riege wunderbar.


ich nehme an nach dem prozess ist er wieder partei und regierungsfähig

auch wenn er die schweine oder warns scheine holen wollte!

Die gute Frau hat sich verhört!

Der Ernstl hat sicher gesagt:"Ich will mir die SCHEINE (100.000.-) holen."
Uns so Etwas war unser Innenminister, die ÖVP macht einfach alles möglich.

2 0

Re: Die gute Frau hat sich verhört!

Das Gericht wird die eingelernten Kraftausdrücke, mit denen man offensichtlich eine Stimmung erzeugen wollte, die der Verantwortung des Angeklagten helfen sollte, richtig zu werten wissen.

Ich fürchte dieser Mann glaubt diesen Unsinn selbst, den er da verzapft.

Ob er dann als "unzurechnungsfähig" gilt und wenn ja, was passiert dann mit ihm?

Re: Ich fürchte dieser Mann glaubt diesen Unsinn selbst, den er da verzapft.

...
dann kommt er wieder ins Parlament!!!


"Er hat befürchtet, dass er abgehört wird." ...

...und seine Schweinereien öffentlich werden!

0 0

Re: "Er hat befürchtet, dass er abgehört wird." ...

Wie sich zeigt, hat er sich zwar redlich bemüht, war aber zu wirklichen Schweinerein nicht fähig - der Bluzer.

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Agent Strasser in geheimer Mission!

Der Mann ist sowas von peinlich.

Re: Agent Strasser in geheimer Mission!

Von wegen peinlich:

Dieser Innenminister Strasser hat eine gewaltige steuergeldspare­nde Verwaltungsrefo­rm zustande gebracht, von dem die Roten zwar immer reden, aber nichts weiterbringen. ­

Außerdem ist er sofort nach Bekanntwerden nach der widerrechtliche Veröffentlichun­g der Videos von allen seinen Ämtern zurückgetreten und hat vor dem parlamentarisch­en U-Ausschuss unter Wahrheitspflich­t ausgesagt.

Und was tut Faymann? Der sitzt uns immer noch am "Gnack".

Du meine Güte!

Wieviel kostet denn das Innenresort jetzt mehr als im Jahr 2000?
Wo ist die Einsparung? Auf Ernstls Geheimkonto?

Re: Agent Strasser in geheimer Mission!

Von wegen peinlich:

Dieser Innenminister Strasser hat eine gewaltige steuergeldspare­nde Verwaltungsrefo­rm zustande gebracht, von dem die Roten zwar immer reden, aber nichts weiterbringen. ­

Außerdem ist er sofort nach Bekanntwerden nach der widerrechtliche Veröffentlichun­g der Videos von allen seinen Ämtern zurückgetreten und hat vor dem parlamentarisch­en U-Ausschuss unter Wahrheitspflich­t ausgesagt.

Und was tut Faymann? Der sitzt uns immer noch am "Gnack".

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Re: Re: Agent Strasser in geheimer Mission!

Na, es liegt doch nur an uns, den Faymann loszuwerden!!!! Aber dazu sind wir offensichtlich nicht clever genug. Und so geschieht's uns recht!!!

4 0

Re: Re: Agent Strasser in geheimer Mission!

muahahaha

goldig, so jemanden noch zu verteidigen.

 
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