Ex-Parteifreund kritisiert "autoritäres System Pröll"

10.01.2013 | 13:38 |   (DiePresse.com)

Alfred Dirnberger wurde 2004 aus der ÖVP ausgeschlossen. Jetzt unterstützt er im Landtagswahlkampf die SPÖ. Eine "billige Revanche" sei das aber nicht.

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Die SPÖ erhält im niederösterreichischen Landtagswahlkampf die Unterstützung eines ehemaligen Mandatars der ÖVP. Der frühere Landtagsabgeordnete Alfred Dirnberger, 2004 aus der Volkspartei ausgeschlossen, hat sich am Donnerstag in einer Pressekonferenz mit Landesgeschäftsführer Günter Steindl (S) gegen das "System Pröll" gewandt und angekündigt, dass er "diesmal" - am 3. März - SP-Chef und Landeshauptmnn-Stellvertreter Sepp Leitner (SPÖ) seine Stimme geben werde.

Diktat, Zensur und Repression waren Worte, die Dirnberger "als Staatsbürger" im Zusammenhang mit dem "System Pröll" in den Mund nahm. Er betonte auch, dass er bei der anstehenden NÖ-Wahl nicht kandidieren werde. Der ehemalige Mandatar gehörte dem NÖ Landtag fast zwei Jahrzehnte an und war als ÖAAB-Funktionär u.a. Vizepräsident der Arbeiterkammer NÖ (AKNÖ). Weil er 2004 mit seiner "Liste Dirnberger" bei der AK-Wahl kandidiert habe, sei er in der Folge vom damaligen NÖ-AAB-Landesobmann Michael Spindelegger aus der ÖVP ausgeschlossen worden.

Kritik übte Dirnberger u.a. daran, dass Blockaden in der Bundesregierung aus Niederösterreich kämen. Als Beispiele nannte er die Bildungs-, Wehr- oder Steuerpolitik. So habe Erwin Pröll ja auch die Volksbefragung am 20. Jänner zu verantworten. Und wer sich gegen das repressive und autoritäre "System" stelle, sei ein "Landesfeind" oder "Nestbeschmutzer".

2008 sei die Zeit noch nicht reif gewesen, begründete Dirnberger in der Pressekonferenz im Haus der SPÖ-NÖ, dass er sich jetzt an die Öffentlichkeit wende. Es werde 2013 kommen, dass das "System" sein Ende finde, gab er sich überzeugt. Die Menschen würden sich Repression und autoritären Stil immer weniger gefallen lassen. Ein Umschwung in Niederösterreich sei deshalb möglich.

Leitner habe das "System" vom ersten Tag an bekämpft, so Dirnberger weiter. Von "billiger Revanche" wollte der frühere Mandatar aber nichts wissen. Er habe vielmehr "große Sorge um das Land und um die ÖVP".

Steindl bezeichnete Dirnbergers Schilderungen als glaubhaft. Der Abgeordnete a.D. sei einer, "der aus dem Herzen der ÖVP kommt". Die Diktion, die in der Volkspartei NÖ herrsche, lehne er ab, so der Landesgeschäftsführer. Das "System Pröll" habe wohl einiges weitergebracht, inzwischen herrsche jedoch "Gesprächsverweigerung" und "Ein-Parteien-Diktatur".

"Der höchste Berg ist der Schuldenstand"

Die SPÖ hat auch bereits ihre Plakatkampagne für den 3. März gestartet. "Der höchste Berg im Land ist der Schuldenstand." oder "Statt in Wohnbau investiert, Steuergeld verspekuliert." ist zu lesen. Dazu jeweils die Frage: "Ist das gut für Niederösterreich?" Unter diesem Titel sind auch Folder aufgelegt. Pröll ist wie auf den Plakaten als "Schattenmann" zu sehen.

Die Antwort der Landes-ÖVP auf die Anschuldigungen durch Dirnberger und Karner ließ nicht lange auf sich warten. "Gleich und Gleich gesellt sich gern", schrieb Landesgeschäftsführer Gerhard Karner. Dirnberger und Leitner seien "zwei, die gut zusammenpassen". 40 Funktionäre der SPÖ seien "hochkant aus der Partei geschmissen" wordenund und "ein seit Jahren abgehalfterter Versager, der selbst das Weite gesucht hat, wird geholt".

(APA)

 
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27 Kommentare
 
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Giuseppe Verdi
12.01.2013 16:33
0

es bröselt immer mehr um den könig von niederösterreich

ich wüsste ja zu gerne wie es in nö den der vergabe, ausgabe von kulturgeldern steht.
denn z b grafenegg kann sich nicht rechnen, wird aber überall schön geschrieben oder die wachau schiffausflüge für seine trabanten....

Wilfried
10.01.2013 22:35
4

Ceterum censeo

Peinlich, der Lokalmatador gibt bundesweit den Ton an. Nicht nur in NÖ. Der Rest Österreichs hat ihn nicht gewählt. Föderalismus bedeutet eine Hintanhaltung der Bürger in der Durchsetzung ihrer Wünsche, vieles ist komplizierter, jedenfalls teurer. Bürokratie mal neun. Und das kostet… Die Beseitigung unserer föderalen, mehrgleisigen, resourcenfressenden Strukturen würde viel Geld am Ende des Tages übriglassen. Diese kleinstaatliche Konstruktion Österreichs stammt aus dem Mittelalter. Landtagswahlen sind obsolet, es gibt einfach nichts, was in unserem kleinen Heimatland Österreich nicht zentral geregelt werden könnte. Es ist überfällig, die Bundesländer auf eine Funktion als Trachtenvereine zu reduzieren, das ist auch wichtig. Es rezeugt Identität. Zentralismus in Österreich jedoch bedeutet weiterhin lokale Entscheidungsfindung, wie gesagt, Österreich ist klein genug.

Antworten Niederösterreicher
12.01.2013 03:33
0

Re: Ceterum censeo

Gegen diejenigen MinisterInnen, die da in der linken Reichshälfte "agieren" waren beider Prölls gar nicht so schlecht!

Taisa
10.01.2013 21:45
3

SPÖVP ist schon längst ein autoritäres System

mit ihren Bünden und Kammern, gedeckt von der Justiz beherrschen sie Österreich wie eine Polit-Mafia!

buhbuh
10.01.2013 21:29
3

der Fränk wirds denen schon zeigen.


Oberst Redl
10.01.2013 21:21
2

Gerhard Karner

ja das ist die gute alte Schule des Ex-Innenminister, Ex-Europaabgeordneten und allseits beliebten, eloquent englisch sprechenden Ernstl Strasser.

bula sagt
10.01.2013 20:01
0

ich war der überzeugung, dass

die wahlkämpfe mit dem antreten stronachs eine unterhaltsame und kabarettistische note - also für poster wie ich ein gefundenes fressen - sein würden.
aber es gibt noch immer ein toppendes ereignis.
als geborener waldviertler aus zwettl und ein paar jahre älter als "fredi" dirnberger , weiss ich welchen status er schon in der schule hatte.
da war der werdegang in der övp praktisch vorgezeichnet.
und als ehemaliger wiener ak rat kannte ich auch die nö ak samt ehemaligen "vize" in der windmühlgasse etwas.
vor seinem abgang aus der övp von dieser noch als "siebenter zwerg" tituliert, hat er sich nun entschlossen, die politische flinte noch immer nicht in den klee zu werfen und sich den nö zwergerln mit den roten mützen anzudienen.
obwohl er in vielen kritikpunkten natürlich recht hat.

Solidarität
10.01.2013 19:20
10

Tröste dich Pröll, auch Honecker musste gehen.


Niederösterreicher
10.01.2013 19:15
1

Alfred Dirnberger - ein Logiker!

Weil er sich um die ÖVP "sorgt", unterstützt er SPNÖ-Obmann Dr. Leitner. Gegenfrage: wird Dr Leitner nach Einschätzung von Hrn Dirnberger etwa die ÖVP retten? Wird Dirnberger also Dr. Leitner bei der Rettung helfen?

Daß Parteifunktionäre ihre Parteien für ihre Karriereleiter mißbrauchen, ist nicht neu! Normaleweise bewirbt man sich aber bei den für den Personalauswahl zuständigen Gremien. Und macht nicht gleich den obersen Repräsentanten für Mißerfolge verantwortlich. Hat Herr Dirnberger als LT-Abgeordneter der ÖVP in zwei Jahrzehnten etwa zu wenig verdient?

Und so ein "Schoas" ist der Presse auch noch eine Nachricht wert!

Thayatalbahn.at
10.01.2013 18:22
2

"System-Pröll schützt bürgerferne Bürgermeister"

Erwin Pröll und die Thayatalbahn - die ganze Wahrheit - Ein "Paradebeispiel" der österreichischen Politik

www.facebook.com/ErwinProll

Seit Erwin Pröll 1991 als Landeshauptmann-Stellvertreter für die Reaktivierung der Thayatalbahn unterschrieben hat, gab es unzählige Zusagen und Versprechen von Erwin Pröll.

Nun soll unter der Federführung eines ÖVP Provinz-Bürgermeisters aus Waidhofen/Thaya das Herzensprojekt von Erwin Pröll vernichtet werden? Lässt sich das Erwin Pröll gefallen?

Informieren Sie sich selbst:

www.thayatalbahn.at
www.facebook.com/thayatalbahn
www.twitter.com/thayatalbahn

Nebenbei ist ein ÖVP Bürgermeister in Waidhofen/Thaya im Amt, der laut Bericht der NÖ Gleichbehandlunskommission eine gekündigte NÖAAB-Arbeitnehmervertreterin mit dem "umbringen" bedroht haben soll:

http://www.meinbezirk.at/waidhofen-an-der-thaya/chronik/gutachten-skandal-um-kuendigung-d353942.html

Antworten karnatzky
10.01.2013 23:56
1

Re: "System-Pröll schützt bürgerferne Bürgermeister"

Sie lassen wohl keine Gelegenheit aus, mit der alten Leier anzutanzen.

Antworten Antworten Bernhard Lassy
12.01.2013 01:39
0

Re: Re: "System-Pröll schützt bürgerferne Bürgermeister"

die Wahrheit kennt kein Alter.

Pröll ist längst schon untragbar.

http://www.saubere-haende.org/typo3/index.php?id=722

Paul Rittler
10.01.2013 18:05
2

Und weiter?

Wie sieht eigentlich die inhaltliche Kritik des Herrn an Landeshauptmann Dr. Pröll aus? Hier in der Zeitung hätte er nun die Öffentlichkeit, allfällige Kritik vorzubringen. Wo bleibt sie?

Belnea
10.01.2013 17:58
6

Oh wie niveauvoll die Entgegnung der ÖVP ist

...abgehalfterter Versager ... was Besseres haben die nicht auf Lager. Naja passt zur "Freund/Feind" Mentalität und dem durchschnittlichen Niveau der öst. Politde..en

Antworten fulca
11.01.2013 07:46
0

Re: Oh wie niveauvoll die Entgegnung der ÖVP ist

Und die, die nach ihrem Scheitern in der Landesregierung und hochkantigem Rausflug bei bei SP und Stronach übrig bleiben, die nimmt dann wieder der Pröll und lässt sie auf Steuerzahlers Kosten durchfüttern ...

Antworten Niederösterreicher
10.01.2013 19:20
1

Re: Oh wie niveauvoll die Entgegnung der ÖVP ist

Komm ich nicht bei der einen Partei zum Zug, renn ich zu den anderen: die Karin ist wenigsten zum Stronach übergewechselt, aber der Herr Dirnberger, der sicher mind. 20 Jahre als schwarzer LT-Abgeordneter gut verdient hat, rennt gleich zu den Roten.

Allerdings: bei den Versorgungsposten für Ex-Politiker sind die Roten tatsächlich um Klassen großzügiger! Und wenns da nicht klappt, bleibt immer noch der Stronach ...

Antworten Niederösterreicher
10.01.2013 19:20
0

Re: Oh wie niveauvoll die Entgegnung der ÖVP ist

Komm ich nicht bei der einen Partei zum Zug, renn ich zu den anderen: die Karin ist wenigsten zum Stronach übergewechselt, aber der Herr Dirnberger, der sicher mind. 20 Jahre als schwarzer LT-Abgeordneter gut verdient hat, rennt gleich zu den Roten.

Allerdings: bei den Versorgungsposten für Ex-Politiker sind die Roten tatsächlich um Klassen großzügiger! Und wenns da nicht klappt, bleibt immer noch der Stronach ...

tiger10
10.01.2013 16:58
14

Das Bild eines Diktators!

Liebe NÖ wählt doch diesen Unsympathler ab! In seinem Machtrausch verschleudert er NÖ Vermögen und hinterlässt einen gigantischen Schuldenberg!

vegetation
10.01.2013 16:48
1

Nordkorea

Km Zuge einer Neujahrsansprache des Nordkoreanischen Diktators waren Tendenzen einer Öffnung des Landes bzw. auch einer Lockerung der Unterdrückung der Bevölkerung erkennbar

MdeLind
10.01.2013 16:40
9

autoritäres System Pröll??

Astronomischer Schuldenstand? ..Wer hätte das gedacht.

eagle212
10.01.2013 16:18
6

Vergeßt den unnötigen Karner !!

Außer Dumm-Blöde Kläffen habe ich noch nichts von diesem Blindgänger gehört !!

Antworten citoyen
10.01.2013 17:30
4

Re: Vergeßt den unnötigen Karner !!

His Master´s voice!
Was soll er sonst sagen, wenn er seinen Job behalten möchte?

EvE_
10.01.2013 16:16
1

Abgekartetes Spiel

Die SPÖ tut der ÖVP in Niederösterreich nicht weh und umgekehrt verhält es sich in Wien. Insofern ist Dirnberger bestenfalls blauäugig.
Wobei zugegeben die Opposition Pröll auch ein leichtes Spiel macht.

Bleibt zu hoffen, dass die ÖVP trotzdem massiv verliert, je stärker diese Partei von jetzt an bis zum Herbst einfährt desto stärker werden hoffentlich die Reformkräfte nach der Nationalratswahl.... oder sie versinkt in die Bedeutungslosigkeit; beides wäre ein Fortschritt für Österreich.

ambrosius
10.01.2013 16:00
10

Die Bestätigung der Zustände im Regime Pröll

durch Karner hätte nicht eindrucksvoller ausfallen können ...

zausl
10.01.2013 14:56
2

Geh bitte:

bereitet's doch dem erwin einen würdigen abgang! er hat's verdient!
außerdem, was soll denn das: "autoritäres system" in einem land, welches seit jahrhunderten hierarchisch strukturiert ist! woher solln's denn die demokratienehmen, wenn nicht stehlen, und wer hat überhaupt interesse daran?
als zugezogener tiroler (tirol: älteste festlanddemokratie!) erkenne ich nur marginale unterschiede zwischen den beiden ländern. der walli hat, als beispiel, seinerzeit auch diktatorisch allgemeingut den agrargemeinschaften zugeschanzt.
kulturell jedenfalls ist nö meiner heimat meilenweit voraus!
und politisch? hier wie dort allesamt der finanzdiktatur hörig.

Pips
10.01.2013 14:45
5

Alles

nix neues. Ein frustrierter ex-Parteisoldat beklagt sich selbst. So ist das eben wenn man ohne Partei nix ist. Trotzig und dumm. Natürlich führt der Pröll ein starkes Regime. Sonst könnte er auch nichts durchsetzen. In den roten Ländern tun es die Sozis ebenso. So what? Hat ein anderer als Häupl in Wien was zu sagen? Nein. Ebenso beim Voves in der Stmk. Salzburg ganz besonders. Dort haben die GenossInnen die Anderen glatt belogen und getäuscht. Das ist und war im Ösiland schon immer so.

 
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