Finanzskandal: Kommt Salzburg glimpflich davon?

14.01.2013 | 18:20 |  GERHARD HOFER UND CLAUDIA LAGLER (SALZBURG) (Die Presse)

Jüngste Berechnungen gehen davon aus, dass das Land Salzburg doch keine Millionen verspekuliert hat. Eine Entwarnung wäre allerdings verfrüht. Noch liegen nicht alle Fakten auf dem Tisch.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Alles „reine Spekulation“, sagte Salzburgs Finanzlandesrat, David Brenner (SPÖ), am Montag und meinte damit ausnahmsweise nicht die Derivatgeschäfte seiner Beamten, sondern die ORF-Berichterstattung darüber. Im Radio war nämlich davon die Rede, dass dem Land Salzburg durch die riskanten Finanzgeschäfte womöglich doch kein Schaden von 340 Millionen Euro entstanden sei. Vielmehr attestierten die Experten, das Portfolio sei sogar im Plus. „Presse“-Recherchen ergaben, dass voreilige Jubelgesänge völlig unbegründet sind. Die Abwicklung von Derivativgeschäften ist komplex. Buchwerte seien mit großer Vorsicht zu genießen, meinen Experten. Hier die entscheidenden Fragen, die sich Experten und Berater der Salzburger Landesregierung aktuell stellen.

Mehr zum Thema:

1 Wem helfen Gerüchte, dass keine Verluste entstanden sind?

Die Meldung, dass die riskanten Spekulationen zu keinen Verlusten geführt haben könnten, hilft vor allem jenen, die nicht nur politische, sondern strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten haben. Der Verdacht liegt nahe, dass diese auch von dieser Seite lanciert werden. Martin Riedl, Anwalt des suspendierten Leiters der Finanzabteilung, Eduard Paulus, sprach im ORF am Montag schon von einer „erfreulichen Wende“. Auch für den verantwortlichen Finanzlandesrat David Brenner, der nächste Woche zurücktreten wird, sind die Gerüchte, wonach das Portfolio 150 Millionen Euro im Plus liegt, eine Entlastung.

2 Wem könnten die „erfreulichen Gerüchte“ schaden?

Politisch könnten die aktuellen Meldungen Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) möglicherweise sogar schaden. Dann nämlich, wenn sie sich als verfrüht erweisen und es am Ende doch einen Schaden gibt. Aus dem Umfeld Burgstallers ist man über die positiven Nachrichten zum jetzigen Zeitpunkt deshalb gar nicht erfreut.

3 Kann man die Buchwerte überhaupt seriös beziffern?

Das Problem dieser hochriskanten Derivatgeschäfte, so meinen Experten einhellig, liege darin, dass sie schwer zu bewerten und zu berechnen sind. Die Aufarbeitung der Geschäfte durch die Firma Ithuba Capital des früheren Bank-Austria-Vorstands Willi Hemetsberger basiert dem Vernehmen nach auf Zahlenmaterial von Banken mit Stichtag 31.Dezember 2012. Mittlerweile könnte sich der Buchwert schon wieder anders darstellen, meinen Treasurer auf Anfrage der „Presse“. Ob das Land Salzburg tatsächlich mit einem „blauen Auge“ davonkommt, kann man erst sagen, wenn alle Geschäfte aufgelöst wurden.

4 Kann man Derivatgeschäfte so einfach auflösen?

Eine „Auflösung“ ist oft nur in Form einer Gegenspekulation möglich. Bei derartigen Geschäften liegt in der Regel kein verlässlicher Marktpreis vor, da diese Papiere nicht gehandelt werden. Ithuba Capital kann zwar den Wert der Derivate finanztechnisch ermitteln. Ob dieser Wert dann aber auch erlöst werden kann, ist fraglich, meinen Finanzexperten. Ein vorzeitiger Ausstieg hänge immer vom Goodwill des Vertragspartners ab. Und ein Bundesland, das unter politischem Druck verkaufen muss, rutscht auf dem internationalen Finanzparkett leicht aus.

5 Sind bereits alle Bankgeschäfte bekannt?

Dem Land Salzburg sind offiziell Geschäfte mit 34 Banken bekannt. Noch ist nicht einmal klar, ob sich bereits alle Banken gemeldet haben. Es sei zwar nicht zu erwarten, aber auch nicht auszuschließen, dass auch mithilfe „exotischer Banken“ in fremden Offshore-Destinationen spekuliert worden ist, die noch gar nicht bekannt sind. Viele – vor allem österreichische – Banken treten bei Spekulationsgeschäften nur als Vermittler auf. Meist agieren große internationale Investmentbanken im Hintergrund. Das könnte bei der Abwicklung der Geschäfte ein Problem werden. „Diese kümmern sich nicht um die Befindlichkeiten eines kleinen österreichischen Bundeslandes“, meint ein Finanzexperte.

6 Wie teuer ist die Aufarbeitung des Skandals?

Selbst wenn die riskanten Finanzgeschäfte am Ende ohne Verlust abgewickelt werden können, kostet die Affäre den Steuerzahler Geld. Allein heuer will die Landesregierung 800.000 Euro für die Aufklärung des Skandals ausgeben. Mit diesem Geld sollen Berater bezahlt werden: Ithuba Capital, die seit Dezember Portfolio und Derivate bewertet, oder Price Waterhouse Coopers, deren Experten die Finanzabteilung bei der Aufarbeitung unterstützen. Mehrere prominente Juristen, die an Gutachten über rechtliche Aspekte, die Vollmachten für die entlassene Referatsleiterin Monika R. oder eine mögliche Bankenhaftung arbeiten, kosten ebenfalls Geld. Und nicht zuletzt muss die Abteilung umstrukturiert und personell aufgestockt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

217 Kommentare
 
12 3 4 5

Bei der in Salzburg vorhandenen Kompetenz,

angefangen bei Brenner und seiner Hauptfrau,
kann man JEDES positive Gerücht nur als Stimmungsmache werten, es sei denn, es kommt von unabhängigen Experten und ist mit Fakten unterlegt.

Salzburg darf nicht Niederösterreich werden?

.-)

die Systemmedien unterstützen SPÖVP

bei der Verarschung der Bevölkerung und freuen sich auf die nächste Zahlung der Politganoven.

Skandale

Die eigentlichen Skandale sind doch eigentlich, dass mit öffentlichem Geld ins Kasino gegangen wird und dass niemand weiß, ob man dort gewonnen oder verloren hat. Diese Schuld trifft de facto alle Parteien, da sie - freundlich ausgedrückt - nicht die richtigen Fragen gestellt haben. Ein österreichweiter Überblick wäre spannend, denn es ist zu befürchten, dass diese Zustände überall herrschen.


alles schläft, eine wacht ...

von ganz unten bis ganz oben haben wie es scheint in Salzburg alle geschlafen, weggeschaut, akzeptiert, nicht kapiert. Gearbeitet, wenn auch anscheinend illegal, hat nur Monika R. Und jetzt wird wie es scheint weiter weggeschaut, weggewischt, vertuscht und offensichtlich noch immer nicht kapiert!
Frei nach dem Watschenmann: "Sowas kann nur in Salzburg geschehen, o Fremdling, aber bei uns in Bagdad? Es ist ein Pfuschijammer!"

Re: alles schläft, eine wacht ...

wie werden sie entscheiden - gehen sie wählen....
sagen sie NEIN zu diesen Verhältnissen.

Ich sage NEIN SPÖ/ÖVP

JA STRACHE/STRONACH

Re: alles schläft, eine wacht ...

In Politik und Beamtentum wimmelt es eben von Leuten die "gut ankommen", populär sind und sozial intelligent. Kompetenz gehört nicht zu deren Kardinaltugenden.

Keine Gnade der Justiz !!!

Schon gar nicht bei den SPÖVP-Themen. Die Justiz hat die Pflicht, parteiunabhängige Entscheidungen zu treffen.
Alleine schon deswegen, weil sich die Verantwortlichen anfangs alle wiedersprochen haben, wissen wir dass hier was nicht stimmt. Wäre komisch wenn die "Zeugen" jetzt alle auf einmal das gleiche Aussagen würden.

Du meine Güte!

Mein Portfolio mit Maculan-, Meinl European Land-, Meinl European Power- und Alpineaktien ist auch voll im Plus!
Ich hab sie alle so bewertet, dass sie jedes jahr wohl so realistisch 40 % steigen. Wozu denn niederer? Sind ja kein Eckzinssparbuch, stimmts?

In Bares umgetauscht habe ich sie alle noch nicht, denn die steigen ja sicher noch mehr, wenn die Krise vorbei ist!

Re: Du meine Güte!

mit dem nick und der fachkenntnis, sind sie der ideale finanzstadtrat für wien :-)

nebenbei

weil ja die spezialisten ich meine die "wirklichen" spezialisten im verschleiern mittlerweile werkeln könnten ....
wie kriegt man ein "inoffiziell schiefgelaufenes portolio" in den gewinn :-):-)
na man schliest die inoffiziellen geschäfte ganz offiziell zu preisen jenseits des marktes ( sind wir wieder gut gewesen :-)), und gleichzeitig baut man ein inoffizielles portfolio (aber diesmal wirklich inoffiziell, also keine dokumentation im inland, gegenpartei hedgefonds auf jersey, keine usb-sticks, usw.) auf, und dort versteckt man die tatsächlich angefallenen verluste, aber diesmal halt professionell ....

also aufpassen ... weil ihr könntest nochmals gelegt werden, nur diesmal halt professionell

Re: nebenbei

Da ist nichts "inoffiziell" - die ganze Doku ist ja da, nur kapiert hat es niemand! Und das wird dank der Handelnden auch so bleiben.

Re: Re: nebenbei

die taktik scheint zu sein .. zu sagen .. ok, war "inoffiziell" (ist natürlich nicht inoffiziell, sondern betrug, aber wie klingt das denn :-), aber es ist ja gut gegangen, und deshalb sind wir nach wie vor wählbar.

.. also müssen sie die geschäfte ohne verlust schliessen .. und das kann man wenn man sich auskennt so hinbiegen, dass es ein naiver mensch auch glaubt .. , z.b. so, wie ich es beschrieben habe ..

es ist unmöglich, dass zuerst selbst die verantwortliche, die es ja wissen muss von 340 mio verlust ausgeht, und ein monat nachher, und zwar genau in der für finanzmärkte toten zeit des jahres, ist das was sie in den jahren davor verspekuliert hat, auf einmal im plus ... die wahrscheinlichkeit dafür ist genau 0%

.. also versuchen sie es hinzutricksen

Re: Re: Re: nebenbei

Sie sind fast "da" - nur geht das "Hinbiegen" viel eleganter und hochoffiziell mittels Umstrukturierungen. Die Handelnden kennen sich ja eh nicht aus und finden das nie!

Re: Re: Re: Re: nebenbei

.. der rote willi kennt sich ganz gut aus mit "restrukturierungen" :-) drum hat man ihn ja auch genommen .. drum gehören spezialisten, die halt nicht der roten reichshälfte zuzurechnen sind genommen ... die durchblicken natürlich auch restrukturierungen :-)

der echte skandal

wäre es, wenn es keinen skandal gäbe!

der römer brauchte seine gladiatorenkämpfe.
der ösi braucht seine suder-vorlage.

und wenn kein blut fliesst, dann werden beide narrisch!

Re: der echte skandal

es ist kein skandal, wenn ein portfolio geführt wrd, von dem die zuständigen kontrollinstanzen nichts wissen ????

der skandal ist, dass sämtliche verantwortliche nicht in der nächsten stunden hausverbot bekommen haben ..
also was wollen sie, der skandal ist nach der ersten stunde passiert :-)

Re: Re: der echte skandal

Die Kontrollinstanzen wussten ja von der Existenz des Portfolios. Nur waren sie nicht in der Lage die Unterlagen, immerhin 600 Ordner, zu verstehen und die Problematik zu erkennen.

Re: Re: Re: der echte skandal

. genau so versucht die politik die leute für dumm zu verkaufen :-)

... es stimmt es wurden 600 ordner sichergestellt, das heist aber nicht, dass die 600 ordner sich auf die geheimen geschäfte bezogen haben, sondern nur das versucht wird, anhand von 600 ordnern festzustellen, wer von den geheimen geschäften gewust hat, und somit anzuklagen ist ....

.. den leuten reicht die anlügerei ...

Re: Re: Re: der echte skandal

offenbar auch der rechnungshof, der im herbst noch einen persil-schein ausgestellt hat...

Beim gratis online Börse Spiel der FAZ

kann ich mein Portfolio jederzeit einsehen, und kann zu realistischen Bedingungen Geld versenken lernen. Wäre eine gute Übung für die amtierende Politik, denn Virtuelles Geld ist besser als Steuergeld zum spielen.

Wenn es so weitergeht

Bekommt der Brenner,Paulus,Burgstaller noch das goldene Verdienstkreuz der Republik und sicher freut sich der BP Heinz Fischer schon auf die Gelegenheit.

na servas

ich stelle mir vor, was das für rechtliche konsequenzen für die "aufdecker und kommentatoren" die vorschnellen verurteiler in presse und regierung nach sich ziehen wird!

Re: na servas

gar keine :-) ... oder wollen sie etwa sagen, dass geschäfte, die ohne wissen der kontrollinstanzen durchgeführt worden sind, in ordnung sind ?
stellts euch hin, und verkündest das öffentlich .. und ihr werdets zur kleinstpartei :-):-):-)

Re: Re: na servas

Der Skandal ist, dass es die Kontrollinstanzen nicht kapiert haben, obwohl alle Alarmglocken geläutet haben.

Re: Re: Re: na servas

das ist eben die frage .. wer hat vom geheimen portfolio gewust oder hätte es wissen müssen .... genau das ist zu klären und dann halt anklage zu erheben ....

 
12 3 4 5

Mein Parlament

AnmeldenAnmelden