Kritik an Ärzte-Streik: "Mit Ärzteethos nicht vereinbar"

14.01.2013 | 18:20 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Oberösterreichs Landeschef Josef Pühringer (ÖVP) greift die Ärztekammer wegen den geplanten Streiks und Protestaktionen scharf an. Pühringer kann den heftigen Widerstand der Ärztevertreter nicht nachvollziehen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Linz. In Oberösterreich spitzt sich die Auseinandersetzung um die Gesundheitsreform, die am Dienstag im Ministerrat beschlossen wird, deutlich zu. Die Patienten sind in Oberösterreich von Protesten der Ärztekammer durch die Schließung von Ordinationen am Mittwoch betroffen. Das Bundesland zählt mit seinem Ärztechef Peter Niedermoser zu den treibenden Kräften in der Standesvertretung, die für eine harte Linie der Mediziner gegenüber der Gesundheitsreform eintreten. Oberösterreich ist mit dem Bestreiken von Ordinationen am 16. Jänner vorgeprescht.

Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) ist erbost, dass Patienten betroffen sein werden. „Das ist aus meiner Sicht mit dem Ethos des Arztberufes nicht vereinbar“, kritisiert er im Gespräch mit der „Presse“.

 

„Wir sind keine Masochisten“

Für Streiks und Protestaktionen der Ärzte sieht er keinen Anlass: „Da werden Patienten ohne Grund verunsichert.“ Pühringer, der auf Länderseite das Vorhaben zur bundesweiten Gesundheitsreform vor Weihnachten mitverhandelt hat, kann diesen heftigen Widerstand der Ärztevertreter nicht nachvollziehen: „Meint Präsident Niedermoser wirklich, dass die Bundesregierung, neun Landeshauptleute und die gesamte Sozialversicherung so dumm sind und das System verschlechtern?“ Nachsatz: „Wir sind ja keine Masochisten.“

Die Bundesärztekammer mit ihrem Präsidenten Artur Wechselberger aus Tirol hat sich bei den Verhandlungen ignoriert gefühlt. Für Pühringer sind jedoch gerade Proteste in Oberösterreich unverständlich. Denn das Land hat schon vor der Vereinbarung mit der Bundesregierung ganz in Eigenregie Änderungen im Gesundheitswesen vorgenommen, etwa die Schaffung von Schwerpunktspitälern und das Schließen bestimmter Abteilungen. Diese Spitalsreform habe Niedermoser mitbeschlossen, sagt Pühringer.

Durch die nun bundesweite Dämpfung der Kosten bis 2016 „wird keine Ordination geschlossen und keine Leistung reduziert“, versichert er. Damit würden Befürchtungen der Ärztekammer, Einsparungen bei niedergelassenen Ärzte gingen zulasten der Patienten, nicht zutreffen.

 

Protest in Ordensspitälern

Die rund 10.000 Mitarbeiter der oberösterreichischen Ordensspitäler machen am Mittwoch ebenfalls mobil. Sie fordern für heuer eine volle Abgeltung der Teuerung von 2,8 Prozent statt des bisher gebotenen Prozents bzw. der maximal 20 Euro mehr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

8 Kommentare

Behördenwillkür ist aber mit Beamten Ethos

auch nicht vereinbar.

Aber da hat Hr. Pühringer wohl nicht Zeit dafür und vertraut seinen Beamten gerne.

behördenwillkür rechtlos at ist so ein Fall.

Aber es gibt hundert andere im strengen ÖVP Land.

Eine Schande sind auch Fälle, die bei Pühringer direkt vorgetragen wurden und bei der er sich trotz Versprechen nicht gekümmert hat.

Erfolgreiche gehen eben auch eben über Leichen und bleiben gerne unter seinesgleichen.


QuaQuaQua Ethos

und wieder kommt aus der Hilflosenecke eine Keule.
Wie war das mit dem Ethos der Politiker und Banker ??

Sehr geehrter Hr. Landeshauptmann.

Man kann nicht altruistische Werte auf der einen und betriebswirtschaftliche Werte auf der anderen Vereinbare.
Ihre wirtschaftsnahe Partei aber auch die Sozialdemokraten haben den Arzt zu einem mittelständigen Unternehmen mit Beschäftigten gemacht und für diese trägt der Arzt als Betriebsleiter auch die Verantwortung. In dieser Funktion ist er nichts anderes als jeder Handwerker und wenn wie jetzt gefordert er seine Ordination Sonntags geöffnet halten soll muss er seinen Beschäftigten Wochenendzulage zahlen. Bei sich selber kann er ja das Geld notfalls noch nicht zahlen.
Aber mit Verlaub rufen sie mal Sonntag den Schlüsseldienst, dann werden sie sich bei der Rechnung denken: "Da wäre das Hotel" billiger gewesen.
Jetzt wollen sie aber, dass die Ärzte mit einem gedeckelten Budget gleiche oder besser bessere Leistungen erbringen.
Nun bedenken sie ihr Vater war Schneidermeister. Wenn sie heute zu einem Schneidermeister gehen und einen Anzug bestellen und ihr Angebot für einen Preis deckt nicht einmal die Materialkosten, so wird er den Vertrag ablehnen.
Gleiches gilt in der Folge des Neoliberalismus auch im Gesundheitswesen. Zwar sind wir noch nicht soweit, dass man den Gips beim Knochenbruch selbst mitbringen muss, aber mal schauen wann wir bei der fortschreitenden Unterwerfung des Gesundheitswesens da sind.
Ein gerne altruistischer Mensch!

Re: Sehr geehrter Hr. Landeshauptmann.

Totale Zustimmung. Und von Ethik sollte Pühringer besser nicht sprechen, beim Versorgungsposten schaffen ist Er schließlich Weltmeister. Da spielen die Kosten keine Rolle. Ihm ist die Versorgung seiner Liebkinder mit gut dotierten Posten und die Zementierung des Einflußes der ÖVP einfach wichtiger als die Landsleute und das Gesundheitswesen. Leider vergessen die Bürger bei Wahlen diese charakterliche Einstellung Pühringers.

Ärzte und ihre Berufsauffassung

Ein erschreckliches Abbild war gestern im ARD zu sehen.
http://mediathek.daserste.de/sendung-verpasst/13013640_reportage-dokumentation/13046542_vorsicht-operation?datum=20130114

Wie wäre es mit einem Streik der Landeshauptleute?

Die armen Herrn Politiker nagen sicher bereits am Hungertuch.

Korrupte Politiker regen sich auf wenn Ärzte auf Missstände hinweisen...

Ich kenne keinen einzigen ehrlichen Politiker!
Auf Kosten der Ärmsten soll Geld eingespart werden damit korrupte Politiker mehr Geld für ihren Klientel übrig haben!

Re: Korrupte Politiker regen sich auf wenn Ärzte auf Missstände hinweisen...

dazu ein link http://youtu.be/NlIhtb3dIqU

Mein Parlament

AnmeldenAnmelden