Mensdorff-Prozess: Zeuge verschluckt Hühnerknochen

16.01.2013 | 10:24 |   (DiePresse.com)

Vier Zeugen sagten ihr Erscheinen vor Gericht kurzfristig ab. Richter Apostol will ihre Einvernahmefähigkeit prüfen lassen. Ein Urteil in dem Geldwäscherei-Prozess wird für morgen erwartet.

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Elf Zeugen hätten am heutigen Mittwoch im Geldwäscherei-Prozess gegen den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly und den mitangeklagten Kurt D. aussagen sollen. Vier von ihnen deponierten - teilweise sehr kurzfristig - bei Richter Stefan Apostol eine Absage. Oliver Ginthör, Mensdorffs Steuerberater, meldete, er könne seiner Ladung nicht nachkommen, da er sich in spitalsärztlicher Behandlung befinde. Der Grund: Er habe einen Hühnerknochen verschluckt.

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Ginthör sei "derzeit nicht einvernahmefähig", stellte Apostol zu Beginn der Verhandlung fest. Mit Einverständnis von Staatsanwaltschaft und Verteidigung will der Richter daher die protokollierte Einvernahme des Steuerberaters aus dem Ermittlungsverfahren verlesen.

Die Absage einer Mitarbeiterin sowie eines ehemaligen Geschäftspartners des "Grafen" will der Richter hingegen nicht akzeptieren. Die Frau hatte dem Gericht eine Krankenbestätigung gesandt, die Apostol amtsärztlich überprüfen ließ. "Sie ist einvernahmefähig", verlautbarte Apostol. Er werde daher abwarten, ob sie wie geplant erscheint: "Sonst lasse ich sie vorführen." Der Geschäftspartner wiederum habe "heute am Morgen per Selbstdiagnose festgestellt, dass er eine Lebensmittelvergiftung hat", berichtete der Richter. Er will dies nun ebenfalls rasch amtsärztlich überprüfen lassen.

Schweizer verweigert Erscheinen

Ein Zeuge aus der Schweiz, der laut Anklage in die Briefkastenfirma Valurex International SA eingebunden war, über die Mensdorff teilweise seine Beratungsleistungen für den britischen Rüstungskonzern BAE Systems abgewickelt haben soll, ließ Apostol wissen, als Schweizer weigere er sich, der Ladung eines ausländischen Gerichts nachzukommen. Sein Anwalt teilte in einem Schreiben mit, sein Mandant habe "weder die Absicht noch die Pflicht, sich weiter mit Aspekten dieses Aktes zu befassen".

Da es sich bei ihm um keinen österreichischen Staatsbürger handelt, hat Apostol keine rechtliche Handhabe, den Schweizer zu einer Zeugenaussage zu zwingen. Auf Angaben dieses Zeugen muss daher verzichtet werden.

Zahlungen der OMV an Mensdorff?

Laut Prozessfahrplan soll heute auch der frühere OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer aussagen. Er soll zu Zahlungen der OMV Stellung nehmen, für die Mensdorff beratend tätig war. Unter anderem war der Lobbyist in den Verkauf der staatlichen rumänischen Firma Petrom involviert. Die OMV hatte dafür auf zwei verschiedene Konten je 500.000 Euro überwiesen - an Mensdorffs Firmensitz in Budapest bzw. auf ein Konto der Briefkastenfirma Brodmann Business S.A., mit der Mensdorff aber nichts zu tun haben will. Er behauptet, diese Firma habe seinem mittlerweile verstorbenen Mentor Timothy Landon gehört.

Die Staatsanwalt wirft Mensdorff vor, vom britischen Rüstungskonzern BAE Systems über die Firma Brodmann 12,6 Millionen Euro erhalten zu haben. „Mit dem Geld sollten vermutlich in Zentral- und Osteuropa Entscheidungsträger bestochen werden, um Waffengeschäfte für das Unternehmen zu erlangen", heißt es in der Anklageschrift. Außerdem wird dem "Grafen" Falschaussage im U-Ausschuss angelastet. Neben Mensdorff auf der Anklagebank sitzt dessen "Geldbote" Kurt D.

Mensdorff und D. bestreiten die Vorwürfe. Bei einer Verurteilung drohen dem "Grafen" bis zu fünf Jahre Haft. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.

(APA/Red.)

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15 Kommentare

Hendl(Hähnchen)knochen verschluckt?

Hat sich da vielleicht gar ein "Hendldieb" an der Beute verschluckt? Eine bessere (Zusatz)Strafe gäb's ja nicht! :o))

Du meine Güte!

"Hähnchen"....sagens doch gleich "Broiler".
In Österreich heißt es immer noch Huhn oder Hühnchen.
Sagen ja auch Rehgaiß und nicht Ricke.

Re: Du meine Güte!/ZARA 2.01

Wo voll dagegen gedonnert? Was flattern's denn herum, wie ein HENDL ohne Kopf? Es muss in einer früheren Ausgabe dieses On-line-Artikels einmal ein "Hähnchen" gegeben haben, sonst hätte sich "ausser parlament" nicht so "not amused" darüber gezeigt. Ich habe mir erlaubt, "Hähnchen" als leichten Hohn in Klammer zu setzen, lieber "Fetz'nshop 2.01". Nix "überzuckert" - oder verstehn's das auch nicht?

Ach, du grüne Neune!

LOL

Eine Erregung.

Re: Du meine Güte!

sogar "die Presse" wird den Deutschen unterwandert.

1 0

Wenn der Graf auch nur einen Tag Schmalz kriegt dann...

verschluckt ich den Clobesen der Gerichtsputzfrau.
Der hat so viel in den Akten über von ihm bezahlte Politiker stehen und gesichert gelagert, dass er am Stephansplatz während der ORF das für die ZIBII dreht alle Zeitungskolporteure eigenhändig erwürgen kann - und es passiert ihm nichts.

was bitte ist ein "hähnchenknochen"?

so etwas wie blumenkohl und brötchen?

Damit seine Alte die nächsten Jahre nicht so allei sitzen muss

könnte man sie gleich einmal zum Ankauf der Grippemasken befragen, warum die über ihren Grafen abgewickelt werden mussten.

Die Chance lebt, daß beide eine Zelle für Pärchen bekommen.

Re: Damit seine Alte die nächsten Jahre nicht so allei sitzen muss

Zelle für Pärchen? Was nützts. Uralter Adel...märchenhafter Geschlechtstrieb....aber immer sehr müde....

Heiteres Bezirksgericht a´la Kronenzeitung....


Dieser dürfte nach jetzigen Stand auch im Zeugenstand erscheinen?

Dürfte ... - Österreichs Rechtssprechung scheint einer ernst zu nehmenden Autorität zu unterliegen?

Offenbar dürfte ein solcher Prozess gar nicht erst statt finden!

Ich glaube diese Woche geht bestimmt in die Geschichtsbücher der 2. Republik ein! ;-)


Ein Urteil

Ein Urteil à la Strasser ist zu erwarten. Mensdorffs Ausreden und Gedächtnisschwünde sind eine ähnliche Farce wie bei Strasser. Und dass er 12,6 Millionen Euro an politische Entscheidungsträger "verteilt", "verschenkt" hat, will er auch nicht mehr wissen. Auch nicht, dass er Firmen auf den Bahamas besaß. Im Untersuchungsauschuss ist ihm auch nachweislich nur die Unwahrheit eingefallen.

Also, mal schauen wie die österreichische Justiz urteilt!

Re: Ein Urteil

Wünschenwert wäre ein ähnliches Urteil wie bei Strasser. Es scheint jedenfalls Zeit zu sein, solche ..... in den Häfn zu schicken

Re: Ein Urteil

So sicher ist das nicht. Abwarten, was bei Strasser noch passiert. Denken Sie doch einmal an den Bawag-Prozess z.B. gegen Kreuch und Co. BDO verurteilt ihn zu ein paar Jahren, der OGH hebt das, weil das Urteil völlig unbrauchbar ist, Böhm spricht ihn frei und der Staatsanwalt beruft, womit es immer noch keine rechtskräftige Entscheidung gibt und die allseits bekannte und beliebte Unschuldsvermutung gilt. Das alles dauert Jahre....
Und wie war´s bei dem Uwe Scheuch? Drei Gerichte, drei völlig unterschiedliche Urteile. Und zwar im Bereich der rechtlichen Wertung und des Strafrahmens. Und das vertrauen Sie noch auf die völlig inkompetente/n Justiz(beamten)?

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