Das Tiroler Comeback der Aussteiger: Kampf um bürgerliches Lager

17.01.2013 | 18:31 |  KÖKSAL BALTACI (Die Presse)

Die neue Liste "vorwärts Tirol" dürfte der ÖVP kaum Konkurrenz machen. Mit an Bord ist auch Innsbrucks Bürgermeisterin, Christine Oppitz-Plörer.

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Die Katze ist aus dem Sack. Die seit Jahren immer wieder aufkeimende Idee einer ÖVP-Abspaltung auf Landesebene nach dem Vorbild von „Für Innsbruck“ wurde am Mittwoch verwirklicht. Angeführt von den ehemaligen Landesräten Anna Hosp (für ÖVP) und Hans Lindenberger (für SPÖ) soll die Liste „vorwärts Tirol“ das bürgerliche Lager spalten und bei den Landtagswahlen Ende April Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) Stimmen kosten. Mit an Bord ist auch Innsbrucks Bürgermeisterin, Christine Oppitz-Plörer („Für Innsbruck“), die sich bei den Gemeinderatswahlen im April 2012 radikal von Platter distanzierte. Sie will die Bewegung aber lediglich unterstützen, eine Kandidatur komme nicht infrage.

Hosp und Lindenberger mögen auf den ersten Blick ein erfahrenes, prominentes Politduo sein, das wirtschaftsliberale Wähler ansprechen will – mehr konnten sie zu ihrem Programm bisher nicht sagen. Bei näherer Betrachtung aber handelt es sich bei den beiden um gescheiterte Altpolitiker, die nach aufreibenden Machtkämpfen ihren Parteien den Rücken gekehrt haben und ein letztes, verzweifeltes Comeback auf die große Politbühne anstreben.

Hosp, deren politische Strahlkraft nicht über das Außerfern hinausragt und die auch nur dort antreten wird, hat eine offene Rechnung mit Platter zu begleichen. Nach den Landtagswahlen 2008 hatte sie gute Chancen, Landeshauptmann Herwig van Staa nachzufolgen. Das Rennen machte aber Platter, woraufhin sie sich in die Privatwirtschaft zurückzog. Ähnlich erging es Lindenberger, der als Vertreter des rechten Flügels innerhalb der SPÖ stets umstritten war und nach mehreren misslungenen Putschversuchen gegen den damaligen Parteivorsitzenden, Hannes Gschwentner, 2008 entnervt das Handtuch warf.

Machtkämpfe verloren haben auch weitere Mitstreiter von „vorwärts Tirol“, die in den kommenden Tagen präsentiert werden. In Innsbruck etwa soll Uschi Waibel antreten. Sie verfehlte zuletzt für die ÖVP den Einzug in den Innsbrucker Gemeinderat. In Imst wird Gretl Patscheider auf Stimmenfang gehen. 2009 legte sie die Leitung der VP-Frauen zurück, nachdem sie ihrer Partei mangelnde Unterstützung vorgeworfen hatte. Allesamt eher keine Persönlichkeiten, die als Zugpferde gelten. Die ÖVP reagierte am Mittwoch dennoch ziemlich nervös auf Konkurrenz aus den eigenen Reihen – Platter kündigte den sofortigen Parteiausschluss von Hosp und Oppitz-Plörer an. Gravierende Stimmenverluste hat die Volkspartei aber wohl nicht zu befürchten. Jedenfalls nicht auf Kosten der neuen Liste.

Der vielfach angebrachte Vergleich mit dem charismatischen Fritz Dinkhauser, der 2008 einen Bekanntheitsgrad von 98Prozent aufwies und nach seinem Abgang von der ÖVP 18Prozent erreichte, hinkt. Auch dessen Charme ist im Übrigen mittlerweile verblasst. So ist wohl das einzige, was die beiden Listen verbindet, das schwierige bis unmögliche Unterfangen, nach den Wahlen nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

 

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2013)

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4 Kommentare

Überläufer

gescheiterte Politiker(innen), Jägerinnen.......alles nur Egozentriker(innen) die am Steuertopf mit naschen wollen!

Wer einen Machtkampf gewinnt

ist nicht unbedingt der Bessere. Siehe Platter.

Alter Trick

Der seit Jahren immer wieder verwendete Tiroler Trick einer ÖVP-Abspaltung - siehe Bürgermeister Van Staa und seine Fleischkäshilde

Jagd


Nun hat der Platter nach der Wahl mehr Zeit für die Jagd, diesmal aber auf eigene Kosten.

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