Al-Qaidas Krieger bauen ihre Macht in Nordafrika aus

18.01.2013 | 18:35 |  SUSANNA BASTAROLI (Die Presse)

Das islamistische Terrornetzwerk kooperiert immer enger mit mächtigen regionalen Rebellengruppen und hat unter Extremisten eine regionale Führungsposition eingenommen, warnen Experten.

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Wien. Der islamistische Terror in Nordafrika hat seit dem Geiseldrama in Algerien ein einprägsames Gesicht: jenes des „einäugigen“ Mokhtar Belmokhtar, Anführer und Planer des Angriffs. Mister Marlboro – den Beinamen verdankt der Algerier seiner Schmugglervergangenheit – ist ein Veteran des nordafrikanischen Jihadismus: Seit Jahren führt er verschiedene Islamistengruppen in der Sahara an, derzeit die bisher relativ unbekannte „Brigade der Unterzeichner mit Blut“.

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Bis vor Kurzem war der 40-Jährige ein Anführer der „al-Qaida im Islamischen Maghreb“ (AQIM), die er mitbegründet und zu der er laut Experten weiter enge Beziehungen hat. Dieser nordafrikanische Ableger der al-Qaida kämpft derzeit mit anderen radikalen Gruppen in Mali und hat dadurch seinen Einfluss ausgebaut: AQIM sei „zur mächtigsten islamistischen Terrorgruppe der Region“ avanciert, analysiert der US-Thinktank „Council of Foreign Relations (CFR)“.

Vor wenigen Monaten äußerte sich das US-Außenministerium besorgt über die immer engere Zusammenarbeit zwischen AQIM und anderen fundamentalistischen Rebellen: Al-Qaida kooperiere inzwischen mit Nigerias Boko Haram, den somalischen al-Shabaab-Milizen und der in Jemen kämpfenden AQAP. Auch in Syrien soll AQIM stark präsent sein.

Mit ein Grund für die angehende Führungsposition ist der Reichtum der Gruppe. Lukrative Einnahmen habe AQIM „aus Schmuggel, Drogenhandel und Entführungen westlicher Ausländer aus der Sahara. Sie gehört inzwischen zu den am besten bewaffneten Rebellen-Organisationen Afrikas“, recherchierte die „BBC“. Die Waffen der Gotteskrieger sollen großteils aus dem Arsenal des libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi stammen.

Experten warnen vor einer al-Qaida-Renaissance in der Region. Zwar haben Anti-Terror-Aktionen das Netzwerk aus dem Maghreb weitgehend verdrängt. Doch inzwischen haben die Extremisten ihre Bastionen in den Sahel verlegt – nach Mali, Niger oder Mauretanien. Die Top-Anführer stammen laut CFR aber weiter alle aus Algerien – hier befinden sich auch die Wurzeln des Netzwerkes: AQIMs Vorfahren waren Salafisten, die sich Ende der 1990er-Jahre von Algeriens islamistischen GIA-Rebellen abgespalten hatten. Bald schon soll sich diese Gruppierung der al-Qaida angeschlossen haben.

 

„Spanien ist unser Land“

Das „Council of Foreign Relations“ geht von derzeit mehreren Hundert Kämpfern aus, die meisten seien Nordafrikaner. Ein Bericht des US-Kongresses spricht von „Rivalitäten“ unter Top-Kommandanten, die teilweise autonom voneinander agieren würden.

Ziel der Islamisten ist ein Gottesstaat in Nordafrika und auf der Iberischen Halbinsel: Die Gruppe nennt Spanien „unser Land“. CFR warnt: „Festnahmen in Großbritannien, Italien oder Deutschland zeigen, dass AQIM ihre Präsenz in Westeuropa ausbaut.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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1 Kommentare
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"Spanien ist unser Land",sagen Islamisten in Nordafrika

Angeblich geht uns ja Mali überhaupt nichts an.Spanien auch nicht?

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