Väter wittern neue Chance für ihr Sorgerecht

30.01.2013 | 18:14 |  PHILIPP AICHINGER (Die Presse)

Am 1. Februar tritt das neue Familienrecht in Kraft. Väter, aber auch viele Mütter, suchen bereits verstärkt Anwaltskanzleien auf. Die Neuanträge dürften den noch nicht genügend ausgestatteten Gerichten viel Arbeit bringen.

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Wien . „Es sind zuletzt viele ehemalige Klienten wieder aufgetaucht“, sagt Rechtsanwalt Alfred Kriegler. Grund ist das neue Familienrecht, das morgen, Freitag, in Kraft tritt. Viele Väter, die momentan kein Sorgerecht haben, hoffen, dieses nun erhalten zu können. Denn das neue Recht ermöglicht es Richtern erstmals, auch eine gemeinsame Obsorge über Scheidungskinder festzulegen. Bisher war dies nur möglich, wenn Vater und Mutter sich einig waren. Im Streitfall bekam meist die Mutter das Kind zugesprochen. Aber auch ledige Väter, die bisher gar keine Chance hatten, ein Sorgerecht gerichtlich durchzusetzen, bekommen diese Möglichkeit nun.

Wenn alle Interessenten jetzt Ernst machen und Sorgerechtsanträge stellen, droht den Gerichten somit viel Arbeit. Schwierig wird die Sache vor allem deswegen, weil Richter laut dem neuen Gesetz das gemeinsame Sorgerecht erst nach einer sechsmonatigen Probephase aussprechen sollen. Überprüfen soll die Testphase die neue Familiengerichtshilfe, die aus Sozialarbeitern und Psychologen besteht.

Doch diese Mitarbeiter fehlen an fast allen Standorten noch ebenso wie die versprochenen zusätzlichen Richter. Erst ab Mitte 2014 soll der Vollausbau abgeschlossen sein. Kriegler fürchtet im Gespräch mit der „Presse“ deswegen, dass die Justiz jetzt mit den neuen Anträgen nicht zurechtkommt: „Ich glaube, dass das Familiengerichtssystem zusammenbrechen oder zum Stillstand kommen wird.“

So drastisch sehen das andere befragte Anwälte zwar nicht. Ein verstärktes Interesse an juristischer Beratung verspüren aber alle. Wobei es nicht nur Männer sind, die zum Advokaten gehen. Vor allem Frauen würden sich bei ihr „ganz stark“ über die neue Rechtslage erkundigen, sagt Anwältin Andrea Wukovits.

 

Frauen: Angst, Rechte abzugeben

Schließlich bestehe bei Frauen, die die Obsorge haben, die Angst, dass sie das Sorgerecht künftig teilen müssen. Schwierig werde es aber, weil man noch nicht wisse, wie die Gerichte die neuen Gesetze auslegen, meint Wukovits. Anträge von Männern auf ein Sorgerecht wiederum würden nicht immer sinnvoll sein: „Man kann nicht jedem Hoffnung machen“, meint die Juristin. Wenn es aber einen guten Draht zu Kind und Mutter gebe, sei Vätern ein Antrag anzuraten.

Sollte man wegen der unklaren Rechtslage vielleicht sogar mit dem Stellen der Anträge so lange warten, bis es eine klare Judikaturlinie gibt? „Wenn wir bis dahin warten, sind die Kinder schon großjährig“, betont Brigitte Birnbaum, Advokatin und Vizepräsidentin der Anwaltskammer Wien.

Sie werde wohl schon im Februar die ersten Anträge für Väter stellen. Ein beträchtlicher Teil der Anfragen gehe aber auch bei ihr auf Frauen zurück, sagt Birnbaum. Mütter, bei denen das Sorgerechtsverfahren bereits rechtskräftig entschieden ist, würden kommen und fragen: „Was passiert jetzt?“

Wobei es nicht immer nur um das Sorgerecht gehen muss. In der Kanzlei von Michael Witt gibt es mehr Anfragen zum neuen Kontaktrecht. Dieses ersetzt das Besuchsrecht und soll auch nicht obsorgeberechtigten Eltern mehr Teilnahme am Alltag ihres Kindes ermöglichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2013)

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27 Kommentare
 
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Liebe Väter

War in Innsbruck bei der Fam gerichts Hilfe, wegen gemeinsamer Obsorge.
Die sagten mir, dass meine ExFrau und ich (trotz einvernehmlichen Schiedungsvergleiches vor Gericht) vor Gericht gestritten hätten und wer gestritten hat, könne doch nicht gemeinsam für das Kind sorgen.
Auf meinen Einwand, dass doch alle Eltern, die zu ihnen kommen ein Gerichtsverfahren hatten, sonst wären sie eben gar nicht bei der Familiengerichtshilfe, gab es als Antwort nur müdes Lächeln.
Ebenso keine Antwort darauf, dass doch in allen Bereichen des Lebens fallweise "gestritten" wird (Arbeitsplatz, Parteien im Wahlkampf-danach harmonische Koalition, Freunde usw) und man danach freundlich und konstruktiv kooperiert.

Mein Fazit: Gemeinsame Obsorge gibt es auch künftig nur wenn sie die Mutter will.

PS: Streit im Sinne von 2 Personen schreien sich an oder schlimmer, gab es bei uns nie!!

Re: Liebe Väter

Komisch, wenn diese Info rausgekommen ist. Natürlich kann zumindest theoretisch auch gegen den Willen der Kindesmutter die gemeinsame Obsorge "verordnet" werden, um rauszufinden, ob das gut gehen kann, ist ja diese 6 monatige Testphase da. Da kontrollieren halt dann Besuchsmittler und Familiengerichtshilfe, wie es in der Praxis klappt und berichten danach ans Gericht.
Ich habe mir auch erlaubt, einen kleinen Blogbeitrag zu schreiben, wenns wen interessiert.
http://wp.me/s2AZMk-992
LG
Ikarus

Jetzt geht den

Weibern die Muffn - und es ist gut so!

All jene die bisher den Vater als Bankomaten abgestempelt haben, droht jetzt die Ohnmacht.

Dass ich das noch erleben darf - HERRLICH!!!

Ein schlechtes Gesetz

Nur gut für die ewigen Streithanseln, die jetzt wieder durch ein neues Loch gekrochen kommen.

Bin ja schon richtig gespannt, wann meine Ex die angebliche Liebe zu ihren Kindern wiederentdeckt... :-(

Re: Ein schlechtes Gesetz

Ihr Fall ist sicher einer von wenigen.

In den meisten Fällen verweigern die Mütter den Vätern - trotz Straftatbestand - den Kontakt zu den Kindern und kein Richter spricht Recht.

Die armen Mütter.

Endlich bekommen Väter ein Recht um der jahrzehntelangen Entfremdung ihrer Kinder durch deren Mütter Herr zu werden.

Re: Re: Ein schlechtes Gesetz

Allein schon Ihre Wortwahl:

"Für Österreich"
"jahrzehntelange Entfremdung"
"Herr zu werden"

Trotz dieser offensichtlichen Nähe zu ganz rechten Ideologien sind Ihnen die Worte "Anstand" und "Verpflichtung" aber natürlich nicht eingefallen.

Anständige Männer und Frauen haben auch heute schon guten Kontakt zu ihren Kindern. Oft sogar auch zu den Exen. Und die große Mehrheit stellt sich den Verpflichtungen des Alltags an 365 Tagen im Jahr, so gut es eben geht.

Für die Streithanseln, die Ars*hlöcher, die Rosinenpicker und die Wochenen-Helden brauchen wir keine neuen Gesetze.

Ich habe drei Jahre vor Gericht gekämpft, um meine psycho-Ex loszuwerden - auf ein neues Gesetz, das mir wieder Streit ins Haus bringt, können meine neue Frau, unsere Kinder und ich gerne verzichten.

Aktuelle Infos auf HELP.gv.at

Wirklich aktuelle Informationen über die Obsorge neu sind auf HELP.gv.at, dem zentralen Internetportal der Republik Österreich für Bürgerinnen und Bürger: https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/234/Seite.234005.html

Fortschreitender Größenwahn

Der Staat nimmt sich immer nur mehr Rechte, in das Privatleben de Menschen hinein zu regieren.

Re: Fortschreitender Größenwahn

Dort wo es einzugestehende Ansprüche gibt, die nicht zugestanden werden, hat der Staat die Pflicht, zu regeln. Einmischung ist dazu ein unpassender Begriff.

lasst alle Hoffnung fahren, das ist bloss Augenauswischerei zur Zementierung des Gehabten


Mir tun die Kinder leid...

...deren Eltern sie dazu benützen, um einander eins auszuwischen. Ich finde sowas wirklich furchtbar.

Warum werden die Kinder nicht gefragt, bei wem sie leben wollen oder ob sie Kontakt zum jeweils anderen Elternteil haben wollen?
Meiner Meinung nach sollten die Kinder bei dem leben, der sie besser erziehen kann und wenn das beide gleich gut können, dann sollte gemeinsame Obsorge der Regelfall sein!

Ein schlechter Ehe-/Lebenspartner muss noch lange kein schlechtes Elternteil sein!
Sicher wird es immer wieder Fälle geben, bei denen es wirklich beim Kind einen Schaden verursachen würde, Kontakt mit dem anderen Elternteil zu haben (Sucht, Gewalttätigkeit, Pädophilie etc.) - dann kann man ja auch entsprechend handeln und diesem Teil das Sorgerecht entziehen. Aber ich bin dagegen, dass ein Elternteil automatisch dem anderen das Kind entziehen kann, nur weil die beiden keine Beziehung führen.

Re: Mir tun die Kinder leid...

Sie möchten die Kinder fragen?

Dann müssten Sie aber auch die Kinder über die bevorstehende Trennung befragen.

Was denken Sie was Kinder sagen würden? Die wären mit der Situation völlig überfordert.

Kinder lieben beide Elternteile - eine Befragung käme einer psychischen Kindesmisshandlung gleich und lt. Gesetz der Kindesentzug unvermeidbar.

Ist das zum Wohle des Kindes???

Re: Mir tun die Kinder leid...

Gemeinsame Obsorge und Doppelresidenz (!!) zu gleichen Teilen wäre der beste Normalfall. Bei mir funktioniert das gut (habe 3 Kinder, und die sind knapp die halbe Zeit bei mir im Haus), ist aber rechtlich in Ö überhaupt nicht vorgesehen - da ist der Elternteil, bei dem die Kinder nicht ihren "hauptsächlichen Aufenthalt" haben, prinzipiell nur Besuchselternteil, egal ob mit Sorgerecht oder ohne. Was sich nicht geänder hat: Ich zahle Alimente, und die gesamte Familienbeihilfe geht an meine Ex (...gerecht???)

Re: Re: Mir tun die Kinder leid...

Die Geschichte kommt mir so bekannt vor.. Keine Ahnung wie oft es solche Fälle in Ö gibt, aber grundsätzlich ist das eine ideale Lösung. Vor allem, wenn die Woche geteilt wird (stimme Senferin zu, dass Halbjahresintervalle nicht gut wären)! Ad Alimente/Familienbeihilfe: verwechseln Sie Recht nicht mit Gerechtigkeit!

Re: Re: Re: Mir tun die Kinder leid...

"Ad Alimente/Familienbeihilfe: verwechseln Sie Recht nicht mit Gerechtigkeit!" Was hätte ich da verwechselt? Ich finde, gerecht wäre eben das, was die Senferin im Folgepost vorschlägt. Gemäß dem Recht wäre ich finanziell ruiniert (ich hätte etwa 50% des Jahreseinkommens zu zahlen, in dem Fall müsste ich meine 40m²-Wohnung aufgeben und in ein Zimmer ziehen, ein normales Leben mit meinen Kindern wäre unmöglich).

Re: Re: Re: Re: Mir tun die Kinder leid...

Und was glauben Sie wieviele Fälle es in Ösistan gibt, wo der finanzielle Ruin tagtägliche Realität ist?

Ich kenne sehr viele Fälle, die trotz arbeit aufs minimum gepfändet werden, in Folge auf der Strasse sitzen und Tag für Tag aufgrund der bisher geltenden gesetzlichen Willkür, immer mehr versumpfen.

Aus purer Ausweglosigkeit.

Re: Re: Re: Re: Re: Mir tun die Kinder leid...

Ich gebe Ihnen absolut recht: die geltende Rechtslage, kombiniert mit der gängigen Praxis der Vergabe des "hauptsächlichen Aufenthaltes" fast ausschließlich an die Mütter, ist katastrophal.

Re: Re: Re: Mir tun die Kinder leid...

Da haben Sie mich falsch verstanden: ich finde längere Intervalle besser als wöchentliches Pendeln, weil das viel mehr Unruhe ins Leben des Kindes bringt.

Sagen Sie das aus eigener Erfahrung?

Ich kann das aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Meine Kids HASSEN es, wenn es zu längeren Intervallen kommt, in denen sie entweder mich oder ihre Mama nicht sehen. Ausgemachte Mamatage/Papatage in der Woche dagegen bieten recht viel Stabilität und ausreichenden Kontakt zu beiden Elternteilen (und zum Freundesumfeld an beiden Wohnorten! Auch das ist für die Kinder wichtig!)

Re: Sagen Sie das aus eigener Erfahrung?

Ich meinte ja nicht, dass sie das andere Elternteil in dieser Zeit nicht sehen sollen, sondern nur, dass der Wohnort ein halbes Jahr derselbe sein soll, damit die Pendelei entfällt.

Geht natürlich nur, wenn die Eltern nicht zu weit auseinander wohnen. Das ist auch etwas, das ich nicht mögen würde, wäre ich in der Situation: dass der Kindsvater in einem anderen Bundesland lebt. Am Idealsten wäre derselbe Wohnort oder eben ein Nachbarort.

Re: Re: Sagen Sie das aus eigener Erfahrung?

Ich finde ganz im Gegenteil, gerade ein langperiodischer Wechsel wäre für die Kinder eine katastrophale Instabilität (Freundeskreis, Freizeitkaktivitäten usw.). Und: in welchem Rahmen sollten sie dann ihre Mutter/ihren Vater in der "Anderswohnzeit" sehen? Die Reduktion auf Besuchs- und Ausflugskontakte ist unnatürlich und imo untragbar. Übrigens ist das mit der "Pendelei" sehr gut handhabbar, wenn man darauf achtet, dass die Schulen der Kinder von beiden Wohnorten gut erreichbar sind.

Re: Re: Mir tun die Kinder leid...

Doppelresidenz: ich weiß nicht, ob ich das so gut finde, wenn Kinder mal dort, mal da wohnen. Kinder brauchen doch Stabilität. Wie kommen Ihre Kinder damit klar? Wie haben Sie das geregelt? Ich meine, ein halbes Jahr dort, ein halbes Jahr da ginge ja noch, aber alle paar Monate mit einem Koffer zu pendeln, fände ich wahrscheinlich zu mühsam. Vor allem dann, wenn die Eltern weit auseinander wohnen und dann immer komplett aus ihrem Umfeld gerissen werden

Bzgl. Alimente/Familienbeihilfe: wenn die Kinder die Hälfte der Zeit bei Ihnen wohnen, sollten Sie auch das Recht auf die Hälfte vom Geld haben. Die Ausgaben tragen Sie ja auch zur Hälfte.

Aber wie gesagt - es läuft so einiges schief in Österreich. Nicht nur bei der Obsorge, sondern auch im Bildungsbereich und in vielen anderen Bereichen. Lange geht das eh nimmer gut.

Re: Re: Re: Mir tun die Kinder leid...

Meine Tochter sitzt gerade neben mir und wundert sich, was da stressig sein sollte. Sie würde es "arg finden, wenn man nicht mehr immer zum Papa/zur Mama darf". Meine Kids sind am Montag (bis Dienstag früh) und am Freitag (bis Samstag mittag) immer bei mir und jedes zweite Wochenende ganz, also 6 Tage und Nächte in 2 Wochen. Kleidung usw. für die Kinder ist da wie dort vorhanden.
Entfernung zwischen den Wohnungen: eine knappe halbe Stunde mit dem Auto oder eine Dreiviertelstunde mit dem Bus. Auch das ist eine Form von Stabilität, sie wissen, wo sie jeweils sein sollten Und kippen das dann und wann auch und kommen mal trotzdem lieber zur Mama / lieber zum Papa, wie es halt grade passt mit Schule und Freizeitaktivitäten - das wird aber extra ausgemacht. Gerade mein Sohnemann nützt das gerne, um einmal vor seinen Schwestern zu "flüchten" ;)

Re: Re: Re: Re: Mir tun die Kinder leid...

Super, wenn das so toll klappt bei Ihnen :)! Da scheinen Sie ja die Ideallösung gefunden zu haben. Haben Sie das mit den Kindern gemeinsam so vereinbart?

Ich fände es nämlich gut, wenn die Kinder (sofern sie groß genug dafür sind und verstehen, worum es geht) da auch ein Wörtchen mitreden dürfen.

Re: Re: Re: Re: Re: Mir tun die Kinder leid...

Das hat sich eigentlich ganz natürlich ergeben: Das Training des Sportvereins meiner älteren Tochter (ist in meiner Nähe ) ist am Montag und Freitag ...

Informationen

Für alle Frauen und Männer, die ihr Kind lieben:

"Das Drama der Vaterentbehrung"

Horst Petri

ISBN-10: 3451052172
ISBN-13: 978-3451052170

 
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