Analyse: Akademikerball - Protest und (Fast-)Eskalation

02.02.2013 | 09:46 |  von Georg Renner (Die Presse)

Zwei verletzte Ballgäste und zwei verletzte Polizisten, lautet das Fazit der Wiener Polizei nach den Protestaktionen gegen den Akademikerball.

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Zwei verletzte Ballgäste, zwei verletzte Polizisten und neun Festnahmen: Das ist die erste Bilanz der Wiener Polizei nach den Protestaktionen gegen den von der FPÖ veranstalteten Akademikerball in der Hofburg. Mehrere Gruppen von Demonstranten hatten am Freitagabend gegen die Nachfolgeveranstaltung des umstrittenen WKR-Balles Aktionen protestiert - in Summe waren rund 3000 Demonstranten rund um die Hofburg unterwegs. Der Ball konnte trotzdem plangemäß kurz nach neun Uhr mit rund 780 Gästen, darunter auch freiheitliche Prominenz wie der dritte Nationalratspräsident Martin Graf, eröffnet werden.

--> Proteste: ''Nazis werden kalt gemacht''

Die Demonstranten waren anfangs in drei Veranstaltungen aufgegliedert: Rund 1200 Demonstranten hatten sich auf Aufruf des Bündnisses „NoWKR" in der Nähe des Wiener Westbahnhofs in Richtung Hofburg bewegt, von der Universität Wien zogen unter Ägide der „Offensive gegen rechts" 1300 in die Innenstadt. Am Heldenplatz hatte zudem das Bündnis "Jetzt Zeichen setzen" eine durchwegs friedliche Veranstaltung mit Lesungen abgehalten, bei der sich rund 300 Personen eingefunden hatten.

Die Polizei hatte die Situation den Großteil des Abends über gut unter Kontrolle, indem sie eine großflächige Sperre um die Hofburg durchsetzte: Neben dem Großteil des Heldenplatzes war die gesamte Passage Freyung-Herrengasse-Michaelerplatz-Josefsplatz quer durch den ersten Bezirk zum Sperrgebiet erklärt worden. Das ermöglichte den meisten Ballgästen, ohne gröbere Behinderungen in die Hofburg zu gelangen: Nicht nur, dass die Demonstranten nicht alle Zugänge zum Hofburgareal gleichzeitig durch Sitzstreiks sperren konnten, auch ein Zusammentreffen der verschiedenen Protestgruppen konnte durch diese Taktik verhindert werden.

Nur einmal drohte die Situation zu eskalieren: Rund um 20 Uhr versuchten mehrere Ballgäste - darunter der freiheitliche EU-Mandatar Andreas Mölzer-, über den Albertinaplatz unter tosenden Protestchören und einer spürbar aggressiven Stimmung in der Menge in die Hofburg zu gelangen. Als dabei FP- und Polizeiangaben zufolge Demonstranten die Ballgäste attackierten - Mölzer wurde von einem Farbbeutel an der Stirn getroffen -, griff die Polizei ein und drängte die Menge zurück Richtung Staatsoper. In dem folgenden Tumult wurden zwei Polizisten verletzt.

Nach diesem Höhepunkt der Proteste flaute die Aggression in der Menge aber wieder ab, gegen 21 Uhr begannen sich die Demonstranten unter einsetzendem Regen zu zerstreuen, beim Abzug gab es kleinere Randale - am neuen Markt wurden etwa Steine und Blumentröge aus der Verankerung gerissen. Gegen halb zehn Uhr nachts war nur noch am Graben eine lautstarke Menge von rund 100 Demonstranten anzutreffen. Die Polizei blieb weiterhin mit einem Großaufgebot im Einsatz - neben hunderten Beamten in teils schwerer Schutzausrüstung waren auch zwei Wasserwerfer in Bereitschaft, ein Polizeihubschrauber überwachte die Innenstadt aus der Luft. Einer ersten Polizeibilanz zufolge wurden „hunderte Anhaltungen, Kontrollen und Identitäsfeststellungen" vorgenommen; neun Menschen seien wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen worden.

 

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223 Kommentare
 
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Der Nicht-Einsatz der Polizei

soll übrigens 500.000 € gekostet haben.

Wenn die FPÖ Eier hätte,

... würde sie jede Zusammenarbeit mit den Sozialisten und Grünen auf sämtlichen Ebenen beenden.
Sie würden die Sozialisten und Grünen auch als das bezeichnen, was sie sind.

Die Sozialisten und Grünen grenzen die Freiheitlichen aus geringeren Anlässen aus.

Und wenn die Freiheitlichen (oder ÖVPler) es auch nur ansatzweise wagen würden, ähnliches zu veranstalten (z.B. mit den Asylanten in der Votivkirche) würde die Politjustiz in diesem Lande über sie drüberfahren, dass es nur so raucht.

Nachdem ich keine Lust mehr habe, ÖVP zu wählen, vergeht mir auch die Lust, Freiheitlich zu wählen, da es in diesem Land keine antisozialistische Alternative mehr gibt. Vielleicht geh ich zu keiner der nächsten Wahlen.

Ganz verstehe ich ben WKR und die FPÖ auch nicht,

besonders den WKR (aka "Burschenschafter")
Trotz (unübersehbarer) Nähe zur FPÖ bezeichnen sie sich doch als "parteiunabhängig". Jetzt sind sie endgültig unter den Schirm der Partei gekrochen - eigentlich rückgradlos.
Anstatt zu sagen "na gut, die Hofburg will uns nicht mehr akls zahlende Gäste, dann feiern wir halt woanders" (z.B Palais Auersperg oder Parkhotel Schönbrunn - sollten groß genug sein) "und haben dann auch Ruhe vor den Linken", gibt man halt jeden Anschein der politischen Unabhängigkeit auf. Wohl wissend, dass der politische Gegner den "Trick" durchschaut und erst recht demonstriert.
Für meinen teil gehe ich liber auf Bälle, wo Politik weniger eine Rolle spielt und ich einen schönen Abend verbringen kann.
Aber wahrscheinlich brauchen WKR/FPÖ halt auch diese Inszinierung :(

ich verstehe nicht

warum man solche Parolen gegen irgendwen in Ö schreiben oder schreien darf. Wo sind wir denn?

Waren die Ballbesucher

wirklich alles Akademiker? Oder giger auch Leute hin, die an einer Hochschule - aus welchen Gründen auch immer - schon mehrmals vorbeigegangen sind?

Re: Waren die Ballbesucher

Sind am Zuckerbäckerball vielleicht auch nur Zuckerbäcker?

die öh-sbg

finanzierte mit zwangsbeiträgen der studierenden die anfahrt von demonstranten.

wieso bleibt das in österreich ohne konsequenzen - der missbrauch von zwangsbeitägen? (ok, andere organisationen, die zwangsbeiträge einheben dürfen, machens ja vor und da kräht kein hahn!)

Für mich sind die

ausserhalb der Hofburg gefährlicher,als die drinnen!

Da hat man gesehen ...

wer die wirklichen Probleme macht.

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Diese gewaltbereite grölende Masse

macht Angst und ist abstoßend.

Wer hetzt da Leute auf - noch dazu auch junge- und organisiert einen solchen Pöbelaufstand? ÖH - angehende Akademiker , linke gut bezahlte also reiche Politiker? Halten sie sich selbst im Hintergrund und beauftragen eine ungebildete "Unterschicht" für gewaltsame Übergriffe?

Darf die linke Ecke demnächst auf ein anderes Feindbild (zB Katholiken) los gehen?

Friedliche Demos sehen anders aus und haben einen guten Zweck.

Einfach so aus Jux und Tollerei schreiend, drohend Gewalt und Schrecken zu verbreiten hat nichts aber schon absolut nichts mit einem Demonstrationsrecht zu tun und gehört nicht genehmigt sondern rechtzeitig verboten.

Jeder sollte dran denken, dass man auch selbst -ob als Tourist, Journalist ...- oder gar die eigenen Kinder Opfer dieses aufgehetzten Gewaltpöbels werden kann (die unterscheiden dann nicht mehr zwischen links und rechts)...

???

"am neuen Markt wurden etwa Steine und Blumentröge aus der Verankerung gerissen. "

vielleicht stand ihnen der Blumentrog zu weit rechts?

die fpö sollte konsequenzen ziehen…

die einen haben das recht diesen ball abzuhalten, die anderen das recht zu demonstrieren. doch man sollt die krawall-touristen mit den teilnehmern der angemeldeten demos nicht vermengen, auch wenn sie teilweise in deren reihen untertauchen. natürlich werden die krawall-touristen die "demo" nicht anmelden und wie soll man jemandem eine "demo" untersagen, der sie nicht anmeldet, weil er eh vor hat ungesetzliches zu tun? die demos zu untersagen ist kein option – den gewaltbereiten wäre ein verbot auch völlig gleich.

man könnte genauso argumentieren, dass dieser ball in der hofburg verboten gehört, da es immer zu ausschreitungen kommt, der einsatz den steuerzahler viel kostet, es sachschäden und verletzte gibt.

im endeffekt kann wohl nur die fpö dem ein ende setzen, klug sein, nachgeben, woanders den fpö-ball abhalten und die eigenen leute dadurch schützen. warum muss es unbedingt die hofburg sein?

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Re: die fpö sollte konsequenzen ziehen…

Warum soll sich die FPÖ vom linken Mob vorschreiben lassen, wo sie ihren Ball durchführt???

Re: die fpö sollte konsequenzen ziehen…

Gegenvorschlag: Die Demonstration wird nur ein paar Häuserblocks vom Ort der Veranstaltung genehmigt, sodass sich beide Gruppen nicht begegnen können. "Wichtige" Politiker-Persönlichkeiten werden bei Besuchen ja auch immer so abgesichert, dass sie nicht in irgendwelche Farbbeutel hineinlaufen müssen.

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komisch

ich fand den ball angenehm, die paar linken rabauken wollten wohl wieder einmal in den medien stehen und auf sich aufmerksam machen.
eigentlich ist es ja beschämend, was so manche mitbürger mit dem öffentlichen gut aufführen. aber dummheit war immer eher eine tugend der linken.
als akademiker sollte man gelegentlich auch toleranz üben. links scheint diese tugend ausbaufähig zu sein.
als nicht fpö-genosse war es eine veranstaltung wie der zuckerbäckerball. diesmal sogar ohne großem politischem auflauf. l

lol

wir "paar linken rabauken" waren 10x- mehr als ihr. wir wollen euch nicht - wir protestieren gegen euch. ihr seid zuwenig.

Re: lol

10x mehr Leute mit mindestens 10x weniger Niveau.

Der Abschaum war diesmal

in der Hofburg.Bösartigkeit ist ja am hinterfotzigsten wenn sie so sittsam daherkommt.
Da könnten die Demonstranten noch viel lernen.
Farbeutel sind so lächerlich kindisch und die Sachbeschädigungen sind auch keine gute PR.Aber angenommen, es wäre wirklich gar nichts vorgefallen, hätte irgend eine Zeitung davon berichtet ?Ein Dilemma , denn was immer man tut oder unterlässt,das eigentliche Anliegen kommt zu kurz.

die lösung ist einfach - friedlicher protest.


Re: Der Abschaum war diesmal

Siehst, ich bin da anderer Meinung, wenn Du die in Deiner Grossherzigkeit als Kämpfer gegen Rechts erlaubst:
Ich glaube, der Abschaum ist dann am hinterfotzigsten, wenn er als Kämpfer gegen das Unrecht und linker Retter der Armen und Entrechteten daherkommt.

Warum lässt man die Demonstranten überhaupt soweit herankommen,

wenn man schon weiß dass einige von ihnen nicht gutes im Schilde führen.

Warum hat sie nicht besser überprüft?

Das weckt den Anschein als ob es gewollt war dass einige ihre Farbbeutel loswerden können.


Wehrpflicht rekruiting

Das Rekruitiing für die diesjährigen Wehrdiener ist wieder erfolgreich verlaufen. Die Demostration hat uns wieder zahlreiche Wehrwillige beschert. Ein bisschen Drill und Disziplin, dann bekommen wir das schon hin. Habt acht...

Re: Wehrpflicht rekruiting

tut mir leid, helfen sie mir bitte ihren kommentar zu verstehen. wo wurden die "wehrdiener" rekrutiert? am ball? bei den demonstrationen? und inwiefern kann eine demonstration die entscheidung zwischen zivil- und wehrdienst erleichtern?

Re: Re: Wehrpflicht rekruiting

naja, Zivildienst kommt wohl nur für diejenigen in Frage, die Gewalt ablehnen. Daher meine ich, dass die gewaltbereiten Demonstranten jedenfalls nicht für den Zivildienst in Betracht kommen sollten

Das kommt dabei heraus

wenn man sich den Spruch "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" nur oft genug selbst (und gegenseitig) vorsagt.

Du meine Güte!

Nachem ich ja vorortmeine demokratische Überzeugung kundgetan habe, kann ich autentisch berichten, dass es eine ganz liebe und nette Veranstaltung war mit fast schon familliärem Flair.
Sollte man öfters machen, vielleicht gleich zu Aschermittwochin Wels?

 
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