»Wieso liest ein hübsches Mädel das?«

02.02.2013 | 18:13 |  von OLIVER GRIMM (Die Presse)

Anders, als man in Österreich glauben mag, ist in den USA Sexismus in Politik und Geschäftswelt weit verbreitet. Doch er wird scharf geahndet: gesellschaftlich und juristisch.

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Michael Bloomberg, der milliardenschwere Unternehmer und populäre Bürgermeister von New York, ist mit sich und der Welt recht zufrieden: „Lassen Sie es mich so ausdrücken: Ich bin ein alleinstehender, heterosexueller Milliardär in Manhattan. Was glauben Sie? Es ist ein feuchter Traum“, sagte der heute 70-Jährige vor ein paar Jahren in einem Interview.

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Bisweilen allerdings entfleuchen diese feuchten Träume in die Realität. Dann gibt es Ärger. Bei einer Weihnachtsparty vor ein paar Wochen soll Bloomberg das Erscheinen einer Dame in einem sehr figurbetonten Abendkleid mit den Worten „Schau‘ dir diesen Arsch an!“ quittiert haben. Dumm nur, dass ein Journalist vom „New York Magazine“ in Hörweite war. Der verpackte das Zitat in die aktuelle Titelgeschichte über Bloombergs auserkorene Nachfolgerin Christine Quinn, eine bekennende Lesbierin. Als die auch noch freimütig erzählte, Bloomberg stauche sie schon einmal zusammen, wenn sie flache Absätze statt Stöckelschuhen trägt oder ihre Haare nicht färbt, musste der Bürgermeister einmal mehr den Vorwurf abwehren, er sei ein Sexist.

Das ist kein Einzelfall. Politik ist auch in den politisch korrekten Vereinigten Staaten ein Männersport. Und wo das Adrenalin pulsiert, setzen bisweilen Verstand und Umgangsformen gleichzeitig aus. Der New Yorker Lokalpolitiker Ed Hartzog zum Beispiel quittierte erst vergangene Woche die Frage einer Reporterin nach den Unterlagen seiner Wahlkampffinanzierung mit der Gegenfrage: „Wieso liest ein hübsches Mädel wie du so etwas?“

Klagbar sind solche Sprüche nur, wenn sie am Arbeitsplatz oder im Bildungswesen fallen, sagt die Rechtsprofessorin Susan Deller Ross von der Georgetown University in Washington zur „Presse am Sonntag“. „Ein Politiker kann für solche Kommentare bei der nächsten Wahl bestraft werden. Wirklich wichtig ist ein rechtlicher Schutz dort, wo sexuelle Belästigung die Existenzgrundlage der Frau gefährdet.“

Der Civil Rights Act von 1964 ist die Grundlage dafür. Dieses Bürgerrechtsgesetz verbietet die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Sexuelle Belästigung umfasste es anfänglich jedoch nicht. Doch mit den Jahren klagten immer mehr Frauen, die ihre Jobs verloren hatten, weil sie sexuelle Übergriffe ihrer Chefs abgelehnt hatten, auf dieser Basis. „Diese Frauen wurden nämlich schlechter am Arbeitsplatz behandelt, wenn sie sich gegen diese Avancen wehrten“, erklärt Deller Ross.

Heute muss jeder Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten dafür sorgen, dass sexuelle Belästigung unterbunden wird. Das betrifft übrigens nicht nur das klassische „Quidproquo“, also Job oder Beförderung gegen sexuelle Gefälligkeiten. Es ist auch illegal, Frauen zu belästigen, indem man in der Arbeit frauenfeindliche Bemerkungen macht.

Denn nicht jede Frau ist in der Lage, dumme Sprüche ihrer Chefs so trocken zu parieren, wie das Christine Quinn gegenüber Michael Bloomberg getan hat: „Sind Sie schon als so ein riesiges Arschloch aufgewacht? Oder haben Sie den ganzen Tag damit verbracht, sich darauf vorzubereiten, mich so zu beleidigen?“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2013)

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7 Kommentare

warum dauernd doppelt?

??

Ein derbes Kompliment

wird als Beleidigung aufgefasst. Schämt sie sich insgeheim über den Körperteil, der die Augen normaler Männer glänzen lässt, was wiederum bei diesen naturgegeben ist. Will sie nicht Frau sein?
Wenn die Dame also mit ihrem Hintern unzufrieden ist, dann soll sie ihn verkleinern lassen. Punktum.
Was der Artikel wiederum zeigt, ist die Tatsache, dass Journalisten um einiges verkommener und charakterloser sind als Politiker.

Re: Ein derbes Kompliment

ich denke auch, hier handelt es sich öfter um Frauen, die irgendwie Komplexe haben...
aber andererseits will man bei Männern Initiative sehen....ich denke Frauen sidn auch in einer Kirse, wissen nicht was sie wollen
bin selber eine fraue und genervt von solchem gejammer...gründet doch eigene Firmen!

Re: Re: Ein derbes Kompliment

Frauen fast ausschließlich im Bereich der Politik und der Medien. Sie stellen in ihrer abwertenden und beleidigenden Haltung gegenüber Männern eine kleine, aber sehr schrille Minderheit dar. Wirkungsvoll eher nicht, wie ich aus meinen Erfahrungen mit Frauen in meiner Umgebung schließen kann. So wie Sie sind sie eher genervt und sehr oft beschämt.
Aber der Vorwurf an die Politiker- und Medienfrauen wäre unvollständig, wenn man nicht die unterwürfigen, um weibliche Anerkennung hechelnden männlichen Tilos in eben diesen Berufsbereichen mit einschlösse.
Diesen Drang lässt auch Grimm bisweilen erkennen.

Ein derbes Kompliment

wird als Beleidigung aufgefasst. Schämt sie sich insgeheim über den Körperteil, der die Augen normaler Männer glänzen lässt, was wiederum bei diesen naturgegeben ist. Will sie nicht Frau sein?
Wenn die Dame also mit ihrem Hintern unzufrieden ist, dann soll sie ihn verkleinern lassen. Punktum.
Was der Artikel wiederum zeigt, ist die Tatsache, dass Journalisten um einiges verkommener und charakterloser sind als Politiker.

Also, Herr Grimm, sie meinen, der dumme Sager dieser Frau Quinn ist von besonderem Geisteswitz ??

Eine Dame würde eher schweigen, als sich selbst auf das Niveau einer blöden Anpöbelung herabzubegeben! Indirekt hat sie damit die Meinung dieses Herrn über sie vollauf bestätigt.

Übrigens, was hat Sie zu diesem Artikel veranlaßt ??

Also, Herr Grimm, sie meinen, der dumme Sager dieser Frau Quinn ist von besonderem Geisteswitz ??

Eine Dame würde eher schweigen, als sich selbst auf das Niveau einer blöden Anpöbelung herabzubegeben! Indirekt hat sie damit die Meinung dieses Herrn über sie vollauf bestätigt.

Übrigens, was hat Sie zu diesem Artikel veranlaßt ??

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