Sexismus in der Politik: Lacht da jemand?

02.02.2013 | 18:13 |  von Regina Pöll und Ulrike Weiser (Die Presse)

Die Affäre um den deutschen FDP-Politiker Rainer Brüderle hat eine Debatte über Sexismus in der Politik ausgelöst. Auch in Österreich. Hat sich seit der "Lutsch-Affäre" im Parlament vor 20 Jahren eigentlich etwas verändert?

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Die Frage ist nur Theorie, aber interessant: Hätte es 1993 Twitter gegeben, hätte die „Lutsch-Affäre“ auch zu einem #aufschrei! geführt? Oder bloß zu #gemurmel? Damals rief der ÖVP-Nationalratsabgeordnete Paul Burgstaller der Grünen Terezija Stoisits (sie stand beim Mikrofon) launig zu: „In den Mund nehmen und fest dran lutschen.“ Hat sich seitdem eigentlich etwas geändert? Könnte der aktuelle deutsche Fall – der FDP-Politiker Rainer Brüderle machte gegenüber „Stern“-Journalistin Laura Himmelreich anzüglichen Bemerkungen (s. Lexikon) – ein österreichischer sein? Oder gibt es gar kein Problem? Wie gehen Frauen und Männer in der Politik, im Politikjournalismus miteinander um? Ein Rundruf.

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Ich muss vorausschicken, dass ich so etwas wie das Lieblingsfeindbild der FPK bin. Im Wahlkampf 2009 hat mich der damalige Obmann Uwe Scheuch bei allen Wahlkampfkundgebungen attackiert. Zum Gaudium des Publikums hat er mich dabei Antonia G. genannt (gesprochen als G-Punkt; weibliche erogene Zone, Anm.) – mit Pause danach für das Gelächter. Ich habe ihn gestellt und gesagt, ich wünsche seiner Tochter nicht, dass sie es einmal mit so primitiven Männern zu tun bekommt. Er hat einen roten Kopf bekommen, sich aber nicht entschuldigt. Ich weiß, dass in Parteisitzungen über mich Witze gerissen werden – Tenor, ich bin eine frustrierte alte Schachtel, darum schreibe ich so böse. Ich glaube nicht, dass man so über männliche Kollegen reden würde.

Antonia Gössinger, Politikjournalistin, Kleine Zeitung

 

Ich bin schockiert, dass man mir Sexismus unterstellt. Ich habe nur den Namen der Frau G. abgekürzt. Fragen Sie die Leute, die gelacht haben. Ich habe nicht gelacht.

Uwe Scheuch, Ex-FPK-Parteiobmann

 

Im Wahlkreis Tirol gibt es ab und zu einen kleinen flotten Spruch, der aber meist nicht stört. Die Brüderle-Debatte ist übertrieben, ich will keine amerikanischen Verhältnisse.

Carmen Gartlgruber, FPÖ-Frauensprecherin

 

Sexismus gibt es in allen Parteien, es geht um Macht. Ich kenne das auch von älteren Politikerinnen, die junge Politiker als Buben abtun. Zwischen Politikern und Journalistinnen beobachte ich das weniger, Politiker misstrauen Medienmenschen. Wenn männliche Journalisten und Politiker zusammensitzen, rennt aber der Schmäh. Man sucht nach Verbindendem, manchmal ist Sexismus der kleinste gemeinsame Nenner.

Peko Baxant, Wiener SPÖ-Gemeinderat

 

Das Aussehen hat zwischen Politikern und Journalistinnen kein Thema zu sein. Mir hat einer einmal gesagt, ich sei so fesch, ich könnte für den Jungbäuerinnen-Kalender posieren. Das ist sexistisch! Ich kann auch nicht als Chefredakteurin zu Staatssekretär Kurz sagen: „Sie schauen aber super aus.“ Andererseits gibt es die Girlie-Falle: Journalistinnen, die bewusst ihre Reize einsetzen. Wenn sie damit spielen, müssen sie wissen, was sie auslösen. Wollen sie über ihre Arbeit definiert werden, passt das nicht.

Karin Strobl, Chefredakteurin Regionalmedien Austria, Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien

 

Es gibt keine Rechtfertigung für blödes Machoverhalten, das macht ein Gentleman nicht. Andererseits sind die Zeiten hysterischer geworden. In letzter Konsequenz heißt das, dass ich nicht allein mit einer Journalistin im Lift fahren darf. Das ist scheinheilig. Auch Journalistinnen haben sich in Szene gesetzt, ob aus natürlicher Weiblichkeit oder mit Hintergedanken, weiß ich nicht. Hätte ich alle Beziehungen gehabt, die man mir angedichtet hat, ich weiß nicht, ob ich das überlebt hätte.

Hannes Androsch, Ex-SPÖ-Finanzminister

 

Diverse Herren reden nicht mehr mit mir, weil ich nicht mit ihnen Abendessen gegangen bin oder ihnen sonst einen Korb gegeben habe. Das trifft nicht nur auf Personen in der Politik oder Wirtschaft zu, sondern auch auf Männer aus der Journalistenszene. Sicher habe ich mir so schon Karrierechancen verbaut.

Journalistin (anonym), Wien

 

Damals als Landesgeschäftsführer der steirischen ÖVP habe ich öfter verbale und körperliche Belästigungen von Angestellten beobachtet. Ich bin da gegen jedes falsche Augenzwinkern. Sexismus gibt es vor allem in ländlichen Wahlkreisen. Wobei sich Politikerinnen kaum beschweren, sogar Diktionen übernehmen, z.B. von sich als „alte Häsinnen“ reden. In der aktuellen Debatte wird aber geheuchelt. Ein Politiker muss aufpassen, dass etwas, das nicht sexistisch gemeint war, keinen Spin bekommt.

Reinhold Lopatka, ÖVP-Staatssekretär

 

Nachdem der ÖVP-Abgeordnete Burgstaller das damals gesagt hatte, gab es überhaupt erst eine Debatte über Alltagssexismus in Österreich. Heute wären solche Worte im Nationalrat undenkbar. Sexismus ist jetzt subtiler: Heute werden Frauen kategorisiert, als hysterisch zum Beispiel.

Terezija Stoisits, Volksanwältin


Ich habe als Fotografin für eine Partei gearbeitet. Der Pressesprecher hat mich immer auf Cocktails eingeladen. Ich habe mich gedrückt. Da gab es keine Aufträge mehr. Ein Jahr später hat mich der Geschäftsführer explizit angefordert. Der Pressesprecher hat lachend angerufen: Siehst du, ich engagiere dich, obwohl du nichts mit mir trinkst.

Freie Fotografin (anonym), Wien

 

In meinen neun Jahren im Parlament habe ich oft erlebt, wie Frauen am Rednerpult durch Zwischenrufe herabgewürdigt wurden. Es hat mich aufgeregt, dass ein Abgeordneter (ÖVP-Mandatar Großruck, Anm.) nicht einmal einen Ordnungsruf nach seinem Strauss-Kahn-Zweizeiler bekommen hat („Obwohl er schon ein reiferer Mann ist, zeigt Dominique Strauss, was er noch kann“).

Gabriele Heinisch-Hosek, SPÖ-Frauenministerin

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2013)

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169 Kommentare
 
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In unserem Parlament

Braucht sich keine der Damen zu fürchten begrapscht zu werden ,dass verbiet alleine schon der gute Geschmack und die Ästhetik.

Lacht da jemand?


Ja, ich lache aus tiefster Seele. Und diese Sorgen möchte ich haben!

Es ist unfassbar!

Keine abwertende Bemerkungen

Mit gegenseitigen Angriffen kommt man auch nicht weiter, das macht die Sache nur noch mehr verfahrener! Männer haben bestimmt zu dieser Thematik etwas Weiterführendes für beide Geschlechter zu sagen. Aber sie sagen das Weiterführende nicht!!!

"Warum sagt Ihr nicht was bei Euch Sache ist?" Offenbar gibt es so viel Befremdendes zwischen Mann und Frau, über das adäquat miteinander gesprochen werden müsste?
Ihr Männer steht doch zu Eurer Männlichkeit, aber reflektiert Sie von Zeit zu Zeit.
Unser Gesellschaft braucht Männer, die andere Männer noch daran erinnern, dass sie Männer sind. Manchmal müssen die Männer auch die Frauen daran erinnern, dass Sexualität ein Lebenselixier ist. Insofern hat die ganze Debatte Sinn!

Re: Keine abwertende Bemerkungen

Und vor allem sollte man auch die Mehrheit der Frauen daran erinnern, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser keifenden Emanzen Lesbierinnen sind, die eben ein gestörtes Verhältnis zum anderen Geschlecht haben.Laßt euch nicht von dieser Minderheit in Geiselhaft nehmen!!

Re: Re: Keine abwertende Bemerkungen

Ja, das haben viele Frauen, nicht nur Lesbierinnen. Leider ist das gestörte Verhältnis zum anderen Geschlecht schon sehr verbreitet.

Für Gleiche Rechte

und Pflichten, soweit dies überhaupt möglich ist, würde ich zwischen Mann und Frau auf jeden Fall eintreten.
Dass wir einen halbwegs normalen Umgang miteinander pflegen, ist aus meiner Sicht, ein großes Plus in europäischen Ländern. Weder herrscht hier die puritanische Verlogenheit der USA, noch die Unterdrückung aus religiösen Gründen, die auch hier Jahrhunderte lang unser Begleiter waren.

Ob Journalistinnen allerdings Frauen nicht einen Bärendienst erweisen, wenn sie möglicherweise aus Mangel anderer Möglichkeiten Gesprächsthema zu werden, sich auf einen Vorgang stürzen, der, sollte sich die Dame beleidigt gefühlt haben, leicht von ihr selbst erledigt hätte werden können.

Mir gefällt diese Entwicklung nicht und wirkliche Übergriffe werden dadurch dann nicht mehr ernst genommen.

Re: Für Gleiche Rechte

Ist voll zu unterstreichen!

Macht der Medien

Eine, angeblich, getätigte Aussage vor EINEM JAHR in einer Bar medial so zu verbreiten, zeugt von der Macht linksgrünen Journalisten im deutschsprachigen Raum.

Der Auswuchs Gender Mainstreaming läßt grüßen.

Das Spiel der Geschlechter durfte immer von beiden gespielt werden. Jetzt offensichtlich nur mehr von Frauen in Form von Aussagen und aufreizender Bekleidung.

Viele der im Artikel genannten Aussagen haben nichts mit Sexismus zu tun, sondern sind nur ein Ausdruck davon, keine anderen Angriffsmöglichkeiten gegenüber dieser Person zu haben. Also schlicht und ergreifend ein Anzeichen von Dummheit.


Re: Macht der Medien

Fundamentalfeminismus ist eine besonders lächerliche Sonderform der Dummheit !!

Der Verschwender

Ich wünsche mir die in der gegenwärtigen Grapsch-Debatte von Frau Hei-Ho gezeigte Hartneckigkeit und Nachdrücklichkeit auch bei den Verhandlungen zum neuen Lehrer-Dienstrecht! Da wären echte Lorbeeren zu verdienen ..

Populisten(innen)-Programm VERHETZUNG

Das "Gegeneinander-­Aufhetzen" ist eine bewährte Taktik, von wirklichen zu lösenden Problemen abzulenken. Man rechnet mit dem Stammtischgehab­e des DUMMVOLKS, wie auch jetzt bei der Sexismus-Debatt­e (lauter "Debatte"). Ich kenne das von den Bürgerinitiativ­en her - man schickt parteizugehörig­e Störer, die das Thema zerpflücken.
Abhilfe: Man nennt die Störer während der Veranstaltung beim Namen und gibt ihre Zugehörigkeit an. Dann verschwinden sie schnell wie der Teufel mit Abgas.

Ich selbst fühle mich durch die sexistische Bekleidung der meisten Frauen belästigt, die unappetitlichen Flinserln, die Plastikbusen, die N...lippen usw.
Als Proletarier bin ich für "Arbeitskleider", aber wer arbeitet denn noch in der JUSTFUN-Gesellschaft?!

Unter sexistisches Verhalten fällt m. E. auch das altkommunistische Begrüßungszeremoniell "Bussi links - Bussi rechts". Nach der Seuchenvorbeugung werden auch eine Reihe von Krankheiten (Schnupfen, … weiterlesenGrippe, ...) übertragen.
Sexistisch ist auch das Tragen von Bekleidung, die Männer dazu animiert, sexistische Handlungen zu begehen.

In den 68ern haben wir diese Probleme nicht gehabt: Mao Tse Tung - Look für alle und freie Liebe.

Du meine Güte!

Unglaublich, manche Kommentare hier!
Super-Niveau.
Könnten glatt zum Akademikerball, so gebildet.

wieso "glatt" ?

LOOOOOOOOOOOOOL

Re: Du meine Güte!

Bildung würde heißen, dass man solche Artikel nicht abdruckt und dieses Gender-Denken aus allen Bereichen entfernt und sich auf die wesentlichen Bereiche beschränkt.

Sie haben völlig recht!

Diese saublöde Genderitis kann man nur durch Übersteigerung ad absurdum führen !!!

Dieser ganze Unsinn

wird die Frauen wieder da hin bringen, wo sie angefangen haben.

Was

Sagt eigentlich der Grüne Lunacek in Brüssel zum Thema?

Meine Schneefrau ist jetzt fertig!

Dolly Buster war mein Modell. Leider ist die Oberweite größer geworden als zulässig. Werde es der HeiniHusch leider schweren Henrzens beichten müssen. Auch der Allerwerteste schaut knackig, griffig und gut aus. Wäre ich ein Hrdlitschka würde ich eine Medaille erhalten. Da ich aber nur ein nichtgeförderter Nichtkünstler bin, werde ich sicher von den MinisterInnen geächtet! Aber ich schei* drauf.

Der Mann ist nun einmal, genauso wie die Frau, auch nur ein Mensch,

der eben manchmal blöd daherredet !

haben

wir wirklich keine anderen probleme ? jeder normale, halbwegs zivilisierter mann, jede normale, gebildete frau haben diese sorgen nicht und wenn sind sie sehr schnell erledigt. mir geht dieses permanente ausspielen mann gegen frau sehr auf die nerven.

Re: haben

ist doch gewollte ablenkung von den wirklichen problemen.

jämmerliche waschlappen

beherrschen hier das thema. können wohl nur mehr mit verbalem unrat ihre männlichkeit unter beweis stellen? alle rotstrichler bestätigen meine these!

Und eine keifende Kleinschreiberin

bemüßigt sich als politisch korrekte Zuchtmeisterin! Einfach lächerlich !

Tschuldigung!

Habe aus Versehen Grün angeklickt.
Überlegen wir Ihr Posting einmal aus Sicht der Gleichberechtigungsbrüller:

Jämmerliche Waschlappinnen!
Beherrschen hier das Thema, können wohl nur mehr mit verbalem Unrat ihre Weiblichkeit unter Beweis stellen?

jämmerliche waschlappen

biedern sich wohl aufgrund physischer Insuffizienzen bei den Flintenweibern an, um wenigstens ein bißchen Aufmerksamkeit außerhalb der teuren Therapiestunden zu bekommen.

Wo bleibt der Boris


 
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