Piraten-Spitzenkandidat: "Wir wollen zehn Prozent"

03.02.2013 | 17:15 |  von Ulrike Weiser (DiePresse.com)

Der 26-jährige Oberösterreicher Mario Wieser führt die Piraten als Spitzenkandidat in die Nationalratswahl. Im Interview spricht er über seine Ziele und "das alte Piraten-Problem".

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Seit wann sind Sie überhaupt bei den Piraten?
Mario Wieser: Ich bin seit 1. April 2012 dabei. Ich bin durch die Vorratsdatenspeicherung und die ACTA-Thematik (Anm.: Anti- Produktpiraterie-Handelsabkommen) auf die Piraten aufmerksam geworden. Ich war vorher noch nie politisch aktiv. Seit Mai bin ich einer von fünf oberösterreichischen Piratenvorständen. Jetzt verbringe ich meine ganze Freizeit (Anm.: Wieser ist im Brotberuf technischer Angestellter) mit den Piraten. Um etwas weiterzubringen.

Die Piraten haben sich der Vergangenheit den Ruf erarbeitet, ziemlich zerstritten zu sein ....
... das ist das alte Piraten-Problem. Wer Transparenz vorlebt, trägt auch Streitereien nach außen. Aber es wird konstruktiver gearbeitet, als es die lauteren Debatten vermuten lassen.

Vom alten Vorstand der Piraten wurde mit einer Ausnahme niemand auf die ersten Listenplätze gewählt, stattdessen finden sich viele sehr junge Kandidaten. Sie selbst sind 26 Jahre alt, der Viertgereihte ist erst 17. Ein Machtwechsel an der Spitze?
Ja, wir werden den Altersschnitt ein wenig drücken. Aber vom alten Vorstand sind einige für die Wahlliste gar nicht angetreten. Die wollen sich auf andere Dinge in der Partei konzentrieren.

Sie haben Vorratsspeicherung als Ihr Thema Nummer eins erwähnt - ist das dann auch das Thema, mit dem die Piraten in den Nationalratswahlkampf ziehen wollen?
Ich habe bei der Themenwahl genau soviel Stimmrecht wie alle anderen 400 Piraten. Bei uns geht nichts ohne Basisdemokratie. Vorratsdatenspeicherung wird aber sicher ein Thema sein.

Verstehen sich die Piraten noch immer irgendwie als "Internet-Partei"?
Wir kommen aus dem Internet, es ist unser wichtigstes Werkzeug. Aber es ist nicht unser wichtigstes Thema.

Was ist aus Ihrer Sicht das zentrale Thema?

Transparenz in die Politik zu bringen.

Das sagen alle und es klingt immer vage. Was heißt das konkret?
Man muss alles offen legen, damit die Bürger wissen, was sie entscheiden. Nationalratsausschüsse müssten prinzipiell öffentlich tagen. Es geht aber auch um Beteiligung, mehr direkte Demokratie

Apropos Beteiligung: Warum finden sich auf den Topplätzen kaum Frauen?
Auf dem fünften Platz ist eine Frau. Wir kommen aus der Technik, der Bereich ist sehr männerlastig. Wenn wir uns breiter aufstellen, kommen auch mehr Frauen. Man muss den Frauen die Politik noch schmackhaft machen und auf sie zugehen.

Es gab zuletzt eine Debatte über Sexismus in der Politik, samt breitem Echo auf Twitter. Ausgelöst wurde die Diskussion von einem Artikel einer "Stern"-Reporterin über den FDP-Politiker Rainer Brüderle. Kurz davor schrieb aber eine "Spiegel"-Autorin über ihre schlechten Erfahrungen mit der Piratenpartei und schildert wie sie im Internet zur Prostituierten gestempelt wurde. Wie sehen Sie den Fall der deutschen Kollegen?
Uns ist Gleichstellung wichtig. Ich glaube, wenn man sie lebt, ist Sexismus irgendwann gar kein Thema mehr. Ich habe den deutschen Fall nur am Rande mitbekommen. Wir haben momentan sehr viel zu tun.

Stimmt. Es gibt heuer mehrere Wahlen. Welches Ziel setzt sich die Piratenpartei bei der Nationalratswahl?
Am Schluss muss natürlich der Bundeskanzler stehen.

Und ernsthaft?
Realistisches Zwischenziel sind bis zu zehn Prozent. Das wollen wir auch erreichen und wir wollen bei den Unter-30-Jährigen Nummer eins werden.

Ambitioniert. Wie sieht es in den Ländern aus?
In Niederösterreich treten wir nur in einem Bezirk an. In Kärnten hätten wir wie im Bund auch gern zehn Prozent, in Tirol und Salzburg treten assoziierte Parteien an. Aber da sollten auch jeweils zehn Prozent möglich sein,

Wahlkämpfe sind teuer. Welche Mittel haben Sie für den Nationalratswahlkampf?
Auf dem Konto haben wir derzeit, glaube ich, 750 Euro. Unser Wahlkampf in Graz hat etwa 5000 Euro gekostet. Für den Nationalratswahlkampf wird es etwas mehr sein - hoffe ich.

Mario Wieser
Die Piratenpartei hat am Wochenende in Klagenfurt bei ihrer Bundesversammlung ihre Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl im Herbst gekürt. Als Listenerster geht der 1986 geborene Mario Wieser aus Sattledt in Oberösterreich ins Rennen. Der Elektroniker setzte sich bei der internen Wahl durch.

 

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

92 Kommentare
 
12 3

die Piraten haben 30% Potential, nämlich ...

... jene Unzufriedenheit, die durch die heutigen BerufsPolitikerInnen seit den 1990er Jahren stetig aufgestaut wurde. http://orf.at/stories/2172421/2172422/
bzw. http://derstandard.at/1363239455339/Abgehoben-in-der-Neosphaere

(und wenn sogar einer AfD 20% Potential nachgesagt wird, die direkt ans
-- denn das bedeutet ja der Euro in der Realität des Alltags --
billige Urlaubsgeld in Südeuropa geht ...)

Und für mich sind sie nicht Träumer sondern schlicht wählbar: nicht weil sie morgen die Mehrheit haben werden, sondern weil sie reale und gute Grundsätze haben http://wiki.piratenpartei.at/wiki/Grundsatzprogramm (an denen die heutigen Korruptionisten nicht so einfach vorbeikommen werden können)

Zehn Prozent?!

Auch wenn die Piraten was einige Inhalte angeht, vernünftigere Politik als die Grünen zu betreiben, 10% schaffen Sie sicher nicht.

Weil in Wahrheit werden auch die Grünen es wirklich schwer haben die 10% Latte wieder zu überschreiten (auch wenn man in Umfragen immer wieder von 12-15% liest....was ja NOCH NIE NACH DER WAHL passiert ist!).

Dennoch: Um den Grünen Stimmen wegzunehmen sind Sie gut genug. Das antreten, auch wenn diese Partei gesellschaftspolitisch einige alles andere als gute Forderungen hat (z.b. wollen die Piraten Marihuana legalisieren=>wie die Grünen ), ist muss ich ehrlich gesagt sagen eine größere Parteienauswahl doch ein Segen für die Demokratie.
Auch wenn ich wie gesagt nichts mit den Piraten anfangen kann!

4 0

Kauft euch eine Pirateninsel von LEGO

Liebe Buberln und Mäderln dort könnt ihr eure Phantasien ausleben ohne jemand zu schaden.
Vor allem habt ihr dabei keine Probleme mit der Finanzierung.
Schiff Ahoi !!!!!

Es ist schon interessant...

...was hier so geschrieben wird. Da wird auf die Parteien, die heute an der Macht sind, geschimpft und gemault dass sich die Balken biegen. Wenn aber eine junge Partei daherkommt, die noch nicht so durchgefönt wie ein Grasser oder so stockkonservativ wie die ÖVP ist, dann ist das natürlich auch nix.

Weil das eh alles nichts werden kann und überhaupt, das mit der Basisdemokratie ist eh ein Schmarren. Die Abstimmung über die Wehrpflicht hat das Verständnis zu direkter Demokratie in diesem Land wieder mal gut gezeigt. Ja, so sind sie halt, die Österreicher. Die NZZ beschreibt uns da sehr schön: http://www.nzz.ch/aktuell/international/oesterreich-will-mehr-demokratie-wagen-1.17976526). Besonders dieses Zitat hat es mir angetan:

"Österreich ist eine durch und durch konservative Nation, auch wenn sie sich zur Hälfte kämpferisch-sozialistisch gibt. Österreich, so lautet das geflügelte Wort, blicke immer optimistisch in die Vergangenheit."

Besser könnte man ein Land nicht beschreiben, wo nicht die Besten im Nationalteam spielen, sondern die "Richtigen" (http://diepresse.com/home/sport/fussball/euro2008/379416/). So wie in der Politik.

Re: Es ist schon interessant...

Die NZZ und insbesondere Herrn Ritterband sollten Sie nicht allzu ernst nehmen. Der feine Herr ist bereits mehrmals durch sein anmaßendes Unwissen über Österreich aufgefallen. Alleine wenn man an seine Schwachsinnskommentare bei den Kriminalfällen Fritzl und Priklopil bedenkt qualifiziert sich praktisch jeder Artikel von Ritterband als unseriöses, nach Aufmerksamkeit gierendes Machwerk.

Gerade die Schweiz bzw. deren Medien sollten übrigens beim Vorwurf der Nostalgie und Vergangenheitsverklärung vorsichtig sein. In der Schweiz ist man nicht progressiver oder offener als in Österreich. Wenn man dieses Lügengebäude um Neutralität, EU etc. bedenkt sind Schweizer auch nur verkappte Österreicher.

1 0

Re: Es ist schon interessant...

Auch wenn nicht alles rund läuft in Österreich und Veränderungsbedarf besteht:
Kommunismus, wie ihn die Piraten in deren Foren romantisch bezirzen, ist nicht die Lösung.
Und auch nicht eine Diktatur der jeweiligen Mehrheit übers Internet.

2 4

Eine weitere sozialistische Partei

braucht Österreich so dringend wie eine Pestepidemie.

3 6

"Kaum wahrnehmbar".

Und das ist gut so.
Eine gute Idee wurde von Digitalkommunisten gehijagged.

5 7

Je mehr Programm und Ideen bekannt werden,

desto unwählbarer werden sie.

Anfangs habe ich sie für eine demokratische Delegiertenpartei gehalten, die den Wählerwillen via Internet ins Parlament tragen. Wozu brauchen sie da ein Programm? Sind ja doch nur Grüninnen.

Hahahaha

10% erwarten sie sich.

Der Witz war gut. Und wenn die allen Ernstes 10 % bekommen sollten wandere ich definitiv aus. Denn dann ist Österreich nicht mehr weit entfernt vom Untergang.

Re: Hahahaha

Bei den Unter-30-Jährigen stehen wir Piraten laut SORA bei 12% – das Potential ist also gegeben, da unsere Kernthemen (Politikreform mit Transparenz & Mitbestimmung, Bürgerrechte, soziale Absicherung) keine Klientelthemen für Junge, sondern für alle relevant sind.

1 1

Re: Re: Hahahaha

Kein Wunder bei den unter 30 jährigen wenn man bedenkt das die Anzahl der Schulabgänger Probleme mit rechnen lesen und dieses auch noch verstehen haben,deren Anzahl im steigen ist .

Re: Re: Hahahaha

Ein Potential von 12% bei den Unter-30jährigen heisst nicht, dass die Piraten 10% bei der NR-Wahl erreichen. Sie scheinen wenig Ahnung von der Wahlarithmetik zu haben.

Re: Re: Re: Hahahaha

12% ist nicht ein theoretisch erreichbares Potential bei U30, sondern der konkrete, aktuelle Wert ("Wie würden Sie diesen Sonntag wählen") – wobei da natürlich die Schwankungsbreite recht groß ist.
Da die Themen aber nicht nur U30 betreffen, halte ich mit richtiger Kommunikation und Glaubwürdigkeit ähnliche Werte auch bei anderen Bevölkerungsschichten für erreichbar.

Re: Re: Re: Re: Hahahaha

Hahahaha. Träumen sie weiter. Am Wahltag werden sie dann aufwachen.

Eines bin ich mir sicher. Die Piraten werden genauso schnell von der politischen Bühne verschwinden wie sie aufgetaucht sind.

Re: Re: Hahahaha

Wie gesagt: Sollte diese Partei jemals mehr als 8 % bekommen wandere ich aus. Ich hätte damit nicht wirklich ein Problem, ich lebe lediglich 20 km von der westlichen Grenze entfernt.

Re: Re: Re: Hahahaha

vielleicht wäre es auch besser, wenn visionslose menschen wie sie, die glauben, dass es in österreich ohne einem wachrütteln in der politik auch nur irgendwie wieder bergaufgeht oder sich die dummheiten die die regierung fabriziert gefallen lassen, auswandern. vielleicht heute noch?

Re: Re: Re: Re: Hahahaha

Sie bezeichnen ausgerechnet mich als visionslos? Sie haben nicht mal die geringste Ahnung wovon sie daherschwafeln. Wachrütteln finde ich richtig und ist gut. Aber dazu brauchen wir in Österreich keine Chaotenpartei.

naiv, unterbelichtet und weitgehend ohne programm

wer solche chaoten wählt, ist selbst schuld. traurige aussichten: stronach, die grünen, diverse altparteien mit steuer- und korruptionsskandalen...

Re: naiv, unterbelichtet und weitgehend ohne programm

warum hängen sich die leute an den programmen auf?
sieht denn niemand ein, dass die partein, die heute im nationalrat sitzen, veraltete programme haben die dringend überholt werden müssen?
und genau die piraten daran arbeiten sinnvolle programme zu entwickeln im zuge eines dialogs in dem jeder mitentscheiden kann, und deswegen diese nicht von heute auf morgen herbeigezaubert werden?

Re: naiv, unterbelichtet und weitgehend ohne programm

Man hat in Österreich lediglich die Wahl zwischen Pest und Cholera.

na Schau ma mal ....

... dann. sehen wir schon

Wählt für Landtag nur Parteien, welche die Landesgesetze abschaffen!

Die Bürger dürfen bei den nächsten Landtagswahlen keine Parteien mehr wählen, welche nicht den Ersatz aller Landesgesetze durch Bundesgesetze im Programm haben. Neue Parteien wie die Piraten, NEOS oder die RDÖ müssen diese Forderung stellen, da die bisherigen Parteien unfähig für Reformen sind!
Es müssen alle Landesgesetze in einem 10-Jahresplan durch Bundesgesetze ersetzt werden, um damit ca. 15-25 Mrd. € pro Jahr einzusparen!
Stimmen Sie daher für den Ersatz aller Landesgesetze durch Bundesgesetze in einem 10 Jahresplan:
http://forum.rdoe.at/index.php?page=Thread&threadID=13

Stimmen Sie für Maastricht-Zielerreichungs-abhängige Gehaltskomponenten bei Politikern!
Beamtengehältererhöhung über 5000€ darf es nur mehr bei Staatsausgabenabbau um 1% geben!
Stimmen Sie darüber ab: http://forum.rdoe.at/index.php?page=Thread&threadID=58

4 6

Die Erlöser kommen

Aber siehe da wer selber gerne am Futtertrog des Steuerzahlers Platz sucht will diesen natürlich nicht verkleinern . Aus dem Parteiprogramm der Truppe:
Die Piratenpartei Österreichs spricht sich explizit gegen eine Reduktion der Anzahl der Nationalratsabgeordneten von 183 auf 165 Personen aus.
Die Reduktion bringt einerseits keinerlei nennenswerten Einsparungen, da sie auf eine Erhöhung der den Abgeordneten zuarbeitenden parlamentarischen Mitarbeiter hinauslaufen wird, schwächt aber andererseits Oppositions- und Kleinparteien, die für die Kontrollwirkung im politischen Prozess von hoher Bedeutung sind.

Re: Die Erlöser kommen

Ist auch richtig so, das Parlament gehört eher vergrößert, es ist kein wesentlicher Kostenfaktor und wenn es nur mehr ein paar Abgeordnete gibt, kann man es gleich Diktatur nennen.


2 1

Re: Re: Die Erlöser kommen

Vergessen mit dem Clubzwang bei den Abstimmungen haben wir eher eine Scheindemokratie.
Oft ist eben weniger mehr !
So wie es auch in der Privatwirtschaft gilt lieber wenige GUTE als mehr DURCHSCHNITTLICHE.
Klasse statt Masse !!

 
12 3

Umfrage

  • Sollen U-Ausschüsse im TV übertragen werden?
  • Ja, das schafft mehr Transparenz.
  • Nein, dann verkommt der U-Ausschuss zur Show.
  • Weiß nicht; egal.

Mein Parlament

AnmeldenAnmelden