Doppelpass: VP-Südtirol-Sprecher schlägt Volksabstimmung vor

06.02.2013 | 18:07 |   (Die Presse)

Martin Graf will die Doppelstaatsbürgerschaft zur Koalitionsbedingung machen, laut Hermann Gahr müssen die Südtiroler abstimmen. Landeshauptmann Luis Durnwalder hält das aber nicht für besonders sinnvoll.

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Wien/Ib. Erst am Wochenende hat der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) die Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler in Österreich als Koalitionsbedingung genannt: „Eines kann ich schon sagen, das könnte eine Fahnenfrage für eine Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen Partei sein“, sagte er zur APA. Und nun – da sich SPÖ und ÖVP über ein neues Staatsbürgerschaftsgesetz geeinigt haben – fordert FPÖ-Südtirol-Sprecher Werner Neubauer: „Wenn man schon eine groß angelegte Gesetzesänderung vorhat, sollte man das gleich mitnehmen.“ Schaffe es die FPÖ nach der Wahl tatsächlich in die Regierung, werde man die Südtirol-Frage auf jeden Fall „verpflichtend in das Regierungsprogramm nehmen“.

„Man muss vorher in Österreich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Bevölkerung so eine Neuerung akzeptiert“, meint ÖVP-Südtirol-Sprecher Hermann Gahr allerdings dazu. Und macht einen anderen Vorschlag: „Es wäre wichtig, dass zuerst in Südtirol eine Volksabstimmung dazu gemacht wird.“ Südtirol müsse mit dem Anliegen erstmals offiziell an Österreich herantreten.

Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder hält das aber nicht für besonders sinnvoll: „Vorstellen kann man sich zwar alles“, meint er zur „Presse“. „Aber wenn man dazu eine Befragung machte, wären wohl 100 Prozent dafür.“ Denn wer sei schon dagegen, etwas dazuzubekommen? Allerdings: Wenn eine Doppelstaatsbürgerschaft rechtlich möglich wäre, sei es ihm nur recht. „Ich wäre der erste, der um sie ansuchen würde.“

 

Durnwalder: „Kein Liebesentzug“

Aber es sei nun einmal eine sehr heikle Thematik, bei der man Rechte und Pflichten genauestens klären müsste. Und: „Wir betrachten das sicher nicht als Liebesentzug, wenn das nicht geschieht“, so Durnwalder. Neubauer hält dazu fest: Die Expertengruppe im Parlament sei schon vor Monaten zu dem Schluss gekommen, dass mit einer einfachen Mehrheit eine Doppelstaatsbürgerschaft beschlossen werden könnte. Das letzte Treffen dazu gab es im September.

Zusammen mit ÖVP-Südtirolsprecher Gahr wollte er, Neubauer, eigentlich einen Katalog mit den wichtigsten Eckpunkten rund um die Doppelstaatsbürgerschaft erstellen. Doch dazu sei es schließlich nicht gekommen. Gahr gibt zu, dass man dies vor der Südtiroler Landtagswahl im Herbst nicht mehr zum Thema machen wolle. Und gibt auch zu bedenken: „Ist eine solche Doppelstaatsbürgerschaft in Europa wirklich notwendig?“ Hier gebe es nun einmal unterschiedliche Standpunkte. Außerdem gebe es auch andere Minderheiten, die dann ähnliche Forderungen stellen könnten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2013)

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75 Kommentare
 
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Politiker sind Dummköpfe

... und diese Dummköpfe lösen alle Probleme der Welt, nur nicht die der Österreicher!

Probleme

Na wir haben aber Probleme, unfassbar.

lustige Diskussion...

Wir ÖsterreicherInnen diskutieren darüber ob südtiroler österreichischer Nationalität sind oder nicht.

Ich sage Ihnen: Den Südtirolern und Südtirolinnen ist das so wichtig, wie die Angelegenehit mit dem Sackreis in China.

Im Gespräch mit Südtirolern

hatte ich sehr oft den (für mich enttäuschenden) Eindruck, daß sie sich Österreich nicht besonders zugehörig fühlen. Beim Fußball sind sie entweder für Deutschland oder für Italien. Warum sollen sie plötzlich einen österreichischen Paß erhalten? Vermutlich bin ich ein Kleingeist.

Re: Im Gespräch mit Südtirolern

ich mutmaße: Bei einer Volksabstimmung in Südtirol würde eine satte Mehrheit für Italien herauskommen! Die Menschen wollen keine Veränderungen.

Re: Re: Im Gespräch mit Südtirolern

Das denke ich auch, wozu dann Sonderrechte in Österreich?

Re: Im Gespräch mit Südtirolern

Tiroler sind in erster Linie Tiroler. Dann kommt lange gar nix. Dann kommt das Geschäft. Ein intelligentes Völkchen also.

Re: Re: Im Gespräch mit Südtirolern

Eine derartig engstirnige Geisteshaltung empfinde ich, mit Verlaub gesagt, als nicht besonders attraktiv.

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Re: Im Gespräch mit Südtirolern

Richtig beobachtet! Auch mir hat schon vor Jahrzehnten ein Besuch in Südtirol fast alle brüderlichen Gefühle ausgetrieben!
Allerdings, und das zu ihrer Entlastung, sie sind wie alle Fremdenverkehrsregionen identitätsgestört!
Gibt aber eine Alternative: Fahren Sie ins Trentino! Nette Leute, gutes Essen, passablen Wein und eine kulturelle Dichte, die bemerkenswert ist!

Re: Re: Im Gespräch mit Südtirolern

Trentino war immer Teil Tirols. Und was die Tiroler betrifft, sowohl Andreas Hofer als auch Franz Raffl waren Tiroler. Es gibt also solche und solche, wei beinahe ueberall....

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Re: Re: Re: Im Gespräch mit Südtirolern

Kommt darauf an, was Sie unter "immer" verstehen! Es war jedenfalls Bestandteil des mittelalterlichen Herzogtums Bayern und kam im 14. Jahrhundert unter den Einfluß der Grafschaft Tirol. Das ist aber kein Besitz! Anfang des 16. Jahrhunderts "kassierte" Kaiser Maximilian Teile des Landes, die wurden so "österreichisch". 1803 kam der Rest nach Aufhebung des Erzstiftes hinzu, aber erst seit 1815 war es Bestandteil der österreichischen Provinz Tirol! So "immer" war's also nicht!
Und zur Erinnerung: Österreicher waren die Trentiner ganz gute, bis man ihnen das gründlich und mit kräftiger Tiroler Mithilfe ausgetrieben hat!

Re: Re: Re: Re: Im Gespräch mit Südtirolern

Ein wesentlicher Faktor beim Tod der Monarchie war sicher dieser strohdumme Deutschnationalissmus. Beinahe so schlimm wie der Tschechische, der allerdings noch durch die Hussitische Komponente verstaerkt wurde. Ich halte von den Tirolern nicht gar so viel, die Kaerntner waren immer die besseren Patrioten.

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Da mangelt es an Grips..

.. Tschechen, Slowaken, Ungarn, Slowenen, Kroaten gehörten zwar zur Monarchie, waren aber nicht Teil des österreichischen Kulturkreises. Die Südtiroler schon.
Da kann man nur sagen: "heri3" ist doch dümmer als der Organ…

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Re: Da mangelt es an Grips..

na servas,
da habe ich wohl in ein blaies fettnäpfchen getreten.
aber wie ist es dann mit den untersteirern,die waren seit anbeginn steirer,
und was machen wir mit den burgenländern?
die waren doch bis 1919 ungarn,nehmen wir ihnen die österreichische staatsbürgerschaft weg!

Re: Da mangelt es an Grips..

Wie bitte? Ich fuehle mich bei katholischen Kroaten weit mehr zu Hause als bei calvinistischen Norddeutschen!

Re: Re: Da mangelt es an Grips..

Nun, wenn Sie den Fortschritt meiden, dann bleibt das ganz Ihnen überlassen.

Die ganze Diskussion hat sich sowieso eines Tages erübrigt, wenn der Europapass eingeführt wird.

Apropos Calvinismus:
Calvin galt alles Menschenwerk, sogar die Glaubensentscheidung und nicht zuletzt der Kultus der katholischen Kirche mit Sakramenten, Reliquien oder Ablass als Versuche, die Souveränität Gottes einzuschränken und an Irdisches zu binden.

Und apropos Nordeuropa und Nordamerika resp. Australien:
Dort, wo die Fortschrittlichen beheimatet sind, wo die protestantischen bzw. anglikanischen Mehrheiten zuhause sind sozusagen, dort ist die moderne, prosperierende, freie und hochtechnisierte Welt ebenfalls beheimatet.

Wohlauf denn, viel Spaß in Kroatien beim Ziegen hüten und Urlauber bedienen.

Re: Re: Re: Da mangelt es an Grips..

Die Calvinistische Diktatur in Genf ist also ganz nach dem Geschmack der heutigen LINKEN Hussiten.

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ich verstehe die welt nicht mehr?

jetzt bekommen die norditaliener die österreichische staatsbürgerschaft,dann die tschechen,slowacken,ungarn,slowenen und kroaten.
sie alle waren doch einmal österreicher.
die övp ist doch dümme als der orban in ungarn!

Re: ich verstehe die welt nicht mehr?

NATUERLICH soll das so sein, das waren ALLE Oesterreicher und so sollen sie wieder welche sein! Sonst muesste man den meisten Wienern den Pass entziehen....

Re: Re: ich verstehe die welt nicht mehr?

In welcher Zeit sind denn Sie hängen geblieben?
Ich schätze irgendwo zwischen 1809 und 1918.
Sie müssen ja uralt sein, weil ewiggestriger wie Sie kann man tatsächlich nicht mehr denken.
Wir schreiben aber das Jahr 2013. Die "Verbrüderung" ist in Zukunft in einem Bundesstaat Europa zu haben oder gar nicht.

Re: Re: Re: ich verstehe die welt nicht mehr?

Den Bundesstaat Europa hatten wir schon in der schoenen Zeit bis 1914. Ohne die Englaender und Franzosen, die immer nur Unheil und Unfrieden gebracht haben.

Re: ich verstehe die welt nicht mehr?

südtirol kann man doch niemals mit ungarn etc. vergleichen

Was mich stärkstens interessöre:

Sind die männlichen Südtiroler dann auch der Wehrpflicht unterworfen? Oder müssen Sie weder zur Musterung noch einrücken, da sie außerhalb des österreichischen Staatsgebietes hausen?

Re: Was mich stärkstens interessöre:

Allein aus diesem Grund werden die sich hüten die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Die sind doch nicht blöd!
Die fragen sich sowieso, was das denn für Vorteile hätte, so eine Staatsbrügerschaft, wo sie als Europäer sowieso Arbeits- und Niederlassungsrecht in allen europäischen Staaten haben. Und wie ich die Südtiroler kenne, reicht denen das vollauf :-))

Re: Was mich stärkstens interessöre:

Wenn sie hier studieren wollen, sollen sie auch Wehrdienst leisten. Part of the game.

Re: Re: Was mich stärkstens interessöre:

In oesterreich oder in italien?

 
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