»Die ÖVP hat sich weiter von den Grünen weg entwickelt«

09.02.2013 | 18:20 |  von Julia Neuhauser (Die Presse)

Der grüne Landesrat Rudi Anschober lobt die schwarz-grüne Koalition in Oberösterreich. Was den Bund betrifft, ist er skeptisch.

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Sie sind in Oberösterreich in einer schwarz-grünen Koalition. Hat die Bundespartei 2003 einen Fehler gemacht, indem sie die Verhandlungen mit der ÖVP platzen ließ?

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Rudi Anschober: Das Problem waren die Abfangjäger. Dadurch wurden Milliarden vernichtet. Im Nachhinein hat uns die Geschichte recht gegeben, hier die Verhandlung abzubrechen.

Damit saßen die Grünen in den vergangenen zehn Jahren weiter in der Opposition fest.

Deshalb ist es nun unser Ziel, auch im Bund Regierungsverantwortung zu übernehmen. Wir sind ja nicht in der Opposition pragmatisiert. Die Chancen stehen gut, dass das nach der nächsten Nationalratswahl auch gelingt.

Grünen-Chefin Glawischnig hat ein Ziel von 15 Prozent für die nächste Nationalratswahl vorgegeben. Das ist ein Zuwachs von 50 Prozent. Ist das nicht völlig illusorisch?

Das ist durchaus erreichbar. Das Ziel der Grünen muss eine Zweierkoalition sein. Da sind die 15 Prozent eine Latte, die es zu erreichen gilt. Die Alternative zu einer Koalition mit den Grünen wäre eine Fortsetzung des derzeitigen Trauerspiels oder eine Koalition der Straches und Stronachs. Und da frage ich mich, wer das haben will?

Sie schließen also auch eine Dreierkoalition mit dem Team Stronach aus?

Ich sehe bei dieser Partei kaum Inhalte. Außerdem wird sie ausschließlich von oben geführt wird. Das widerspricht unserer demokratiepolitischen Kultur.

Im Bund scheinen auch schwarze und grüne Inhalte weit auseinander zu liegen.

Sicher ist das auf Landes- und Bundesebene unterschiedlich. Im Land behandeln wir viele Themen – etwa die Gesamtschule – nicht, die Schwarz-Grün im Bund trennen. Schwarz-Grün wird im Bund auch schwierig, da sich die ÖVP seit dem Abgang von Josef Pröll immer weiter von den Grünen weg entwickelt und immer reformunfähiger wird.

Ist damit eine Koalition mit der Spindelegger-ÖVP keine Option?

Ich gebe keine guten Ratschläge aus Linz. Ich kann nur sagen, wir sind in Oberösterreich sehr erfolgreich.

Sie können Tipps geben und erklären, warum es in Oberösterreich gut funktioniert.

Man muss die grüne Handschrift deutlich sehen. Wir haben es in Oberösterreich geschafft, die grünen Reformthemen niederzuschreiben und umzusetzen. Schwarz-Grün eint in Oberösterreich die Nachhaltigkeit in der Finanzpolitik. Wir haben gelernt, an der Vereinbarkeit von Umwelt und Wirtschaft zu arbeiten.

Welche Themen trennen sie?

Sozialpolitische und menschenrechtliche Fragen. Und wir wünschen uns von der ÖVP mehr Offensive in der Bildung.

Eine persönliche Frage: Sie sind bereits drei Monate nach ihrem Burn-out wieder zurückgekehrt. Es wurde gemunkelt, dass das zu früh war. Sind Sie fit genug?

Zu früh war es nicht. Ich fühle mich jede Woche stärker. Bis Ostern möchte ich wieder voll und ganz der Alte sein. Oder vielmehr: noch stärker als früher. Ich habe meine Lektion gelernt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2013)

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3 Kommentare
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»Die ÖVP hat sich weiter von den Grünen weg entwickelt«


so wie sich die grünen selbst von den wählern wegbewegt haben, schafft das keine andere partei. diese distanzierung allein der övp anzulasten, zeigt nur die weltfremdheit dieser truppe auf.

Re: »Die ÖVP hat sich weiter von den Grünen weg entwickelt«

Volle Zustimmung.

So einen ähnlichen Kommentar wollte ich auch verfassen. Sie sind mir allerdings zuvor gekommen.

Re: »Die ÖVP hat sich weiter von den Grünen weg entwickelt«

Stimmt die Grünen hatten bei uns auch mal zwei Flügel, die Realisten und die Fundamentalisten.
In den letzten Jahren haben sich aber die Fundamentalisten durchgesetzt.

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