Mafiageld im Wiener "Media Quarter"?

14.02.2013 | 18:24 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Ein Gericht sieht den Verdacht erhärtet, dass der Ex-Botschafter Kasachstans in Österreich, Rakhat Shoraz, einer Mafiaorganisation angehört hat. Shoraz gilt als Investor des Wiener "Media Quarter Marx".

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Wien. Sie kamen am frühen Morgen des 3.Juli 2012. Beamte des Bundeskriminalamts Wien durchsuchten gemeinsam mit der für den Fall zuständigen Staatsanwältin Bettina Wallner sowohl die Privatwohnung als auch die Kanzlei des Wiener Anwalts L. Ziel der Aktion laut Durchsuchungsanordnung: Sicherstellung von Daten und Dokumenten, aus denen hervorgeht, „bei wem es sich um die wirtschaftlich Berechtigten“ von insgesamt 15 teils internationalen Firmen handelt.

Im Mittelpunkt des Interesses: die Firma A. V. Maximus Holding AG. Über diese war 2007 der nunmehr unter Geldwäscherei- und Untreueverdacht stehende Ex-Botschafter Kasachstans in Österreich, Rakhat Shoraz (vormals Rakhat Alijew), in die Finanzierung des „Media Quarter Marx“ (MQM) eingestiegen.

Beim MQM handelt es sich um jenes Vorzeigeprojekt der Stadt Wien, mit dem die historischen Gründe des früheren Schlachthofes St.Marx durch die Ansiedlung von Medienunternehmen verwertet werden. Eine Nutzung auch durch den ORF wurde überlegt, ist aber derzeit kein Thema. Anwalt L. fungierte als Treuhänder für Shoraz. Und steht auch unter Geldwäschereiverdacht.

Infolge der erwähnten Hausdurchsuchungen werden nun erstmals die von der Staatsanwaltschaft erhobenen Beschuldigungen gegen Shoraz und Co. von einem Gericht zweiter Instanz, nämlich vom Oberlandesgericht (OLG) Wien, als plausibel, teils sogar als erhärtet eingestuft. Im entsprechenden OLG-Beschluss vom 17.Dezember 2012 wird eine Beschwerde des Anwalts L. gegen die Hausdurchsuchungen abgeschmettert.

 

„Beteiligung verschleiert“

Denn: „Tatsächlich besteht aufgrund der Ermittlungen und der anschaulich [...] dargestellten Gesellschaftsgründungen und -verflechtungen [...] der begründete Verdacht, dass über diese Gesellschaften Vermögenswerte, die aus strafbaren Handlungen stammen, gewaschen, sprich deren Herkunft und ihr Verbleib durch umfangreiche Verschiebungen und Investitionen verschleiert werden sollten.“

Das OLG spricht also von „diesen Gesellschaften“. Und: Es sei „evident“, dass die A. V. Maximus Holding AG „eine zentrale Rolle in diesem Firmenkarussell einnimmt“. Das ist interessant. Denn die Maximus ist an der VBM Beteiligungsmanagement GmbH beteiligt. Diese hat 60 Prozent Eigenkapital, privat investiertes Geld, in die Media-Quarter-Errichtung eingebracht: 6,8 Millionen Euro. Die restlichen 40 Prozent (öffentliches Geld) sind über die städtische Technologieagentur geflossen.

Die Staatsanwaltschaft Wien geht gar von undurchsichtigen „Geldtransaktionen“ der Maximus in Richtung VBM aus. Sie hat den Verdacht, „dass die Beteiligung von Dr. Rakhat Shoraz [...] verschleiert werden sollte“. Shoraz lebt nach Aufenthalten in Wien mittlerweile auf Malta (siehe Artikel).

Die Sprecherin der städtischen „Wirtschaftsagentur Wien“, Uschi Kainz, verweist nun auf einen Bericht der Wirtschaftsprüfungskanzlei „Consultatio“ (dessen Resümee liegt der „Presse“ vor): Es werde festgestellt, dass bei Gründung des Media Quarter „alle Sorgfaltspflichten“ erfüllt wurden. Der Geldwäschereiverdacht sei unbewiesen. Eine Investition der Maximus sei indes unstrittig. Allerdings sei seit Längerem nicht Shoraz, sondern dessen Frau „wirtschaftlich Berechtigte“ der Maximus. Das Strafverfahren gegen Shoraz und L. dauert jedenfalls an.

Zur Person

Rakhat Shoraz, vormals Alijew, steht laut Beschluss des Oberlandesgerichts Wien unter dem Verdacht der Geldwäscherei. Der kasachische Ex-Diplomat hat in
den Wiener Mediencluster „Media Quarter Marx“ investiert. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2013)

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61 Kommentare
 
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Lieber Kasachen als Wiener

Wann sperrt man endlich die ganze SP"oe" als Mafiaverein ein?

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Die Berufspolitiker kennen das elfte Gebot:

Sich bei ihren"Dreckgeschäften" nicht erwischen lassen!!!

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wo ist der unterschied?

in wien die mafiösen teile der wiener spö,
in kärtnen die fpk/bzö/fpö,
in salzburg die spö,
in nö die övp

wo verstecken sich die wählbaren alternativen?

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Part of the game

Wie es in der Praxis funktioniert.

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Jede Omama muss nachweisen wenn sie dem Enkel was zukommen lässt

wo sie ihre paar Netsch herhat.
Gegen die Österreicher geht man mit aller Härte vor...

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Re: Jede Omama muss nachweisen wenn sie dem Enkel was zukommen lässt

Der Witz ist, wem sie das nachweisen muss. Da wird der Bock zum Gärtner.

10 0

Re: Jede Omama muss nachweisen wenn sie dem Enkel was zukommen lässt

...wennst die Nationalbank als Partner hast nicht?

13 0

Wieso wundert mich das nicht?

Paulus wurde rehabilitiert, Gabi "Fett ist Nett" Burgstaller steht auf dem Wahlzettel, der Intrige Schlaff darf nicht vernommen werden, die Gattin und ex Nackttänzerin des Ex-Bürgermeisters von Moskau, auf den daheim eine coole Zelle wartet kauft in Tirol die gesamten Spitzenhotels (über Tarnfirmen da das EU Ausländern legal nicht möglich ist) zusammen. In der Wiener Innenstadt wird über Mieten die Boutiquen zahlen die nicht einmal eine Hose im Monat verkaufen mehr Geld gewaschen als in allen Laundromats Österreichs im Jahr. Die Liste ist endlos - genauso lang wie Österreich am Korruptionsindex unten...

nach Schweizer Vorbild

nicht nur dass alles "ausländische" in Österreich investiertes Geld durch brave saubere Arbeit erwirtschaftet wurde, sollte Österreich noch einen Nachweis verlangen, dass dies auch zuvor rechtmässig versteuert wurde.
Beginnen könnte man in Kitzbühel, die Finanzer haben Stempel und drucken auf jeden verdächtigen Euro - Achtung Schwarzgeld, Achtung Bestechungsgeld, Achtung Drogengeld, Achtung Schmiergeld, . . . . . . .

er gehört verhaftet!

Wenn Alijew unter Verdacht steht, wieso kann er seit Jahren seine Freiheit genießen?

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Re: er gehört verhaftet!

Weil er Österreicher ist und die GenossInnen sponsort.

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Mafia-geld in Wien?

Gibt es was anderes?

20 0

die Spur führt zu Häupl

interessant!

6 0

Re: die Spur führt zu Teflon-Häupl

zu wem sonst?

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Re: die Spur führt zu Häupl

und Gusi hat es eingefädelt?

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Re: Re: die Spur führt zu Häupl

wahrscheinlich wie üblich im verschwiegenen "Babylon"

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Re: Re: Re: die Spur führt zu Häupl

Klub neunzig/2.


Unterschied?

Wo ist der Unterschied zwischen der SPÖ und der Mafia? Ich kann auf den ersten Blick keinen erkennen...

Re: Unterschied?

vielleicht hilft ein zweiter Blick, kühn über die Karawanken und ohne Scheuchklappen

15 0

Re: Unterschied?

oh doch - die Mafia funktioniert wie ein Heuschreck. Die von ihnen kontrollierten Unternehmen machen Gewinn auf Kosten der Bürger und sind oft die einzigen Arbeitgeber in einem abgeschotteten und geschützten Bereich.
Oha.
Das ist ja die Wiener SPÖ auch...

Hoffentlich

sind bei dieser Kazakhstan-Connection nicht auch ein paar Staatsbürgerschaften mitgelaufen... ;-)

4 0

Re: Hoffentlich

ein paar hundert Staatsbürgerschaften sicher - die sind ja "part of the game"

1 0

Re: Hoffentlich

Part of the game

ein faires Verfahren - österreichisches Märchen

nachdem Herr Alijew als Botschafter in Österreich abgesetzt, in Kasachstan 2007 wegen mafiöser Geldgeschäfte verurteilt war, musste man ihn natürlich vor dem bösen Diktator Nasarbajew schützten. Selbst das letzte Auslieferungsersuchen wurde 2011 abgelehnt da er kein faires Verfahren zu erwarten hat - in Kasachstan.
Jetzt bekommt er endlich sein faires Verfahren und das MQM, die Villa in Kitzbühel und das Strandhäusl am Wörthersee kann er ja dummerweise nicht mitnehmen, wenn er zuletzt angeschoben wird. So bekommt jeder was ihm zusteht, der "Russ" Gerechtigkeit und die Republik einige Immobilien.

35 0

Es ist die Frage ob die SPÖ weniger mafiöser ist als Kasachstans Parteien

de facto sind das Haarspaltereien und akademische Diskussionen - ein Bund Hadern auf einem Haufen!

 
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