Foglar: Weg mit 40-Stunden-Woche im Staatsdienst

24.02.2013 | 18:51 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Der ÖGB-Chef will branchenweise eine kürzere Arbeitszeit im öffentlichen Dienst, beginnend bei den Gesundheitsberufen. Auch bei der Polizei sei das sinnvoll.

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Wien/Linz. Vor dem Hintergrund des Arbeitskampfes um die Gehaltserhöhung und kürzere Arbeitszeiten des Personals in den oberösterreichischen Ordensspitälern lässt Gewerkschaftspräsident Erich Foglar im Gespräch mit der „Presse“ aufhorchen – mit einem Plädoyer für eine branchenweise Reduktion der 40-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst. „Generell kann man sagen, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit mit dem Ziel einer Reduktion der Belastung sicher sinnvoll ist“, argumentiert der ÖGB-Chef. Lösungen sollten dafür seiner Meinung nach auf Ebene der Kollektivvertragsverhandlungen gesucht werden.

Diese Aussage des ÖGB-Präsidenten ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert. In Österreich ist wenig bekannt, dass im öffentlichen Dienst – anders als in vielen Sektoren der Privatwirtschaft – nach wie vor die 40-Stunden-Woche gilt. Für die von Fritz Neugebauer geführte Beamtengewerkschaft war eine Verkürzung der Arbeitszeit nie ein vorrangiges Thema. Auch wenn Foglar vorausschickt, dass er sich gemäß der Praxis des ÖGB nicht in einzelne Kollektivvertragsgespräche einmischt, ist allein sein öffentliches Eintreten interessant.

 

Überlastete Spitalsbedienstete

Foglar nennt für sein klares Bekenntnis zu einer branchenweisen Verkürzung der 40-Stunden-Woche, beginnend bei den Bediensteten im Gesundheits- und Krankenwesen, „zwei wesentliche Faktoren“: Erstens sei gerade bei diesen Berufen die Belastung für die Beschäftigten besonders groß. Zweitens gehe es dabei um zusätzliche Arbeitsplätze, die gerade angesichts der hohen Arbeitslosenrate geschaffen würden.

Foglar rückt dabei speziell die gesundheitlichen Auswirkungen für die österreichweit zigtausenden Mitarbeiter hervor, die bei Ländern oder Gemeinden in den Spitälern angestellt sind. „Das Paradoxe ist doch, wenn die Menschen dort so belastet werden, dass sie selbst nicht mehr gesund ist“, warnt der Gewerkschaftspräsident. Er betont, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit auch angesichts der Diskussionen um eine Senkung der Zahl der Invaliditätspensionen und den angestrebten Verbleib Älterer im Beruf notwendig sei: Denn eine solche sei auch „prophylaktisch“ wichtig für die Gesundheit der Mitarbeiter.

Nicht nur in den Gesundheitsberufen solle eine kürzere Arbeitszeit im öffentlichen Bereich aber Thema sein, sagt Folgar ausdrücklich: „Auch in anderen Bereich macht das Sinn.“ Als weiteres konkretes Beispiel nennt der Gewerkschaftspräsident die Polizei. Auch dort fallen viele Überstunden und Nachtdienste an.

Zu dem Umstand, dass die Beamtengewerkschaft bisher äußerst zurückhaltend war, wenn es um ein Rütteln an der 40-Stunden-Woche ging, betonte Foglar gegenüber der „Presse“, dass seine Position der Beschlusslage des ÖGB zur Arbeitszeit entspreche: „Wir präferieren die branchenbezogene Lösung.“

 

„Mit 39 Stunden beginnen“

Den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Gesundheitsberufe in der Beamtengewerkschaft, Johann Hable, braucht der ÖGB-Chef jedenfalls nicht mehr zu überzeugen. Hable spricht sich auf Anfrage der „Presse“ klar dafür aus, schrittweise von der 40-Stunden-Woche abzugehen. „Man kann einmal mit 39 Stunden beginnen“, so Hable. Dann könne die Wochenarbeitszeit „sukzessive“ weiter gesenkt werden. Auch er führt dafür die besondere Belastung des Personals im Kranken- und Pflegebereich, der in der Frage der Arbeitszeitverkürzung Vorreiter sein könnte, ins Treffen. Was die Finanzierung betrifft, so zeigt Hable über die Grenze nach Deutschland: Dort habe der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn zum Jahreswechsel vorgeschlagen, die Ärzte sollten einmal auf eine Gehaltserhöhung verzichten.

Foglar wie Hable stärken den insgesamt rund 10.000 Bediensteten der Ordensspitäler den Rücken. Sie wollen sich nicht mit dem Angebot von Arbeitgeberseite „abspeisen“ lassen: Dieses sah bisher maximal 20 Euro brutto mehr oder eine bis Jahresende befristete Verkürzung der Arbeitszeit von 40 auf 39,5 Wochenstunden vor. Die Gewerkschaft, deren Kampfmaßnahmen per ÖGB-Vorstandsbeschluss unterstützt werden, fordert eine Abgeltung der Teuerung oder eine kürzere Arbeitszeit von 39 Stunden. Weitere Streiks drohen angesichts der verhärteten Fronten.

Zur Person

Erich Foglar (57) ist seit Dezember 2008 Präsident des Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Der gelernte Werkzeugmacher aus Wien kommt aus der starken Metallergewerkschaft und folgte an der ÖGB-Spitze Rudolf Hundstorfer nach, der im Dezember 2008 Sozialminister im Kabinett Faymann wurde. Schon 2006 war Erich Foglar mitten in der Gewerkschaftskrise nach dem Bawag-Desaster kurzfristig ÖGB-Finanzchef. [Unterberger]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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66 Kommentare
 
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Mein Vorschlag:

Zahl der Beamten halbieren, damit sich die Arbeitsintensität erhöht, damit die Effizienz steigt und die Kosten sinken.

Man könnte zB auch die Bezirksverwaltungsbehörden abschaffen und deren Aufgaben auf Länder und Gemeinden aufteilen. Dass wir nur EINE Krankenkasse für alle Österreicher brauchen, sollte ebenfalls jedem einleuchten.

Die Beamten können gerne eine 38,5-Stunden-Woche haben -->unter de Bedingung, dass die Mittagspause -wie in der Privatwirtschaft- nicht mehr bezahlt wird.


Eine gute Meldung von einem Unbekannten.

Der ist seit 2008 Gewerkschaftsboss? Hatte heute durch seine Wortmeldung eine erste "Wahrnemung" über ihn. Und sein Konterfei gefällt mir auch. Ansonsten war mir, in den letzten Jahren, die Gewerkschaft überhaupt nicht auffällig gewesen.

Apropos Gewerkschaftsboss: Wie geht's eigentlich dem Verzetnitsch? Hat der schon seinen Prozess gehabt?

Alle Macht der Gewerkschaft - für 1 Jahr...

man sollte diesem gesellschaftlichen Gift alle Geschäfte für ein Jahr überlassen. Wetten, dass sie nachher kein einziges Mitglied mehr hätten?! PS - leider nur ein Traum...

Was die "Qualitätszeitung" vergisst, zu berichten ...

... ist, dass die halbstündige Mittagspause in einigen Bereichen zur Arbeitszeit zählt und dort daher schon eine 37,5 h Woche existiert.

Re: Was die "Qualitätszeitung" vergisst, zu berichten ...

Unsinn!
Ich bin selber Beamter und das stimmt nicht.
Eine Mittagspause mache ich etwa eine Stunde ... die Pause ist 30 Minuten und die Zeit für das Essen ca. 20 Minuten ..

alles andere wäre Ausbeutung

Re: Re: Was die "Qualitätszeitung" vergisst, zu berichten ...

Das ändert nichts daran, dass Sie eine BEZAHLTE Mittagspause haben!!!!

Re: Re: Was die "Qualitätszeitung" vergisst, zu berichten ...

Manchmal gehen die Beamten erst gar nicht in die Mittagspause, sie arbeiten durch.

Re: Re: Re: Was die "Qualitätszeitung" vergisst, zu berichten ...

... oder sie beginnen vor der Mittagspause gleich garnicht zu arbeiten.

ODER: nach der Mittagspause wird der PC gleich garnicht mehr eingeschaltet.

Re: Re: Re: Re: Was die "Qualitätszeitung" vergisst, zu berichten ...

hättens was gelernt,

nur auf uns armen Beamten hinzupecken ist mies

Re: Re: Re: Re: Re: Was die "Qualitätszeitung" vergisst, zu berichten ...

solche arroganten Aussagen a la "hättens was gelernt", können Sie sich sparen. Beamter wird man nicht weil man ach so gebildet ist, sondern weil man Connections hat.


Ok, dann her mit privatwirtschaftlich üblichen Öffnungszeiten der Behörden!!!


Ansonsten sind seine Statements weder die Druckerschwärze in der Zeitung noch den Speicherplatz auf dem Webserver wert.

Foglar signalisiert, dass Griechenland überall ist!

Es lebe die Prolokratie!
Es geht uns allen besser wenn man nach der Inversionsökonomie entscheidet.
Am meisten bekommt bezahlt, wer am wenigsten arbeitet. Ist doch ganz einfach.
Das ist die neue Gerechtigkeit!
Jeder der wirklich arbeitet, arbeitet zu viel. Daher ist sein Einkommen zu hoch und unsozial. Es ist ihm im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit wegzunehmen oder wegzuversteuern und denen zuzuteilen, die eben gerechter- und sozialeweise nicht so unverschämt sind, zu viel arbeiten und sich so bereichern. Am besten geht das über die Verteilungspolitik und dem Staatsverschulden. Auf diese Weise wird das ungerechte Einkommen zukünftiger Zuvielarbeiter und Zvierlarbeiterinnen heute schon verhindert!

Die Gewerkschaften

Sind nichts anderes wie die Inflationssteigerer seit Jahren.
Da wird großkotzig verkündet wieviel Prozente für die Berufstätigen ausverhandelt wurden und im Nachhinein werden auf Grund der mickrigen Erhöhungen die Verbraucherpreise um ein vielfaches angehoben.
Das einzige was die Gewerkschaften garantieren ist ihr eigener Job .
Ich war 45 Jahre berufstätig und keines der Unternehmen war gewerkschaftlich verseucht aber alle hatten weit über dem Kollektivvertrag gezahlt .Ein ordentlicher Betrieb der auf Leistung der Mitarbeiter ausgerichtet ist und diese auch honoriert braucht diese Sippe nicht.

ArbeitsINTENSITÄT im Öffentlichen Dienst erhöhen

... wäre mal angesagt.

Vollbeschäftigung durch Arbeitszeitverkürzung ???

Dann verkürzen wir doch radikal auf NULL STUNDEN,
dann müssten wir ja VOLLBESCHÄFTIGUNG haben !!!

ach so

ps : die gemeinde wien hat die pragmatisierung von pflegepersonal schon seit jahren abgeschafft, also ist der beamtengewerkschaftler gar nicht mehr zuständig.

scherzkeks

ich hätte ihn die füße für eine 40 stundenwoche im pflegebereich geküsst.

wir haben JAHRELANG mangels personal 65 wochenstunden geschoben.

wo war die spitalsgewerkschaft? nicht vorhanden, auf dienstreise in china :(

41 Stunden Woche?

Ihr Genosse "D" hat es im BMLVS nicht einmal geschafft die Stundenanzahl von 41 Wochenstunden auf 40 Wochenstunden zu reduzieren.
Der Widerstand der Gewerkschaft öffentlicher Dienst war groß!
Wer soll sich da jetzt noch auskennen?

Realitätsverweigerung

Kürzere Arbeitszeiten verringern die Überstunden ? Wenn kein zusätzliches Personal aufgenommen wird, würde ich sagen werden die Überstunden ansteigen.

Weg mit Foglar im Staatsdienst


Die Gewerkschaft ist nur für den öffentlichen Dienst.


Re: Die Gewerkschaft ist nur für den öffentlichen Dienst.

Ja, weil die GÖD den ÖGB mehrheitlich finanziert.

Die meisten Menschen aus der Realwirtschaft haben zu deren Gewerkschaften schon lange das Vertrauen verloren, das ist doch kaum mehr was von einer Gewerkschaft zu erkennen.

Der klassische Konflikt Arbeitnehmer - Arbeitgeber ist in der Realwirtschaft in weiten Bereichen Geschichte. Da kämpfen beide Gruppen zusammen ums Überleben des Unternehmens, ums Überleben der gemeinsamen Existenz. Die Staatlichkeit, welche aber bis über 50% der Wertschöpfung der Unternehmen mit Zwangsabgaben abkassiert, die macht es den Menschen der Realwirtschaft immer unmöglicher es zu schaffen.

Es wäre höchst an der Zeit den Nehmern deren Platz zu zeigen und eine kollektive Abgabenverweigerung zu machen.

Re: Re: Die Gewerkschaft ist nur für den öffentlichen Dienst.

Dann lassen sie sich doch von einem Privatarzt operieren wenn sie es sich leisten können gehören sie zu den priviligierten Besserverdienern.

Re: Re: Re: Die Gewerkschaft ist nur für den öffentlichen Dienst.

Ausreichend Ärzte in der Familie, auch einen Chirurgen.

Ja, ich würde mich auf jeden Fall bei schwierigeren Operationen von einem Experten (=Privatarzt) operieren lassen. Die früheren Erfahrungen in Österreich legen das Nahe.

Ja, ich kann mir das auch leisten, weil ich nach er Flucht aus Österreich zu Vermögen gekommen bin.

Die Honorare der Spitalsärzte in NÖ sind trotz deren oft schwachen Leistungen mehr als ordentlich.

kürzere Arbeitszeit

d. h. viele würden unausgeschlafen den Heimweg antreten

Warum nicht?

wenn sein Posten (und die seiner Freunde) weggeschafft wird kann man sicher dafür Geld finden.

 
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