Klug wird Verteidigungsminister: Kompetent, fleißig und Parteisoldat

05.03.2013 | 18:12 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Der rote Pragmatiker Gerald Klug aus Graz steigt zum Himmelfahrtskommando im Verteidigungsministerium hoch.

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Wien/Graz. Im Heeresapparat ist er für die Führungsgarde ein völlig unbeschriebenes Blatt. Aber der neue Verteidigungsminister Gerald Klug kann zumindest darauf verweisen, dass er im Gegensatz zu seinem Vorgänger Norbert Darabos, der bei der Truppe als Zivildiener scheel angeschaut wurde, nicht nur 1987/88 als Präsenzdiener mit dem Heer zu tun hatte. Der ledige SPÖ-Politiker, der von seiner äußeren Erscheinung mit der Stoppelfrisur das Bild eines akkuraten Heeresoffiziers abgibt, schmunzelt: Schließlich ist er als SPÖ-Fraktionschef im Bundesrat Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates. Aus diesem Gremium kennt er so manches vertrauliche Detail über Österreichs Sicherheitslage.

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Öffentlich ist der 44-jährige Steirer im Zusammenhang mit dem Bundesheer allerdings bisher nicht aufgefallen. Das hängt auch damit zusammen, dass ein Fraktionschef im Bundesrat grundsätzlich eher selten öffentlich auffällt. Der Sohn eines früheren Betriebsratsvorsitzenden bei Simmering-Graz-Pauker hat eine klassische rote Parteikarriere absolviert: Jugendvertrauensmann, Sekretär der Metallgewerkschafter, steirischer Arbeiterkammerrat, Sitz im Bundesrat, wo er seit November 2010 die SPÖ-Fraktion führt. „Ein Funktionär in der Bewegung, der schon in den Kinderschuhen für die SPÖ geformt wurde“, sagt der steirische Baugewerkschafter Josef Muchitsch.

 

Kein hemdärmeliger Funktionär

Hemdärmelig ist Klug nicht. Von Parteigenossen wird er als umgänglicher Mensch beschrieben, „aber er kann durchaus auf den Tisch hauen“, sagt sein steirischer Kollege in der Länderkammer, Christian Füller. Als Fraktionschef zieht Klug notfalls auch umstrittene Materien, etwa das Asylgesetz, mit Konsequenz durch: ein treuer Gefolgsmann der Parteiführung auf Bundesebene wie auch von Landeschef Franz Voves.

Deswegen wundert es niemanden, dass Klug sich nun das „Himmelfahrtskommando“ Heeresressort nach der Ära Darabos antut, das schon in wenigen Monaten nach der Nationalratswahl wieder enden könnte. „Fleißig ist er, da gibt's nichts“, heißt es im Parlament in Wien. „Ein fleißiger Streber“, klingt schon weniger freundlich.

Mitunter nervt er seine Parteikollegen mit seinen Wortmeldungen im Klub. Klug hat sich weiterentwickelt: von einer Lehre als Dreher bis zum Magistertitel beim Jusstudium. Jetzt lasse er „den Juristen schon auch raushängen“, wie nicht nur Parteifreunde anmerken. Seine Kompetenz und sein fachliches Wissen im Arbeits- und Sozialrecht werden von SPÖ-Kollegen reihum ausdrücklich gelobt. Gottfried Kneifel, ÖVP-Fraktionschef im Bundesrat, unterstreicht die „Handschlagqualität“, der „eingefleischte Gewerkschafter“ sei letztlich Pragmatiker.

 

Mit Minister Hundstorfer vertraut

Im Kreise der Bundesregierung wird der Grazer auf Bekannte treffen. Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) kennt er vom Jusstudium in Graz, sie hat ihn als engagierten Studierenden in Erinnerung. Sozialminister Rudolf Hundstorfer war nicht nur als ÖGB-Präsident sein oberster Chef. Hundstorfer hat so viel Vertrauen, dass er bei Klug als Personalreserve für den Leiterposten des Arbeitsmarktservice Steiermark vorfühlte. Anders als jetzt beim Verteidigungsministerium wurde aber nichts daraus, weil nämlich der amtierende AMS-Chef Karl-Heinz Snobe eine Rechnung vorweisen konnte: Diese belegte, dass sich Snobe nicht von einem Kunden in einen Nachtclub hat einladen lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2013)

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23 Kommentare

Nach Darabos kann Klug Blödheiten verzapfen soviel er will:

Er wird trotzdem besser dastehen als Darabos.

Herr Klug

hat denselben Werdegang wie UHBK. Was nicht heissen soll, dass er nicht fähig ist, die Bundesheerreform durchzuziehen. Warten wirs ab, wie er sich als Verteidigungsminister bewährt. Bis zu den Wahlen im Herbst werden wir mehr wissen.

Hm....



Parteisoldaten,..das braucht Österreich!

Bravo!

"... immerhin Präsenzdienst geleistet"

ich werde mich mal um einen Chefsessel bei Martin Winterkorn im Audi-Imperium bewerben - bin immerhin schon mal mit einem Audi A3 gefahren.

Re: "... immerhin Präsenzdienst geleistet"

Das wurde Darabos ja immer vorgeworfen. Wo ist da der Unterschied? Warum soll ein Verteidigungsminister besser sein wenn er den Präsenzdienst abgeleistet hat? Man nenne mir einen ÖVPler der ein "Profi" war.

Und wer wird Sportminister??

Oder ist das in unserem Land eh unwichtig?? Ich würde den Schröcksnadel vorschlagen :)

Re: Und wer wird Sportminister??

Der Häupl!!!

Wo bleibt die Reform ?

Welche vor allem die ÖVP so großmäulig angekündigt hat ?
Faktum ist es wird sich gar nichts ändern ,solange die beamteten Betonschädeln in den diversen Position hocken.
Erst der finanzielle Kolapps wird in wenigen Jahren zu radikalen Einschnitten führen , und einem kleines Berufsheer führen .
Leider trifft es dann die junge Generation und die Verursacher des Stillstandes werden ihre üppigen Pensionen geniesen und fest auf die Jungen schimpfen,

WAS war mit dem Nachtclub??


Re: WAS war mit dem Nachtclub??

Heißt das, der neue Minister konnte keinen Beleg vorweisen?

Re: WAS war mit dem Nachtclub??

Kann zwar in der Frage selbst nicht dienen, aber ... in dunklen Gassen gibts keine Schatten, die ans Licht kämen!

Kompetent, fleißig und Parteisoldat:

Die Beschreibung war ursprünglich für Ernst Strasser maßgeschneidert worden!

Re: Kompetent, fleißig und Parteisoldat:

Strassers Eigendefinition: "Ich bin zu Intelligent, um nur Politiker zu sein".

Strassers Fremddefinition: "Er ist zu dumm zum Verbrecher!"

Ich finde, der Vergleich mit dem roten Würstchen hinkt.

Ob das klug ist?

Er ist "Parteisoldat". Anscheinend unabdingbare Voraussetzung um in der SPÖ heutzutage etwas zu werden.



Die haben so Angst vor einem Genossen mit eigenen Gedanken und Ideen, dass sie nur mehr reine Apparatschiks aufsteigen lassen.

Voves ist inzwischen der einzige rote Spitzenpolitiker mit Persönlichkeit und eigenem Verstand.

Faymann sucht sich anscheinend nur mehr Ja-Sager für seine Mannschaft aus. Damit nicht einer plötzlich auf die Idee kommt die Wahrheit auszusprechen? Nämlich, dass die SPÖ mit einem nicht so überforderten Kanzlerkandidaten wie ihm, viel größere Chancen bei der September-Wahl hätte.

Re: Er ist "Parteisoldat". Anscheinend unabdingbare Voraussetzung um in der SPÖ heutzutage etwas zu werden.

Parteisoldaten sind in jeder Partei vorhanden und gewünscht, da sind die Roten nicht alleine.

Eigener Wille und Ideen sind nicht erwünscht in der Politik.

Re: Re: Eigener Wille und Ideen sind nicht erwünscht in der Politik:

Er soll Minister werden:

http://www.youtube.com/watch?v=sRWOatOL-rs


jeder ist besser als Darabos

die Frage ist nur wieviel Promille besser

Von Parteigenossen wird er als umgänglicher Mensch beschrieben.......

....das horcht sich ja nicht schlecht an, aber was ist mit denen die KEINE Parteigenossen sind?
PS: ich finde es überhaupt UNERTRÄGLICH wie heute 2013, noch immer, die Parteipolitik eine sooooo grosse Rolle spielt und Menschen nach Parteifarben an verschiedenen Posten installiert werden, anstatt nach Fachkriterien! Das soll aber keine Beurteilung für den obrigen Fall sein, weil es ja nicht ausgeschlossen ist, dass von der jeweiligen Partei auch ein Fachmann/frau kommt!
Ich wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute!

Re: Von Parteigenossen wird er als umgänglicher Mensch beschrieben.......

Es ist bei allen Parteien das GLeiche, kaum sind sie an der Macht, werden eigene Parteigänger in Spitzenpositionen gehievt. Selbst die grünen Genossen sind da keine Ausnahme (Uni-Beauftragter van der Bellen, Radfahrbeauftragter, Fußgängerbeauftragter usw.).

Zumindest Soldat ....

.... wenn auch nur Parteisoldat.

Viel Erfolg!


Re: Viel Erfolg!

Spätschicht in der Löwelstraße!

Das Bundesheer und sein Kampf ums Budget

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