Kärnten: Die Gründe für die Krise der FPK

18.03.2013 | 18:21 |  MARTIN FRITZL (Die Presse)

Dörfler gegen Scheuch, Dobernig gegen Ragger: Der Tod Jörg Haiders hat den Freiheitlichen Machtkämpfe beschert, die bis heute fortwirken.

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Wien. Zwei Wochen nach der Landtagswahl schlittern die Kärntner Freiheitlichen immer tiefer in die Krise. Am Montag tagten die Parteigremien bis in den Abend, unterbrochen nur von Verhandlungen mit den Abtrünnigen: Landeshauptmann Gerhard Dörfler, Landesrat Harald Dobernig und der Abgeordnete Hannes Anton sollten überredet werden, ihre Landtagsmandate zu räumen. Der Neustart der FPK ist jedenfalls gründlich misslungen. Die Gründe dafür:

1. Der Chef ist tot – und hat die Nachfolge nicht geregelt

Die Kärntner Freiheitlichen waren über mehrere Jahrzehnte auf eine Person zugeschnitten: Jörg Haider. Der hat nicht nur die gesamte Landespolitik, sondern auch seine eigene Partei dominiert. Wie so viele autokratisch herrschende Machtmenschen hat er es aber tunlichst vermieden, einen logischen Nachfolger aufzubauen. Zwar hat er viele Junge in die Politik geholt und rasch Karriere machen lassen – man denke an Karl-Heinz Grasser, Mathias Reichhold, Martin Strutz, Uwe Scheuch oder Stefan Petzner. Die Mitglieder der berühmten „Buberlpartie“ durften an der Macht teilhaben – aber nie zu lange, dann kam der Nächste dran.

2. Der Machtkampf Dörfler gegen Scheuch wurde nicht entschieden

Nach dem Tod Haiders hatten die Freiheitlichen zwei Möglichkeiten: die Buberlpartie in Person des gerade aktuellen Favoriten Uwe Scheuch ans Ruder zu lassen, oder mit Gerhard Dörfler einen völlig anderen Weg zu gehen. Denn der damalige Verkehrslandesrat Dörfler entsprach so gar nicht dem Klischee des jungen, feschen Haider-Adlatus. Er ist eher der Typus des provinziellen Landespolitikers großkoalitionären Zuschnitts: machtbewusst, in seinem Einflussbereich dominant, außerhalb aber eher unbeholfen wirkend. Ein Günther Platter oder Hans Niessl auf kärntnerisch eben.

Die Kärntner Freiheitlichen haben sich darum herumgeschwindelt, die Machtfrage zu entscheiden. Dörfler wurde Landeshauptmann, aber Uwe Scheuch – und nach seiner Verurteilung in der „Part of the game“-Affäre sein Bruder Kurt – hielt in der Partei die Zügel fest in der Hand. Ein Umstand, der die FPK lähmen sollte.

3. Der Machtkampf Christian Ragger gegen Harald Dobernig dauert an

Nach dem Wahldebakel am dritten März war klar: Einer aus der bisherigen Riege der Regierungsmitglieder muss die Führung übernehmen. Denn obwohl die Freiheitlichen in Kärnten 17 Landtagsabgeordnete hatten, hat keiner von ihnen das Format eines Parteichefs. Dass da die Wahl auf den Soziallandesrat und Rechtsanwalt Christian Ragger fiel, ist logisch: Scheuch und Dörfler mussten die Wahlniederlage verantworten, und bei Dobernig ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es bald zu einer Anklage kommt (mehrere Verfahren gegen den Finanzlandesrat laufen). Allerdings waren Dobernig, der den nationalen Flügel in der Partei verkörpert, und Ragger schon vorher Gegenspieler im parteiinternen Machtkampf, womit die Bereitschaft Dobernigs, das Feld freiwillig zu räumen, gleich um einiges geringer ist.

4. Die FPK war im Machtrausch, jetzt folgt der Katzenjammer

Der legendäre sozialistische Landeshauptmann Leopold Wagner hat einst ein parteipolitisches Machtsystem aufgebaut, Haider und seine Erben haben es kopiert: Postenbesetzungen, Aufträge, Förderungen – alles ist ans Wohlverhalten gegenüber der Partei gekoppelt. Dieses System ist immer noch in den Köpfen der handelnden Personen, wie die letzte Aktion Dobernigs zeigt: Der will rasch noch 50 Mitarbeiter aus den Büros der FPK-Regierungsmitglieder im Landesdienst unterbringen – 31 davon mit einem neuen, unbefristeten Vertrag.

Der SPÖ nahm man das „System Wagner“ jahrzehntelang übel, sobald die Sozialdemokraten nichts mehr zu verteilen hatten. Ähnliches könnte jetzt auch den Freiheitlichen blühen. Und es kann auch lange dauern, bis sich die Partei wieder konsolidiert und bis klar ist, wer wirklich den Ton angibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2013)

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99 Kommentare
 
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so schnell kanns gehen



eben noch war dörfler laut auskunft der presse ein "populärer landesvater", gegen den der "linke", "Intellektuelle" peter kaiser aber sowas von üüüüberhaupt keine chance hat.

aber kaum ist die wahl verloren wird aus dem unschlagbaren, weil eindeutig nicht "zu intellektuellen" dörfler "der Typus des provinziellen Landespolitikers...eher unbeholfend wirkend".

jetzt auf einmal ist der typ ubeholfen! ihr habt ihn vor zwei wochen noch zum supermann hochgejubelt, nein, nicht die kärntner, IHR JOURNALISTEN!


Bin schon sehr gespannt wie das weitergeht.

Wenn die FPK wieder in der FPÖ aufgeht, dann wäre das für die Mehrzahl der Leute der DRITTE Parteiwechsel:

Anfangs FPÖ,
dann BZÖ,
dann FPK und zuletzt
wieder FPÖ.

Das hätt schon was...


Re: Bin schon sehr gespannt wie das weitergeht.

Und wenns den Kärntern wieder mal zu bunt wird, können sie ja das BZK gründen ...

Geld ist wichtiger wie Moral und Anstand

Es wird wohl darauf hinauslaufen das alle bleiben dürfen. Würde mich bei diesen Sesselkebern nicht wundern.

die Kärntner FPK ist so wichtig wie irgend ein

Bezirksvorsteher in Wien. Stimmenanteilsmäßig sogar noch darunter...
weiß nicht warum hier die Presse so viel berichtet, völlig egal ob sich die gegenseitig erschlagen oder nicht...

Strache hängt schwer angeschlagen in den Seilen

Strache könnte sich heute noch selber ohrfeigen das er dazumal das FPK aufgenommen hat.
Ich habe es schon einmal gesagt Strache schafft die 20 Marke nicht. Dann ist auch Strache rücktrittsreif, aber wie ich die blauen Sesselkleber kenne wird auch der auf seinem gut bezahlten Posten picken bleiben wollen. Langsam können die eh eine Zweigstelle für Pattex aufmachen.
Mit der FPÖ könnte man ja auch Werbung für Superkleber machen, die sollen mal bei Rumpold dem Werbeprofi anfragen.

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macht's nur weiter

ihr zerpulverisiert euch ganz alleine ! :)

Genau betrachtet hat nicht die FPK eine Krise,

sondern die Medien die eben die FPK - und dann eigentlich ja auch die FPÖ, um jeden Preis zerstören wollen. Wenn außer diesen Schreibfinken juckt es, ob Dörfler nun dabei ist oder nicht! Ich kenne keinen einzigen Kärntner, der sich darüber den Kopf zerbricht. Also - wo ist nun die Krise?

Nur blöd, wenn "die da oben" ...

..., gegen die die FPÖ immer angetreten ist, plötzlich die eigenen Leute sind.

Re: Genau betrachtet hat nicht die FPK eine Krise,

Genau so "Leute" wie sind es die der FPÖ schaden und man sich nur mit Grausen abwenden kann.

Re: Genau betrachtet hat nicht die FPK eine Krise,

http://www.youtube.com/watch?v=iZiO9bqzHzg

Re: Genau betrachtet hat nicht die FPK eine Krise,

Wenn schon copy/paste dann bitte ohne Rechtschreibfehler ^^

Re: Ich kenne keinen einzigen Kärntner, der sich darüber den Kopf zerbricht?

Selbst, wenn Sie nur in den Spiegel schauen, sehen sie schon - zumindest einen?
.

Re: Genau betrachtet hat nicht die FPK eine Krise,

Jajaaaa, die bösen Medien!!! Hahahahahahahaha!


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Re: Genau betrachtet hat nicht die FPK eine Krise,

Nach diesem Wahldesaster haben die Verantwortlichen den Hut zu nehmen!
Möchte wissen was sie schreiben wenn es eine andere Partei betrifft...

Dass Sie keinen Kärntner kennen "der sich den Kopf zerbricht", glaube ich aufs Wort!


0 1

Re: Dass Sie keinen Kärntner kennen "der sich den Kopf zerbricht", glaube ich aufs Wort!

Das Denken sollten manche ja auch den Pferden überlassen, die haben größere Köpfe.
Oder den Fliegen, die haben Köpfchen.

9 5

Re: Genau betrachtet hat nicht die FPK eine Krise,

Wie viele Kärntner kennst duso gut, dass du deren Meinung kennst?

Ps.: Nicht die Mdien haben 27% verloren, das war schon die FPK unter Dörfler/Scheuch.

Re: Re: unter Dörfler/Scheuch/Donernig:

Letzterer kommt übrigens aus dem Habitat des "Slovensis-Orang-Utnig"!

Re: Re: Genau betrachtet hat nicht die FPK eine Krise,

Ich kenne alle Kärntner sehr gut, wenn ich auch von manchen den Namen vergessen habe (ist ja auch nicht so groß dieses Bundesland).

Najo, wenn die Medien die Wahl eh nicht verloren haben, so stellt sich die Frage warum dann die Aufregung ob Dörfler nun bleibt oder nicht so intensiv geführt wird! Immerhin ist das eine Entscheidung die alleine die FPK betrifft und damit umgehen muss und nicht die Medien.

Wäre es nicht in den Medien ein Thema, wäre dies bestimmt auch Parteiintern noch bei den Bürgern ein Thema - Wetten!

Denn streng betrachtet hat auch Dörfler die 27 Prozent (glaub ich waren das) bekommen. Die FPK wurde nicht wegen Dörfler, sondern wegen die Gebrüder Scheuch bestraft. Warum also soll dan der Dörfler zurücktretten? Hat ja überhaupt keine Logik.

bin ehrlich gespannt, wieviele österreicher sich im herbst noch an die frechheiten der blauen erinnern können.


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Re: bin ehrlich gespannt, wieviele österreicher sich im herbst noch an die frechheiten der blauen erinnern können.

Jeder mit dem ich in den letzten Wochen darüber gesprochen habe wird sich erinnern. Die Strache-FPÖ ist ein Haufen Verlierer und wird im Herbst froh sein können, wenn sie auf 15% kommt.

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Re: bin ehrlich gespannt, wieviele österreicher sich im herbst noch an die frechheiten der blauen erinnern können.

Keine Sorge, die anderen werden schon dafür sorgen, dass man sich erinnert.

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dieser Hühnerhaufen

hat ein ganzes Bundesland regiert,unfassbar

Re: dieser Hühnerhaufen

tun die uns bitte unsere huehner ned beleidigen!

Der erste Schritt wurde von den WählerInnen gemacht

Die Abwahl war das Beste was man machen konnte.

Jetzt geht es für die SPÖ darum, mit Hilfe der Bundes SPÖ, Kärnten wieder auf solide Beine zu stellen.

Werner Faymann ist da sicher kein Nachteil für Herrn Kaiser und dieser wäre gut beraten, wenn er für die Ideen betreffend Gerechtigkeit und soziale Wärme für alle MenschInnen auf Werner Faymann hören würde.
Der Bundeskanzler hat schon bundesweit bewiesen, dass er durchaus Krisen meistern kann.
Des weiteren ist auch Dr. Häupl sicherlich ein Mann dessen Rat gut zu gebrauchen ist.
Immerhin zeigt er es in Wien schon lange vor wie es geht und in Wien kann sich ja nun wirklich niemand beschweren.

Alles in allem kann man Herrn Kaiser nur viel Glück wünschen.
Eine gesunde, soziale, gerechte Politik für alle MenschInnen in Kärnten hätte auch positve Folgen für die NR Wahl 2013 und würde der SPÖ Auftrieb geben.

Und das sollte ja im Interesse aller BürgerInnen sein.
Nur wenn die SPÖ auch in der nächsten Regierung sitzt kann man sich sicher sein, dass alles fair und transparent abläuft.
Mit Schaudern erinnern wir uns alle zurück als dem nicht so war.

 
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