Website für Whistleblower geht in Betrieb

20.03.2013 | 18:13 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Ein anonymes elektronisches Hinweisgeber-System steht ab sofort zur Verfügung - zunächst in einem zweijährigen Probebetrieb.

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Wien. Wie kann man einen integren Mitarbeiter dazu bringen, auf – möglicherweise strafrechtlich relevante – Missstände am eigenen Arbeitsplatz hinzuweisen? Wie kann man die Identität dieses Mitarbeiters schützen? Die Korruptionsstaatsanwaltschaft (KStA) wusste auf diese Fragen sehr wohl Antworten. Und wünschte sich die Einrichtung eines elektronischen Systems für Hinweisgeber (Whistleblower). Das war im April 2009. Also vor vier Jahren. Gut Ding braucht bekanntlich Weile: Gestern, Mittwoch, stellte Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) das heiß ersehnte System vor.

Flankiert wurde Karl von der Leiterin der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA, Nachfolgebehörde der KStA). Das Onlinesystem (Business Keeper Monitoring System) wurde von der Business Keeper AG entwickelt und ist darauf ausgerichtet, mit einem anonym bleibenden Hinweisgeber zu kommunizieren. Zu finden ist es ab sofort auf der Homepage des Justizministeriums (www.justiz.gv.at). Vor allem in Wirtschaftsstrafsachen, bei Sozialbetrug oder Bilanzdelikten soll es Mitwissern leicht gemacht werden, die WKStA zu kontaktieren. Aber wie erwähnt: Als Vorreiter kann Österreich in diesem Fall nicht gelten. Das System wird beispielweise im deutschen Bundesland Niedersachsen seit einem Jahrzehnt eingesetzt.

 

Vernadern geht jetzt schon

Hierzulande geht die Website zunächst in einen zweijährigen Probebetrieb. Wie viele Hinweisgeber könnten nun „anbeißen“? Diese Zahl kann WKStA-Leiterin Vrabl-Sanda derzeit „nicht abschätzen“. Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass 20 bis 30 Prozent der zu ermittelnden Fälle zuletzt über ein solches Hinweissystem liefen. Bemerkenswert: 30 bis 40 Prozent der Whistleblower geben letztlich ihre Identität von sich aus preis.

Es ist übrigens nicht auszuschließen, dass jemand – etwa wenn er einen E-Mail-Anhang mitschickt – anhand der automatisch übertragenen Daten identifiziert wird. Auf diese Gefahr weist das System aber ausdrücklich hin. Werden nun unweigerlich Denunzianten angelockt? Karl: „Vernaderer haben jetzt schon ein ausreichendes Betätigungsfeld: die anonyme Anzeige.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2013)

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21 Kommentare

Achtung! Dringender Tatverdacht: Querulantenstatuszuteilung!


Notorische Gesetzesübertreter anzeigen?

Ja, denn sie wissen, was sie tun! In EKZ seit 1.1.2005 und Straßenlokale seit 1.1.2009, 18.000 Anzeigen: Provozierung und Duldung schwerer Tabakrauchschädigungen.
Nicht nur Rauchsheriffs, alle sind aufgerufen zu melden, laut Vorlage: http://rauchsheriff.at/rauchfrei/index.php?topic=570.msg2202#msg2202

PS.: Bitte keine Raucher anzeigen, das sind Drogensüchtige, denen durch kostenlose Raucherentwöhnungen geholfen werden muss!


Bin neugierig...

.... ob es etwas nützt! Die Idee ist gut, die Umsetzung werden wir sehen. Ich denke so manch einer der in eine Richtung den Armen mit Schulden gibt und in der anderen Richtung protzt das es eine Freude ist, sollte sich schleunigst was einfallen lassen. Denn sonst könnte auch sein RAW nichts mehr tun, oder seine Freu...! Bingo?

Wenn Sie nicht gerade Müllmann bei der 48er sind...

...kann Ihnen nix passieren!

Schwere Korruptionsfälle werden eh nicht angeklagt, siehe Buwog, Inseratenkanzler udgl mehr!

wäre

was für Lehrer, die schmiedens unzumutbarkeiten aufzeigen möchten. ob das dann auch ernst genommen würde?

Re: wäre

hab es schon versucht !

Blockwartmentalität

Die DDR wird Realität. Schrecklich.

Denunziantentum

Sinnlose Gedenkage, Umbenennungen von Straßen, vom Bürgermeister eingeweihte Büsten von Massenmördern .... und jetzt kann man auch seinen Nachbarn oder erklärten Feind bequem anzünden. Irgendeine Belanglosigkeit, wie verdächtiges Winken mit der rechten Hand, oder vermeintliches Anreden von Schulkindern am Zerbrastreifen wird schon ausreichen. Und die StAnwaltschaft wird sich solcher Kapitalvergehen gerne annehmen. Es gibt ja sonst keine anderen Probleme in usnerem begnadeten Land.

Re: Denunziantentum

Nur ganz kurz:
Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft -> Wirtschaftsstrafsachen, Sozialbetrug oder Bilanzdelikte -> google: "Enron" -> tief durchatmen...

Der Staat wird immer besser.

Kennen wir doch alles noch von damals. Jetzt wird schon die DDR überholt. Denunzianten und Blockwarte haben Hochkonjunktur. Und das in einem Land, wo eh schon jeder jeden Anzeigt wegen nichts. So richtig zum Wohlfühlen. Prost.

Re: Der Staat wird immer besser.

Hier geht es um etwas ganz anderes, aber das haben Sie offensichtlich nicht verstanden!

wär toll

wenn es sowas über Firmen gäbe, die einem mieses Essen, Müllessen usw verkaufen und dabei so tun, als wäre es was Hochwertiges...
Also, alle, diese Konzerne, die weiß Gott was reingeben ins Essen und uns Konsumenten irreführen - wenn man über die hört, wäre es toll, wenn es Namen von Miesefirmen und Mieseprodukte gäbe.
Eine Art Produktoleaks...

Re: wär toll

Wollen wir das wirklich alles wissen? Es könnte uns ja der Appetit vergehen.

Fürchten

Wiener Wohnen, alle Magistratsabteilungen, Wien Energie leiden seit heute unter permanentem Schüttelfrost.

Vernaderung ist ja nichts Neues, jetzt gehts halt übers Internet

Also die parteipolitisch unterwanderte, weisungsgebundene Staatsanwaltschaft betreibt diese Seite! Das sind die Falschen wenn schon, dann der OGH. Na und anonym soll sie auch sei? Na es dürfte ja kaum ein Problem sein die ip Adresse von dem, der da was hineinschreibt herauszufinden. Anzeigen und anonyme Hinweise konnte man bisher auch schon geben, also wem ist denn das wieder eingefallen? Die Frau Karl soll sich lieber darum kümmern, daß Österreich wieder ein Rechtsstaat wird und daß Hinweisen, die es auch schon jetzt gibt, nachgegangen wird und in Folge aufgeklärt werden!

metternich hätt eine freud....


Na fein, der Blockwart wird wieder aktiviert !


10 silbermünzen

wer seinen Nachbarn denunziert bekommt den Pokal! Die schaffens doch nicht mal die bekannte Korruption vor Gericht zu bringen. Wenn wirklich 3 Anwälte jede Meldung überprüfen müssen sie eine Armee von Anwälten haben um das zu bewältigen.

Faymanns Werbeinserate

auf Kosten der Steuerzahler sind endlich zu ahnden.

Und was ist wenn die Justiz Teil des System ist?

Nur so als Frage....

Dem ehemaligen DDR-System nunmehr weit überlegen

Willkommen im Land der Bespitzelungsbürger. Österreich soll sich was schämen, grausam, nur noch zum Auswandern......

PS. Bitte ersparen sie sich Kommentare wie: "Aber wenn sie eh nichts zu verbergen haben....." Damit disqualifizieren sie sich und bestätigen nur, warum es immer und immer wieder funktioniert.

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