Fichtenbauer: "Anti-österreichisch? Trottelhaft"

03.05.2013 | 18:16 |  REGINA PÖLL (Die Presse)

Der designierte Volksanwalt Fichtenbauer glaubt weiter an einen FPÖ-Sieg im Bund. Im neuen Amt will er lauter sein als andere. Die Mitgliedschaft bei der "Waldmark" verteidigt er.

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Die Presse: Ab 1. Juli sind Sie Volksanwalt. Ihre Bestellung war gar nicht so einfach: Die Grünen haben Sie nicht gewählt, weil Sie Mitglied einer Burschenschaft sind, die vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands als „anti-österreichisch“ und „völkisch eingestellt“ eingestuft wird.

Peter Fichtenbauer: Erstens ist die Waldmark keine Burschenschaft, sondern eine „Ferialverbindung“.

... mit dem Waldmark-Lied: „Deutsche Treue, Kampf für Ehre schwören wir in engem Bund“.

Dieses Waldmark-Lied ist 1920 oder 1921 gedichtet worden, und aus diesem Zeitraum ist auch der Inhalt des Liedes zu erklären. Die Verbindung – „anti-österreichisch“? So etwas Trottelhaftes, man könnte überlegen, ob man das einklagt.

Dazu die Tatsache, dass Sie immer noch Mitglied des Vereins zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny sind – einem NSDAP-Mitglied und Major der deutschen Luftwaffe. Warum fällt es Ihnen so schwer, sich zu distanzieren?

Walter Nowotny ist mit 24 im Krieg umgekommen. Er hatte keine Gelegenheit, sich nach dem Krieg demokratisch zu bewähren. Der Ursprung ist ja, dass man sein Grab wegreißen wollte, daher die Gründung des Vereins. Ich denke gar nicht daran, mich zu distanzieren.

 

Eine Kritik ist ja auch, dass bei Aufmärschen des Vereins auch Gottfried Küssel und Co. kommen.

Dass sich irgendwelche Wahnsinnigen an irgendwelchen Stellen sammeln, die mit der FPÖ und auch dem Verein nichts zu tun haben – das ist ja absurd, ein entsprechendes Argument zu konstruieren.

Als Volksanwalt: Inwieweit wollen Sie die Tradition Ihrer 20 Vorgänger fortsetzen, inwieweit neue Akzente setzen?

Man konnte schon in meiner Zeit als Parlamentarier bemerken, dass ich die Dinge nicht verschweige, sie teilweise scharf akzentuiere.

 

Muss die Verwaltung, die Sie künftig kontrollieren, also schon zittern?

Zittern vielleicht nicht. Aber das macht das Kräfte-Parallelogramm in einem Rechtsstaat aus, dass es tendenziell einen Machtüberhang der Verwaltung gibt. Ein Rechtsanwaltskollege hat einmal gesagt: Die Macht geht nicht vom Volk aus, sondern von der Dienstklasse 8 und 9 der Beamten, und damit hatte er recht – siehe Regierungsvorlagen. Parlament oder Gerichtsbarkeit stehen dem nicht hilflos gegenüber. Unterworfen ist der Bürger. Deshalb wurde die Volksanwaltschaft gegründet: für den Machtausgleich.

Für die Volksanwaltschaft haben Sie bereits drei Themen genannt, denen Sie sich besonders widmen wollen: Justiz, Militär und Polizei. Welche Schwächen sehen Sie in den genannten Bereichen?

Allgemein gesagt, haben wir einen sehr durchgebildeten Verwaltungsstaat. Das ist noch keine Schwäche. Mir geht es um die Nahtstelle zwischen Staatsvolk und Staatsapparat. Wenn der Nachbar durch ein Schotterwerk im Schlaf gestört wird und schon 100 Anträge gestellt hat, und es tut sich noch immer nichts, wäre das ein klassischer Fall.

Zur FPÖ: Wie erklären Sie sich, dass Ihre Partei zurzeit keine Wahlen gewinnt – sondern sogar abstürzt?

Die Umwerfungen in Kärnten sind quasi sui generis, und man ist zur Normalität der Vor-Haider-Zeit zurückgekehrt. In Niederösterreich war es sicher ein Mangel an Kampagnenfähigkeit bis in die Bezirke und Gemeinden. Man muss erkennen, dass der neu aufgetretene Frank Stronach im Protestbereich mehr Wähler angezogen hat.

Eine Begründung, die für Tirol nicht gelten kann. Warum waren es dort zuletzt nur noch 9,6 Prozent?

Die niedrige Wahlbeteiligung hat sicher eine Rolle gespielt.

 

Was erwarten Sie in Salzburg? Dort ist FPÖ-Chef Karl Schnell in Umfragen auch wegen seines „Umvolkungs“-Sagers in der „Presse“ zurückgefallen.

Ich bin überzeugt, dass Karl Schnell zulegt. Es kann doch nicht verkannt werden, und ich kann auch nicht mit noch so tollen Vokabeln die Wirklichkeit verzärteln, dass wir über Jahrzehnte ein System der Zuwanderung zugelassen haben, das Probleme vielfältigster Art aufwirft: im Schulsystem, im Sozialsystem, in der Ausbildung, in der Integration. Das kann ich mit anderen Worten darstellen. Aber an der Substanz kann ich nicht zweifeln.

Womit rechnen Sie bei der Nationalratswahl am 29. September?

Ich gehe davon aus, dass wir das Ziel von mehr als 20 Prozent erreichen. Ich behaupte weiters, dass nach wie vor Platz zwei möglich und Platz eins nicht weltfremd ist.

Über Heinz-Christian Strache haben Sie einmal gesagt: „Wenn wir im Fußball wären, bekämen wir für unseren Parteiobmann viele Millionen Transfergelder.“ Wie viel ist er noch wert, nach drei verlorenen Matches 2013?

Erstens waren das keine Matches, sondern höchstens Probespiele in der Unterliga in Bezug auf die Bundeswahl. Strache ist der unangefochtene Star. Alle anderen Parteiobleute haben auch nicht annähernd das Faszinosum.

Zur Person

Peter Fichtenbauer, 66, ist ab 1. Juli Volksanwalt der FPÖ neben Günther Kräuter (SPÖ) und Gertrude Brinek (ÖVP). Der Rechtsanwalt aus Niederösterreich sitzt seit 2006 im Nationalrat und ist seither Klubobmannstellvertreter Heinz-Christian Straches. Themen u.a.: Landesverteidigung, Justiz, Medien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2013)

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62 Kommentare
 
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Österreichisch... Deutsch...

Was sollen diese Nationalismen? Wen interessiert das den wirklich noch besonders unter den Jugendlichen, die sich immer mehr als Europäer fühlen. Grenzenlos, frei von Zwängen eines Nationalstaates, verbunden mit allen Völkern in Europa und der gemeinsamen Kultur...

.....ja,....

.....glaubst nur....

im herbst werdets eh schauen wir der stronach dem strache wieder stimmen wegnimmt.....

aber passt eh so...... das ist ja schon strohhalm klammern, hähä.......

Antiösterreichisch?

Warum jeder Autochthone, der sich zur deutschen Kulturgemeinschaft bekennt, sofort als antiösterreichisch eingestuft wird, ist mir unverständlich.
Bis 1938 war allen Parteien klar, daß Österreich ein deutscher Staat ist.
Wien war Jahrhunderte die eigentliche Hauptstadt des Deutschen Reiches.
Seit 70 Jahren wird nun versucht, das Erbe Österreichs vergessen zu machen.
Aber: Nur wer seine Wurzeln kennt, diese nicht verleugnet, kann sich aufrecht und stolz weiterentwickeln.


na, wenn sie lieber deutscher als österreicher sein wollen - ciao, baba, und foi ned.

mir sind italiener, tschechen, kroaten und co wesentlich lieber als das von ihnen (falsch) propagierte "kulturelle erbe".

ahja. noch eins. zwengs den wurzeln wärs: jeder durchschnittsösterreicher war vor 7 generationen ausländer. und zwar meistens mit wurzeln aus dem osten. ungarn, etc.

schmeckt nicht?

wurscht. die wahrheit schmerzt halt.

Re: na, wenn sie lieber deutscher als österreicher sein wollen - ciao, baba, und foi ned.

Deine Wahrheit kann nicht schmerzen, weil selbstgestrickt. Denn das mit deinen Wurzeln mag auf Wien zutreffen. Wien ist aber nicht Gesamtösterreich!

Wahrheit ist jedoch, dass sich die Vorarlberger kulturell mehr ihren alemannischen Brüdern in der Schweiz und in Schwaben verbunden fühlen, als den Wienern.

Wahrheit ist jedoch, dass sich die Tiroler kulturell mehr ihren Brüdern in Südtirol verbunden fühlen und mehr Bezug zu Bayern haben, als zu Wien.

Wahrheit ist jedoch, dass sich die Salzburger kulturell ebenfalls mehr den Bayern verbunden fühlen, so wie ein Teil der Oberösterreicher auch.

Und die Steyrer und Kärntner sind auch nicht gerade in Wien "verliebt"...

Und „Schmerzen“ dürften die auch alle so gut wie keine haben im Gegensatz zu den Wienern, die ja bekannt für ihre Raunzerei und Suderei sind, weil sie mit sich anscheinend nicht klarkommen oder ihnen andauernd was weh tut.

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Fichtenbauer

kann man so einstufen:

Ein Mann, ein Wort!

Re: Fichtenbauer

Bl-dmann?

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Fichtenbauer

könnte man so einstufen:
Ein Mann - ein Wort!

eher ein wörterbuch ohne quellenverzeichnis.


Trottelhaft

eine sehr gute Selbstbeschreibung.

So krass hätt ich das nicht formuliert. Aber wenn er meint.

ein ewiggestriger,

dieser fichtenbauer.
danke für das interview, jetzt wissen
wir, wie der allerwerteste denkt.

fpö halt. was soll man sagen....

ein ewiggestriger,

dieser fichtenbauer.
danke für das interview, jetzt wissen
wir, wie der allerwerteste denkt.

fpö halt. was soll man sagen....

sehr österreichisch.

novotny war bereits 1938 nsdap-mitglied. von ö. hielt er offensichtlich nicht viel.

und das hat er mit dem herrn f. gemeinsam. wenn er mit seinen burschi-freunden deutschtümeln will, dann soll er. aber nicht als österreichischer politiker.

tschau und ab in die brd. dort gefällts ihm sicher besser.

Re: sehr österreichisch.

Auch das ist eine dumme Argumentation. Denn wenn man alle damaligen NSDAP-Mitglieder als Menschen bezeichnet, die von Österreich nichts gehalten haben, dann weiß man anscheinend nicht, was damals wie "gelaufen" ist.
Und das Kürzel "BRD" gibt es auch nicht mehr, du musst also geistig irgendwo in den Zeiten des Kalten Krieges hängen geblieben sein.
Das erklärt auch deine hilflose Argumentation...

Arroganter Mensch

Und Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Das waren keine 3 Matches in der Unterliga, sondern beinharte Niederlagen. Aber es gibt ja nichts was man nicht verdrängen kann.

6 20

Waldmark

und ein unangefochtener Star
schon klar
in der Nachkriegszeit waren die alten Kader immer noch am Ruder,dazwischen hat sich etwas Normalität eingependelt,heute sind sie wieder lauter denn je
Österreich hat nie aufgearbeitet,traurig

Ad Fichtenbauer:

1) Fichtenbauer ist mir grundsätzlich sympathisch, seine Partei ist mir zuwider.

2) Um gegen Rot-Grün zu sein, muss man nicht FPÖ wählen.

3) Wenn man Fichtenbauers Waldmark anprangert, dann muss man jede MKV- und CV-Verbindung auch anprangern, denn der "deutsche" Gedanke spielt irgendwie bei jeder Korporation eine Rolle, was hingegen nicht die schlagenden Verbindungen rechtfertigen soll.

4) Es muss einem deutschsprachigen Österreicher genauso erlaubt sein, zu seiner Sprache und damit Kultur zu stehen, wie einem slowenisch- oder kroatischsprachigen Landsmann. Nur weil ich Deutsch spreche, bin ich ja kein Deutscher. Das müssen die Linken wie die Rechten einmal verstehen lernen!

Re: Ad Fichtenbauer:

1) versteh ich nicht, aber bitte;
2) stimmt, aber es gibt ja auch andere Kombinationen (für oder gegen die man sein kann);
3) seh ich auch so: ALLE Burschiverbindungen haben eine Tendenz zum deutschdümmeln;
4) Ich tu mir schon schwer eine explizit österreichische Kultur auszumachen. Servus sagen, ist ja wohl eine lateinische Kultur und unsere Küche haben wir von den Böhmen abgekupfert. Woran machen sie denn das 'Deutsche' fest? Die Sprache trennt uns doch viel mehr von den Deutschen, als dass sie uns verbinden würde ;)
Sind Amerikaner, Australier und Nigerianer ebenso 'englisch' wie wir/Sie 'deutsch'???

Re: Re: Ad Fichtenbauer:

wie hoch sind die haftstrafen für deutschtümeln und nach welchem paragraph wird verurteilt ?

Re: Re: Ad Fichtenbauer:

wie hoch sind die haftstrafen für deutschtümeln ?

Ich bitte sie

untertänigst um Verzeihung, dass ich Deutsch mag und dass es meine Muttersprache ist. Nochmals, Entschuldigung!

Nein, es liegt wohl an mir mich dafür zu entschuldigen, dass ...

... ich über Lagergrenzen hinweg Meinungsaustausch angeregt habe. Diese demokratische (Un?)kultur kann Ihnen offenbar nicht zugemutet werden...

Das einzige, was man mir nicht zumuten kann ist Dummheit!

Deswegen hab' ich mich auch entschuldigt.

"Das einzige, was man mir nicht zumuten kann ist Dummheit!"

Ach...?

Ich schätze es an Politikern,

wenn sie nicht den Weg des geringsten Widerstands wählen.

Fichtenbauer gibt sich smart, ist aber ein beinharter Naze !!!


Wer ihn kennt, weiß um seine "Gesinnung" !!!

 
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