Rosenkranz, oder: Anatomie einer Demontage

17.05.2013 | 18:27 |  Von Georg Renner und Thomas Prior (Die Presse)

Barbara Rosenkranz hat infolge der gescheiterten Landtagswahl nach Wochen innerparteilichen Drucks ihren Rücktritt als Landeschefin erklärt. Sie wird im Herbst Nationalrätin.

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Genau 75 Tage hat es gedauert, bis der Widerstand von Barbara Rosenkranz gebrochen war – und sich die Freiheitliche doch noch dem Wunsch von Heinz-Christian Strache beugte, wegen der Verluste bei der Landtagswahl am 3.März nach zehn Jahren von der Spitze der Landespartei Niederösterreich abzutreten.

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Bei einer Pressekonferenz am Rande einer Parteiklausur im Langenloiser Loisium, bei der viel von einer „gemeinsamen Lösung ohne Verlierer“ (Strache) die Rede war und davon, „der FPÖ eine Zerreißprobe zu ersparen“ (Rosenkranz), umrissen der Parteiobmann und die Noch-Landeschefin gestern einen Kompromiss, der beiden erlaube, „das Gesicht zu wahren“: Rosenkranz wird ihr Amt im Parteivorstand kommende Woche zurücklegen, noch im Juni soll ein außerordentlicher Landesparteitag einen neuen Vorsitzenden bestimmen – dass es der Kremser Anwalt und FPÖ-Nationalrat Walter Rosenkranz (eine zufällige Namensgleichheit) wird, gilt als fix.

Barbara Rosenkranz bleibt bis Herbst im Landtag und wird dann – wohl ein Entgegenkommen der Parteispitze an die zehnfache Mutter im Austausch für ihren „freiwilligen“ Rückzug – als Zweitgereihte auf der FPÖ-Landesliste (hinter Walter Rosenkranz) wieder in den Nationalrat einziehen. Der Listenplatz gilt als sicher, bei der letzten Nationalratswahl 2008 zogen sechs Mandatare aus Niederösterreich ins Parlament ein.

 

75 Tage Parteiintrigen

Ein Kompromiss, dem Wochen parteiinterner Intrigen vorangegangen waren. Schon um 19.11 Uhr am Abend der Landtagswahl, bei der die FPÖ von 10,5 auf 8,2 Prozent gefallen war, fordert ein bis dahin unbekannter Funktionär des freiheitlichen Seniorenrings den Rücktritt der Parteichefin: Schon lange gebe es „großen Unmut über ihren autoritären Führungsstil, ihre Allmachtsallüren, ihren Kontrollfetischismus (...)“, heißt es in dem offenbar lange vorbereiteten Mail, das an einen bemerkenswert umfangreichen Presseverteiler ergeht – von einer Vorfeldorganisation notabene, die sonst kaum aktiv Pressekontakte pflegt. „Eine Einzelmeinung“ sei dieses Mail, lautet die offizielle Parteilinie.

In den folgenden Tagen mehrt sich die Kritik: „Zu passiv“ sei Rosenkranz im Wahlkampf gewesen und im Zweikampf zwischen Erwin Pröll und Frank Stronach „zerrieben“ worden, erklärt Strache in Interviews, „Optimierungen“ seien notwendig. „Wir waren zu brav“, sekundiert Gottfried Waldhäusl, blauer Klubobmann im Landtag, der in der Folge einen Misstrauensantrag im Parteivorstand gegen Rosenkranz einbringt. Sie selbst erklärt da noch: „Ich bleibe.“

Nach einer Marathon-Parteivorstandssitzung am Donnerstag nach der Wahl – in Anwesenheit Straches – scheint das auch so zu kommen: Zwar soll Landesparteisekretär Martin Huber im Herbst abgelöst werden, Rosenkranz aber Klubobfrau und Parteichefin bleiben: „Sie hat ja auch ihre Stärken, warum sollte man auf eine solche Person verzichten?“, fragt Strache.

 

Kämpferposen und Andeutungen

Das bleibt der Stand bis Anfang April. Bei einer neuerlichen Sitzung muss Rosenkranz feststellen, dass sie über keine Mehrheit mehr im Parteivorstand verfügt. Ihr Parteisekretär Huber wird nun doch sofort abgesetzt, ihr selbst die Kompetenz für die Listenerstellung entzogen. Die 54-Jährige verlässt die Sitzung vorzeitig – seither kommt die Partei nicht mehr zur Ruhe.

Am vergangenen Wochenende eskaliert die Situation schließlich: Waldhäusl fordert offen Rosenkranz' Rücktritt, die „Wiener Zeitung“ berichtet unter Berufung auf "Parteikreise" Details zur Nachfolge in Gestalt von Walter Rosenkranz, Strache steuert via Facebook Andeutungen bei, etwa das Gedicht des deutschen Romantikers Emanuel Geibel: „Klug ist, wer stets zur rechten Stunde kommt, doch klüger, wer zu gehen weiß, wann es frommt.“

Als sich Rosenkranz am Montagvormittag per Pressekonferenz in Kämpferpose wirft („Ich lasse mir meine Ehre nicht abschneiden“) und ankündigt, nur einer Parteitagskampfabstimmung weichen zu wollen, ist wohl auch ihr schon klar, dass ihr Amt nicht mehr zu halten sein wird – es geht wohl noch darum, ihre Verhandlungsposition zu stärken, um den „Preis“ für ihren „freiwilligen Abgang“ in die Höhe zu treiben.

Einen ähnlichen Hintergrund dürfte auch die Information haben, dass bereits eine Mehrheit der Parteitagsdelegierten gegen Rosenkranz unterschrieben hätte, die mehreren Medien am Mittwoch gezielt aus Parteikreisen zugespielt wird – sodass am Donnerstag in allen Zeitungen davon zu lesen ist, als Strache und FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl Rosenkranz in Langenlois zum Rücktritt drängen. Mit dem bekannten Ergebnis, das sie gestern so kommentiert: „Nicht nur Dankbarkeit ist keine politische Kategorie – Glück auch nicht.“

Auch im Rest der Partei zeigt sich mancher nicht uneingeschränkt glücklich mit dieser Lösung. Die Befürchtung besteht, dass ein gedeihliches Nebeneinander im nächsten Nationalratsklub zwischen Strache, Kickl, Barbara und Walter Rosenkranz nur sehr eingeschränkt möglich sei. Allerdings meint ein „Parteifreund“: „Wir sind alle erwachsen, da muss man sich eben zusammenraufen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2013)

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77 Kommentare
 
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immer wieder "interessant", wie Journalisten versuchen,

der FPÖ und ihren Machenschaften, Bedeutung zuzuschreiben.
Die sind so mit sich beschäftigt, um irgendetwas in der österreichischen Politik oder gar international bewirken zu können. Außerdem fehlt ihnen Wissen und Kompetenz.
Generell stellt sich die Frage, wer braucht die substanzlosen Gesellen überhaupt?

Wer austeilt sollte auch einstecken können

die Blauen sind echt die Sissies der Nation

Re: Wer austeilt sollte auch einstecken können

„Viel Feind', viel Ehr'!“

Und im Schatten dieser Kalamitäten

War Baubeginn des Islamzentrums Dammstraße!

http://www.österreich.at/nachrichten/Islamzentrum-baut-Anrainer-laufen-Sturm/102073112

Bravo, Bravo

Und wieder einmal ein "verdienter" Funktionär, diesmal eben ein Frau, der (die) auf ein wohldotiertes Ausgedinge im Parlament verschoben wird. Und dies von einer Partei, die sich einmal lautstark dem Kampf gegen Postenschacher und Politprivilegien verschrieben hatte.

Re: Bravo, Bravo

Wirtschaftlich - die erfüllt gleichzeitig 2. Quoten

Was ihr wollt

Ihr Linken könnt posten was immer ihr wollt, aber Österreich braucht eine echte Protestpartei, die wichtige Themen anspricht auch wenn es Vielen nicht passt.

Re: Was ihr wollt

Warum soll ich wieder FPÖ wählen?
In der Regierung von Schwarzblau wurde nichts aber auch gar nichts "blaues" umgesetzt weder ein strenges Asylgesetz noch eine stärkere Kriminalitätsbekämpfung usw. usf.
Dort wo ich sie regional gewählt habe, haben sie sich nach der Wahl um Posten um Pfründe gegeiert - und eine bestenfalls mittelmäßige Leistung erbracht wiederum ohne auch nur eine Ankündigung zu verwirklichen.
Warum also?
Übrigens derzeit denke ich, ich werde nicht wählen gehen.

Re: Re: Was ihr wollt

Wer hat die Folgeregierung gehindert etwas umzusetzen?

Re: Re: Re: Was ihr wollt

Niemand aber von Rotschwarzgrün hat das auch niemand mehr erwartet, oder?
Von der FP schon.

Re: Re: Re: Was ihr wollt

Die Folgeregierung hat u.a. das Asylrechtsgesetz verschärft, die Zuwanderungszahlen gesenkt, usw., usw.


"Demontage"

Wenn bei den Schwarzen oder Roten einer stillschweigend in der Versenkung verschwindet (z. B Schüssel, Gusenbauer etc. etc.) dann ist es normal.
Bei den Freiheitlichen ists natürlich eine "Demontage".

12

Re: "Demontage"

Oder Pröll. Aber der arme war ja angeblich auch sehr krank.

$Meine Vorzugsstimme bei der Nationalratswahl


bekommt heuer sicher Barbara Rosenkranz!

Als Dank dafür, daß sie gegen die EU-Verfassung (Vertrag von Lissabon) gestimmt hat und weil sie die FPÖ gerettet hat!

Als Haider mit dem Rest der Verräterbande die FPÖ zerstören wollten und die Parteikasse geplündert haben!

Alle Anderen auch die Haider-Partie haben damals für unsere Entrechtung durch die EU-Verfassung gestimmt!

Ich bewerte Politiker nach ihren Taten, nich nach dem Blabla vor Wahlen!!!


Re: $Meine Vorzugsstimme bei der Nationalratswahl

Blaune unter sich

21

Liebe Beteiligte!!

Trotz alle Turbulenzen NICHT das gemeinsame Ziel aus den Auge verlieren!

Die Politischen Mitbewerber würden triumphieren!

Re: Liebe Beteiligte!!

da haben sie natürlich recht, aber die Demontage der guten Leute geht mir wirklich langsam auf den Zeiger

zusammemarbeit

wird ja eine lustige Zusammenarbeit im neuen Parlament die Freunde der Barbara Strache, Kickl, Rosenkranz in einem Club. Kann sich Club der seidenen Schlinge nennen.

Die FPÖ wollte und will nicht mehr "rechts" und "dagegen" sein und wurde beliebig.

Aber beliebige Parteien die sich um Posten und Pfründe geiern gibt es schon genug und die braucht keiner mehr.

Re: Die FPÖ wollte und will nicht mehr "rechts" und "dagegen" sein und wurde beliebig.

Man kann das aber auch "konservativ" und "oppositionell" nennen

Re: Re: Die FPÖ wollte und will nicht mehr "rechts" und "dagegen" sein und wurde beliebig.

Zugegeben ihr Wortwahl ist die elegantere und auch korrekter.

und der nächste für den ein gut bezahlter Versorgungsposten gefunden wurde

"ich lasse mir meine Ehre nicht abschneiden" aber abkaufen. Wie bei den blaunen üblich ein Mann ein Wort.

Re: und der nächste für den ein gut bezahlter Versorgungsposten gefunden wurde

Schmarren, Barbara Rosenkranz ist noch eine der wenigen Politiker mit Rückgrat und bringt immer vollen Einsatz

Re: Re: und der nächste für den ein gut bezahlter Versorgungsposten gefunden wurde

Deutschtümelei und Nähe zum Rechtsextremismus sind eher Attribute für Rosenkranz.

Rosenkranz raus, Rosenkranz rein

Der Zufall bringts auf den Punkt: Nix wird sich ändern! Postenschacherei, üble Intrigen, Hacklschmeisserei! Was sollte an dieser FP neu oder besser sein als in anderen Parteien? Weit und breit nix Neues, da kann man kickeln so viel man will...


6

Denken die Ffen etwa,

dass fleißiges Rotstricherln über die immer offenkundigere Banalität der FPÖ hinwegtäuschen kann bzw. die eigene Position stärkt?

Bitte um Antworten, keine roten Striche ;)

 
12 3

Das Bundesheer und sein Kampf ums Budget

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